Aufgabe 14: James Bond Casino Royal
Bild 1
Bild 2
Von Bild 1 bis Bild 2 weist die Szene 189 Schnitte auf. Der Ausschnitt dauert 280 Sekunden, das macht eine Schnittfrequenz von durchschnittlich 1 Schnitt alle 1.48 Sekunden. Die Funktion ist naheliegend: Durch die hohe Schnittfrequenz werden Tempo und Rhythmus stark erhöht; es wirkt hektisch und rasant. Die Filmform passt also zum Inhalt, nämlich zur Verfolgungsjagd. Bei vielen Action-Filmen findet sich dieser Effekt. Oft werden die Szenen, die auf eine solche Action-Sequenz folgen, im Tempo wieder verlangsamt.
Aufgabe 15
Aufgabe 16: Parallelmontage
Die Parallelmontage zeigt einen Handlungsstrang des Mannes (Tom Cruise) und einen der Frau (Cameron Diaz). Diese unterstützt die Kontrastierung, die auf mehreren Ebenen stattfindet. Zum einen stehen sich sehr gegensätzliche Handlungen entgegen: Während sich Cruise in einem Kampf um Leben und Tod befindet, kriegt Diaz nichts davon mit, sondern führt ein Selbstgespräch auf der Flugzeugtoilette. Als sie zurückkehrt, hat sich der Schauplatz verändert; erst danach realisiert sie, was zwischendurch geschehen ist. Dadurch entsteht die Komik der Szene. Zweitens ist die unterschiedliche Filmsprache zu beachten: Die Einstellungen bei Cruise sind, dem Actionfilm folgend, schneller geschnitten; auch die Tonebene wirkt viel dynamischer(Kampfgeräusche). Drittens werden mit dieser Gegenüberstellung auch geschlechterspezifische Klischees angesprochen und ironisiert: Der (kräftige) Mann, der sich prügelt; die Frau, die sich um ihre Schönheit kümmert.
Auftrag 17: Montagesequenz
Halten Sie in Stichworten fest, welche Etappen gezeigt werden.
Weshalb eignet sich die Montagesequenz für eine solche Szene?
Die Etappen zeigen das Training und wie sich der Junge allmählich verbessert. Misserfolge und Erfolge wechseln sich ab. Am Ende gelingt der Spagat auf dem Geländer - ein sicheres Indiz dafür, dass der Held sich weiterentwickelt hat und sich seinen Aufgaben stellen kann. Dazwischen wird eine Annäherung an ein Mädchen gezeigt (eine weitere Herausforderung, der sich der Held wird stellen müssen).
Diese Etappen werden teilweise, ähnlich einer Parallelmontage, verschränkt. Die Montagesequenz eignet sich für ein solches Training, weil dieses in Realität mehrere Wochen/Monate dauert und weil der Fortschritt in wenigen Minuten/Sekunden exemplarisch sichtbar gemacht werden kann. Vergleichen wir die Technik mit der Literatur, fällt die Gemeinsamkeit auf: Auch dort wird oft mit der Technik des Zeitraffers verfahren. Die Erzählzeit (Lesezeit) dauert in der Regel nicht so lange wie die erzählte Zeit (Zeit, die das Geschehen in Wirklichkeit beanspruchen würde).
Beachten Sie auch die Funktion des Tons. Sehr typisch für die Montagesequenz ist der Einsatz einer durchgehenden Musik; diese verbindet die verschiedenen Szenen und schafft Kontinuität. Hier ist es eine besonders euphorische Musik, die seine Erfolge und seine positiven Erlebnisse widerspiegelt. Zusätzlich fiebern auch wir als Zuschauer mit dem jungen Helden mit und freuen uns, dass sein Training so gut gelingt.
Aufgabe 18
Auch wenn man den Film nicht kennt, wird sehr schnell deutlich, dass diese Szene ungewöhnlich ist. So fällt etwa die alles dominierende Farbe Rot auf.
