Am Ende kommt alles ganz anders...
Hätte mir jemand am Anfang gesagt, was ich am Ende für Okulare auslege, hätte ich laut aufgelacht.
Ein TSWA32, drei Skywatcher UWA "Goldkante", und ein 15mm Beipack Okular beim 200mm Newton, das wars. Gegenüber zwei Huygens und einem Mittenzwey Okular, die ich in meiner Jugend gehabt habe, ein immenser Aufstieg! Das Bildfeld viel größer, und wie mir schien, auch recht scharf zum Rand hin. Mit einer Abstufung 32/20/15/9/6mm eigentlich für alle Fälle versorgt, konnte die Beobachtung beginnen.
Doch der Appetit kommt mit dem Essen. Zum Glück war der Newton mit 1:5 nicht sehr kritisch, bei 1:4 hätte ich vermutlich schon früher aufgestockt.
Das Eine gibt das Andere
Dann hab ich mir einmal gute kurze Okulare gegönnt. Ein Speer Waler 13.4 hat die Lücke zwischen 9mm und 20mm Goldkante gefüllt und war so schön scharf und weitwinkelig. Daher haben die 6 und 9mm Goldkanten bald einem SW Zoom 5-8mm weichen müssen. Uups, war das Okular groß und schwer, 600g!
Bei einer Aktion von TS hab ich mir dann ein "endgültiges" Weitwinkel Okular gegönnt, das 31mm Nagler. Da war ich schon vorgewarnt, es trägt nicht umsonst den Beinamen Handgranate und ist mit einem Kilo ein Test für den Okularauszug und die Balance des Dobsons.
Als besserer Nachfolger für das 20mm UWA war ein Hyperion 21mm gedacht. Es hat mich aber am 1:5 Newton enttäuscht. Etwas besser am Rand, dafür aber der Einblick unangenehmer und das Bildfeld eher kleiner. Erst am 1:4 Newton hat es sich absetzten können, ist aber noch immer das hässliche Entlein in meinem Koffer. Zwischen 32mm TSWA und 13.4mm Speer Waler hat es einen schweren Stand gehabt. Damit war es auch ein heisser Kandidat für den Ersatz durch ein Nagler. Aber da sind gerade die 100° Okulare von Explore Scientific herausgekommen, und die waren nur etwas teurer als ein Nagler.
Am Anfang hat mich das ES 20 enttäuscht. Zwar recht scharf bis zum Rand, und ein schier nicht enden wollendes Gesichtsfeld. Aber irgendwie unruhig, ich hab immer wieder versucht nachzufokussieren. Dann hab ich auf Verdacht hin meinen ersten Komakorrektor bestellt, einen zweilinsigen Skywatcher. Mit Korrektor war dann das Bild so, wie ich es mir gewünscht hab: scharf bis zum Rand. Zum Apo auf der Vereinssternwarte fehlt natürlich immer noch was, aber dafür geht dem bei den schwächeren Objekten das Licht aus.
Größenvergleich
Die 20mm Klasse:
Das 20mm Huygens fehlt leider im Bild, verschenkt an jemanden, der noch einen kleinen Okularauszug hatte. Das RK ist am Newton mäßig, das 20mm UWA "Goldkante" gefällt mir auch heute noch gut. Das Hyperion 21? Na ja, nicht Fisch und nicht Fleisch. Jedenfalls für seine Leistung zu groß und es kann sich von der Goldkante nicht wirklich absetzen. Und das ES20 ist das unangefochtene Aufsuchokular im 16" Dobson und im 4" Kometensucher.
Die 30mm Klasse:
Das TSWA32 bietet gegenüber einem 30mm Plössl (rechts) schon deutlich mehr Bildfeld. Das 31mm Nagler rechts hat noch etwas mehr Bildfeld, aber vor allem bessere Bildqualität am Rand. Zusammen mit einem Komakorrektor ist es dann fast perfekt. Verglichen mit dem Unterschied zwischen Hyp21 und ES20 erscheint der Sprung von TSWA32 auf N31 deutlich kleiner.
