Drittmittelprojekte

Graduiertenkolleg Vergegenwärtigungen (2015)

Vergegenwärtigungen Repräsentationen der Shoah in komparatistischer Perspektive

Zusammenfassung des Gesamtkonzeptes des Graduiertenkollegs

Das Kolleg entwickelt eine neue, komparatistische Perspektive auf ku?nstlerische Repräsentationen der Shoah seit der politischen Wende von 1989, die auch einen Paradigmenwechsel in der Erinnerungskultur und der ku?nstlerischen Auseinandersetzung mit der Shoah mit sich fu?hrte. Die traditionelle nach Ländern separierte Ausrichtung der Forschung entspricht weder den aktuellen Theoriedebatten noch dem transnational angelegten Kanon der Shoah-Repräsentationen. Deshalb will das disziplinär und medial vergleichend angelegte Kolleg Schwerpunkte in den USA, West- und Osteuropa setzen und die dort gefu?hrten Diskurse u?ber die Shoah miteinander in Verbindung bringen. Erstmals werden dabei in vergleichender Perspektive drei zentrale Themenkomplexe der Shoah-Repräsentation verglichen: Praktiken der Vergegenwärtigung, Interdependenzen nationaler und postnationaler Narrative sowie Dynamiken von Tabu und Tabubruch.

Das Projekt wird von der Landesforschungsförderung Hamburg gefördert (2015 – 2017)

Weitere Informationen siehe: http://www.gwiss.uni-hamburg.de/de/einrichtungen/graduiertenschule/vergegenwaertigungen-shoah.html

Forschergruppe Übersetzen und Rahmen. Praktiken medialer Transformation (2015)

Zusammenfassung

Übertragungen zwischen verschiedenen Medien sind eine zentrale Strategie von Kunst, populärer Kultur und Medienindustrie und ein wichtiger Forschungsgegenstand der Medienwissenschaften. Daran anknüpfend lenkt die interdisziplinäre Forschergruppe den Blick auf grundlagentheoretische Fragen medialer Transformationen und konzentriert sich auf eine bislang wenig diskutierte praxeologische Perspektive: auf Wahrnehmungs- und Aneignungsprozesse, die als Praktiken medialer Transformationen beschrieben und mittels der Leitkonzepte ‚Übersetzung‘ und ‚Rahmung‘ theoretisch gefasst werden. Ziel ist es, die Reichweite von Übersetzungs- und Rahmentheorien für kunst-, kultur- und sozialwissenschaftlich orientierte Medienforschungen auszuloten und diese Modelle für die medientheoretische und medienästhetische Forschung fruchtbar zu machen.

Teilprojekt: Authentizität Transformieren. Übersetzen und Rahmen als Praktiken des dokumentarischen Films in medialen Milieus

Das geplante Projekt befasst sich mit den Transformationen des dokumentarischen Films als Praktiken des Übersetzens und Rahmens in unterschiedlichen medialen Milieus. Diese werden als stabile, repetierbare Formen des Zusammenspiels von heterotypischen Akteuren (Programme, Konventionen, Institutionen, menschliche Individuen usw.) verstanden, die bei der Produktion, Distribution und Rezeption von Medienprodukten interagieren und jeweils von medialen, kulturellen und situationalen Bedingungen geprägt werden. Dokumentarische Filme haben sich (u.a. im Zuge der Digitalisierung) in ganz unterschiedliche mediale Milieus ausdifferenziert (Kinofilme, Industrie- und Lehrfilme, YouTube-Clips, Reality TV etc.), in denen das audiovisuelle Material jeweils milieutypische Bearbeitungsprozesse des Übersetzens (insbesondere von Plausibilisierungskriterien) und des Rahmens durch mediale Formatierungen durchläuft. Übersetzen und Rahmen werden dabei als transitorische Akte begriffen, die in fortlaufende Prozesse der medialen De-, Re- und Neukontextualisierung eingebettet sind und je auch zu medialen Modalisierungen von Authentizitätsanspru?chen, d.h. zur Produktion von Sinn, eingesetzt werden. Das Projekt zielt dabei auf die Analyse der konkreten, praxeologisch zu untersuchenden Interaktionen der Akteure in medialen Milieus, der Transformationen des Wechselspiels von Darstellung und Wahrnehmung und nicht zuletzt auch der Korporalität und Materialität dieser Prozesse.

