Daniel Ott hat ein Hobby, das gefährlich werden kann: Er sucht im Landkreis Donau-Ries nach neuen Höhlen. Seine Freundin ist dabei seine Lebensversicherung.
Von Peter Urban | 15.05.24, 06:00 Uhr
Foto: Peter Urban
Der Rieser Höhlenforscher Daniel Ott (links) mit seinen Mitstreitern Jochen Kessens und Raffaela Karch. Das Hobby der Drei kann gefährlich werden.
Landkreis Donau-Ries: Daniel Ott befindet sich an diesem sonnigen Nachmittag in einem abgelegenen Waldstück, irgendwo im Landkreis Donau-Ries. Wo genau dieses Fleckchen Erde ist soll nicht veröffentlicht werden, darauf hat Ott bestanden. Zwei Gründe hat der dafür genannt: Es geht ihm darum, erstens keine Schaulustigen anzulocken, und zweitens ist sein aktueller Forschungsstandort noch nicht abgesichert. Denn Ott widmet sich der Höhlenforschung - und das kann durchaus gefährlich sein. "Höhenforschung ist die Raumfahrt des kleines Mannes" ,sagt der 31-Jährige und lacht. Er bezieht seine beiden Mitstreiter ein, die mit ihm heute ein veritables Einstiegsloch freigelegt haben. Raffaela Karch arbeitet wie Ott in einer sozialen Einrichtung und Jochen Kessens ist von Beruf Elektroingenieur. Alle drei sind semi-professionelle Höhenforscher und seit Jahren in der Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstätten vernetzt. Sie treffen sich meist am Wochenende, die Grabungszeiten sind von 10 bis 16 Uhr. "Danach bist du platt und schläfst in der Nacht wie ein Murmeltier" berichtet Ott und erzählt wie unglaublich viel Zeit er seinem Hobby widmet. Leider kann sich im Prinzip jeder Interessierte ohne allzu großen Aufwand eine höhlentaugliche Ausrüstung zulegen und die geheimnisvolle Welt der Höhlen auf eigene Faust aufsuchen. Tatsächlich aber bedarf es jeder Menge Erfahrung, es ist alles andere als ein Spaß für Rambos oder Hasardeure. Es kann schnell akut lebensgefährlich werden. Selbstverständlich hat Ott für sich und sein Team auch für diese Grabung vorab alle notwendigen behördlichen Genehmigungen eingeholt. Lange hatte er in diesem Gebiet nach möglichen Anzeichen gesucht und ist sich jetzt sicher, auf einem guten Weg zu sein. "Hier schaut es gut aus, alle Hinweise scheinen positiv zu sein. Wenn wir Glück haben könnten wir auf eine mehrere Kilometer lange Höhle stoßen." Doch vor dem möglichen Erfolg steht eine Menge schwere Arbeit. Von Hand wird Eimer für Eimer der Schutt, der den Einstieg noch verbaut, nach oben abtransportiert. Beim Besuch unserer Redaktion war ein für den Laien plausibler Eingang in bestimmt zehn Metern tiefe deutlich zu sehen. Wenngleich er für klaustrophobische Menschen alles andere als einladend wirkt. Aber die drei Entdecker sind guter Hoffnung, im laufe des Tages noch ein gutes Stück weiter zu kommen. "Wenn man damit mal angefangen hat, kann man nicht mehr davon lassen", sagt Ott. "es ist super spannend, vielleicht etwas zu entdecken, was noch niemals ein Mensch vor dir gesehen hat." Er gibt zu, dass ihn sein Forscherdrang süchtig gemacht hat. Was seine Freundin dazu sagt? Ott lacht: "Eigentlich ist sie schuld an meinem Bock auf Höhlen. Sie hat mir einen Gutschein für die Erkundung einer Wasserhöhle geschenkt. Seitdem bin ich der Speläologie hoffnungslos verfallen." Sie ist allerdings auch seine Lebensversicherung. Mit ihr hat er eine klare Vereinbarung: Wenn er sich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht bei mir meldet, setzt sie - ohne weiteres Zögern - eine Rettungskette von Fachleuten in Gang, die dann das Schlimmste zu verhindern sucht. Ob Ott mit seinen Mitstreitern tatsächlich eine neue Höhle entdeckt hat? Er hat zugesichert, unsere Redaktion zu informieren.
Quelle: https://www.augsburger-allgemeine.de/noerdlingen/landkreis-donau-ries-die-hoehlenforscher-sind-auf-der-suche-nach-einer-unentdeckten-hoehle-id70656321.html
Höhlenforschung
Daniel Ott im Schlatz, dem Overall der Höhlenforscher, bevor er in den "Höllschlund" steigt.
