Wie wir Menschen wirtschaften, können wir uns eigentlich aussuchen. Teils ist die Art zu wirtschaften historisch gewachsen, aber vieles ist auch Ideologie. Das heißt, die Menschen kämpfen darum, in einer bestimmten Weise zu wirtschaften und sie bekämpfen andere Arten zu wirtschaften.
In Deutschland wurde den Menschen nach dem Krieg gesagt, wie sie wirtschaften sollen.
In Westdeutschland gab es die »Marktwirtschaft«. – Im Wettbewerb gegeneinander, sollen die Marktteilnehmer sich bewähren. Und jemand geht als »Sieger« hervor, mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis für sein Produkt. – So die Theorie.
Der Sport soll diesen Gedanken widerspiegeln.
Wie sieht es im Sport aus? – Oft sind die Unterschiede zwischen Erstem, Zweitem und den nachfolgenden Siegern nur minimal. Oft sind es nur Sekundenbruchteile zwischen den Erstplatzierten. Und dennoch wird ein Popanz daraus gemacht, als ob der Erste Stunden vorher angekommen wäre. – Das heißt, der Wettbewerb ist aufgebauscht.
Und dann der Beschiss beim Sport. – Viele Teilnehmer betrügen, um gute Ergebnisse zu erzielen. Um das dann wiederum zu verhindern, muss ein riesen Kontrollapparat aufgebaut werden. - Ist nicht auch der ganze Wettbewerbsgedanke Ideologie?
Wieso ist es so wichtig, Erster zu sein? Womöglich ist es überhaupt nicht wichtig. – Wichtig ist, dass alle Menschen eine sichere, garantierte Existenz haben. Aber das hat überhaupt nichts mit Wettbewerb zu tun.
Betrachten wir die Versuche des real existierenden Sozialismus und behaupten, auch die Marktwirtschaft sei eigentlich nur »ein Versuch«, dann wäre es möglich, beide Anstrengungen zu beobachten und zu bewerten.
Staatliche Ordnung und Wirtschaft müssen nicht zusammenhängen, aber es ist doch auffällig, dass in den sozialistischen Staaten die Normierung und Gleichschaltung des einzelnen Menschen bis zum Exzess betrieben wurde. - Individualität wird im Sozialismus regelrecht verachtet. Wenn Mauern und Zäune gebaut wurden, um Menschen daran zu hindern, sich frei zu bewegen. Wenn die Meinungsfreiheit unterbunden wurde.
Andererseits, wie sieht es in den marktwirtschaftlich orientierten Staaten aus? Zum Beispiel »USA«. Dort haben zwei Parteien das ganze Land fest im Griff. Wer etwas anderes will, als das Herrschende, wird bekämpft und hat letztlich keine Chance, die eigenen Ideen umzusetzen.
Was aber wollen die Bürger?
Der Anthropologe David Graeber sagt zum Beispiel in seinen YouTube-Videos, dass die Menschen ursprünglich ohne Marktwirtschaft auskamen, und das funktionierte auch. – Märkte seien künstlich geschaffen worden, von Herrschenden, die für ihre Soldateska ein reichhaltiges Produktangebot wollten und damit die Soldaten »kaufen« konnten, wurden sie mit »Geld«, also Münzen ausgestattet, für deren Wert die Herrschenden bürgten. - Marktflecken entstanden in der Nähe von Truppenstützpunkten.
Ja, es stimmt schon. In einer Marktwirtschaft ist das Produktangebot in der Regel hochwertiger, als in einer Planwirtschaft. Das liegt aber daran, dass die Idee und der Ansatz zu wirtschaften, ein anderer ist. Die Planwirtschaft ist viel eher im Sinne einer »Grundversorgung« organisiert. Und käme damit der Grundeinkommen-Idee viel näher, als die Marktwirtschaft.
In der Planwirtschaft wird erst einmal überlegt, was brauchen die Menschen eigentlich. Zum Beispiel Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie. Dann wird »der Plan« genau so abgefasst, dass die Menschen diese Grundversorgung erhalten. – Und das macht Sinn und ist richtig.
