Wir legen uns hier auf ein einfaches, aber für Anfänger dennoch komplexes System fest, das weit verbreitet ist. Um ein modernes System anzubieten, habe ich mich für eine einfache Version von 2/1 Game Forcing entschieden. Gelegentlich werden wir auf Alternativen hinweisen.
Eine Hand in Eröffnungsstärke mit einer 5-er Oberfarbe eröffnen wir in dieser Oberfarbe (1♥ oder 1♠). Der erste Grund ist, dass wir ein Vollspiel in einer Oberfarbe präferieren und daher dem Partner gleich unserer Länge und unsere Werte mitteilen wollen. Der zweite Grund ist, dass Oberfarben die Gegner eher von der Reizung aussperren als Unterfarben, insbesondere 1♠.
Diese Eröffnung ist nur durch die 2♣-Eröffnung limitiert, kann also 12-21 Punkte umfassen, einschließlich Längenpunkte. Der Partner passt daher nur mit sehr schwachen Händen bis maximal 5 Punkte. Er kann nun Unterstützung der Oberfarbe, also eine Fit von 8 Karten, zeigen, eine eigene Farbe oder SA reizen.
Diese Eröffnungen sind für ausgeglichene Hände ideal, also ohne Single und mit höchstens einem Double, gelegentlich auch mit zwei Doublen, die mit hohen Karten ("Figuren") versehen sind und Längen nur in einer Unterfarbe.
Wir wollen solche Hände limitiert reizen. Der Grund ist, dass in SA-Kontrakten meist die Punktzahl die entscheidende Rolle spielt. Farblängen sind allerdings ebenfalls nützlich, weswegen wir für flache 4-3-3-3-Verteilungen einen Punkt abziehen.
12-14 Punkte: Wir eröffnen diese Hände mit unserer längeren Unterfarbe (1♣ oder 1♦), die also auch nur 3 Karten enthalten kann, und nur dann, wenn wir keine 5-er Oberfarbe haben. Wir präferieren, wie oben gesagt, die Oberfarben. Manche Partnerschaften machen aus, dass 1♦ nur mit 4-er Länge eröffnet werden darf, was zur Folge hat, dass 1♣ eine 2-er Länge sein kann. Nach der Antwort des Partners werden wir 1SA reizen, außer wir haben durch die Antwort eine 4-er Oberfarbe gefunden. -> Folgegebote
15-17 Punkte: Wir eröffnen 1SA. Diese Eröffnung nennt man "Starke 1SA". Die meisten Partnerschaften erlauben eine 5-er Oberfarbe. Der Vorteil ist, dass 1SA die Punkte exakt zeigt und gut sperrt. -> Folgegebote
18-19 Punkte: Wir eröffnen wie mit 12-14 Punkten eine Unterfarbe und planen, in 2SA zu springen. Der Nachteil dieser Eröffnung ist, dass der Partner unsere Unterfarbe mit sehr schwachen Händen einfach passen kann. Außerdem können wir nach einer Intervention der Gegner unsere Punkte unter Umständen nicht gut zeigen. Man sollte daher überlegen, ob man solche Hände nicht zu 1SA abwertet oder zu 2SA aufwertet.
20-21 Punkte: Wir eröffnen mit 2SA. -> Folgegebote
22+ Punkte: Wir eröffnen 2♣ mit dem Plan, 2SA oder 3SA zu reizen. -> Folgegebote
Wir streben selten ein Vollspiel in den Unterfarben an. Deswegen führen diese Eröffnungen meist zu einem SA-Spiel, selbst wenn sie eine echte Länge zeigen.
Wie im Abschnitt über SA-Eröffnungen erwähnt, eröffnen wir die bessere Unterfarbe mit einer ausgeglichenen Hand und 12-14 oder 18-19 Punkten.
Mit einer echten Länge in der Unterfarbe und einer zweiten 4-er Farbe ist die Hand unausgeglichen. Wir hoffen darauf, dass der Partner unsere 4-er Farbe reizt und wir sie unterstützen können, insbesondere eine Oberfarbe.
Mit einer 6-er Länge planen wir, die Unterfarbe zu wiederholen.
Die Eröffnung von 2♣ ist unsere stärkste Eröffnung.
Mit einer ausgeglichenen Hand ab 22 Punkten planen wir, 2SA oder 3SA zu bieten.
Mit einer sehr guten 5-er Farbe und 22 Punkten planen wir, diese Farbe zu bieten.
Mit einer soliden Farbe kann es sein, dass wir die fast nötigen Spielstiche von oben haben und nur wenig vom Partner für ein Vollspiel benötigen. Auch solche Hände können wir mit 2♣ eröffnen.
