Bei allen Diskussionen über die Arbeitswelt, wird meistens »vergessen«, beziehungsweise nicht berücksichtigt, dass wir in der von Politikern gemachten und geregelten Gesellschaft, nicht »freiwillig« arbeiten, sondern unter Zwang stehen.
Die Politiker zwingen uns zu arbeiten, indem sie Gesetze erlassen, die uns bedrohen und nötigen, jeden miesen Job anzunehmen.
Wer also einen Artikel über die Arbeitswelt liest, in einer der etablierten Medien, kann damit rechnen, dass dieser Umstand verschwiegen oder vergessen wird, zu erwähnen.
In »Golem« schreibt Daniela Schrank über Teamleader und IT-Experten in Unternehmen.
https://www.golem.de/news/soft-skills-vom-einzelkaempfer-zum-team-leader-1808-135589.html
Kein Wort von ihr darüber, dass wir in Deutschland »Zwangsarbeit« haben. - Scheinbar ist aus ihrer Sicht jeder »zufällig« am Arbeitsplatz, oder weil die Person gerade Lust dazu hat, in dem Bereich zu arbeiten.
Sind solche Texte dann nicht von Anfang an »FakeNews«, weil sie die Wirklichkeit verschweigen?
Wenn sich »ein Freiberufler um eine feste IT-Stelle in einem Unternehmen bewirbt«, wie sie schreibt, dann geht es doch nicht nur um »Soft-Skills« und fachliche Kompetenzen, sondern um den Umstand, dass wir gezwungen sind, »freiwillig« irgendeinen Job anzunehmen, sonst werden wir bedroht durch den Staat, irgendeinen Job anzunehmen.
Ist aber dieser Sachverhalt einmal im Bewusstsein, dann lesen sich solche Berichte über die Arbeitswelt ganz anders.
Dann ist der Umstand, dass die Mitarbeiter »oft mehr Zeit mit den Kollegen verbringen, als mit der Familie«, dem Umstand geschuldet, dass die Arbeitssituation nicht freiwillig gewählt ist.
Und ja, man kann sich die Kollegen, anders als im Freundeskreis, oft nicht aussuchen.
Die Autorin fragt, »Bin ich teamfähig?«
Aber sollten wir nicht zuerst fragen, »Ist dieser Staat, in dem ich lebe, menschenrechtsgemäß? Und grundrechtskonform.«
Wenn wir dann sagen können, die Gesellschaft in der ich lebe, ist nicht grundrechtskonform, dann erübrigt sich die Frage, bin ich teamfähig, weil die Rahmenbedingungen nicht gegeben sind, für eine seriöse Arbeitswelt.
Dann wäre der erste Schritt der, den Ralph Boes in seinen Projekten momentan anvisiert, nämlich darauf aufmerksam zu machen, dass die Bürger ein »Widerstandsrecht« haben, gegen eine Ordnung, die die Grundrechte und Menschenrechte missachtet.
Dieses Widerstandsrecht ist im Grundgesetz verankert, in Artikel 20.
Art. 20
(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.
(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.
(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.
(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.
Deswegen ist es auch so komisch, wenn sich jemand als »Coach«, Psychologe, oder Trainer von der Unternehmerschaft einspannen lässt, die Mitarbeiter auf Vordermann zu bringen. Dann ist erst gar nicht die Frage gestellt worden, sind die Regeln, unter denen das Ganze stattfindet, überhaupt in Ordnung und von allen Teilnehmern gewollt, sondern es wird gleich drauflos geredet, was zu machen ist, und wie sich die Leute optimal verhalten sollten, um »im System« zu funktionieren.
Aber so lesen sich dann auch die Berichte. Sie sind ignorant gegenüber den Grundlagen des Zusammenarbeitens. Es wird gar nicht erst einmal geprüft, ob die Bedingungen für eine akzeptable Zusammenarbeit gegeben sind. Sondern drauflosgeredet, als ob »alles klar« sei, bei allen Mitwirkenden. - Aber das ist nicht der Fall.
Deshalb kommen solche Berichte, wie in Golem auch so schräg daher.
Besonders absurd wird es, wenn Coaching und psychologische Betreuung der Mitarbeiter »in der Firma« all das berücksichtigen will, was ein normaler Umgang unter Menschen sein soll, aber nach außen hin, in die Gesellschaft werden genau diese Regeln wieder außer Kraft gesetzt.
Was interessiert denn den Mitarbeiter »das gemeinsame Ziel« in der Firma, wenn er »in der Gesellschaft« mit Missachtung behandelt wird, durch die Jobcenter und Arbeitsagenturen und Politiker, und eher als »Arbeitssklave« denn als Mensch einen Umgang erfährt?
Es interessiert ihn überhaupt nicht.
Wer sich von den staatlichen Regeln für die Arbeitswelt hereingelegt fühlt, wird genau diese Erfahrung als eigenes Verhalten in die Unternehmen einbringen: den eigenen Vorteil suchen und das war es.
Eine Gesellschaft, die ihre Bürger als Arbeitssklaven missbraucht, verursacht dadurch keinen »Optimismus« in den Menschen, sondern eine innerlich feindselige Haltung gegenüber allen, die etwas von einem wollen. – Genau diesen misstrauischen Blick können wir in vielen Gesichtern unserer Mitmenschen sehen, wenn wir ihnen auf der Straße oder im Berufsleben begegnen.
Mit der »Vision« der Arbeitsgesellschaft, oder besser gesagt, mit dem Albtraum der SPD-Fantasien in der Agenda2010 oder in den Hartz4-Regeln, können sich die meisten Menschen nicht identifizieren. - Es ist eine reine Zumutung.