Mit der Marktwirtschaft verknüpft, ist die Idee der »Werbung«. – Es werden Produkte auf den Markt geworfen und für diese Werbung gemacht. Und dann zeigt es sich, ob die Kunden »anbeißen«.
Aber allein an diesen Ideen wird deutlich, dass die Marktwirtschaft verschwenderisch mit den vorhandenen Ressourcen umgeht. Denn es wird erst einmal auf Verdacht produziert. Dann kann es sein, die Kunden interessieren sich überhaupt nicht für das Produkt und man kann die ganze Produktionsreihe auf den Müll schmeißen. - Marktwirtschaft ist identisch mit der Wegwerfgesellschaft?
Die Planwirtschaft kann ressourcenschonender vorgehen. Sie fragt, was können die Menschen brauchen?
»Leistung und Wettbewerb« müssen nicht zwangsläufig nur dann funktionieren, wenn die »Sieger« Profit machen. - Leistung und Wettbewerb können für die Menschen auch interessant sein, weil sie gerne eine bessere Leistung erbringen wollen und weil sie interessiert sind, an besseren Produkten.
Unsere Aufgabe als Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ist es heute, die besten Lösungen für die verschiedensten Aufgaben zu entwickeln und dabei von keinerlei Scheuklappen den Blick gelenkt zu bekommen. - Ideologie ist doch der Gedanke, Vorteile einer Sache zu überhöhen und die eklatanten Schwächen zu verschweigen oder kleinzureden.
Die Spielregeln für jede Wirtschaftsform werden über die Politik festgelegt. Indem die Parteienvertreter Gesetze erlassen. Die Spielregeln in der Wirtschaft sind die Gesetze der Politiker. - Dabei hat die Politik die Aufgabe, die Bürgerinnen und Bürger vor der Übergriffigkeit durch die Wirtschaftsvertreter zu schützen.
Die heutige Politik aber, macht genau das Gegenteil. Sie liefert die Bürger den Unternehmensbossen aus, als billige Arbeitssklaven. – Die Bürger können sich nicht dagegen wehren.
Hartz IV in Deutschland ... Arbeitslose ... dürfen maximal zwei Jobangebote ablehnen, sonst wird die Zahlung gestrichen.
https://kurier.at/politik/ausland/italien-das-umstrittene-buergereinkommen/400040536
Wirtschaftssysteme bekommen erst durch die spezifische Gesetzgebung ihre individuelle Färbung. Durch die Hartz4-Gesetzgebung wurde die Marktwirtschaft zu einem echten »Sklavenmarkt«. - Ganz anders sah die Marktwirtschaft noch zu Helmut Kohls Zeiten aus. Da war sie noch »sozial«.
Deshalb haben die Politiker eine gehörige Mitschuld daran, ob ein Wirtschaftssystem »gerecht« gerät, oder asozial wird.
Wer keine Wahl hat, als sich selbst am Arbeitsmarkt zu verkaufen, der lebt in elenden Verhältnissen. - Das ist der heutige Merkel-Staat. An ihm ist nichts Gutes.
Aber die Politiker sind nicht schuld daran. Sie tun, was sie können. – Es ist unsere Aufgabe. Es ist die Aufgabe der Bürgerinnen und Bürger, ihre Gesellschaft zu gestalten. Wir sind es einfach noch nicht gewöhnt, in diese Rolle zu schlüpfen. Und doch haben wir es zu leisten. Es wird nach und nach so kommen, dass wir immer mehr Aufgaben, Gestaltungsaufgaben übernehmen. Das Internet wird uns dieses Unterfangen erleichtern. Dadurch wird diese Arbeit viel leichter werden.
Es ist heute noch ungewohnt für die Menschen, dass sie selbst ihre Lebenswelt gestalten. Doch so wird es kommen.
