Hermann Alfred Virsik wurde am 07. Februar 1918 in Friedland in Böhmen (Tschechien) geboren. Er wuchs bei seiner Mutter auf, sein Vater ist unbekannt. Seine Mutter starb im Jahr 1921, als Hermann 3 Jahre alt war. Danach kam er als Vollwaise in das Waisenhaus „Birkstein" in Böhmisch-Leipa. Hermann besuchte von 1924 bis 1932 die dortige Volksschule. Nach seinem Schulabschluss ging er mit 14 Jahren bei einem ortsansässigen Hufschmied für drei Jahre bis 1935 in die Lehre. Anschließend arbeitete er bis 1938 in verschiedenen Orten in der Tschechoslowakei.
Nach der Annektion der Sudetengebiete 1938 wurde Hermann als 20-Jähriger vom Arbeitsamt Böhmisch-Leipa zum Reichsarbeitsdienst (RAD) verpflichtet. Dort wurde er gemustert. Im Rahmen des RAD wurde Hermann zur Arbeit an Autobahnen und in Ziegeleien im Deutschen Reich verpflichtet. Diese Arbeitsstellen verließ er bald. Er lebte währenddessen vermutlich ohne feste Wohnung. Ihm wurde vorgeworfen, einem Kollegen den Wochenlohn gestohlen zu haben. Dafür wurde er im Januar 1939 vom Amtsgericht Radeberg zu 3 Wochen Gefängnis in Dresden verurteilt. Nach seiner Entlassung im Februar 1939 baute er sein Leben in Dresden neu auf und knüpfte Freundschaften und Beziehungen zu Personen, die als homosexuell galten. Er lebte in wechselnden Wohnungen in der Stadt. Hermann soll die ihm durch das Arbeitsamt Dresden zugewiesenen Stellen „aus fadenscheinigen Gründen“ wieder verlassen haben.
Er soll stattdessen durch homosexuelle Prostitution Geld verdient haben. Dies brachte ihn in Konflikt mit der Verfolgung von Homosexuellen durch die Kriminalpolizei und Gestapo. Die Dresdner Polizei überwachte gezielt öffentliche Bedürfnisanstalten. Ziel war aus ihrer Sicht die Verfolgung von Homosexuellen nach § 175 StGB. Aufenthalte dort galten als Indiz für homosexuelle Prostitution. Hermann Virsik wurde im August 1939 dort verwarnt. Danach folgten kurze Haftstrafen, zuletzt im Oktober 1939. Ihm wurden weitere Straftaten wie Erpressung vorgeworfen, ohne dass es zu einer Anklage kam.
Nach seiner Haftentlassung ging er um der Verfolgung in Dresden zu entgehen, mit seinem Freund nach Leipzig und wohnte dort im Hotel „Rheinischer Hof“ [gelegen in der Blücherstr. 17, heute Kurt-Schumacher-Str.]. Am 19. Oktober 1939 wurden beide dort, auf Hinweis der Kriminalpolizei Dresden, von der Kriminalpolizei Leipzig wegen des Vorwurfs Erpressung auf sogenannter homosexueller Grundlage festgenommen. Er bestritt diese Vorwürfe, während sein Freund geständig war. Die Kriminalpolizei Leipzig hatte keine Beweise gegen Hermann.
Der Erlass zur vorbeugenden Verbrechensbekämpfung vom Dezember 1937 ermöglichte es der Polizei, Hermanns als „bisheriges asoziales, arbeitsscheues und die Allgemeinheit als Strichjunge gefährdendes Verhalten“ beschriebenes Leben zu kriminalisieren. Daher sprachen sie am 23. Oktober 1939 eine Verwarnung bei Fortführung seines Lebenswandels aus. Ihm wurde polizeiliche Vorbeugehaft mit Deportation in ein KZ angedroht. Als die Kriminalpolizei bei ihm eine Geschlechtskrankheit feststellte, wurde er der Gesundheitsbehörde unterstellt. Zur Behandlung wurde Hermann in das Krankenhaus St. Jakob [heute Universitätsklinikum, gelegen zwischen Jacobstr. und Rosentalgasse] gebracht. Dort wurde er erneut verhört. Er blieb bei seiner Unschuld. Im Anschluss an seine Genesung am 23. November 1939 wurde er aus dem Krankenhaus von der Kriminalpolizei vorgeführt. Auf der Dienststelle wurde Hermann am gleichen Tag in polizeiliche Vorbeugehaft genommen. Begründet wurde dies u.a. damit, dass er im Verhör wiederholt gesagt haben soll, Arbeit sei nur für die Dummen da. Eine Besserung im Sinne der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“ sei bei Ihm daher nicht zu erwarten.
In den folgenden neun Monaten wurde Hermann in drei Konzentrationslager deportiert: im Dezember 1939 nach Sachsenhausen, im Januar 1940 nach Mauthausen und im August 1940 nach Dachau. Am 2. März 1942 wurde Hermann im Rahmen der „Sonderbehandlung 14f13“ – zur gezielten Tötung „arbeitsunfähiger“ Häftlinge in KZ – nach Schloss Hartheim (Österreich) gebracht und dort noch am selben Tag mit dem Gas Kohlenmonoxid ermordet. Nach seinem Totenschein starb Hermann im KZ Dachau mit 24 Jahren, am 7. April 1942, offiziell an Herz- und Kreislaufversagen.