Aktuelles zum Feuersalamander
Aktuelles zum Feuersalamander
Text und Abbildungen von Tobias J. Hauke
Gift...
Feuersalamander sind giftig. Anders als bspw. Schlangen, Spinnen oder Skorpionen fehlt ihnen aber ein Beiß- oder Stech-Apparat, mit dem das Gift „aktiv“ verabreicht werden kann. Daher zählen Feuersalamander zu den „passiv“ giftigen Tieren. Wie auch bei anderen giftigen Tieren üblich stellen die Hautgifte der Feuersalamander komplexe „Cocktails“ aus zahlreichen verschiedenen, chemischen Komponenten dar. Dazu zählen Steroide, biogene Amine, Peptide oder Proteine. Die bedeutendsten Komponenten der Salamander-Hautgifte sind aber Steroid-Alkaloide (siehe Abbildung unten) wie Samandarin (1), Samandaron (2) oder O-Acetylsamandarin (3). Erst kürzlich konnten zudem mit O-(S)-3-Hydroxybutanoylsamandarin (4) und Samanon (5) zwei weitere Moleküle dieser Naturstoffgruppe aus Feuersalamander-Gift isoliert und deren chemische Struktur aufgeklärt werden (Knepper et al., 2019).
Diese Steroid-Alkaloide wirken gegenüber vielen Wirbeltieren neurotoxisch, v.a. krampfauslösend. Wie zuvor schon erwähnt, fehlt es den Salamandern aber an einer Möglichkeit das Gift auch aktiv injizieren zu können. Um überhaupt vergiftet zu werden, müsste ein Mensch den Feuersalamander also schon in den Mund nehmen oder sogar verschlucken. Vorsicht sollte lediglich bei offenen Wunden geboten sein sowie mit den Augen, schließlich kann der Feuersalamander sein Gift über geringe Entfernungen verspritzen. Während also der Feuersalamander für den Menschen in aller Regel völlig harmlos ist, sollten Hundebesitzer deutlich vorsichtiger sein: Ein ins Maul genommener Feuersalamander kann beim Hund durchaus schwere, schlimmstenfalls sogar tödliche Vergiftungen hervorrufen (Lüddecke, 2019). Darüber hinaus haben Salamander-Gifte auch antimikrobielle Eigenschaften. Sie dienen also somit wohl nicht nur dem Schutz vor Fressfeinden, sondern könnten auch dazu beitragen die Salamander-Haut gegenüber potentiellen Infektionskrankheiten zu schützen.
Chemische Strukturformeln der Steroid-Alkaloide aus Salamander-Hautgiften: Samandarin (1), Samandaron (2), O-Acetylsamandarin (3), O-(S)-3-Hydroxybutanoylsamandarin (4) und Samanon (5). Zeichnung mit ChemDraw: Tobias Hauke
Und Seuche...
Leider wirkt dieser Schutz des Giftes anscheinend nicht gegenüber allen Krankheitserregern und so gibt es noch einen weiteren, wenig erfreulichen Grund, warum der Feuersalamander gerade zum "Höhlentier des Jahres 2023" gewählt wurde und sowohl in der Wissenschaft als auch in diversen Medienberichten derzeit große Aufmerksamkeit bekommt: Neben der ohnehin schon fortschreitenden Lebensraumzerstörung durch den Menschen breitet sich nun auch noch eine für Salamander meist tödlich verlaufende Seuche in Deutschland aus, welche die Feuersalamander-Populationen massiv unter Druck setzt. Verantwortlich dafür ist der Pilz Batrachochytrium salamandrivorans, kurz Bsal. Dort, wo er auftritt, konnten bereits wahre Massensterben an Feuersalamandern beobachtet werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich natürliche Resistenzen gegen diesen Pilz entwickeln oder die Ausbreitung von Bsal auf anderen Weg gestoppt werden kann. Dies kann aber nur gelingen, falls wir – Naturfreunde und Wanderer – selbst einen Beitrag leisten und entsprechend vorsichtig sind: So ist es für den Fortbestand des Feuersalamanders essentiell wichtig, dass wir nicht versehentlich selbst zum Überträger dieser Krankheit werden. Zu diesem Zweck sollten die Schuhe vor dem Besuch eines Feuersalamander-Biotops gründlich gereinigt und idealerweise desinfiziert werden und die Feuersalamander selbstverständlich nicht berührt werden. Für den schlimmsten Fall wird aber auch schon an einem „Plan B“ gearbeitet: Die Artenschutz-Initiative „Citizen Conservation“ hat den Feuersalamander bereits in ihr Erhaltungszuchtprogramm aufgenommen, sodass der Fortbestand dieser tollen Tierarten zumindest schon mal in menschlicher Obhut sichergestellt zu sein scheint (Citizen Conservation, 2022).
Literatur
Citizen Conservation (2022): Internetseite von Citizen Conservation, online: https://citizen-conservation.org/, abgerufen: 18.09.2022.
Knepper, J.; Lüddecke, T.; Preißler, K.; Vences, M. & Schulz, S. (2019): Isolation and identification of alkaloids from poisons of fire salamanders (Salamandra salamandra). J. Nat. Prod. 82, 5, 1319–1324.
Lüddecke, T. (2019): Über das Hautgift beim Feuersalamander. Feldherpetologisches Magazin 11, 9-16.
Dieser Text ist Teil eines von mir geschriebenen Artikels, der ursprünglich in der Zeitschrift Reptilia erschien:
Hauke, T. (2023): Auf Feuersalamander-Suche in der Schwäbischen Alb. Reptilia 28 (2), 66-70.
Danksagung: Ich möchte mich bei Dr. Witold Lapinski für nützliche Tipps zum Auffinden der Feuersalamander und bei Dr. Tim Lüddecke für kritische Anmerkungen zum Manuskript bedanken.