Eine Achse etabliert sich in der Dialogszene durch die Blickrichtung der beiden Männer (grüne Linie). Dadurch ergibt sich ein 180-Grad-Bereich (auf unserer Seite). Die Kamera springt in dieser Szene mehrfach über die Achse. Das erste Mal bei Minute 0:27. Ein zweites Mal bei Minute 2:09.
Wie steht dies nun zum Inhalt? Jack Torrance fragt den Hausmeister nach dem Namen. Dieser gibt zur Antwort, dass er Delbert Grady heisse. In diesem Moment springt die Kamera über die Achse. Grady ist der Name des ehemaligen, toten Hausmeisters, der Jahre zuvor seine Familie in ebendiesem Hotel umgebracht hat. Filmsprachlich wird also die Ungewöhnlichkeit verstärkt, die inhaltlich ebenfalls da ist (ein Mann behauptet, dass er der tote Delbert Grady sei). Torrance konfrontiert den Hausmeister nun mit der Tatsache, dass er seine Frau und seine Kinder umgebracht haben soll (You chopped your wife and daughters up into little bits. And and you blew your brains out). Auch dieser Moment wird vom Wechsel des Kamerastandorts verstärkt: Die Kamera springt erneut über die Achse auf die vorherige Position. Der Hausmeister erklärt, er könne sich nicht an diesen Vorfall erinnern. Dann springt die Kamera zurück, als Torrance erneut sagt, Grady sei der Hausmeister im Hotel gewesen (Mr. Grady, you were the caretaker here).
Das Beispiel soll zeigen, dass der Achsensprung auf der Ebene der Filmsprache den Inhalt unterstützen kann: Für den Zuschauer ist in diesem Dialog unklar, welche Position (die des Hausmeisters oder die von Torrance) die richtige ist und welchen Blickwinkel er einnehmen soll. Die Irritation des Gesprächsinhalts widerspiegelt sich in der ungewöhnlichen Inszenierung des Dialogs, nämlich im Achsensprung.
Achtung: Diese Art der Kameraführung ist äusserst selten. In über 90 Prozent der Fälle wird bei einer Inszenierung eines Dialoges auf die Achse geachtet und die 180-Grad-Regel befolgt. Dieses Beispiel soll als Ausnahme die Regel bestätigen.
Aufgabe 19: Schnitt in Desserts
Schauen Sie jetzt den Kurzfilm "Desserts" nochmals an. Schalten Sie den Ton aus und achten Sie nur auf den Schnitt:
a) Wieviele Schnitte weist der Film auf?
Der Film weist 29 Schnitte auf.
b) Gibt es im Bereich der Schnittfrequenz auffällige Veränderungen?
Es ist eine Zunahme der Schnittfrequenz erkennbar. Die erste Einstellung dauert im Verhältnis zur Gesamtdauer des Films sehr lange (58 Sekunden). Die anfangs sehr lange Einstellung unterstützt die „Ruhe vor dem Sturm“; die Welt ist quasi noch in Ordnung. Zugleich wird damit die Spannung langsam aufgebaut, indem sich eine kleine Veränderung einstellt (eine Person nähert sich der Kamera). Dann sind einige mittellange Einstellungen zu sehen, während die Hauptfigur das Dessert aufliest. Als er in den Köder beisst und das Seil ihn ins Wasser zieht, weist der Film die höchste Schnittfrequenz auf. Es handelt sich um dramatische und hektische Ereignisse. Ein interessanter Aspekt im Schnitt ist die Verdreifachung einer ähnlichen Einstellung (Minute 1:56), möglicherweise um dem Schmerz, den die Hauptfigur spürt, Nachdruck zu verleihen. Die abschliessenden Einstellungen (Schwenk über den Meereshorizont und die Spuren im Sand) sind eher wieder länger; das Wasser scheint wieder ruhig geworden.
Ähnlich wie bei Ton ist auch beim Schnitt folglich eine klare Dramaturgie zu beobachten, die den Inhalt des Kurzfilmes unterstützt.
Zur Repetition: wichtige Fachbegriffe in diesem Kapitel
Montage, Schnittfrequenz, Plansequenz, Continuity, Parallelmontage, Montagesequenz, 180-Grad-Regel, Schuss-Gegenschuss, Achsensprung