-> Folgereizung
Alle anderen Eröffnungen spielen wir als Sperrgebote (preemptiv). Wir wollen den Gegner an der Reizung hindern. Als Schutz fordern wir eine sehr lange Farbe. Man muss lediglich aufpassen, dass man nicht dan Partner daran hindert, mit einem starken Blatt ein Vollspiel zu reizen. Daher sind diese Eröffnungen immer schwach. Im Zweifel ist es besser, die Farbe auf der 1-er Stufe normal zu eröffnen.
Die Theorie hinter solchen Sperransagen ist -> das LAW.
2♦, 2♥ und 2♠ stehen für eine 6-er Länge mit einer schwachen Hand weit unter Eröffnungsstärke, aber mit Figuren in dieser Farbe.
Farberöffnungen auf 3-er Stufe benötigen eine 7-er Länge mit einer schwachen Hand.
Auf der 4-er Stufe eröffnen wir 8-er Längen. Hier muss man besonders aufpassen, da mit einem schon mäßig starkem Partner leicht ein Schlemm verpasst wird. Im Zweifel sollte man lieber auf der 1-er Stufe eröffnen, insbesondere bei Unterfarben.
Der Sonderfall 3SA wird von den meisten Spielern dazu verwendet, eine stehende 7-er Unterfarbe zu reizen. Der Partner soll nur passen, wenn er Deckung in allen anderen Farben hat, oder zumindest in zwei davon in der Hoffnung, dass die Gegner die ungedeckte Farbe nicht angreifen ("Gambling 3SA"). Ansonsten soll er 3♣ reizen, die der Partner eventuell in 3♦ ausbessert.
Zwischenreizungen sind Reizungen direkt nach einer Eröffnung des Gegners oder nach zweimaligem Passen. Wir reizen in diesem Fall solide. Es gibt allerdings Partnerschaften, die auch wesentlich schwächer reizen. Eine solide Reizung hilft dem Partner, die Chancen auf eine Verteidigung oder ein eigenes Vollspiel abzuschätzen. Insbesondere die Anforderungen an die Länge helfen, das -> LAW in der Verteidigung anzuwenden.
Wir behandeln zunächst die Zwischenreizungen direkt nach einer Eröffnung.
Nach einer Farberöffnung reizen wir auf der 1-er Stufe ab 9 Punkte mit einer 5-er Länge unserer Farbe. Auf der 2-er Stufe benötigen wir eine 6-er Farbe oder eine solide 5-er Farbe und fast Eröffnungsstärke.
Ein Kontra auf eine Farberöffnung ist künstlich. Es verspricht gute Eröffnungsstärke, Kürze in der gereizten Farbe, und Halt in allen anderen, insbesondere in der anderen Oberfarbe. Der Partner wird annehmen, dass wir eine 4-4-4-1 Verteilung mit 13 Punkten haben. Er muss reizen und darf nicht einfach das Kontra stehen lassen. -> Kontras
Ein Kontra kann auch ein Power-Kontra sein. Das erkennt man daran, dass der Kontrierende nach der erzwungenen Antwort seines Partners weiterreizt. Dies zeigt in jedem Fall 19 Punkte und eine gute Farbe oder SA-Verteilung.
Nach einer Farberöffnung zeigt die Zwischenreizung von 1SA 16-18 Punkte mit Stopper in der gereizten Farbe.
Ein Sprung in eine neue Farbe ist ein Sperrgebot (preemptiv), ähnlich wie die Sperrgebote als Eröffnung, nur noch schwächer.
Um eine Hand mit zwei 5-er Farben zu zeigen, verwenden wir besondere Konventionen.
Der direkte Überruf in der Farbe des Gegners zeigt beide Oberfarben beim Überruf einer Unterfarbe, oder die andere Oberfarbe und eine der Unterfarben beim Überruf einer Unterfarbe ("Micheals"). Diese Konvention sollte man nur mit schwachen oder starken Händen anwenden, wobei man nach der erzwungenen Antwort des Partners weiterreizt. Mit einer mittleren Stärke ist es oft besser die Oberfarbe einfach zu reizen.
Mit zwei 5-er Unterfarben kann man 2SA über eine Oberfarbeneröffnung reizen ("Unusual Notrump").
Wenn zweimal, vom Partner und vom Gegner, gepasst wurde, ist die Zwischenreizung eine Wiederbelebung und viel schwächer. Es gibt die Theorie, dass man den Gegner nicht unter 2♥ spielen lassen sollte, wenn es auch nur eine vage Chance für einen eigenen Fit gibt.
Die kompetitive Reizung behandeln wir in den normalen Kapiteln. Sie ist so häufig, dass wir sie parallel mit der ungestörten Reizung und im Vergleich dazu sehen müssen.
♠ - ♥ - ♦ - ♣