2016-11-03:
Besichtigung der Brunnenanlage Pfaffing und des Hochbehälters Karlstetten
Hr. Ing. Thomas Goll von EVN-Wasser hat für Mitglieder der AWGHAIN eine Besichtigung der Brunnenanlage Pfaffing und des Hochbehälters Karlstetten organisiert. Durchgeführt wurde die Besichtigung vom EVN-Wasser-Mitarbeiter Hrn. Grobmüller der auch geduldig und fachkundig alle Fragen ausführlich beanwortete.
Geographische Lage:
Die Brunnenlage Pfaffing befindet sich westlich von Pfaffing (bei Hafnerbach) in unmittelbarer Nähe der Kläranlage des Abwasserverbands Pielachtal an der Mündung des Kremnitzbaches in die Pielach. Die umliegenden landwirtschaftlichen Flächen sind (zumindest auf dem Papier) "wasserrechtliches Schongebiet".
Die Brunnenlage Pfaffing befindet sich in einem Überschwemmungsgebiet. Während einer Überschwemmung kann kein Trinkwasser gefördert werden!
Der Hochbehälter Karlstetten befindet sich nördlich von Karlstetten am Wachtberg (Göttweiger Straße, L5132).
Technische Daten der Brunnenanlage:
Brunnendurchmesser: 60cm (gebohrter Brunnen mit innenliegenden geschlitzten Nirostarohr mit 60cm Durchmesser)
Brunnentiefe: 10m (d.h. es wird Grundwasser entnommen)
Wasserspiegel 4...5m
Pumpenleistung: 3 Tauchpumpen mit jeweils 7,5kW Leistung (Betriebsdauer ca. 40000 Std.)
Förderleistung: 30 Liter pro Sekunde (ca. 100m3 pro Std.)
Leitungsdruck: ca. 11 bar (Drucksteuerung in Flinsbach, der ursprünglich geplante 200m3-Hochbehälter Flinsbach wurde nicht gebaut)
Technische Daten des Hochbehälters Karlstetten:
Speichervolumen: 3000m3 (damit könnte das ganze Versorgungsgebiet auch bei Ausfall der Brunnenanlagen einen Tag lang versorgt werden).
Aufteilung: Der Speicher ist in 2 Kammern zu 1500m3 geteilt die von der Brunnenanlage Pfaffing und/oder der Brunnenanlage Palt befüllt bzw. entleert werden können.
Entkeimung:
Nach den Problemen mit Fäkalbakterien im Grundwasser im Sommer 2016 wurde die Brunnenanlage Pfaffing stillgelegt und bis Mitte Oktober 2016 eine UV-Entkeimungsanlage eingebaut (Anm.: bisher wurde nur bei Bedarf mit Chlordioxid entkeimt). Im Zuge des Einbaus der UV-Entkeimungsanlage wurde auch die gesamte Verrohrung im Brunnenhaus erneuert. Die UV-Entkeimungsanlage ist immer in Betrieb!
Überprüfung der Wassergüte:
Die Wassergüte wird nach behördlichen Vorgaben (nur) 4 mal jährlich(!) von einem unabhängigen Labor überprüft. Bei "Problemen" wird die Wassergüte wöchentlich überprüft. Ein Prüfvorgang, d.h. die Zeit zwischen Probenentnahme und Ergebnis, dauert 3 Tage.
Versorgungskonzept:
Über den Hochbehälter Karlstetten ist die Brunnenanlage Pfaffing über eine Leitung mit der Brunnenanlage Palt gekoppelt. Bei Ausfall eines Brunnes kann der verbleibende Brunnen die Wasserversorgung übernehmen (Anm.: Wenn beide Brunnen gleichzeitig ausfallen gibt es "ein Problem"). Im Normalfall versorgt die Brunnenanlage Pfaffing die Gemeinden:
Obritzberg-Rust-Hain
Karlstetten
Wöbling
Statzendorf
Prinzersdorf
Obergrafendorf
Im Versorgungsgebiet der Brunnenanlagen Pfaffing und Palt gibt es noch die Hochbehälter Höbenbach, Oberfucha und Krustetten. Die Brunnenanlagen und die Hochbehälter werden von der EVN-Dienststelle Böheimkirchen aus ferngesteuert.
Leitungsverluste:
Die gemessenen Leitungsverluste (im EVN-Wasser-Netz und nicht in den Ortsnetzen!) betragen weniger als 10%. Da die Genauigkeit der Wasserzähler bei 5% liegt kann schon die Ungenauigkeit der Zähler im schlechtesten Fall zu einen Messfehler von 10% führen. Die tatsächlichen Leitungsverluste sollen kleiner als 5% sein.
Strom-Notversorgung:
Die Brunnenanlage Pfaffing kann bei Stromausfall mit einem (im Bedarfsfall erst heranzuschaffenden) 30kW-Stromerzeuger versorgt werden.
Sonstiges:
In Blindleitungen (z.B. Hydranten) können sich Keime bilden und müssen daher mind. 1 mal jährlich gespült werden.
Die Befüllung von Schwimmbädern über Hydrant sollte vermieden werden da die automatische Drucküberwachung durch die langanhaltende große Entnahmemenge ein "Leitungsleck" meldet.
Resümee:
Die Brunnenanlage Pfaffing liegt im Talboden von Pielach und Kremnitzbach weshalb Grundwasser in ausreichender Menge vorhanden ist.
Im unteren Pielachtal wird Intensivlandwirtschaft mit allen bekannten negativen Auswirkungen auf die Güte des Grundwassers betrieben.
Bei Starkregen (wie im Sommer 2016 öfter passiert) wird die auf den um- und höherliegenden Feldern der Brunnenanlage Pfaffing ausgebrachte Gülle undPflanzenschutzmittel schnell in das Grundwasser eingespült.
Die Brunnenanlage Pfaffing liegt im Überschwemmungsgebiet der Pielach. Während und eine Zeitlang nach Überschwemmungen kann das Grundwasser nicht als Trinkwasser genutzt werden.
Da die Wassergüte nur alle 3 Monate(!) überprüft wird können Verunreinigungen des Trinkwassers im schlechtesten Fall bis zu 3 Monaten unentdeckt bleiben.
Der für die Förderung und Verteilung des Trinkwassers erforderliche technische, finanzielle und organisatorische Aufwand ist enorm und für die Verbraucher im Normalfall nicht sichtbar.