Schon seit vielen Jahren bewegt mich die Frage, wie unsere Gesellschaft so weiterentwickelt werden könnte, dass die Vernunft in unseren Handlungen wieder die Oberhand gewinnen kann. Das Ergebnis meiner Überlegungen können Sie im Folgenden lesen:
Seit Jahrtausenden kämpfen wir gegeneinander. Wir verletzen, erniedrigen, unterdrücken, belügen und töten uns, weil mindestens eine Seite glaubt, dass sie das tun muss, um die eigene Existenz zu sichern. Das geschieht im Kleinen wie im Großen. Kein Lebewesen hat sich untereinander so viele Gräueltaten angetan wie der Mensch.
Die bisherige Geschichte ist geprägt von Mord und Totschlag. Die Zahl aller Kriege aufzuzählen ist fast unmöglich. Bis zum heutigen Tag gehen die Menschen aufeinander los und bringen sich gegenseitig um. Kaum eine Generation wuchs ohne Kriegserlebnisse auf. Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse und Erfindungen wurden zuerst für die Tötungsmaschinerien benutzt. Doch diese Entwicklung hat nun ein Ende. Die Zerstörungs- und Tötungskraft der Kernwaffen kann das Ende unserer Zivilisation herbeiführen. Und das würde das erste Mal in der Geschichte auch die Befehlshaber mit der gleichen tödlichen Konsequenz für sich und ihre Familien treffen. Wir stehen also an einem Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte. Doch leider wurde das noch nicht von vielen erkannt. Unsere Filme spiegeln nach wie vor zum weitaus größten Teil diese Mord- und Totschlagsszenarien wider. Die meisten Bücher sind in ihren Inhalten gewalttätig. Die Menschen ziehen sich diese Gewaltorgien millionenfach ins Gehirn. In Computerspielen fließen Ströme von digitalem Blut. So wird uns suggeriert, dass Gewalt etwas völlig Normales sei und unsere Reizschwelle wird immer weiter nach oben geschoben.
Auf der anderen Seite gibt es schon immer den liebevollen und fürsorglichen Umgang miteinander. Wir kümmern uns um unseren Nachwuchs, um unsere Familie und Freunde. Wir sind hilfsbereit und mitfühlend.
Wenn wir genauer darüber nachdenken, merken wir ziemlich schnell, dass der liebevolle und fürsorgliche Umgang miteinander das eigentliche Wesen unseres Daseins darstellt. Alles andere führt zu unserem Untergang. Liebe ist das einzige was wirklich zählt. Wir haben in uns die Macht, uns für die eine oder andere Seite zu entscheiden. Leider schwanken wir wie die Betrunkenen zwischen beiden Polen hin und her. Unsere Kinder lieben wir abgöttisch, aber die verzogenen Bälger von der Nachbarin könnten wir auf den Mond schießen. Und so entstehen aus diesen Gedanken zuerst die Gewalt der Worte, die wir aussprechen und vielleicht auch die darauf folgende körperliche Gewalt. Wie sollen wir im Großen Frieden schaffen, wenn es uns nicht einmal im Kleinen gelingt?
Nun stellt sich unweigerlich die Frage, warum wir nicht in der Lage waren und sind, das alles willentlich so zu steuern, dass Egoismus und Gewalt, Krieg, Mord und Totschlag aus unserem Leben verschwinden. Das wäre doch logisch, vernünftig und herrlich.
Wenn wir diese Frage beantwortet haben, stellt sich zwingend die Nächste und zwar die, ob es überhaupt einen machbaren Weg gibt für ein friedliches, liebevolles und fürsorgliches Miteinander aller Menschen auf diesem Planeten. In der Konsequenz ist es die Frage nach dem Überleben der Menschheit, denn wenn wir so weitermachen, führt das zum kollektiven Selbstmord und das wird die Reichen und Mächtigen genauso treffen wie die Mittellosen und Unterdrückten. Vor diesem Thema kann sich keiner verschließen, denn dabei sitzen wir wirklich in einem Boot - unserer Mutter Erde.
Als die ersten Siedler auf der Osterinsel landeten fanden sie ein Paradies vor. Die Insel war mit tausenden Palmen bewachsen und bot alles, was die Menschen zum Überleben brauchten in Hülle und Fülle. Und so bauten die Menschen ihr Leben auf und begannen, eine Palme nach der anderen zu fällen. Sicher gab es bald mahnende Stimmen, die davor warnten, dass das auf die Dauer nicht gutgehen kann, aber die Menschen waren zu sehr mit ihren Stammeszwistigkeiten beschäftigt, dass sie den Mahnungen Gehör schenkten. Und so kam es, was kommen musste. Als die natürlichen Ressourcen verbraucht waren, fraßen sie sich gegenseitig. Der Untergang traf alle, auch die Herrschenden mit unaufhaltsamer Härte. Daran konnte auch keine noch so große Steinfigur etwas ändern. Wenn diese Monumente einen Sinn haben, dann der, dass sie für uns alle eine Warnung darstellen sollten.
