Aufgabe 1
A: gross, B: Detail, C: Totale, D: Amerikanisch E: Nah, F: Panorama, G: Halbtotale, H: Gross
Aufgabe 2
Aufgabe 3
Bild 1
Bild 2
Bild 3
Bild 4
Bild 5
Bild 6
Bild 1: Das Filmstill (eine Totale) zeigt im Vordergrund in der rechten Bildhälfte die Umrisse einer Frau, die an einem Quai steht. Im Hintergrund erkennen wir die gegenüberliegende Seite der San Fracisco Bay. Verbindendes Element ist im Mittelgrund die rote Brücke, die von der linken oberen Ecke bis an den unteren Rand der Bildmitte ragt. Der Blick wird stark auf die Diagonale (rot) der Brücke gelenkt, welche die horizontalen Linien (grün), die für eine ausgewogene Bildkomposition sorgen könnten, dominiert. Durch die Fluchtlinie der massiven Brücke entsteht eine eher asymmetrische Aufteilung. Ein Leerraum entsteht in der linken Bildhälfte, aus der die Frau als vertikales Element (rot) herausragt.
Bild 2: Eine strenge Symmetrie gliedert dieses Bild: Es zeigt in einer Halbtotalen einen Gang, der links und rechts Türen aufweist; es könnte sich um einen Hotelgang handeln. Das Bild lenkt unseren Blick auf die Bildmitte. Die Fluchlinien deuten auf Zwillinge in blauen Kleidern, die sich in der Bildmitte im Hintergrund befinden und die ausgeleuchtet sind. Im Vordergrund in der Mitte sehen wir einen Knaben mit rotem Pullover, der auf einem Dreirad sitzt - den Rücken uns zugewandt.
Bild 3: Dieses Filmstill zeigt eine typische Nahaufnahme, wie wir sie in vielen Fernsehdokumentationen oder -interviews sehen. Wir sehen im Vordergrund einen Mann im Anzug mit Krawatte; im Hintergrund erkennen wir den Teil eines Bilder. Der Kopf der Person, die spricht, befindet sich (nach der Drittelregel) links von der Bildmitte (grün). Eine horizotale Linie verläuft den Schultern entlang. Wichtig an diesem Bild ist der Leerraum in der rechten Bildhälfte. Da der Mann (von uns aus gesehen) nach links blickt, befindet sich der Leerraum auch auf dieser Seite (rot). So bleibt der Person noch genügend Blickraum; man spricht auch von noseroom.
Bild 4: Im Vordergrund steht ein jugendliches Paar, direkt vor einer (dunklen) Türe; dadurch werden die Personen hervorgehoben. Das Paar steht versetzt von der Mitte, in der linken Bildhälfte. Spannend an dieser Komposition sind zudem die zwei Elemente, die das Bild «in Balance» halten: Zum einen findet sich ein Fensterchen mit zwei Pflanzen rechts oben, zum anderen eine Tonne links unten.
Bild 5: Dieses Bild teilt sich in zwei Hälften: Wir sehen Arthur Fleck aus der Froschperspektive in der rechten Bildhälfte in einem Treppenhaus stehen. Die linke Hälfte zeigt das Gitter eines Treppenhauses (ein X). Im Hintergrund befinden sich zwei Lichtquellen (eine Lampe und das Fenster), welche zwei Diagonalen bilden.
Bild 6: Hier blicken wir durch ein (unscharfes) Gitter im Vordergrund auf zwei Figuren im Mittelgrund, die sich von uns weg bewegen. Durch das Gitter werden sie eingerahmt. Sie gehen auf einem Weg Richtung Villa – erkennbar sind die Fluchtlinien. Die Eingangstüre bildet den Fluchtpunkt.
