Für den Skywatcher 100/900 Refraktor hab ich mir zur Sonnenbeobachtung nach längerer Überlegung ein Herschel Prisma geleistet. Die Baader Folie war mir doch auf Dauer zu nervig, und etwas mehr Kontrast war auch gefragt. Vor allem hätte ich auch mit Folie einen neuen Folienhalter gebraucht, der alte von Teleskop Austria hat nur 70mm freie Öffnung. Was beim FH 100/500 geholfen hat, ist natürlich bei einem ED kontraproduktiv.
Auswahl
Es gibt ja einige Herschelprismen am Markt, 1.25" und 2". Visuell mit einem Okular hätte ja 1.25" gereicht, aber eigentlich will ich mit Binokular beobachten und eventuell auch fotografieren. Da ist halt 1.25" schon etwas zart, den Binoansatz stecke ich sonst auch nicht in einen 1.25" Zenitspiegel. Und am Ende hat der Click Lock Anschluß und das universelle Programm mit Adaptern den Ausschlag gegeben: Baader Herschelprisma fotografisch. Nicht ganz billig, aber es ist (fast) alles dabei was man braucht.
Und wie so oft bei einer Neuanschaffung: Umbau angesagt. Nicht das Prisma, das ist ok! Aber es hat so viel Lichtweg, daß ich mit Okular oder Bino den Fokus nicht mehr erreichen konnte. Ich hätte natürlich tricksen können, ohne Baader Click Lock am Refraktor wäre es sich vielleicht noch ausgegangen, macht aber wenig Sinn. Daher schnell alle gewünschten Konfigurationen durchgemessen und dann den Refraktor abschneiden.
Konfigurationen mit dem Herschelprisma:
Spiegelreflex Kamera über T2 Adapter
Astrolumina IMG0H Kamera mit 2" Anschluss
Okulare 2" und 1.25"
Binoansatz mit Siebert Barlow Linse
Nach Kontrolle der einzelnen Konfigurationen war schnell klar, daß etwa 24mm Backfokus über dem Herschelprismas zur Verfügung stehen sollten, ähnlich wie ich auch den FH 100/500 ausgelegt habe.
Für die Spiegelreflex Kamera gibt es von Baader einen Adapter #27 auf T2, der statt dem Clicklock aufgeschraubt wird und dann nur 10mm zusätzlichen Backfokus braucht. Davon war auf der TS Seite nichts zu lesen, sonst hätte ich ihn wohl mitbestellt.
Bei der Astrolumina IMG0H hab ich wieder mal vergeblich im Manual gesucht, wo die Fokuslage im Bezug auf den 2" Anschluss liegt. Wäre zu einfach, wenn der Hersteller so was dazuschreibt. Aber ein Blick auf die Kamera hat gezeigt, dass der Sensor nicht weit hinter dem 2" Anschlag liegt. Das Gehäuse ist ja auch nur 27mm dick. Beizeiten werde ich den genauen Ort über den C-mount Anschluss ermitteln oder herausmessen, aber im Moment reicht mir das Wissen, dass die Kamera weniger Backfokus braucht als meine Okulare.
Bei den Okularen ist wieder mal das Speer Waler Zoom 5- 8mm die Grenze, alle anderen brauchen wenig Backfokus.
Der Binoansatz hat mir zuerst Sorgen gemacht. Mit der Siebert Barlow vom Multimag GWK und einer Hülse braucht er fast 50mm Einstecktiefe ab 2" Anschlag. Zum Glück hat das Herschelprisma 54mm von der Filteroberfläche bis zum Anschlag. Passt! Da eventuell noch andere Konfigurationen des Multimag in Frage kommen (ganze Sonne?), eher etwas Reserve einplanen.
Vermessen des Refraktors mit Herschel Prisma
Zum Vermessen des Refraktors wurde ein Okular mit dem gewünschten Backfokus in den Adapter geklemmt. Dann der Click Lock Adapter vom Refraktor abgeschraubt und das Prisma direkt hinter das Auszugsrohr gehalten. Der Abstand war fast Null mit scharfen Bild, also sollte Kürzen um 30mm reichen, das ist die optische Länge des Click Lock Adapters.
Kürzen des Refraktors
Vom Refraktor wurde zuerst das Objektiv und dann der Okularauszug abgeschraubt. Das Rohr wurde der Einfachheit halber auf der AZ3 Montierung belassen, und nur in den Schellen weitergedreht.
Zuerst wurde mit dem Messchieber im Abstand von 30mm von der Hinterkante des Rohres eine Linie angerissen. Auf das aufgeklebte Typenschild konnte keine Rücksicht genommen werden, jetzt ist es halt nur mehr ein Teleskop, kein ED, und Öffnung und Brennweite incognito. Ablösen und wo anders aufkleben war unmöglich.
Dann wurde grob nach der Linie mit der Metallsäge geschnitten, mit etwa 1mm Zugabe. Mit Schleifblock und Flex wurde der letzte Millimeter entfernt, dabei mit dem großen Metallwinkel und einer Platte Ebenheit und Rechtwinkeligkeit kontrolliert. Noch eine kleine Fase innen und aussen aufgeschliffen und probeweise der Okularauszug ein wenig hineingesteckt, um die Löcher anzureissen.
Am Ende Löcher bohren, innen und aussen ansenken. Reinigung unter dem Wasserstrahl, da ich keine Pressluft habe, mit dem Föhn getrocknet und dann Endmontage. Die Schrauben passen, obwohl ich von den ursprünglichen 5mm Löchern auf 4mm gegangen bin. Möglicherweise muß ich zum Justieren noch ein wenig auffeilen.
Vermessen nach dem Umbau
Der gewünschte Backfokus wurde fast erreicht, ca. 22mm statt 24mm Vorgabe. Eventuell ist auch ein kleiner Messfehler mit der Brennpunktlage des verwendeten William Optics Okulars.
Mit dem Binoansatz wird jetzt der Fokus leicht erreicht, da ist noch kräftig Reserve. Soll auch so sein, siehe oben. Am Ende hab ich das voll ausgeleuchtete Feld kontrolliert, ist ja bei einem langen Okularauszug nicht selbstverständlich. Ca. 17mm, passt für Sonne, Mond und Planeten. Ich könnte den Okularauszug kürzen, dann wäre mehr drinnen. Aber für Weitwinkelbeobachtungen steht ja der FH100/500 zur Verfügung und hoffentlich bald das Bino 120/600.
Justage des Okularauszugs mit Laser oder Cheshire steht noch aus, ebenso Test mit der Kamera. Das hat ein andermal Zeit.
First Light
Obwohl die Sonne schon tief steht, zeigt der Refraktor die Details der Sonnenoberfläche viel deutlicher als zuvor. Die Luftunruhe stört, aber die Granulation tritt viel deutlicher hervor und die Fackelgebiete zeigen mehr Kontrast als zuvor. Die grüne Sonne durch den Filter ist ungewohnt, aber nicht störend.
Was aber 100mm statt 70mm Öffnung ist, was eine saubere Folie ohne Störstellen bringt und was der Solar Continuum Filter bringt, hab ich nicht auseinandergeklaubt. Das kann ich nach der Justage mal im Detail vergleichen, bei dem etwas diesigen und wechselhaften Himmel macht es sowieso kaum Sinn.
Jedenfalls ein voller Erfolg, damit macht Sonnenbeobachtung Spaß.