Heute stehen wir vor dem gleichen Problem im globalen Maßstab. Über Jahrmillionen haben wir kaum Spuren auf unserer Mutter Erde hinterlassen, doch in nur zweitausend Jahren haben wir es geschafft, viele Ökosysteme an den Rand des Zusammenbruchs zu führen und damit unsere eigene Existenz zu gefährden. Wir sitzen auf dem Ast, an dem wir sägen, wissen es auch noch und sägen trotzdem fleißig weiter. Warum tun wir das? Wir sind doch vernunftbegabte Wesen, oder? Die Ursache kann nicht nur geistiger Art sein. Wenn das so wäre, dann würden wir auch vernünftig handeln. Aber das tun wir nicht und das wird uns in zunehmendem Maße bewusst.
Nun gilt es, den wahren Ursachen auf den Grund zu gehen, denn nur, wenn wir die kennen, sind wir auch in der Lage, Wege aus diesem scheinbaren Dilemma zu finden.
Ich hoffe, dass uns allen dabei meine Gedanken helfen.
Wir bezeichnen uns als vernunftbegabte Wesen und das sind wir auch zweifellos. Doch wenn wir in unsere Geschichte zurückblicken oder die Gegenwart betrachten, stellt sich unweigerlich die Frage, warum wir trotzdem unvernünftig handeln.
Warum rannten die Bewohner der Osterinsel sehenden Auges in ihr Verderben, denn sie sahen sicherlich, was sie da anrichteten. Trotzdem waren sie nicht in der Lage, den Prozess zu stoppen. Die gleiche Frage stellt sich uns heute. Obwohl es uns bewusst ist, was wir da anrichten, sind wir nicht in der Lage, den Raubbau an der Natur wirklich aufzuhalten, geschweige denn umzukehren. In der Summe unserer Handlungen sind und bleiben wir gierig. Geiz, Neid und Konkurrenzkampf prägen unser ökonomisches Dasein. Uns ist das sogar bewusst und trotzdem sind wir wie es scheint nicht in der Lage, das zu ändern. Wer heute die Chance sieht, ein Vermögen zu verdienen wird die Gelegenheit beim Schopfe packen und nur wenige werden sich dabei von Gedanken der Vernunft beeinflussen oder gar leiten lassen. Auch der Umweltschutz findet an unseren Bankkonten seine Grenzen. Allein über Bewusstseinsprozesse lässt sich das nicht steuern. Die Macht unseres Gewissens ist zwar groß, aber die unseres Bankkontos ist größer. Warum ist das so?
Die Antwort erschließt sich relativ schnell und schlüssig, wenn wir uns mit der Angst beschäftigen - namentlich der Existenzangst. Ob es uns bewusst ist oder nicht, sie bestimmt seit Jahrtausenden unser Leben. Die Menschen schlossen sich zu Gruppen zusammen, weil sie allein in der Wildnis nicht überleben konnten. Der Ausstoß aus der Horde war ein Todesurteil.
Das mächtige Gefühl der Angst zieht sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte. In ihren dunkelsten Kapiteln war sie regelrecht übermächtig und traumatisierte einen Großteil der Bevölkerung. Sie bildete die Grundlage für die schrecklichen Taten der Inquisition im Mittelalter wie für die Gräueltaten der Nationalsozialisten.
Angst macht uns gefügig und lässt uns Dinge tun, die wir ohne sie niemals zulassen würden. Sie lähmt unseren Handlungswillen. Keiner kann sich vor ihr ganz verschließen. Sie treibt uns jeden Morgen aus dem Bett und auf Arbeit. Sie ist die Mutter von Stress, Hetze und Druck. Aus ihr entspringen die Gier und die Habsucht. Wie sollen wir an unseren Planeten denken, wenn wir nicht wissen, ob wir morgen noch alles finanzieren können, was wir haben. Erst muss ich mich und meine Familie absichern, dann kann ich mich um die Umwelt kümmern. Daran ist nichts Verwerfliches. Das ist völlig logisch und normal. Also fälle ich auch die letzte Palme, baue mir daraus das letzte Boot, um weiterhin die Fische fangen zu können, die mich und meine Familie am Leben erhalten. Die Bewohner der Osterinsel hatten also keine Chance und wir stehen vor dem gleichen Dilemma. Kollektiv sehen wir unseren Untergang auf uns zukommen, doch individuell hatten und haben wir keine vernünftige Wahl. Wir können zwar versuchen, unsere Existenzangst durch unsere Gedanken im Zaum zu halten, aber letztendlich reproduziert sie sich real und unerbittlich aus unseren materiellen Lebensverhältnissen. Die Existenzangst zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten. Wer glaubt, dass nur Ärmere davon betroffen sind, irrt sich. Unternehmer haben z. B. gar keine Absicherung und auch ein Millionär kann sein Vermögen wieder einbüßen. Jeder hat in sich den Wunsch, aus diesem Dilemma rauszukommen. Die Zahl der Lottospieler spricht da eine eindeutige Sprache. Doch auch die Gewinner müssen relativ schnell feststellen, dass sie trotz des mehr oder weniger großen Geldbetrages nicht ganz diese Angst verlieren.
