"Science Writing": Mensch-Spinnentier-Beziehungen
"Science Writing": Mensch-Spinnentier-Beziehungen
"Science Writing" zum Thema Mensch-Spinnentier-Beziehungen und der Bedeutung von Spinnen und Skorpionen für den Menschen...
Webspinnen (Ordnung Araneae) und Skorpione (Ordnung Scorpiones) bilden zusammen mit elf weiteren Ordnungen die extrem diverse Klasse der Spinnentiere (Arachnida). Allein die Webspinnen stellen mit rund 53.700 (World Spider Catalog; Stand Februar 2026) beschriebenen Arten eine der artenreichsten Tiergruppen überhaupt dar. Und damit besitzen Spinnentiere natürlich auch eine äußerst wichtige Rolle im Ökosystem - so vertilgen alle Spinnen der Welt schätzungsweise 400-800 Mio. Tonnen Beutetiere (Nyffeler & Birkhofer, 2017) und damit aus menschlicher Sicht Unmengen an Insekten, welche uns ansonsten lästig wenn nicht sogar schädlich werden könnten.
Darüber hinaus werden viele Spinnentiere von uns Menschen auch direkt "genutzt": Gerade die sehr groß werdenden Arten der Spinnenfamilie Theraphosidae, die sog. Vogelspinnen, oder einige Arten der Skorpionfamilie Scorpionidae werden in einigen Entwicklungsländern von der lokalen Bevölkerung als Nahrungsmittel gegessen, während sie in vielen Industrieländern äußerst beliebte Haustiere in der Terrarienhaltung darstellen. Seit der Entdeckung, dass Gifte von Spinnentieren ein breites Arsenal bioaktiver Substanzen enthalten, werden zudem die Gifte diverser Spinnentiere intensiv beforscht. Mit dieser Forschung erhofft man sich neue Substanzen zu entdecken, die beispielsweise als Arzneimittel in der Humanmedizin oder als Insektizide in der Landwirtschaft eingesetzt werden können.
Fritierte Vogelspinnen und Skorpione an einem Straßenstand in Kambodscha
Die Vogelspinne Omothymus violaceopes in Drohhaltung
Trotz dieser überwiegend positiven Eigenschaften lösen viele Spinnentiere bei weiten Teilen der Bevölkerung aber eine eher abneigende Haltung oder sogar Ängste bis hin zu sog. Arachnophobien aus. Dies könnte mitunter dadurch angeheizt werden, dass sich die öffentliche Wahrnehmung oftmals nur auf die vermeintliche "Gefährlichkeit" gewisser Spinnentiere beschränkt - und es hierbei mit der Wahrheit offenbar auch nicht sonderlich genau genommen wird: In einer erst kürzlich im Fachjournal PEOPLE AND NATURE erschienenen Studie wurden mehr als 300 Zeitungsartikel untersucht, in denen es um Spinnen ging. Dabei zeigte sich, dass etwa 70% dieser Artikel fehlerhafte Angaben enthielten, 32% dieser Artikel neigten zu einer übertriebenen, sensationslustigen Darstellungsweise und praktisch für keinen der Artikel wurden Spinnentier-Experten konsultiert (Mammola et al., 2020). Und selbst die Angaben in der medizinischen Fachliteratur sind oftmals nicht verlässlich, da bis zu 80% der Publikationen auf veralteten und/oder ungeeigneten Methoden basieren (Stuber & Nentwig, 2016).
Wie viele andere Tiergruppen leiden auch Spinnentiere unter der fortschreitenden Umweltzerstörung durch den Menschen (Branco & Cardoso, 2020). Nun gehören Spinnen und Skorpione nicht gerade zu den typischen Flagschiffarten, mit denen sich Artenschutzkampagnen begründen lassen. Dennoch sollten sie als wichtiger Teil von Ökosystemen nicht gänzlich außer Acht gelassen werden. Schon gar nicht sollten sie aufgrund falscher Darstellungen ihrer vermeintlichen Gefährlichkeit noch schneller ausgerottet werden. Mehr Sachlichkeit und Aufklärung wäre daher wünschenswert...
Zitierte Literatur:
Branco, V. V. & Cardoso, P. (2020): An expert-based assessment of global threats and conservation measures for spiders. Glob. Ecol. Conserv. 24, e01290.
Mammola, S.; Nanni, V.; Pantini, P. & Isaia, M. (2020): Media framing of spiders may exacerbate arachnophobic sentiments. People Nat. 2, 1145– 1157.
Nyffeler, M. & Birkhofer, K. (2017): An estimated 400–800 million tons of prey are annually killed by the global spider community. Sci. Nat. 104, 30.
Stuber, M. & Nentwig, W. (2016): How informative are case studies of spider bites in the medical literature? Toxicon 114, 40-44.
World Spider Catalog 2026. Version 27. Natural History Museum Bern, online unter http://wsc.nmbe.ch, abgerufen am 17.02.2026. doi: 10.24436/2.
Andere weiterführende Informationen und Quellen werden in den Artikeln dieser Homepage vorgestellt.