Wer mich kennt, weis: wenn ich mir etwas baue oder kaufe, beginnt vorher eine lange Überlegung. Beim Reisedobson war es nicht anders. Schon vor langer Zeit kam der Wunsch auf, ein Urlaubs Fernrohr zu haben, möglichst groß, aber klein zu verpacken. Da führt nichts an einem Dobson vorbei.
Wunsch und Wirklichkeit
Aber wie sollte er aussehen, wie groß, wie schwer und wie robust? Bald war klar: Ziel ist weniger ein Teleskop für Flugreisen sondern eine mobile Sternwarte, die ich in den Urlaub mitnehmen kann, die aber auch aufs Fahrrad passt. Mobile Sternwarte, das heisst: Feldstecher, Atlas, Lampe, Sessel, Kleidung und als Krönung ein Dobson mit Okularkoffer.
Das spielt es leider nicht: 16" Dobson am Fahrrad.
So maximal 20 kg darf die Ausrüstung haben, und muß auf Gepäcksträger, in Seitentaschen und eventuell im Rucksack verschwinden. Dabei muß jedes Teil schon ausreichen stabil sein, viel Verpackung darf nicht dazukommen. Ich will mit dem Zeug ja noch ein paar Kilometer von der Stadt weg und einige hundert Höhenmeter rauffahren.
Also mal gerechnet und geplant. So 1.6kg für den Feldstecher, 1.5kg für einen Hocker, ein Faltstuhl mit 5kg ist einfach nicht mehr drin. Vielleicht eine Iso Matte. Dazu etwa 4kg Kleidung, um nicht zu frieren, 2kg Okularkoffer, Atlas, und ca. 10 kg für den Dobson.
Die Suche
Selber basteln wäre wohl im Prinzip möglich. Aber viel Detailarbeit, manche Irrwege und meine Zeit ist begrenzt. So wollte ich diesmal eher ein fertiges Gerät kaufen, vermutlich wird es früher oder später ein wenig modifiziert.
12" wären wohl schön, aber dann doch etwas zu groß und zu schwer. Das 12" LiteScope hätte zwar vom Gewicht her noch gepasst, aber 1:4, horizontaler Einblick, wenig Lichtschutz und wenig Schutz beim Transport war dann wohl das Aus. Zwischendurch ist mir sogar eines günstig gebraucht angeboten worden, aber mir liegt das Konzept nicht ganz.
Ein klassischer Dob gefällt mir besser, mit der Möglichkeit, einen Lichtschutz anzubringen, wenn die Umgebung ein wenig heller ist. Und 1:5 Öffnungsverhältnis, damit man mit leichteren Okularen auskommt. Die Ausrüstung sollte ja auch nicht zu teuer werden, sondern eher etwas minimalistisch. Das verbietet auch das Schielen auf einen dünneren leichten Spiegel. Ein Einblick unter 45° von oben ist mir sympatisch, da kommt man am Boden mit einem kleinen Falthocker aus. Der kann zur Not auch mit dem Feldstecher genutzt werden.
Nach längerem Suchen wurde bei SUMERIAN OPTICS ein passendes Gerät gefunden. GSO Optik, 9.5kg, 30 x 35 x 15cm Packmaß, ansprechende Mechanik und ein günstiger Preis. Michael Kalshoven hat mir auch gleich klar gemacht, daß ein so kleiner Reisedob kein großes Nagler oder Binokular verträgt, ohne Probleme mit der Balance zu bekommen. Nach einiger Überlegung hab ich mich für das Gerät entschieden.
Erste Eindrücke
Zusammenbau und ein kurzes First Light mit Pepi Gschiel bei Mondenschein gaben einen ersten Eindruck: Ist der aber zart und leicht! Kein Wunder, mein 16" Dob hat 45kg. Aber wie bereits vorher geplant: Der Traveldob wird wieder der Start einer leichten Umbauaktion, einige Punkte sind bereits klar, andere werden erst in der nächsten Zeit dazukommen.