Neuere wissenschaftliche Diskurse zum dokumentarischen Film (u.a. Nichols 2001, Hißnauer 2011, Niney 2012) sehen vor allem in der Performativität und den Kommunikationskontexten von Dokumentarfilmen konstitutive Faktoren. Das ‚Dokumentarische‘ erscheint nunmehr als historisch wandelbarer Verständigungsbegriff, der durch eine auf Paratexte gestützte ‚dokumentarisierende Lektüre‘ – im Sinne des Semio-Pragmatismus (Odin 1998) – eingeleitet wird. Dabei geraten auch die Praktiken des dokumentarischen Films selbst als konstituierend für seine Bedeutung in den Blick. Es geht bezogen auf die konkreten Praktiken des Dokumentarischen um die Frage, wie in den jeweiligen medialen Milieus Produktions- Distributions- und Rezeptionsprozesse gestaltet werden, wie das Material ästhetisch den medialen Rahmungen angepasst und insbesondere auch Sinn- und Referenzansprüche auf Authentizität jeweils so übersetzt werden, dass sie stabil gehalten oder sinnstiftend als different konstituiert werden können. So wird z.B. von Ereigniszeugen mit Handykameras aufgezeichnetes audiovisuelles Material in YouTube-Clips anders verwendet als etwa in einer Kinodokumentation. Dabei geht es nicht allein nur um allgemeine Bearbeitungsprozesse, sondern vor allem um die Übersetzung von Glaubwürdigkeitskriterien in unterschiedliche mediale Milieus, deren Analyse mediale Konventionen, kulturelle Gewohnheiten und davon abweichende situationale, sich fortlaufend verändernde Rahmungen berücksichtigen muss.

Das Projekt wird von der Landesforschungsförderung Hamburg gefördert (Laufzeit 2015 – 2017).

DFG Forschungsnetzwerk Erfahrungsraum Kino (2014)

Das sich überwiegend aus jungen Wissenschaftlern zusammensetzende Netzwerk „Erfahrungsraum Kino“ untersucht seit 2011 die Umbrüche des Wahrnehmungsdispositivs der Filmerfahrung in Bezug auf den architektonischen und sozialen Ort des Kinos. Das Netzwerk macht es sich zur Aufgabe, den Transformationen des Nutzungs- und Wahrnehmungsdispositivs Kino nachzuspüren. Dem Arbeitsthema nähert sich das Netzwerk aus den verschiedenen filmwissenschaftlichen Arbeitsbereichen Geschichte, Theorie und Ästhetik. Die methodischen und theoretischen Ansätze sind empirisch, filmanalytisch, phänomenologisch und rezeptionstheoretisch. Das Forschungsthema wird in drei Sektionen behandelt: Sektion I. untersucht die Filmerfahrung hinsichtlich des sozialen Orts Kino; Sektion II. betrachtet die Filmrezeption zwischen Wissenserwerb und Sinnesreizung sowie die Hybridisierung dieser an sich schon multivalenten Erfahrung durch neue Wahrnehmungsangebote innerhalb der Filmästhetik; Sektion III. widmet sich den Herausforderungen des Dispositivs Kino vor dem Horizont neuer digitaler Medien und den damit einhergehenden Transformationen und Neuabstimmungen. Auf diese Weise sollen die Umbrüche im Hinblick auf den Zuschauer und seine Rezeptionserfahrung transparent gemacht und analysiert werden.

The research network “Cinema as Experience Space” consists mainly of young scholars investigating the changes of the cinematic dispositif. Their focus lies on exploring the film experience with regard to the architectural and social space of the movie theatre. The network’s task is to trace the transformations of the cinematic dispositif in terms of experience and use. The approaches of the network come from different areas of film studies: history, theory and aesthetics. The methodical and theoretical approaches include empirical, film analytical, phenomenological analyses as well as reception theory. The research project consists of three sections: Section I explores the film experience in terms of the cinema as a social space. Section II examines the film reception between knowledge acquisition and sensory stimulus as well as the hybridization of this multivalent experience by new offers of perception within film aesthetic. Section III deals with the transformations and adjustments of the cinematic dispositif in the light of new digital media. In doing so the transformations with regard to the spectator and his reception experience shall be made transparent und analysed.

Abschlusskonferenz

Vom 04. bis 06. Juli 2014 wird in Hamburg die Abschlusskonferenz des Forschernetzwerks stattfinden. Für die Keynotes konnten Francesco Casetti, Thomas Elsaesser, Martin Loiperdinger und Melvyn Stokes gewonnen.

DFG Forschungsprojekt „Geschichte des dokumentarischen Films 1945 – 2005“ (2012) (Laufzeit 2012-2018)

Filmische Annäherungen an die Wirklichkeit

Forschungsprojekt zur deutschen Dokumentarfilmgeschichte beginnt

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Förderung des Forschungsprojektes „Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland (1945-2005)“ als Langfristvorhaben bewilligt. Das Kooperationsprojekt der Universitäten Bonn und Hamburg und dem Stuttgarter Haus des Dokumentarfilms als Initiator ist auf insgesamt acht Jahre angelegt. Das Gesamtbudget beträgt über 2,5 Mio. Euro und ist damit im Moment bundesweit das größte Projekt im Bereich Filmgeschichte. Das Projekt wird gemeinsam geleitet von Prof. Dr. Ursula von Keitz (Universität Bonn), Prof. Dr. Thomas Weber (Universität Hamburg) und Dr. Kay Hoffmann vom Stuttgarter Haus des Dokumentarfilms, der auch die Gesamtkoordination übernimmt.

