Du stehst oben am Stadtplatz und schaust in die Menge
siehst Frauen und Kinder in regem Gedränge
Dein Stolz ist zerbrochen in den Tagen vor Gericht
am Anfang noch aufrecht, gestandest du nicht
doch bedroht und gefoltert schien dann alles egal
da war nur mehr Hoffnung auf ein Ende der Qual
und jetzt stehst du da oben, bespuckt und geschmäht
letzte lange Minuten, bis dein Leben vergeht
Gehorsam im Krieg auch Zivilisten zu morden
verdientest du dir den Tapferkeits-Orden
töten und siegen dem Vaterlande zur Ehr
hier heute am Stadtplatz zählt das alles nicht mehr
Hoch zu Ross kamst du zurück von der Front
viele Menschen am Weg haben den Helden erkannt
Männer, Frauen und Kinder… sie standen Spalier
an einem ähnlichen Tag, wie dem heutigen hier.
Am Abend eine Feier mit Unmengen Wein
mit Musik und mit Weibern, der Kaiser lud ein
doch plötzlich zog so ein Junker den Degen
du hast bloß reagiert und pariertest verwegen
schon lag dieser Herzog-Sohn tot am Boden
du warst schneller, doch jetzt: stehst du da oben
verhöhnt von den Leuten, den Kindern und Frauen
die drängeln und schreien und neugierig schauen
Anwesende Zeugen konnten leider nichts sehen
und Recht muss Recht bleiben man wird es verstehen
dem Kaiser geht‘s um des Herzogs Sohn
die Anklage „Mord“, man ahnte es schon
Verhöre und Fragen, und dumme Gesichter
vorhersehbar auch das Urteil der Richter
und ein Volksfest nun für Kinder und Frauen
die dem Spruch dieser Richter blind vertrauen
Du stehst oben am Stadtplatz die letzten Sekunden
dein Henker hat sich jetzt eingefunden…
Was hat diesen Herzog-Sohn besser gemacht?
Besser als all die Toten der Schlacht?
Der Mann war nicht mutig und zu langsam für dich
starb scheinbar am Schock und nicht an dem Stich
Du stehst und du siehst wie dein Henker sich rüstet,
wie Frauen und Kindern nach Vollstreckung gelüstet
Ein Raunen am Stadtplatz: „gleich wird‘s passieren!
Der Verurteilte wird seinen Kopf jetzt verlieren…“
Du blickst hoch zum Himmel, dann schließt du die Augen
bald wird der rollende Kopf nur noch zum Gaudium taugen
Kommt der Tod durch das Beil, oder durch den Befehl?
Der Henker hebt an, dann geschieht es sehr schnell
So stirb für deine Schuld an diesem Tapferkeits-Orden
und nicht für die Tat, wegen der sie dich ermorden.