Blogeintrag – 06. Mai 2026
Es gibt Tage im Imkerjahr, die schreibt man sich ins goldene Buch der Erfahrungen.
Und dann gibt es Tage, die schreibt man besser in ein Comedy‑Drehbuch.
Meine erste Honigernte gehört eindeutig in beide Kategorien.
Der Plan war klar:
Sechs Herold‑Zargen Deutsch Normal, also 6 × 12 Rähmchen, macht 72 Waben, die auf zwei Seiten entdeckelt werden wollen.
Klingt machbar.
Dachte ich.
Vorher.
Am Abend zuvor hatte ich fein säuberlich die Bienenfluchten eingesetzt.
Am nächsten Morgen:
Drei Beuten perfekt leer, wie aus dem Lehrbuch.
Und die anderen drei?
Nun ja… sagen wir so: Die Damen hatten beschlossen, dass Regeln nur Empfehlungen sind.
Also durfte ich abfegen, und zwar mit der Eleganz eines Mannes, der so tut, als hätte er alles unter Kontrolle.
Das Entdeckeln begann motiviert, präzise und voller Hoffnung.
Nach etwa der Hälfte war ich dann endlich warmgelaufen – und die Technik wurde tatsächlich besser.
Blöd nur, dass da schon 72 Wabenseiten hinter mir lagen.
Dann kam die Schleuder.
Meine Handschleuder.
Ein Gerät, das sich anfühlt wie ein Kinderkarussell auf dem Dorfplatz, das dringend in Rente möchte.
72 Rähmchen später wusste ich:
Ich habe jetzt Oberarme wie ein mittelmäßig trainierter Schmied –
und meine Schleuder hat endgültig bewiesen, dass sie ihre besten Jahre hinter sich hat.
Zwischen Entdeckeln, Schleudern, Putzen, Kleben, Wischen und klebrigen Fußböden vergingen 8 Stunden, in denen ich mehrfach überlegt habe, ob Honig wirklich flüssiges Gold ist… oder flüssige Rache.
Die Gemeinderatssitzung musste an diesem Tag leider ausfallen.
Ich war körperlich anwesend – aber geistig irgendwo zwischen Wabe 38 und 39 verloren gegangen.
Als der letzte Tropfen im Eimer war, war ich zwar erledigt, aber glücklich.
Und wie jeder gute Imker nach seiner ersten großen Ernte habe ich sofort einen neuen Plan geschmiedet:
Ausrüstung optimieren. Aufrüsten. Nachrüsten. Alles. Sofort.
Denn die restliche Frühtracht wird bald erntereif –
und dann soll das Ganze erfahrener, effizienter und deutlich weniger wie ein Fitnessstudio ablaufen.
„Und damit habe ich nun offiziell ein komplettes Imkerjahr hinter mir – jeden Schritt einmal durchlaufen, zumindest theoretisch. Praktisch gesehen habe ich eher das Gefühl, dass die Bienen mich ausbilden und nicht umgekehrt. Aber gut… Erfahrung ist Erfahrung – auch wenn sie klebt.“ Es bleibt spannend.