Jetzt macht die Bäckereifilialkette einen Aushang. Aber seltsam, sie suchen nicht Mitarbeiter für neue Filialen, sondern »selbstständige« Filialbetreiber. - Wieso das?
Den »angestellten« Mitarbeiter müssten sie ordentlich bezahlen und dieser hätte ein Anrecht darauf, dass die Arbeitsbedingungen entsprechend sind. Zum Beispiel die Einhaltung der Arbeitszeit. – Ganz anders beim selbstständigen Filialbetreiber. Dieser bekommt von der Bäckereikette konkrete Vorgaben, die er einzuhalten hat. Wer naiv genug ist, sich selbstständig zu machen, oder wer gerissen und hartherzig genug ist, gegenüber seinen Mitarbeitern, der wird ein solches »Angebot« annehmen. – Im Grunde genommen ist dieses Angebot »vergiftet«.
Vergiftet deshalb, weil unter fairen Bedingungen keine akzeptablen Arbeitsverhältnisse oder Einkommen zu erzielen sind.
Was bedeutet das?
Wie gesagt, die Bäckereikette macht Vorgaben. Der Filialbetreiber (Franchising!?) muss diese einhalten, sonst verliert er seine Konzession. Das betrifft zum Beispiel den Tagesablauf. Innerhalb eines Arbeitstages müssen bestimmte Abläufe eingehalten werden, müssen bestimmte Arbeiten erledigt werden. Die Crux dabei ist, dass das gar nicht zu schaffen ist, unter »normalen« Bedingungen.
Die Bäckereikette schlägt zum Beispiel vor, der Filialbetreiber soll noch zwei weitere Personen einstellen, dann könnte er seine Arbeit die Woche über leisten. Nun fängt der Franchisenehmer an, und merkt, dass die Arbeit zu dritt überhaupt nicht zu schaffen ist, bei Einhaltung von normalen Arbeitszeiten.
Was sind die Konsequenzen?
Entweder muss der Filialleiter selbst mehr Stunden am Tag und die Woche über arbeiten, oder er müsste Mitarbeiter finden, die bei gleichem Lohn (ebenfalls) mehr arbeiten. - Durch solche Mehrarbeit sinkt aber der Stundenlohn drastisch.
Warum sollte man sich auf solche abstrusen Arbeitsverhältnisse überhaupt einlassen? Zum Beispiel weil wir ein Hartz4-System in Deutschland haben, und wir nicht beim Blick auf die Arbeitswelt nur faire und korrekte Umstände akzeptieren, sondern wir heute schauen, das wir die »weniger gräßlichen« und weniger schrecklichen Arbeitsumstände erwischen. – Heute gehen wir grundsätzlich von schlechten Arbeitsverhältnissen aus, in die wir über die Jobcenter-Regelungen genötigt werden, und dabei achtet jeder, so gut es geht, nicht den allermiesesten Job zu erwischen. – Aber den »miesen Job«, den können wir nicht umgehen. Der drängt sich einem garantiert auf.
So wäre es zum Beispiel kein Wunder, wenn genau dieser Filialbetreiber, der eigentlich nur einen miesen, schlechten Job anbieten kann, wenn genau dieser Filialbetreiber sich berechnend an das Jobcenter wendet, mit der Aussage, er hätte »Arbeitsplätze« anzubieten. – Dass diese »schlecht« sind, von den Arbeitsbedingungen her und von der Lohnhöhe, das wird ja nicht groß herumposaunt. - Lautet doch die Parole der Jobcenter, »Arbeit ist besser, als Stütze«.
So sind gerade die Angebote in den Jobcenter, ausdrücklich »miese« Jobs. – Denn der Unternehmer, der genau weiß, auf dem regulären Arbeitsmarkt findet er niemanden für seinen »blöden Job«, wird sich genau aus diesem Grund an die Arbeitsbehörden wenden, damit er einen Arbeitssklaven zugeteilt bekommt, den er dann ausbeuten kann. – Das lässt die Gesetzgebung zu, die sich die SPD und die GRÜNEN ausgedacht haben, mit Hartz4.
