Imitationslernen (Lernen am Modell): Jemand macht etwas vor, die anderen machen es nach. Dieser unmittelbare Prozess gehört zu den Reiz-Reaktionsmustern: Auf einen Stimulus folgt eine Reaktion. Im Musikunterricht wird diese Form des Lernens oft als Modeling bezeichnet, wobei die Lehrperson ihre Modellrolle bewusst einsetzt, um Lernende zur Nachahmung von ihr intendierten musikalischen Parametern zu bewegen. Imitationslernen funktioniert auf einer sehr basalen Ebene. "Es ist nicht auf eine hohe Bewusstseinsstufe und auch nicht auf Langzeitgedächtnisinhalte angewiesen, um eine Handlung zu generieren» (Spychiger 2010, S. 55). Für diese Form des Lernens ist es nicht erforderlich, dass die Lernenden audiieren (Audiation), Noten lesen oder schreiben können oder über anderes spezifisches Wissen in Musik verfügen.
Nachgeahmte akustische Ereignisse gelangen in die phonologische Schleife (vgl. dazu Hoffmann/Engelkamp 2013, 121f.) des Arbeitsgedächtnisses, wo sie entweder fallen gelassen oder tiefer verarbeitet und schliesslich im Langzeitgedächtnis abgelegt werden. Aus neurobiologischer Sicht korreliert das Imitationslernen mit den Spiegelneuronen, welche im Gehirn der zuschauenden und zuhörenden Person aktiv werden und möglicherweise begünstigen, dass Gehörtes und Gesehenes (Gestik, Mimik und Bewegungen, usw.) nachgeahmt werden kann (Hoffmann/Engelkamp, 2013, S.68).