Das Problem ließe sich also nur lösen, wenn wir eine fundamentale Änderung der Grundlagen unseres wirtschaftlichen Daseins vornehmen, die diese Existenzangst beseitigen würde. Nur dann wären wir wirklich frei in unseren Entscheidungen, hätte die Vernunft eine reale Chance. Doch wie könnte eine solche Veränderung aussehen?
Angst kann ignoriert, aber dadurch nicht beseitigt werden. Zu ihrer Beseitigung existiert nur ein einziger Weg: Es muss Vertrauen aufgebaut werden. Vertrauen ist das Gegenteil von Angst. Wer vollständig vertrauen kann, ist auch völlig frei von Angst.
In Bezug auf die Existenzangst lautet also die Frage wie auf diesem Gebiet Vertrauen aufgebaut werden kann. Solange die Unsicherheit unser ständiger Begleiter ist, kann weder Vertrauen aufgebaut noch Angst abgebaut werden. Je größer die Unsicherheit, desto größer die Existenzangst und desto geringer das Vertrauen.
Wenn es uns also gelänge, ein Element in unser materielles Dasein zu integrieren, das Vertrauen erzeugt, könnte die materielle Basis der Existenzangst beseitigt werden, es würde Vertrauen wachsen und die Vernunft hätte wieder eine Chance.
Nun stellt sich natürlich die Frage, ob das nicht durch die soziale Marktwirtschaft erreicht werden kann. Durch sie werden doch die Arbeitnehmer vor Not bei Krankheit, Arbeitslosigkeit, nach einem Unfall und im Alter geschützt. Sie haben sogar einen Rechtsanspruch auf diese Leistungen und können sie vor dem Sozialgericht einklagen. Das ist ohne Zweifel ein gewaltiger Fortschritt.
Trotzdem bleiben bei diesen Leistungen Unsicherheiten bestehen. Das rührt vor allem daher, dass diese Zuwendungen meist zeitlich begrenzt sind und mit einem Antrags- und Genehmigungsverfahren verbunden sind. Wer heute Hartz IV beantragt, kommt sich nicht nur vor wie ein Bittsteller. Er muss dazu noch einen Offenbarungseid leisten, dass er nicht in der Lage ist, seinen Lebensunterhalt aus eigener Kraft zu erwirtschaften.
Die gebetsmühlenartige Wiederholung von der realistischen Möglichkeit der Vollbeschäftigung unterstellt den Arbeitslosen, dass sie zu dumm, zu einfallslos oder zu faul sind. So wird der Schwarze Peter ihnen in die Schuhe geschoben und daran gearbeitet, dass der Leidensdruck möglichst groß bleibt.
So kommt es, dass Langzeitarbeitslose und Hartz IV-Empfänger ihr Selbstvertrauen verlieren und die Beschäftigten alles daran setzen, nicht in diese Lage zu sinken. Daraus entsteht leider kein Klima des Vertrauens, sondern das Gegenteil. Und warum das alles? Weil unsere Herrschenden wie seit Jahrhunderten von dem Grundsatz ausgehen, dass der Mensch zur Arbeit gezwungen werden muss, weil er sich sonst auf die faule Haut legt und sich nur noch dem Müßiggang hingibt. Ohne Druck und Angst würde unser Wirtschaftssystem völlig zusammenbrechen, so glauben sie.
Bevor wir also nach weiteren Lösungsmöglichkeiten suchen, müssen wir versuchen die Frage zu beantworten, ob es wirklich so ist, dass die Menschen nur unter Zwang bereit sind, einer Arbeit nachzugehen.
Unbestritten ist sicher, dass wir eine Arbeit, die wir widerwillig ausüben, kaum freiwillig tun. Bei Tätigkeiten, für die wir uns interessieren, sieht das Ganze schon anders aus. Hier finden wir Eigeninitiative, Freude und Einsatzbereitschaft, verbunden mit einem hohen Maß Freiwilligkeit.
