Man nehme einfach die Nachrichten und Informationskanäle. Fast jede Sendung besteht aus »Erklärungen«. - Irgendetwas wird immer erklärt.
Der Nachrichtensprecher berichtet über die Welt. Das und das ist passiert. - In den Kommentaren werden die Umstände erklärt. Fachleute kommen zu Wort. Der Hörer darf Fragen stellen.
In den Dokumentationen wird erklärt, wie an anderen Orten die Zustände sind. - Oft mit einem tadelnden Unterton gegenüber dem Zuhörer. »Was hast du als Profiteur in der westlichen Welt schon wieder andernorts angerichtet!« Überall Leid und Elend. Bist du womöglich mit Schuld daran? – Schuldigst und pflichtbewusst entrichtet der Zuhörer daraufhin seinen Rundfunkbeitrag-Obulus, damit auch andere, womöglich störrische Mitbürger über die Umstände und den angerichteten Schaden aufgeklärt werden. – Ohne den Rundfunk würde doch alles verheimlicht, denkt der engagierte Zeitgenosse.
So besteht der Rundfunk in weiten Teilen aus ständigen »Erklärungen«. – Es ist rein technisch auch nicht anderes möglich. Wie soll ein Zuhörer, der zum Beispiel gesagt bekommt, Italien sei arm, werde populistisch regiert und erdreistet sich, die Vorgaben der Europäischen Union zu missachten, in die Rundfunk-Berichterstattung eingreifen?
Er kann einzig »wegzappen«. – Den Nachrichten, Einschätzungen, Meinungen und Standpunkten in Radio und Fernsehen kann der Bürger nicht »direkt« einen anderen Standpunkt entgegen halten. Das ist rein technisch nicht vorgesehen.
Im Internet geht das. – Da ist es möglich, auf einen Beitrag in Radio, Fernsehen oder in den Zeitungen, direkt mit einem »Blogbeitrag« zu antworten. Oder man kann eine Twitternachricht zu einer bestimmten Äußerung im Fernsehen und in den Online-Medien absenden, sobald man davon erfahren hat. – In Radio und Fernsehen geschieht alles etwas langsamer, was den technischen Unterschieden zwischen Rundfunk und Internet geschuldet ist.
Dadurch, dass Erklärungen in Radio und Fernsehen einen großen Raum einnehmen, haben sie in ihrer ständigen Wiederholung etwas »Belehrendes«, Bevormundendes. – »Dem Dösel Bürger müssen wir ständig alles erklären. - Begreift der nichts?«
Aber längst wissen die Bürgerinnen und Bürger sehr viel. - Vielleicht sogar viel mehr, als sich die Rundfunk-Mitarbeiter vorstellen können. - Woher sollen diese auch wissen, dass sich die Welt um sie herum rasant verändert, wenn sie nur die warme Bude in der Rundfunkanstalt kennen, und stoisch hinter ihrem Mikrofon hocken oder stehen.
Vielleicht muss man dem Bürger gar nicht mehr so viel erklären. – Stattdessen brauchen die Bürger die Kommunikation miteinander! Aber dafür sind die »alten Medien« gar nicht geeignet. Bis da ein Zuhörer durchgeschaltet ist, oder die Emails abgearbeitet und beantwortet wurden, ist der Diskussionsstrang in den »Sozialen Medien« längst abgeschlossen und das nächste Thema wird behandelt.
Das »Sendungsbewusstsein« ist bei den Rundfunk-Mitarbeitern viel stärker ausgeprägt, als in der übrigen Bevölkerung. - Radio und Fernsehen beschallen im belehrenden Ton die Leute? - »Wer hat noch nicht verstanden, wie alles funktioniert. - Wir sagen es euch.«
So ist der nicht abstellbare »Erklärmodus«, in dem sich der Rundfunk im Dauerzustand befindet, ein Beispiel dafür, warum die »alten Medien« für die Bürger an Bedeutung verlieren. - Es ist oftmals einfach nur langweilig, wie da Radio gemacht wird.
Warum es keine Alternativen gibt? - Das ist eine gute Frage. Der Rundfunk erstickt womöglich mit seiner Marktmacht und den garantierten Einnahmen jegliche Konkurrenz. Aber das ist nicht die ganze Erklärung. – Vielleicht ist einfach nicht mehr die Zeit, für diese Format. Womöglich wollen die Leute Daten und Informationen, Kommunikation und Diskussion anders gestalten. - Und dieser Prozess der Neuorientierung ist noch nicht abgeschlossen.