Das dicke Ende
Weitwinkel Okulare machen süchtig! Das scharfe Bild fast bis zum Rand, das ein Linsenstapel von 15 Linsen in 9 Gruppen(!) bietet, ist die Sünde wert. 80° hätten es auch getan, aber man gönnt sich ja sonst nichts :-). Leider wird dadurch dadurch der Okularkoffer ziemlich schwer, am Bild sieht man fast 5kg Okulare (incl. Paracorr II).
Die Abstufung 31mm/20mm/14mm/9mm/5-8mm Zoom passt mit Paracorr optimal zum 400mm 1:4.5 Dobson, von 67x bis 400x oder 1 bis 6mm Austrittspupille. Mit dem Skywatcher Korrektor geht es bis 58x und 6.9mm AP, da setzt bereits meine Pupille die Grenze. Oft macht aber leider selbst das 9mm keine rechte Freude mehr, wenn die Luft wieder einmal mäßig ist. Die Augenmuscheln wurden übrigens alle durch Baader Augenmuscheln ersetzt, ich mag die Klappen einfach lieber als einen runden Ring.
Meist beobachte ich von 100 bis 200x, 2-4mm AP. Das 31mm Nagler kommt nur bei sehr gutem Himmel oder mit O3 Filter zum Einsatz. Und am anderen Ende kommt für Planeten eher der Binokularansatz rein, da hab ich weniger Probleme mit der Luftunruhe.
Zum Vergleich mein kleinstes Spiegelteleskop und das dickste Okular im Paracorr:
Das 75mm F4 Spiegelteleskop ist nur knapp größer als Okular und Paracorr, beim Gewicht gewinnt jedoch das Okular klar! Mein großer Dobson verträgt zum Glück beides am Hut, ohne sich zu verneigen. Für ein Reisefernrohr ist das aber keine Option mehr, aber da wäre auch der Okularkoffer schon etwas schwer.
Nachlese
Ich liebe gute Weitwinkel Okulare, hab aber auch kein Problem damit, mit weniger guten zu beobachten. Solange man vorwiegend in Bildmitte beobachtet, und den Rand nur indirekt anschaut, tut es auch ein Erfle oder sonstiges Weitwinkel Okular.
Der Astigmatismus am Rand stört mich erst, wenn ich auf der Jagt nach einem kleinen Objekt den Rand absuche und dann lauter Kandidaten für einen Kometen oder planetarischen Nebel sehe. Und kaum in Bildmitte, sind es wieder Sterne! Bei großen schwachen Nebeln dagegen ist die Schärfe zweitrangig, da zählen Transmission und Bildfeld.
In die Urlaubskiste schafft es keines der großen Okulare. Erstens sind sie mir zu groß und zu schwer. Hinzu kommt noch, daß Salz, Sand oder Rotwein auch nicht die richtigen Pflegemittel für Okulare sind, im Urlaub gehts schon mal etwas lockerer zu.
Ausblick:
Ich bin ja schon wieder am überlegen, die Zusammenstellung zu ändern: Oben könnte gar 31Nagler+Paracorr2 durch ein 25mm ES 100° mit Skywatcher Korrektor ersetzt werden. Gibt wegen der faktoren (1,15 Paracorr, 0,95 Skywatcher) die selbe Vergrößerung und noch mehr Bildfeld. Werde aber mal auf die ersten Erfahrungsberichte warten.
Für hohe Vergröserungen steht noch eine komakorrigierende Barlow Linse zur Verfügung. Da könnte am kurzbrennweitigen Ende die Linsenzahl wieder sinken. Abbe oder Plössel und Barlow, 6Linsen, 3 Gruppen, sollten eigentlich reichen.
Derzeit bin ich dabei, mir 3 Okularsätze zusammenzustellen:
1) hochwertigen Weitwinkelokulare, die zusammen mit dem Paracorr zwar perfekt abbilden, aber mit 1.5kg auch das Teleskop entsprechend belasten
2) Leichte moderate Weitwinkelokulare, die nicht über 0.4kg schwer sind und damit gut zum Reisedobson passen. In den kürzeren Brennweiten werden es wohl auch 82° Okulare werden
3) Okulare für das neue Binoteleskop, da setzt der Aussendurchmesser die Grenze.