Leider gehen viele einer Beschäftigung nach, die sie nicht mögen. Sie tun das, weil sie das Risiko eines Wechsels scheuen. Wer gibt schon freiwillig ein relativ sicheres Einkommen auf? Damit sind wir wieder beim leidigen Problem der Existenzangst.
Wenn sie nicht mehr existiert, würden wahrscheinlich Tausende ihren gegenwärtigen Job an den Nagel hängen. Doch die übergroße Mehrheit würde sich nach einer neuen Beschäftigung umschauen, in der sie ihre Talente besser einbringen könnte. Und das würde uns allen ungemein nützen. Wenn jeder das tut, was er wirklich will und kann, dann gibt er logischerweise der Gesellschaft ungleich mehr als mit einem widerwillig ausgeübten Job und Dienst nach Vorschrift.
In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich auch die Frage nach der Vollbeschäftigung. Ist sie in der heutigen Zeit wirklich noch ein realistisches Ziel? Die offizielle Politik hält daran fest, obwohl sie es eigentlich besser wissen müsste. Die Automatisierung unserer Wirtschaft schreitet schon seit Jahren mit einem rasanten Tempo voran. Immer mehr hochproduktive Maschinen, Automaten, computergesteuerte Fertigungsprozesse und Industrieroboter erledigen heute die Arbeit von Millionen Menschen. Diejenigen, die früher die Werkhallen füllten, in den Häfen die Schiffe zu Tausenden beluden, an den Bändern der Serienproduktion schraubten und montierten, haben sich selbst wegrationalisiert. Ihre Arbeit wird heute viel effizienter durch computergesteuerte Anlagen durchgeführt. Und dieser Prozess nimmt erst so richtig an Fahrt auf. Die Tatsachen sind eindeutig, aber wir halten trotzdem am Vollbeschäftigungsziel fest. Warum eigentlich?
Sobald ein Politiker den Satz formuliert: "Vollbeschäftigung ist nicht mehr möglich." hat das ziemlich weitreichende Konsequenzen. Zum ersten können sie dann nicht mehr den Arbeitsuchenden den "Schwarzen Peter" zuschieben. Zum zweiten verlieren sie damit das Druckmittel der industriellen Reservearmee gegenüber den Beschäftigten. Außerdem stellt sich dann ziemlich brisant die Frage: "Was machen wir mit denen, die nicht mehr gebraucht werden?"
Natürlich wäre eine Vollbeschäftigung möglich, wenn wir von einer wesentlich verringerten Wochenarbeitszeit ausgehen würden. Doch daraus entstünden erhebliche Einkommenseinbußen, die vor allen Dingen die gegenwärtig Beschäftigten nicht hinnehmen könnten. Wir stecken also in einem ziemlichen Dilemma. Obwohl die Mechanisierung und Automatisierung uns von stupiden Tätigkeiten immer mehr befreit und die Produktivität immer weiter wächst, empfinden wir diesen Prozess höchst widersprüchlich, weil wir die Früchte dieser Entwicklung nicht nutzen können. Wären wir in der Lage, diese Ergebnisse wirklich zu genießen, dann würden wir nur noch drei oder vier Tage in der Woche einer Erwerbsarbeit nachgehen. Der Rest der Zeit stünde uns für Kunst und Kultur, für unsere Familien, für Sport und Gesundheit, für gemeinnützige Tätigkeiten in Vereinen und natürlich für die persönliche Weiterbildung zur Verfügung. So würden wir ziemlich schnell feststellen, dass wir in einem der reichsten Länder der Welt leben mit kulturvollen und ordnungsliebenden Menschen, die sich umeinander kümmern und unterstützen. Doch die Angst in uns allen macht das leider noch nicht möglich. Erst wenn wir diese Angst beseitigt haben, wäre das alles möglich. Doch wie könnte das erreicht werden? Dazu müssen wir uns unsere Einkommen einmal etwas genauer anschauen.
Wenn wir heute von Arbeit sprechen, dann sind nur die Tätigkeiten gemeint, die uns ein Einkommen bescheren. Das führt zu ziemlich absurden Situationen. Will oder muss z. B. eine junge Frau ihre Kinder allein erziehen, dann haben wir für diese wertvolle Arbeit nur Hartz IV übrig. Die wichtige Arbeit in Vereinen können nur diejenigen erledigen, die es sich leisten können. Unsere gegenwärtige Arbeitsdefinition hinkt an allen Ecken und Kanten.
Arbeit ist jede menschliche Tätigkeit, die anderen zugutekommt. Mit dieser Definition wäre die alleinerziehende Mutter dem Fabrikarbeiter gleichgestellt. Ein ehrenamtlich arbeitender Radsporttrainer ist genauso viel wert wie ein Beamter. Doch so lange wir unser Einkommen nur über die Erwerbsarbeit beziehen sind das realitätsfremde Vorstellungen.