Monheimer Alb
Höhlen ermöglichen einen einmaligen Blick in die Erdgeschichte. Nördlich von Wemding gräbt eine Gruppe eine Höhle namens „Höllschlund“ aus. Das Forschungsteam erkundet die Höhle, um mehr über die Geologie in der Region zu erfahren.
Bisher waren zwölf Menschen auf dem Mond. Dort, wo wir uns heute hinbegeben, waren weniger Menschen! „Das ist es auch, was für mich den großen Reiz an der Sache ausmacht“, sagt Daniel Ott. Er ist begeisterter Höhlenforscher und war unter anderem schon im bekannten Blautopf als Höhlentaucher unterwegs. Als Forschungsleiter der IG Speleo ist er zurzeit dabei, eine Höhle bei Wemding zu erschließen.
„Aus Sicherheitsgründen muss der genaue Ort der Höhle geheim bleiben, denn die Höhlenforschung ist nicht ungefährlich", sagt Ott, als wir uns an dem Waldgebiet bei Wemding treffen. Deshalb gilt ein strenges Sicherheitsprotokoll und Besucher müssen vorab eine Haftungsfreistellung unterzeichnen. Zum Sicherheitsprotokoll gehören auch regelmäßige Meldungen. Bleiben diese aus, wird die Höhlenrettung alarmiert.
Das Waldgebiet hier ist von vielen Dolinen, trichterförmigen Karstlöchern übersäht. Vor etwa zwei Jahren entdeckte er mit seinen Mitstreitern am Boden einer solchen die Höhle. Hier versickerte über viele Jahrtausende das Regenwasser. Dadurch wurde der Kalkstein aufgelöst – die Höhle entstand.
Eine Passage in der Höhle. Bild: Matthias Stark
Der Grund der Doline liegt rund 15 Meter unterhalb des Waldbodens. Die Senke ist zwar deutlich erkennbar, dass darunter eine Höhle liegt, kann man mit ungeübten Augen aber nicht erahnen. Otts Forschungen haben jedoch bestätigt: Hier gibt es eine Höhle! Der Forschungsleiter erklärt, dass er und sein Team in den letzten Monaten rund 15 Meter Höhlenraum freigelegt haben - in reiner Handarbeit.
„Das ist das Ergebnis von etwa einem Jahr Arbeit. Wir haben dafür die Höhle von Steinen, Geröll und Schlamm befreit. Das ist eine wahre Knochenarbeit“, berichtet Ott von seiner Arbeit.
Über einen Schacht gelangt man in die Höhe. Der Zugang ist aus Sicherheitsgründen mit einem festen Gitter verschlossen. Es geht fünf Meter senkrecht in die Tiefe, ehe die eigentliche Höhle beginnt. Von hier muss man erst einmal ein Stück kriechen. Und das ist eben jener Ort, an dem bisher nur eine Handvoll Menschen war.
Wer die Höhle hinab klettert, trägt neben Gummistiefeln und Helm auch einen sogenannten Schlatz, einen Overall für Höhlenforscher aus einem strapazierfähigen Material - bereits nach der Kriechpassage ist man voller Schlamm! Doch das Erlebnis, hier unter der Erde zu sein, ist beeindruckend.
Wie groß die Höhle tatsächlich ist, ist bisher noch nicht abzusehen. Ott und sein Team haben die Höhle bei Starkregen beobachtet und festgestellt: Das Wasser staut sich nicht, sondern fließt schnell ab. Das spricht dafür, dass die Höhle dahinter sehr groß sein könnte. Auch ein stetiger Luftzug ist zu spüren.
"Wir haben im gesamten Bereich hier Dolinen und vermuten deshalb große Höhlenzüge", erklärt der Forschungsleiter. Er ist zum jetzigen Zeitpunkt 20 bis 25 Meter tief unter die Oberfläche durchgedrungen. Bis zum Grundwasser könnten es noch einmal 15 Meter sein, wird vermutet. "Da das Wasser abläuft, rechnen wir mit einer weiteren Höhle“, erklärt der Forschungsleiter.
Die Grabungen gehen also weiter! Im Herbst wollen Daniel Ott und seine IG Speleno weiterforschen und sich auf die Suche machen, wohin die Höhle führt.
Wer sich über die die Höhlenforschung im Landkreis informieren möchte, der findet auf der Website der IG mehr Informationen: IG Speleo Donau-Ries
Quelle: https://www.donau-ries-aktuell.de/natur-und-umwelt/wo-noch-niemand-war-wemding-94415