Um den Leerraum (noseroom) nochmals zu verdeutlichen, schauen wir uns zwei Stills an, welche ein Gespräch zeigen. In Bild 7 befindet sich ein Mann in der linken Bildhälfte und blickt nach rechts in den Off-Bereich (Bereich der nicht zu sehen ist). Der Leeraum (oder noseroom) ist dementsprechend in der rechten Bildhälfte. In Bild 8 sieht man nun den Gesprächspartner des Mannes aus Bild 7: Hier sind Blickrichtung und noseroom gerade umgekehrt. So entsteht zwischen den zwei Personen eine Art Gesprächsraum. Im Kapitel Schnitt kommen wir auf das Inszenieren eines Gesprächs zurück.
Bild 7
Bild 8
Aufgabe 4
a) Der Filmausschnitt teilt sich in zwei unterschiedliche Zeitebenen. Diese werden durch Farbe und Licht inszeniert: Der Film beginnt in der Gegenwart mit dem Mutter-Tochter-Gespräch über den Tod des Vaters in der Vergangenheit. Diese Ebene ist in eine sehr kühle Atmosphäre getaucht und wird von einem bläulichen Farbton dominiert; dazu ist die Ausleuchtung sehr dunkel. Beachten Sie, wie bei den Einstellungen mit der Tochter das Back Light an den Haaren sehr gut zur Geltung kommt. Das Fill Light dagegen wurde bei den Einstellungen mit der Tochter stark reduziert, so dass die eine Gesichtshälfte im Dunkeln bleibt.
Bei Minute 1:00 überlagert sich mit der Szenerie des Gesprächs eine zweite Zeitebene. In der Türe erscheint der Vater. Durch den Blick der Mutter wird deutlich, dass nur sie das Geschehen im Hintergrund sieht bzw. dass es sich um ihre Erinnerung handelt. Bei Minute 1:40 wechselt die Zeitebene vollständig in die Rückblende. Diese zeichnet sich durch einen braun-rötlichen Farbton aus und ist von der Lichtdramaturgie her wesentlich heller gestaltet. Es könnte sich um eine Abendszene im Sommer handeln; durch das Küchenfenster fällt ein warmes, gelbes Licht.
b) Während die Gegenwart (erste Zeitebene) sehr düster ausfällt, zeichnet sich die Vergangenheit durch eine warme Atmosphäre aus. Dies könnte dahin gedeutet werden, dass die Mutter-Tochter-Beziehung sehr kalt und distanziert ist. Tatsächlich wirkt die Tochter im Gespräch eher zurückweisend. Dagegen scheint in der Vergangenheit, als der Vater noch lebte, eine angenehme, freundliche, warme Atmosphäre geherrscht zu haben. Es wirkt, als würde sich die Tochter – hier als Kind – mit dem Vater gut zu verstehen.
Mit dem Einsatz der Lichtstimmung und der Farbe lässt sich also eine Gefühlslage der Figuren widerspiegeln.
Aufgabe 5
a) Der Filmausschnitt verfolgt eine ähnliche Strategie wie Dolores. Die ersten 20 Minuten des Films sind in diesem bräunlichen Sepia-Ton gehalten. Damit wird ebenfalls gezeigt, dass sich die Welt, in der Dorothy lebt, durch eine eher dunkle, gedämpfte „schwarz-weisse“ Atmosphäre auszeichnet. Am Ende des Clips öffnet Dorothy die Türe und tritt in eine neue Welt, in das magische Land von OZ. Diese ist geprägt von stark gesättigten Farben, die für sie übertrieben und märchenhaft wirken. Es handelt sich um Pastellfarben, aber auch um leuchtende Grundfarben.
b) Für uns wirkt der Sepia-Ton in der Regel sehr nostalgisch. Dies hat auch damit zu tun, dass wir uns heute durchwegs an Farbfilme (und -photographien) gewöhnt sind und den Sepia-Ton nur von alten Bildern kennen. Als der Film 1939 herauskam, muss es für das damalige Publikum aber eine riesige Sensation gewesen sein, da der Film bisher (und noch für circa 2 Jahrzehnte) hauptsächlich schwarz-weiss war. The Wizard of OZ gilt als einer der ersten Farbfilme.