Unser Einkommen ist wie seit Jahrhunderten vollständig von unserer Erwerbsarbeit abhängig, obwohl tausende von Arbeitsplätzen durch den Einsatz moderner Technik weggefallen sind. Könnte man da nicht auf die Idee kommen, dass eigentlich die wegrationalisierten Menschen ein Recht haben, zumindest einen Teil des Geldes zu erhalten, das jetzt die Automaten an ihrer Stelle erarbeiten? Die Automaten erledigen jetzt die Arbeit, wofür früher ein Mensch bezahlt wurde. Warum soll dann der Mensch auf einmal leer ausgehen? Das ist irgendwie unlogisch.
Das Ergebnis wäre ein zweigeteiltes Einkommen. Das Einkommen aus der Erwerbsarbeit würde ergänzt durch einen Sockelbetrag, den jeder Mensch jeden Monat erhält. Dieser Betrag würde ohne Bedürftigkeitsprüfung jedem zustehen. Er wäre weder pfändbar noch in irgendeiner anderen Art und Weise entziehbar.
Nehmen wir also an, jeder Erwachsene würde in Deutschland monatlich 1000 € auf sein Konto vom Finanzamt überwiesen bekommen und jedes Kind 500 €. Dann hätte die junge Mutti genauso eine wirtschaftliche Basis wie der Radsporttrainer. Mit einem Schlag wäre die Basis der Existenzangst verschwunden und es würde sich sehr viel vereinfachen. Es wäre ein Befreiungsschlag, dessen positive Auswirkungen in keiner Weise in vollem Umfang übersehbar wären.
Ab sofort gäbe es keine Arbeitslosen mehr, denn jeder wäre sein eigener Lebensunternehmer. Die Arbeitsagentur könnte ihre Arbeit einstellen und alle Mittel, die gegenwärtig für das Arbeitslosengeld, die weiteren Unterstützungen, die Gehälter, Mieten und Unterhaltungskosten für die Gebäude könnten mithelfen, dieses Grundeinkommen zu finanzieren.
Auch die Kindergeldkassen könnten ihre Arbeit einstellen und die Mittel zur Finanzierung des Grundeinkommens zur Verfügung stellen.
Wie von Geisterhand würde die künstliche Grenze des sogenannten Rentenalters verschwinden, denn durch eine lebenslange Absicherung könnte jeder selbst entscheiden wie viel und wie lange er arbeiten will. Niemand wird mehr "zum alten Eisen" geworfen, wenn er das nicht will. Durch die frühzeitige Pensionierung geht unserer Gesellschaft gegenwärtig sehr viel Knowhow und Erfahrung zu schnell verloren.
Rechtlich gesehen könnten viele Gesetze ersatzlos gestrichen werden. Das Kündigungsschutzgesetz würde überflüssig, weil alle Partner vollkommen gleichberechtigt verhandeln können. Der eine bietet die Leistung an, die der andere benötigt. Es entstünde wieder ein Arbeitsmarkt, der diese Bezeichnung auch verdient, denn wir hätten wieder ein wirkliches Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage ohne Bevorteilung einer Seite.
Zum ersten Mal in der Geschichte wären die Menschen wirklich frei, denn Freiheit besteht vor allem darin, dass jeder wirklich frei entscheiden kann.
Die Risikobereitschaft von Unternehmen würde gewaltig zunehmen, denn die Unternehmer hätten mit dem Grundeinkommen erstmalig in der Geschichte eine Basisabsicherung. Der Absatz würde sehr stark steigen, denn es gäbe keinen Grund mehr, Geld für schlechte Zeiten zurückzulegen. Die Höhe der Spareinlagen spiegelt die Stärke der Existenzangst wider. Je größer die Existenzangst, desto höher die Rücklagen.
Natürlich würde sich dann niemand mehr Gedanken über die Auswirkungen weiterer Automatisierungs- und Rationalisierungsmaßnahmen machen. Im Gegenteil: Sie würden ausnahmslos als eine Erleichterung unseres Lebens begrüßt.
Wirtschaftspolitisch gäbe es auch keinen Grund mehr für Subventionen. Sie werden heute hauptsächlich mit dem Ziel ausgezahlt, Arbeitsplätze zu sichern. Das dadurch eingesparte Geld könnte ebenfalls für die Finanzierung des Grundeinkommens eingesetzt werden.
Wenn die Existenzangst verschwindet, löst sich auch die Gewalt wie von Geisterhand in Luft auf. Diebstahl und andere Eigentumsdelikte verlieren ihre materielle Basis und auch international würde die Welt viel friedlicher. Das alles hätte zur Folge, dass wir unsere Armee, die Rüstungsausgaben, den Polizeiapparat und die Justiz drastisch verringern könnten. Wieder stünde mehr Geld für das Grundeinkommen zur Verfügung, denn diese Bereiche werden zum großen Teil von unseren Steuergeldern finanziert.
