Dieses Modul betont die Bedeutung der aktiven Einbindung von Familien sowie die Förderung einer einrichtungsweiten Kultur der Inklusion. Es vermittelt praxisnahe Strategien zum Aufbau von Vertrauen mit Bezugspersonen, zur Nutzung ihrer Einsichten für eine wirksame Unterstützung der Kinder und zur Stärkung gemeinsamer Werte innerhalb des Kletterteams.
🎯 Lernziele
Die Teilnehmenden können:
Respektvolle und konstruktive Beziehungen zu Familien aufbauen.
Informationen und Einsichten von Bezugspersonen gezielt nutzen, um neurodivergente Kinder besser zu unterstützen.
Angemessen und sicher auf Rückmeldungen von Eltern reagieren.
Eine Kultur der Inklusion im gesamten Kletterteam und in der Einrichtung fördern.
👥 Zielgruppe
Klettertrainer:innen und -coaches
Studio- und Anlagenpersonal
Familien und Bezugspersonen
📌 Zentrale Konzepte
Familienengagement als Grundpfeiler inklusiver Praxis
Aktives Zuhören und respektvoller Dialog
Sammeln und Anwenden wichtiger Informationen (z. B. Auslöser, Beruhigungsstrategien)
Anpassung der Unterstützung auf Grundlage von Familien-Input
Förderung gemeinsamer Werte und konsistenter Botschaften im Team
Vertrauensaufbau durch offene Kommunikation und klare Abläufe
Willkommens- und Orientierungspraktiken für neue Familien
Die Zusammenarbeit mit Familien von Kindern mit neurodivergenten Merkmalen ist entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung inklusiver Kletterprogramme. Dieses Modul konzentriert sich auf den Aufbau von Vertrauen, den Informationsaustausch und die Etablierung einer gemeinsamen Kultur der Akzeptanz und Anpassung innerhalb des Kletterteams. Die Teilnehmenden lernen, dass die Einbindung der Eltern nicht nur die Unterstützung eines einzelnen Kindes bedeutet, sondern die Grundlage für ein breiteres inklusives Umfeld bildet.
Familien sind oft die beständige Konstante im Alltag eines Kindes. Sie verfügen über ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse, Reaktionen, Gewohnheiten und Strategien, die zu Hause oder in anderen Situationen funktionieren. Wenn Trainer Eltern als Teil des Teams betrachten, entsteht mehr Vertrauen, weniger Missverständnisse und eine bessere Planung.
Wichtige Gründe für die aktive Einbindung von Eltern:
Eltern können frühzeitig auf mögliche Auslöser oder notwendige Anpassungen hinweisen.
Informationen reduzieren die Unsicherheit bei den Trainer*innen.
Offene Kommunikation verringert die Wahrscheinlichkeit von Konflikten.
Das Kind erhält einheitliche Botschaften aus dem Zuhause und der sportlichen Umgebung.
Wesentliche Informationen respektvoll einholen
Einer der häufigsten Fehler besteht darin, Fragen zu stellen, die aufdringlich oder zu „medizinisch“ wirken. Stattdessen sollten Trainer*innen Fragen stellen, die sich auf die praktischen Bedürfnisse des Kindes und seine alltäglichen Reaktionen konzentrieren.
Beispiele für hilfreiche Fragen:
Was hilft dem Kind normalerweise, wenn es sich in einer neuen Situation befindet?
Woran erkennen Sie, dass das Kind gestresst ist?
Gibt es wichtige Routinen, die dem Kind Sicherheit geben?
Was hilft dem Kind normalerweise, wenn es aufgeregt oder verärgert ist?
Es ist wichtig, den Eindruck zu vermitteln, dass diese Fragen nicht wegen eines „Hindernisses“ gestellt werden, sondern im Sinne des allgemeinen Erfolgs und Wohlbefindens des Kindes.
Vertrauen aufbauen und respektvolle Haltung zeigen
Vertrauen entsteht durch konsequente, respektvolle und offene Interaktionen – nicht nur, wenn Probleme auftreten.
Wichtige Praktiken zum Aufbau von Vertrauen:
Begrüßen Sie Eltern oder Erziehungsberechtigte immer beim Ankommen oder Verlassen.
Bieten Sie ein kurzes Gespräch und ein Informationsblatt (z. B. Fragebogen) an, wenn Sie das erste Mal involviert sind.
Teilen Sie regelmäßig kleine Erfolge oder Beobachtungen („Heute hat er/sie zum ersten Mal allein geklettert…“).
Wenn ein Problem auftritt, reagieren Sie ruhig und ohne Vorwürfe – laden Sie zum Gespräch ein.
Eine einheitliche Teamstimme – Förderung einer inklusiven Kultur
Eine inklusive Kultur ist nicht die Aufgabe einer einzelnen Person, sondern das Ergebnis der Abstimmung des gesamten (Betreuungs-) Teams. Es ist wichtig, dass alle Trainer:innen und Mitarbeiter:innen die Absprachen mit den Eltern verstehen, ähnliche Begriffe verwenden und im Einklang mit gemeinsamen Werten handeln.
