Musikalische Begabung ist das jedem Menschen in unterschiedlichem Maße angeborene, durch die Umwelt beeinflusste und durch Übung zu entwickelnde Potential, Musik emotional zu erleben, geistig zu verstehen und durch Singen, Spielen, Komponieren, Improvisieren schaffen zu können.“ (Gembris, 2010, S. 51).
Insbesondere im Bereich des Übens hat das Konzept der Deliberate Practice (Ericsson et al., 1993) die Begabungs- und Wunderkindvorstellungen relativiert und zu einem Perspektivenwechsel von der Vererbung zur Aneignung geführt. Die kontinuierlich eingesetzte Übezeit korreliert mit dem Zuwachs von erlangten Fähigkeiten in der geübten Disziplin. Lehmann (Lehmann, 1997) ergänzte die Wirkung der reinen Übezeit mit weiteren wichtigen Faktoren wie Konzentration, absichtsvolles Üben, Lern- und Lehrstrategien (Üben).
Musik- und neuropsychologische Erkenntnisse zeigen, dass das musikalische Begabungspotential eine Entwicklung durchläuft, die sich neurobiologisch in einer Verminderung der Synapsenverbindungen bis zum 9. Lebensjahr zeigt (Gordon, 2007; Jäncke & Altenmüller, 2012).
Das bedeutet nicht, dass danach keine Leistungssteigerung mehr möglich ist, vielmehr kann die Höhe der Leistung durchaus noch im Rahmen der Reifung und als Folge intensiven Trainings zunehmen (Gruhn & Seither-Preisler, 2014).