So bekommt der Unternehmer Arbeitssklaven »zugewiesen«. Und es ist nicht so, dass sich die Leute diesen Job aussuchen.
An dem Beispiel ist auch zu sehen, dass nicht zwingend das Wirtschaftssystem »schuld« an der Ausbeutung ist, sondern viel mehr wie ein Wirtschaftssystem »gesetzlich« begleitet wird, von der Gesellschaftsverwaltung, hat die meiste Auswirkung.
Hat ein Wirtschaftssystem Einfluss auf den Charakter der Menschen?
»Marktwirtschaft« ist als Bezeichnung nicht konkret genug. Was ist gegen einen Markt zu sagen? Vielleicht wäre es besser, von einer »Leistungs- und Wettbewerbsgesellschaft« zu sprechen. – »Kapitalismus« ist wiederum etwas Spezielles. David Graeber nennt Kapitalismus einen Komplott aus Oligopolisten, dem Militär und politischen Kräften.
Wer in einer Wettbewerbsgesellschaft immer zu den Siegern gehört, kann sich einen »edlen Charakter« erlauben und grinsend und sich überlegen fühlend, durch die Gegend laufen. Dazu gehören erfolgreiche Sportler, in Spitzenpositionen gelandete Mathematiker, Naturwissenschaftler und Stars in der Medienbranche, Erfolgsleute halt. – Es ist der Typus Mensch, der in die USA auswandert, um Millionär zu werden.
Aber was ist mit all den anderen? - Wenn ich den Familienvater sehe, der seine Tochter anschreit und deren Spielkameradin, sie sollen leiser sein, dann stellt sich die Frage, wer ihn anschreit, am Arbeitsplatz, wem er sich unterwerfen muss oder wen er noch am Arbeitsplatz oder zuhause mit seiner Laune belästigt.
In dem Buch »Arschlöcher, eine Theory« von Aaron James, geht es um Menschen, die durch ihre Art ihre Mitmenschen nerven und zur Weißglut bringen. Eben richtige Arschlöcher. – James deutet in der Einleitung seiner Schrift an, dass es mit den Lebensverhältnissen zu tun haben kann, dass Menschen richtige Kotzbrocken sind.
Wer sich den Arbeitsverhältnissen nicht entziehen kann, obwohl manche Umstände am Arbeitsplatz jemanden »instinktiv« zur Flucht antreiben, entwickelt womöglich psychische Eigenarten der verschiedensten Art. – Man lernt quasi über die Zeit, dass Natürlichste nicht zu tun. Zum Beispiel die Nähe zu einem Menschen zu beenden und sie nie, ja nie, nie wieder herzustellen. Weil es das Allernatürlichste wäre. – Aber zum Beispiel die Abhängigkeit von einer Einkommensquelle kann Menschen veranlassen, gegen ihren Instinkt zu handeln. Einfach wegen des Überlebens willen.
Solche »kranken« Beziehungsumstände entwickeln sich in Leistungs- und Wettbewerbsgesellschaften? Hängen Beziehungsmissbrauch, sexueller Missbrauch und Missbrauchsverhältnisse am Arbeitsplatz zusammen?
Lernen wir erst recht, zu betrügen und zu lügen, um in den Kampf- und Konkurrenzbeziehungen uns zu behaupten? Welche Persönlichkeitstypen bilden sich da heraus?
Haben wir eine kalte und berechnende Art. Taxieren wir uns gegenseitig als Wettbewerber. Ist unsere soziale Ader nur geheuchelt. Glauben wir an gar nichts und benutzen Religion nur, um uns einen Vorteil zu verschaffen? – Ist nichts Gutes an der gesellschaftlichen Ordnung, in der wir heute leben?
Ganz anders eine Grundeinkommensgesellschaft. Diese Idee strömt wirklich Hoffnung aus. Und dieses verlogene heutige Dasein endlich abstreifen können und Menschlichkeit wagen.