Mit der Einführung des Grundeinkommens würde sich die Arbeit Schritt für Schritt automatisch auf alle Menschen verteilen, die arbeitswillig sind. Eine 40-Stunden-Woche wird nicht mehr nötig, um das erforderliche Familieneinkommen zu erzielen. So zöge immer mehr Ruhe in die Köpfe und Herzen der Menschen ein und der oft negative Stress, der den Menschen von heute zu schaffen macht, wird sich fast vollständig in Luft auflösen.
Heute glauben wir, dass die Menschen nicht arbeiten würden, wenn der Druck durch die Existenzangst wegfiele. Das ist zweifellos richtig, wenn wir von den Arbeitsbelastungen der gegenwärtig Beschäftigten ausgehen. Diejenigen, die Arbeit haben, werden bis zur Erschöpfung belastet, weil es uns nicht gelingen kann, in einem angstgesteuerten System die Arbeit gerecht zu verteilen. Mit Erreichen des Rentenalters sind die meisten so kaputt, dass sie heilfroh sind, dieser Mühle endlich entronnen zu sein. Eine ständige Überbelastung und ein Missverhältnis zwischen Arbeitszeit und Freizeit tötet mit der Zeit jede Freude an der Arbeit. Wenn wir jedoch nur noch drei bis vier Tage in der Woche arbeiten müssten, um alles zu erwirtschaften, was wir wirklich brauchen, dann sieht die Sache schon ganz anders aus. Es ist doch nicht so, dass ein LKW-Fahrer ungern LKW fährt. Er hat in der Regel diesen Beruf gewählt, weil es ihm Freude bereitet, so einen Brummi zu lenken. Wenn er das jedoch so wie heute unter einem gewaltigen Zeitdruck an sechs Tagen in der Woche tun muss und den siebenten Tag noch auf irgendeinem Rastplatz oder Autohof fern von zu Hause zubringen darf, dann löst sich jede Arbeitsfreude in Luft auf. Daraus zu schließen, dass die Menschen ohne Druck nicht arbeiten würden ist einfach nicht stimmig.
Jeder Mensch braucht die Anerkennung durch seine Mitmenschen und die erhält er vor allem dann, wenn er für sie tätig ist. Die Arbeit ist also ein absolut elementarer Bestandteil unseres Lebens und ein Bedürfnis, wenn sie in einem vernünftigen Verhältnis zur Freizeit anfällt.
Durch das Grundeinkommen verschwinden die Existenzangst und damit die Unsicherheit. Dadurch löst sich die Gier in Luft auf und wir hätten eine Basis für vernünftige Entscheidungen.
Natürlich würden sich viele neue Fragen stellen, doch die wären lösbarer als unsere gegenwärtigen Probleme ohne Grundeinkommen. So wäre die Einführung eines Grundeinkommens ein schwierig zu steuernder Prozess. Allen sofort 1000 € auszuzahlen wäre weder finanziell möglich, noch würden wir das wirtschaftlich verkraften. Die Menschen brauchen natürlich Zeit, um diese neue Situation richtig zu verarbeiten. Der Umbau muss schrittweise und behutsam vonstattengehen. Das erste Mal in der Menschheitsgeschichte könnten wir frei von Existenzangst leben. Aus dem Grundeinkommen entwickelt sich ein bisher nicht gekanntes Maß an Sicherheit und Freiheit, mit dem man erst einmal lernen muss umzugehen. Deshalb wäre eine schrittweise Einführung der bessere Weg.
So könnten wir damit beginnen, dass jeder 200 € Grundeinkommen erhält. Alle sozialen Bezüge wie Renten, Arbeitslosengeld und Kindergeld würden um diesen Betrag verringert, so dass diese Einnahmen zusammen mit dem Grundeinkommen die vorherige Höhe behielten. Damit hätten die Menschen schon einmal ein Jahr Zeit, sich auf diese neue Situation einzustellen. Im zweiten Jahr erhöhen wir das Grundeinkommen auf 400 € und damit wäre Hartz IV und das Kindergeld schon mal Geschichte und der gesellschaftliche Umbau wäre in vollem Gange. Jeder würde neue Pläne schmieden, von denen er heute noch nicht einmal zu träumen wagt. Es wäre ein geistiger Befreiungsschlag für uns alle.
Um die Sicherheit zu untermauern müsste das Grundeinkommen an das Realeinkommen gekoppelt wer-den, d. h. es müsste sich mit inflationären und deflationären Geldentwicklungen mitbewegen. Wenn wir das nicht verbinden, dann entstünde eine neue Unsicherheit und wir laufen Gefahr, dass das Ganze zur Farce verkommt. In diesem Zusammenhang wäre es sehr sinnvoll, über ein neues Geldsystem nachzudenken.