Das Projekt schließt an das 2005 abgeschlossene Forschungsprojekt zur Dokumentarfilmgeschichte vor 1945 an, das ebenfalls unter der Federführung des Haus des Dokumentarfilms realisiert wurde. Von Herbst 2009 bis Januar 2011 wurde ein Pilotprojekt zum jetzt genehmigten Vorhaben durchgeführt, das von Dr. Kay Hoffmann, Prof. Dr. Ursula von Keitz und Prof. Dr. Kerstin Stutterheim (HFF Potsdam) geleitet wurde.

Ziel des Langfristvorhabens ist die systematische Erforschung und historiografische Gesamtdarstellung der Dokumentarfilmproduktion nach 1945. Damit wird eine Forschungslücke geschlossen, denn bisher gibt es nur verschiedene Detailstudien, aber keinen Gesamtüberblick. Das Projekt folgt dabei dem Ansatz der New Film History. Im Mittelpunkt stehen nicht nur einzelne Autoren und Filme, sondern auch ihre gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Kontexte sowie die Produktionsbedingungen und -zusammenhänge. Es geht dabei um dokumentarische Filme, die eine ästhetische Gestaltung und einen gesellschaftspolitischen Anspruch erkennen lassen, der sie von der Masse standardisierter und der Tagesaktualität verpflichteter Produktionen unterscheidet. Der Begriff des Dokumentarischen und des Dokumentarfilms wie auch das Selbstverständnis von Filmemacherinnen und Filmemachern sind in dieser Periode von einem starken Wandel gekennzeichnet. Dem entsprechen intensiv geführte ästhetische Debatten und filmtheoretische Auseinandersetzungen, die maßgeblich durch angloamerikanische und französische Einflüsse angestoßen wurden.

Das Forschungsprojekt umfasst folgende drei Teilprojekte:

  1. Produktions-, Distributions- und Technikgesichte unter Leitung von Dr. Kay Hoffmann (Haus des Dokumentarfilms)
  2. Künstlerische Programmatiken, Diskursgeschichte sowie Praktiken und Modi des Dokumentarfilms unter Leitung von Prof. Dr. Ursula von Keitz (Universität Bonn)
  3. Analyse zentraler Themen und ihre ästhetischen Umsetzung unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Weber (Universität Hamburg)

Der untersuchte Zeitraum ist geprägt von wichtigen politischen Zäsuren: Nach dem Wiederaufbau und der Bildung zweier souveräner Staaten sind dies der Mauerbau 1961 und die deutsche Wiedervereinigung 1990. Im technischen Bereich ermöglichten 16 mm-Kameras mit Synchron-Ton ab Anfang der 1960er Jahre neue dokumentarische Stile und Ausdrucksformen. Man war nicht mehr an unhandliche

35 mm Kameras gebunden und ein ästhetischer Neuanfang im Zeichen von Direct Cinema und Cinéma Vérité wurde möglich.

Erstmals sollen ost- und westdeutsche Produktionen miteinander verglichen und nicht getrennt behandelt werden. Im Sinne des Oberhausener Manifests war der westdeutsche Dokumentarfilm vom Autorengedanken geprägt. Bei der DEFA arbeiteten die Dokumentarfilmer eingebunden in Kollektive und Studiostrukturen, getragen, aber auch abhängig von staatlichen Rahmenbedingungen; doch auch dort entwickelten Filmemacher ihre eigenen Handschriften. In den 1990er Jahren ist ein weiterer Umbruch durch die Verwendung kleiner Digitalkameras und die Digitalisierung der Produktion allgemein zu konstatieren. Die Dokumentarfilmproduk-tion professionalisiert sich zudem durch die Etablierung regionaler, bundesweiter und europäischer Filmförderinstrumente. Zudem ist eine kommerziellere Ausrichtung der Produktion beobachtbar. Der Dokumentarfilm erobert sich das Kino zurück.

Ansprechpartner:

Gesamtkoordination und Leitung Teilprojekt 1

Dr. Kay Hoffmann, Haus des Dokumentarfilms, Mörikestr. 19, 70178 Stuttgart, Tel: 0711/ 997 808 14, e-mail: kay.hoffmann@dokumentarfilmforschung.de, www.dokumentarfilmforschung.de

Leitung Teilprojekt 2

Prof. Dr. Ursula von Keitz, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Sprach-, Medien- und Musikwissenschaft, Poppelsdorfer Allee 47, 53115 Bonn, Tel. 0228/ 73 5653, e-mail: keitz@ifk.uni-bonn.de

Leitung Teilprojekt 3

Prof. Dr. Thomas Weber, Universität Hamburg, Institut für Medien und Kommunikation, Von-Melle-Park 6, 20146 Hamburg, Tel. 040/ 42838 27 35, e-mail: thomas.weber@uni-hamburg.de