Aufgabe 6
Der Filmausschnitt zeigt eine sehr lange Kamerafahrt durch das ganze Haus. Sie beginnt auf dem Boden des Schlafzimmers, fährt dann rückwärts durch die Sprossen eines Galeriegeländers hindurch, macht eine 90-Grad-Drehung, derweil sie – nun vorwärtsgewandt – zwei Stockwerke nach unten fährt. Im Untergeschoss angekommen fährt der Kran, nah über dem Boden schwebend, in die Richtung einer Fensterfront und bleibt dort für einen kurzen Moment stehen. Die Kamera fährt dann, der Bewegung einer Person auf der anderen Seite des Fensters folgend, nach rechts und bewegt sich zum Türschloss. Daraufhin fährt die Kamera ins Schlüsselloch hinein, in dem geriegelt wird, und wieder rückwärts heraus. Eine Fahrt nach links führt uns wieder zur Fensterfront, nahe genug, damit wir sehen, wie eine zweite Person von draussen nach drinnen schaut. Ab Minute 0:48 dreht die Kamera 180 Grad und fährt, mit hoher Geschwindigkeit in die Küche. Dabei passiert sie den Henkel eines Kaffeekochers und bewegt sich nahe über den Küchenablage in Richtung der gegenüberliegenden Raumseite. Dort wird die Bewegung vor einer Fensterfront langsamer, hinter welcher wir nun die Silhouetten einer Person sehen, die auch an dieser Tür riegelt. Eine Kamerafahrt führt uns dann nach links zu einer schmaleren Türe; die Person versucht auch hier, diese zu öffnen. Ab Minute 1:17 steigt der Kamerakran empor, durch den Boden hindurch, ins Erdgeschoss: Hier erblicken wir die Person, die auf der anderen Seite der Türe eine Feuerleiter nach unten zieht und diese hochsteigt. Die Kamera fährt rückwärts, um dann erneut durch einen Stockwerkboden hindurch eine Etage höher zu schweben, schwenkt dann nach oben und fährt dann nochmals eine Etage höher bis zu einer Dachkuppel (Minute 2:00).
Was ist nun die Funktion dieser langen Kamerabewegung? Zum einen verschafft sie uns eine Orientierung über die Raumverhältnisse. Wir können uns relativ genau vorstellen, wie dieses Haus gebaut ist bzw. wie der Grundriss sein könnte. Eine weitere Funktion liegt darin, verschiedene Handlungsorte miteinander zu verknüpfen. Die Fahrt führt vom Schlafzimmer, wo sich die Protagonistin soeben schlafen gelegt hat, zu den Räumen, wo welchen aus man nach draussen zu den Einbrechern sehe kann. Die wichtigste Funktion dieser langen Fahrt ist aber, dass sie uns sehr grosse Distanzen vermittelt als Kontrast zur späteren Enge des Panic Rooms; dadurch, dass nicht geschnitten wird, vermittelt diese Kamerabewegung eine Weitläufigkeit und durch ihre schwebende Art der Fahrt in gewisser Weise eine Leichtigkeit.
Aufgabe 7
Aufgabe 8
Schauen Sie jetzt den Kurzfilm "Desserts" nochmals an. Achten Sie dabei nur auf die Bildebene:
a) Welche Einstellungsgrössen kommen vor (es muss nicht jede Einstellung berücksichtigt werden)? Worin besteht ihre jeweilige Funktion?
Einstellungsgrössen, die vorkommen, sind:
Totale/Panorama am Anfang des Filmes. Die Totale zu Beginn zeigt die Weite des Strandes und sie schafft Orientierung; zugleich wirkt die Landschaft sehr leer: Die Natur dominiert, niemand befindet sich hier, erst allmählich wird eine Person im rechten Hintergrund deutlich. Je näher die Person kommt, desto eher ist eine Identifikation mit ihr möglich. Das Filmende ist ebenfalls eine Totale.