Das Geld von heute wird von privaten Unternehmen verwaltet, weil wir zugelassen haben, dass es privatisiert wurde. Unsere Banken sind bei genauerer Betrachtung nichts anderes als Pfandleiher und Wucherer.
Geld entsteht durch die Vergabe von Krediten. Das ist der einzige Weg, sonst müsste es verschenkt werden. Der Kreditnehmer erhält die Kreditsumme ausgezahlt und die Geldmenge wächst um diesen Betrag. Wird der Kredit zurückgezahlt, dann geht das Ganze wieder zu Null. Soweit der völlig logische und normale Vorgang. Doch was ist mit den Zinsen. Woher nehmen wir die? Die hat es in der Geldmenge doch nie gegeben. Wir müssen also mehr Geld zurückzahlen als wir erhalten haben. Wenn wir alle Kreditschulden wieder zurückzahlen würden, dann gäbe es kein Geld mehr, aber immer noch eine riesige Zinsschuld.
Zum Glück legen wir ja auch Geld bei den Banken an und erhalten dafür auch Zinsen, jedoch besteht zwischen der Menge des angelegten Geldes und der Höhe der Zinsen eine riesige Differenz und genau die macht uns gewaltig zu schaffen.
Den Preis für dieses fehlerhafte Geldsystem bezahlen heute die Länder der Dritten Welt. So erhalten diese Länder z. B. vom IWF oder von einzelnen Staaten wie z. B. den USA Milliardenkredite. Damit ist häufig die Auflage verbunden z. B. die Infrastruktur des Landes zu verbessern. Mit dem Straßenbau wird dann z. B. ein amerikanischer Konzern beauftragt und damit fließen die Kredit-Milliarden wieder zurück in die USA. Das Entwicklungsland hat dann zwar bessere Straßen, aber auch einen gewaltigen Schuldenberg. Und so regiert das Elend in diesen Ländern.
Was unternehmen wir dagegen? Wir schicken Kleidung und Nahrungsmittel, bauen Schulen und Krankenhäuser. Die Masse der Menschen in diesen Ländern bleibt völlig mittellos. Ohne Geld lässt sich aber keine Unternehmensidee umsetzen. Und so bleibt den Menschen nichts anderes übrig als auf die nächste Essensausgabe zu warten und so ihr Dasein zu fristen.
Würden wir statt Hilfslieferungen den Menschen in diesen Ländern ein Grundeinkommen zahlen, dann würden die Schlauen kleine Geschäfte eröffnen, die dann auch erfolgreich wären, denn alle haben ja etwas Geld. So entstünde Wirtschaft und die Menschen könnten sich selbst helfen.
Doch das alles würde nichts an unserem fehlerhaften Geldsystem ändern. Solange private Unternehmer unser Geld verwalten, kann das Zinssystem nicht abgeschafft werden, da es das Ziel jedes privaten Unternehmens ist, Gewinn zu erwirtschaften. Die Zinsen sind der Gewinn der Banken und berauben die Menschen um einen großen Teil ihres Wohlstandes, da sie in der Geldmenge gar nicht vorhanden sind.
Es führt also kein Weg um ein neues Geldsystem herum, bei Strafe unseres Untergangs. Das privat verwaltete Geld, das nur gegen Zinsen verliehen wird, würde auch mit einem Grundeinkommen die Existenzangst nicht vollkommen beseitigen, weil das riesige, künstlich geschaffene Finanzloch kurz vor dem Zusammenbruch steht. Das betrifft keineswegs nur den Euro, sondern alle zinsbasierten Geldsystem auf dem Planeten.
Es stellt sich also die Frage wie ein zinsfreies Geldsystem aussehen könnte. Eigentlich ist die Antwort ziemlich einfach: Das Geld müsste von uns allen, sprich dem Staat verwaltet werden. So könnte z. B. die D-Mark als wirkliches staatliches Zahlungsmittel wieder eingeführt werden. Das Finanzamt würde das neue Geld verwalten und damit wären die Kredite zinsfrei. Sie würden gegen eine Gebühr ausgezahlt und wieder zurückgezahlt und die Differenz, die dabei entstünde könnte durch staatliche Transferleistungen ausgeglichen werden.
Eine andere Möglichkeit wäre, die Zinsen so zu bemessen, dass sie mit dem ausgezahlten Grundeinkommen übereinstimmen. So wäre genügend Geld auch für die Zinsrückzahlung in der Geldmenge verfügbar.
