Ein Newton Teleskop hat vor allem einen Bildfehler, die Koma. Solange die Okulare nicht gut genug sind, ist die Koma visuell kaum ein Thema, der Astigmatismus der Okulare ist auffälliger. Das heißt nicht, daß die Koma ganz fehlt, aber sie verschwindet, wenn man sie nicht direkt sucht. Ich bin lange ohne Komakorrektor ausgekommen, an Newtons bis zu f4.5. Aber mit dem 20mm Explore Scientific Okular hat sich das geändert.
Vignettierung an der Adaption
Nachdem klar war, daß ein Komakorrektor her muß, sind vor allem der Baader MPCC und der Skywatcher Korrektor in Frage gekommen. Beide sind zweilinsige Ross Korrektoren, bauen kurz und sind recht preisgünstig. Der Unterschied liegt vor allem in der Okularseitigen Adaption. Der Baader setzt auf T2 Gewinde (M42*1), der neuere Skywatcher auf des Filtergewinde M48. Ein kurzer Vergleich in Oslo gerechnet hat gezeigt, daß am Bildfeldrand des 31mm Nagler der Unterschied in der Ausleuchtung massiv wird. Da die Daten der beiden Korrektoren nicht vorliegen, wurde mit dem Korrektor gerechnet, der im Buch Telescope Optics veröffentlicht wurde. Die Resultate dürften aber bei den beiden Korrektoren recht ähnlich sein.
Rechts ist der Eintritt in das Auszugsrohr (Als senkrechte Linie) dargestellt, das schattet bereits deutlich ab. Nach Durchtritt durch die beiden Linsen muß das Strahlenbüschel durch die M42 Adaption (Linie links der Linsen) treten, bevor es ganz Links die Bildebene erreicht. Diese entspricht der Feldebene des N31 Okulars und ist mit 41.5mm deutlich größer als die 39mm freie Öffnung, die ein M42 Gewinde hat.
Im Bild sieht man die Strahlen, die bereits Fangspiegel und die Vorderlinse des Korrektors passiert haben. Grün sind jene Strahlen eingezeichnet, die auch noch durch eine M42 Adaption passen, die roten werden dort abgeschattet. Bei M48 (45mm Kreis) sieht es besser aus, da wird nur ein kleiner Teil der Strahlen abgeschattet. Am Rand des 31mm Nagler Okulars (rechts, 100%Feld) beträgt die Ausleuchtung bei M42 ca. 25%, bei M48 ca. 70%. Bei 90% Feld steigen die Zahlen auf etwa 45% bezw. 75% an.
Da war die Enscheidung klar: die M48 Adaption bringt deutliche Vorteile, am Rand geht enfach mehr Licht durch
Skywatcher Korrektor
Der Skywatcher Korrektor dürfte derzeit der 2" korrektor mit der minimalen Vignettierung sein. Als 2 Linser ist er kurz, und mit der M48 Adaption bietet er den maximal möglichen Durchgang.
Aber bei meinem Newton bin ich damit nicht mehr ganz in den Fokus gekommen, der Stoppring am Korrektor hats verhindert. Linsen abgeklebt, Mini Fräser her, danach die Feile und weg war dieser RIng! Jetzt passt der Korrektor als Vorsatzlinse vors Okular, der Abstand wird mit leeren M48 Filterfassungen eingestellt. Zum Glück sind da meine beiden langbrennweitigen Okulare, N31 und ES20, praktisch gleich.
Bei höherer Vergrößerung (unter 14mm Okular) zeigt der Korrektor leider sphärische Aberration, wie jeder zweilinsige Ross Korrektor. Dort ist nur mehr ein mehrlinisger Korrektor möglich, ab drei Linsen stehen genügend Freiheistgrade zur Verfügung.
Paracorr II
Ich hab mir dann den Paracorr II geleistet. Am f4,5 Newton hätte es natürlich auch ein Paracorr I getan, aber den gibt es nur visuell oder fotografisch. In der Zwischenzeit übrigens nur mehr gebraucht.
Der Paracorr schlägt zwei Fliegen auf einen Schlag: er korrigiert die Koma, und er legt den Fokus kräftig heraus. Damit ist auch auf einem visuell ausgelegten Newton Fotografie mit einer normalen Spiegelreflexkamera möglich. Das vignettefreie Bildfeld reicht für die APS C Kameras, an f4.5 sind ca 23mm Bildfeld voll ausgeleuchtet.
Er hat aber gegen den Skywatcher auch Nachteile: Die Brennweitenverlängerung 1,15x macht aus einem 31mm Nagler Okular ein 26mm Nagler. Nicht viel, aber doch deutlich. Und das vignettierungsfreie Bildfeld ist klein, visuell trifft das vorwiegend das 31mm Nagler, fotografisch die Vollformat Kameras.
Paracorr II visuell (oben) und fotografisch (unten)