Motiviert eine Gehaltserhöhung oder der Optimismus des Teamleiters? – Keine Ahnung, Aber die Option aus solchen Arbeitsprojekten »jeder Zeit« auszusteigen, wenn einen das Gequassel der Kollegen stört, ist nicht gegeben, weil die Politiker die Gesetze dermaßen perfide gestaltet haben, dass ein Ausstieg aus den »miesen Jobs« nicht möglich ist. – Wer einfach seinen Arbeitsplatz kündigt, wird von den Arbeitsbehörden bestraft, mit einer dreimonatigen Arbeitslosengeld-Sperre. – So sollen Arbeitnehmer »erzogen« und integriert werden, durch die hinterhältigen Überlegungen der Gesetzesmacher!?
Wie soll sich ein »Vertrauensverhältnis« unter den Mitarbeitern am Arbeitsplatz ergeben, wenn das Zusammenkommen »von Anbeginn an« auf unehrlichen Grundlagen basiert? - Es ist unmöglich, da eine sachliche Situation zu erreichen.
Die Leute brauchen Geld, um existieren zu können.
Das hat aber nicht zwingend damit etwas zu tun, wo gerade ein Job zu haben oder eine Stelle frei ist. – Der überwiegende Teil der Bevölkerung nimmt sich die Arbeit, die zu kriegen ist.
»Ehrliche« Zusammenarbeitsverhältnisse würden anders aussehen. Da kann der Mensch seine eigene Situation in den Vordergrund stellen, und dann überlegen, wie passt »ein Job« dazu. - Das wäre ehrlich. - Heute sollen sich die Leute aber einem Arbeitsverhältnis unterwerfen.
Neuestes Beispiel sind die Mitarbeiter bei der Fluggesellschaft »Ryanair«. – Wahrscheinlich würde ein Großteil der Mitarbeiter da gar nicht arbeiten, wenn wir den Arbeitszwang in den Ländern nicht hätten.
Und so sind auch diese Coaching-Angebote innerhalb der Firmen reine Fassade, oder gar »glatte Lüge«, was die Motive und Interessen der Mitarbeiter angeht.
Den »Notfallplan« für unsere Gesellschaft hat Ralph Boes mit seinem »Stelenprojekt« ins Auge gefasst. – Wenn die Grundlagen unseres Zusammenwirkens in den Gesellschaften nicht mehr stimmen, müssen die Bürger selbst überlegen, wie geht es weiter. – Und es ist nicht verkehrt, sich dafür das Grundgesetz vorzunehmen und es nicht mehr aus dem Sinn zu lassen, wenn es darum geht, unser Gemeinwesen menschenrechtskonform zu gestalten.
Es ist wichtig, eine hohe »Sozialkompetenz« an den Tag zu legen, schreibt die Autorin. – Ja, die Bürgerinnen und Bürger müssen sich die Kompetenz erarbeiten und in Anspruch nehmen, ihre Gesellschaft zu gestalten. Dabei ist die Arbeitswelt nur ein kleiner Aspekt. Die Gesellschaft umfasst viel mehr Bereiche.
In der heutigen, von den Politiker wie ein Götzenbild angebeteten »Arbeitsgesellschaft«, wird das Arbeiten überhöht dargestellt, was nicht der Realität entspricht und nicht den menschlichen Bedürfnissen gerecht wird. – Deshalb sind »Managerfähigkeiten«, die sich im verengten Unternehmensblick ausleben, nicht entscheidend. – Die gesamten Rahmenbedingungen, unter denen gewirtschaftet wird und für Unternehmen das Umfeld darstellen, müssen überprüft werden, auf ihre »Sozialtauglichkeit«. Und eigentlich müsste es den studierten oder sonstwie gebildeten Psychologen, Pädagogen, Coaching-Spezialisten und Psychotrainern doch auffallen, dass in einer »Gesellschaft mit Arbeitszwang« unmöglich faire, gerechte und humane Bedingungen gegeben sind, für Teamwork. – Warum arbeiten sie dann in solchen Zusammenhängen!?
Marie Rövekamp schreibt im »Tagesspiegel« über die Arbeitswelt.
Eine Studie belege, dass der Missmut gegenüber dem Arbeitsplatz bei den Mitarbeitern zunimmt.
Sie schreibt: »Es ist seltsam: Der gute Arbeitsmarkt soll angeblich dazu führen, dass sich Bewerber ihre Stelle in Deutschland gerade aussuchen können. Wem was nicht passt, der zieht weiter.«
Was meint sie mit »zieht weiter«?
Auch hier wieder dieser unrealistische Blick, als ob die Bürger »frei« wären, ihr Arbeitsleben zu gestalten. – Tatsächlich muss doch jeder noch so miese Job behalten werden, wenn die Leute die Alternative kennen: Beim Jobcenter am Geldtropf hängen und in Armut leben.
So sind viele Menschen in einen Kokon gehüllt, der ihnen suggeriert, alles sei in Ordnung, wir haben einen »guten Arbeitsmarkt«, wie die Autorin schreibt. – Dabei mogelt sie, wenn sie verschweigt, dass wir im Land den Arbeitszwang haben.
Und die Unzufriedenheit vieler Menschen mit ihren Arbeitsplätzen hängt sicher auch damit zusammen, dass sie keine Alternative haben, zu diesen »miesen Jobs«. Die Arbeitsgesellschaft zwingt sie auf Gedeih und Verderb auf diesen Stellen zu hocken. – Vielleicht führt das aber zum Nachdenken, ob nicht doch das Bedingungslose Grundeinkommen die bessere Gesellschaftsgestaltung ist und dadurch der Arbeitsplatz sinnvoll relativiert wird.