Damit hätten wir ein Geldsystem, das uns einen gewaltigen Wohlstand bescheren würde, der verbunden mit einem Grundeinkommen die Basis für ein existenzangstfreies Leben in freier Entscheidung bildet, wenn uns nicht ein ungerechtes Steuersystem alles wieder wegnimmt. Und damit wären wir bei der dritten Baustelle, die die Frage beantwortet wie wir ein gerechtes Steuersystem schaffen könnten.
Steuern sind Abgaben zur Finanzierung der kollektiven Bedarfsdeckung. Sie wurden im Mittelalter von den Feudalherren eingeführt, vor allem um ihr besseres Leben zu finanzieren. Und auch heute noch hängt den Steuern der Beigeschmack der Ungerechtigkeit an. Das Steuersystem ist so vielschichtig und undurchschaubar, dass wir Steuerberater brauchen. Jeder versucht, so wenig wie möglich zu bezahlen und fast täglich lesen und hören wir von sogenannten Steuerhinterziehungen. Die Steuerlast ist ungleich verteilt und ihre Höhe ist ständig gestiegen. Das könnte dazu führen, dass über diesen Weg das Grundeinkommen immer wertloser würde.
Natürlich wäre das Grundeinkommen steuerfrei, d. h. darauf wird keine Einkommensteuer erhoben. Die Mehrwertsteuer, Mineralölsteuer usw. werden jedoch weiter-hin auch damit bezahlt.
Irgendwie scheint es, dass eine Gerechtigkeit im Steuersystem nicht erreicht werden könnte. Im Verhältnis zur Einkommenshöhe tragen die ärmeren Schichten der Bevölkerung immer noch die Hauptlast, obwohl eine Lösung ziemlich einfach wäre.
Jeder Mensch muss konsumieren, um leben zu können. Die Wohlhabenden kaufen mehr und die Ärmeren weniger, d. h. die Mehrwertsteuer ist eine sehr gerechte Steuer. Natürlich müssen auch alle anderen Steuern erwirtschaftet werden. Sie sind also schon heute Bestandteil der Preise. Da läge es doch nahe, diese Steuern abzuschaffen und im Gegenzug die Mehrwertsteuer zu erhöhen. Die Preise blieben dabei für den Endverbraucher gleich, denn die Produktionskosten würden sich durch die weggefallenen Steuern um das gleiche Verhältnis verringern wie die Mehrwertsteuer steigen müsste.
Die Höhe der Steuereinnahmen bliebe also gleich, nur die Bezahlung wäre gerecht. Die Steuerberater würden nicht mehr gebraucht und die Buchhaltung würde nur noch für die interne Kosten- und Leistungsrechnung benötigt.
Das einzige Problem, dass noch existierte wäre die Steuerhinterziehung bei Barzahlungen von Dienstleistungen. Doch diese hat auch ihre Grundlage in der Existenzangst. Wenn diese durch Vertrauen auf eine gesicherte Existenz abgelöst wurde, schwindet auch der Drang, kriminell zu werden. Das Denken würde sich immer mehr vom Ich zum Wir verlagern und den Steuern wäre der unangenehme Beigeschmack der Ungerechtigkeit entzogen.
Das alles sollten Denkanstöße für alle sein, die sich Gedanken machen wie es mit uns allen weitergehen kann und wir auf unserem Planeten eine Zukunft haben und das sind sehr viele.
Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens wird zz. weltweit diskutiert und findet immer mehr Anhänger. Doch häufig wird nicht die gesamt Tragweite erkannt. Deshalb habe ich versucht, die Wurzeln unserer Existenz mit ins Spiel zu bringen.
Je mehr Menschen sich damit auseinandersetzen, umso besser, denn wir alle bestimmen, wer uns regieren darf. Es ist nicht so, dass der Einzelne keine Macht hat. Im Gegenteil, alle großen Veränderungen begannen damit, dass sich eine Idee in den Köpfen der Menschen ausbreitete.
Helfen Sie einfach mit, diesen Prozess zu beschleunigen und tragen Sie diese Idee weiter in die Hirne und Herzen ihrer Mitmenschen. So entsteht über kurz oder lang eine kritische Masse und unsere Regierenden müssen sich mit diesem Thema ernsthaft auseinandersetzen oder sie werden durch andere Kräfte ersetzt.
Überlegen Sie sich also in aller Ruhe, wem Sie bei der nächsten Wahl Ihre Stimme geben. Glauben Sie nicht mehr an das Geschwätz in den Medien, denn jede Regierung hat vor allem die Aufgabe, das bestehende System zu erhalten, auch wenn es uns in den Untergang führt.
Denken Sie nicht nur an sich, sondern auch an die Generationen, die nach uns kommen. Das gebietet uns unsere Mitmenschlichkeit und die Liebe, die wir alle in uns tragen.