Der Okularauszug (Antares Helical 2") ist Schrott, eher wackelig, und nur knapp über 3 mm pro Umdrehung. Auf den Bildern bei TS hat der besser ausgesehen, so kann man sich täuschen! Da kommt ein Kineoptics HC2 hin. Und der Skywatcher Peilsucher wird durch einen Rigel ersetzt, der im Moment noch am 16" sitzt.
DIe beiden langen Okulare sind schon klar, TSWA32 und Panoptic 24. Beim Rest wird es wohl noch die eine oder andere Änderung geben. Neben der optischen Qualität ist da auch Gewicht und Baugröße ein wichtiges Thema.
Doch nun zurück zum Dobson! Das Transportmaß ist doch ein wenig größer als geplant. Die Holzkiste hat 40*31.5*16cm, jeweils über die Kofferecken gemessen, oder 46*32*17cm über alles, mit Griff, Verschlüssen und Beinchen. Wenn die Umlenkung für den Gummizug montiert bleibt, kommen auf einer Seite nochmals 1.5cm dazu. Das Gewicht ist auch 1.5 kg höher als ursprünglich genannt: 10.1 kg für die Kiste und 0.93 kg für Stangen und Blendschutz, gesamt also 11.03 kg. Allein Rockerbox und Unterteil, also der Aussenteil der Transportkiste, haben zusammen 3.25 kg. Da wäre mit geringerer Materialstärke noch was zu holen gewesen.
Dafür macht das Ganze einen recht robusten Eindruck, da ist die Optik beim Transport gut geschützt. Einen entsprechenden Rucksack werde ich mir erst suchen müssen, da kommt die Kiste mit ins Geschäft. Heute hab ich vergeblich in drei Geschäften gesucht, Laptop Rucksäcke sind gerade ein wenig zu klein, Hochgebirgsrucksäcke sind heutzutage auch nur mehr schmal erhältlich.
Die teilbaren Stangen sind recht weich. Aber wenn man den Dob nur am Spiegelkasten und am Hut angreift, merkt man nichts davon. Der Okularauszug ist mit zwei Rohren zusätzlich zum Hut hin abgestützt. Mit dem TSWA 32 oder Panoptic 24 ist der Dobson gut ausgewogen, mit Gummizug verträgt er sogar den Binoansatz. Aber das ist die Grenze (ca. 800g), Paracorr und Nagler 31mm hab ich erst gar nicht versucht.
Der Blendschutz ist ein einfacher Schaumstoff, da kommt noch ein Velour drauf, sonst ist er mir zu hell. Die Rockerbox wird innen auch noch schwarz gestrichen, sie ist deutlich heller als die Wiese und durch den Okularauszug sichtbar. Mehr hab ich nicht vor, der Dobson soll ja nicht unter einer Strassenlaterne aufgebaut werden. Und ein vollständiger Shroud als Streulichtschutz hat einfach zuviel Segelfläche. Höher gelegene Plätze mit Horizontsicht können ganz schön windig sein.
Das 24mm Panoptic ist eigentlich ein ideales Übersichts Okular für so einen Reisedobson. Bei 1:5 noch gut korrigiert, ausreichend Bildfeld, und doch klein und leicht.
Mit einem Hocker ist auch das Beobachten horizontnaher Objekte bequem möglich, der EEInblick von schräg oben ist da eine große Erleichterung gegenüber einem horizontalen Einblick.
Verpacken ist wie Tetris spielen: am Ende müssen alle Teile wieder in die Kiste passen. Da ist derzeit sogar ein wenig Platz übrig. Mit einer anderen Fangspiegelbefestigung hätten vielleicht sogar zwei Okulare Platz ;-). Mit etwas Übung ist es gar nicht so schwer: die Teile haben Bohrungen und Stiftschrauben. Wenn es passt, sind die übereinander liegenden Teile dadurch fixiert. Die Kiste ist übrigens überraschend stabil: 15mm Multiplex als Aussenschicht, ich hätte da etwas weniger erwartet.