Gross-/Nahaufnahmen: Die Grossaufnahme zeigt beispielweise das verwunderte Gesicht der Person. Wir können uns mit der Person identifizieren, sie ist uns nah. Sie zeigt aber auch das Dessert. Es wird deutlich gemacht, dass die Person mit dem Finger etwas vom Dessert nimmt und wie die Person in das Dessert hineinbeisst. Die Grossaufnahme wird auch verwendet, um den Zusammenhang zwischen der Schnur und der Person zu zeigen: Die Wange ist von einem Haken durchstochen. Die Person und ihr Schmerz ist uns von der EInstellungsgrösse her nah, aber zugleich auch von der Wirkung.
Halbnah: Eine Halbnaheinstellung gibt’s, als die Person fortgezogen wird: Der Zusammenhang zwischen Schnur und Person wird klargemacht.
Detail: Eine Detailaufnahme sehen wir kurz vor Schluss, als die Schuhe der Person durch den Sand gezogen werden. Auch den Schuhabdruck in der letzten Einstellung können wir als eine Detailaufnahme festhalten.
Insgesamt sollte der Zusammenhang der Einstellungsgrössen mit der Wirkung, die der Film auf uns hat, deutlich werden.
b) Gibt es von der Normalsicht abweichende Kamerawinkel? Mit welcher Wirkung?
Eine starke Froschperspektive ist bei Minute 01:54 zu sehen, als der Angelhaken die Wange durchstochen hat. Diese Aufnahme wirkt verzerrend und leicht verstörend und versucht vermutlich, den Schrecken und das Schmerzmoment der Person visuell umzusetzen.
Ungewöhnlich, da sehr tiefliegend, ist auch die Kameraeinstellung bei Minute 01:04, die das Dessert am Boden zeigt.
c) Wie ist das Verhältnis von Vorder- und Hintergrund? Gibt es auffällig komponierte Bilder? Fällt etwas auf in Bezug auf Licht & Farbe?
Ein auffällig komponiertes Bild sieht man bei Minute 01:00, das stark die Diagonale betont und eine Linie zwischen der Person (im rechten Hintergrund) und dem Dessert (im linken Vordergrund) schafft. Man merkt, dass es auf eine „Konfrontation“ der Figur mit dem Gegenstand hinausläuft.
Die Lichtstimmung ist sehr gedämpft; die Farben eher fahl. Was heraussticht als Farbtupfer ist die rote Jacke des Mannes. Dies könnte allenfalls als Warnfarbe (die auf eine mögliche Gefahr hinweist) gedeutet werden, oder dahin gedeutet werden, dass in der von blosser Natur bestimmten Umgebung (Sand, Wasser, Himmel) der Mensch ein störender Fremdkörper darstellt.
d) Welche Arten von Kamerabewegungen werden eingesetzt? Welchen Einfluss auf Tempo und Atmosphäre haben sie?
Bei Minute 0:57 fährt die Kamera von rechts nach links und „holt“ damit das Dessert in den Bildausschnitt. Bei der Grossaufnahmen (um Minute 1:15) schwenkt die Kamera vom Gesicht zum Dessert und zurück. Ein auffälliger (schneller) Schwenk findet sich bei Minute 1:21: Hier imitiert die Kamera den Blickwinkel der Figur, die ihren Kopf dreht. Eine unruhige Kameraführung enthalten die Aufnahmen gegen Ende (ab Minute 2:06), als der Mann ins Meer gezogen wird. Seine Bewegungen, sein Wehren werden durch eine wacklige Kamera unterstrichen. Ansonsten zeichnet sich der Film durch eine statische Kamera aus (insbesondere in der langen Einstellung zu Beginn: Alles scheint noch ruhig zu sein. Am Ende wird die Ruhe wiederhergestellt).
Zur Repetition: wichtige Fachbegriffe in diesem Kapitel
Sequenz, Szene, Einstellung (shot), Einstellungsgrössen (Panorama, Totale, Halbtotale, Halbnah, Amerikanisch, Nah, Gross, Detail), Perspektive (Froschperspektive, Normalperspektive, Vogelperspektive), Komposition (Diagonale, Horizontale/Vertikale, Drittelregel), Low-Key/High-Key, Three Point Lighting, Kamerabewegung, Schwenk, Kamerafahrt, Handkamera