Beispiele für gemeinsame Praktiken:
Festlegen, welche grundlegenden Informationen jeder Trainer kennen sollte (z. B. Auslöser, Sicherheitssignale).
Dasselbe Feedbacksystem verwenden (Notizen, E-Mail, Gespräch).
Wenn ein:e Trainer:in Informationen erhält, diese klar und respektvoll an das Team weitergeben.
Eltern merken schnell, wenn „das Team nicht dieselbe Sprache spricht“ – das kann zu Misstrauen führen.
Wie man bei Kritik oder Bedenken reagiert
Elterliches Feedback ist kein Angriff – meist drückt es Sorge, Verwirrung oder Frustration aus, weil Eltern nicht genügend Einblick haben oder das Gefühl haben, dass das Kind nicht gehört wird.
Schritte für den Umgang mit Kritik:
Zuerst zuhören – nicht unterbrechen.
Gefühle anerkennen: „Ich verstehe, dass Sie besorgt sind.“
Eine Lösung anbieten oder zumindest den nächsten Schritt aufzeigen: „Ich spreche mit einer Kollegin/einem Kollegen und melde mich dann bei Ihnen.“
Defensive Formulierungen vermeiden („Das stimmt nicht.“ oder „Wir machen das immer so.“).
Ein professioneller und empathischer Ton, selbst in schwierigen Gesprächen, schafft langfristig Vertrauen.
Fallstudie: Tagesroutine für Lana
Lana ist 9 Jahre alt und hat eine autistische Störung. Bei ihren ersten Besuchen im Klettertraining blockierte sie oft gleich zu Beginn der Stunde. Die Eltern berichteten, dass sie zu Hause immer zunächst 5 Minuten in einer ruhigen Ecke braucht, bevor sie eine neue Aktivität beginnt.
Der Trainer richtete daher eine „Einführungsecke“ mit einem weichen Kissen ein, in der Lana die anderen Kinder ein paar Minuten beobachten konnte.
Nach zwei Wochen begann Lana sofort mitzumachen, sobald sie ankam. Die Eltern berichteten, dass sie zum ersten Mal das Gefühl hatten, dass jemand ihre Bedürfnisse wirklich wahrnimmt – und Lana fragte jede Woche: „Wann gehen wir wieder?“
Wichtige Erkenntnisse für die Umsetzung in die Praxis
Vertrauen wird gerade dann aufgebaut, wenn ein Problem auftritt – durch regelmäßige und menschliche Kommunikation.
Eltern sind Partner, kein „Problem“, das man verwalten muss.
Klare Fragen, regelmäßiges Feedback und eine einheitliche Teamstimme bilden die Grundlage für eine sichere Umgebung.
Jeder Kontakt mit einem Elternteil ist eine Gelegenheit, eine Kultur der Zusammenarbeit und Inklusion zu festigen.
Nächste Schritte:
Stellen Sie sicher, dass ein System zur Erfassung von Elterninformationen vorhanden ist (Formular, Fragen, kurzes Interview).
Vereinbaren Sie im Team, welche Informationen weitergegeben werden müssen.
Notieren Sie nach jeder Trainingseinheit einen positiven Moment – und teilen Sie ihn einmal pro Woche mit den Eltern.
Szenario-Analyse: Zusammenarbeit mit Eltern
Ziel der Aktivität:
Die Teilnehmenden entwickeln ein Verständnis dafür, wie sie effektiv mit Eltern kommunizieren und deren Informationen in die Planung von Übungen einbeziehen können. Durch praxisnahe Beispiele lernen sie, auf herausfordernde Situationen zu reagieren und Kooperation zu fördern.
Beschreibung der Situation:
Ein Elternteil besteht darauf, dass sein Kind mehr Chancen erhält als andere – mehr Zeit an der Wand, zuerst an der Reihe, ständige Aufmerksamkeit. Dabei unterbricht er häufig die Übung mit Anweisungen an den Trainer und sorgt für Unbehagen bei anderen Eltern und Kindern.
Aufgaben für die Teilnehmenden:
Wie reagieren Sie respektvoll auf übermäßige Einmischung eines Elternteils?
Wie setzen Sie Grenzen ohne Konflikte?
Wie sichern Sie die Erfahrung der gesamten Gruppe?
Ziel:
Selbstsicherheit im Umgang mit anspruchsvollen Erwartungen entwickeln und Gruppendynamik schützen.
Beschreibung der Situation:
Nach der Übung sagt ein Elternteil: „Ich glaube nicht, dass Sie wissen, was Sie mit Kindern wie meinem tun.“ Er zweifelt an Ihren Methoden und wirkt misstrauisch gegenüber dem Programm.
Aufgaben für die Teilnehmenden:
Wie reagieren Sie, ohne defensiv zu werden?
Wie beziehen Sie die Eltern in eine Lösung ein, statt in einen Konflikt?
Welche Informationen könnten Sie vorher gesammelt haben, um Vertrauen aufzubauen?
Ziel:
Kritik als Chance zur Verbesserung und zur Stärkung der Partnerschaft akzeptieren.
Beschreibung der Situation:
Das Kind erlebt während der Übung einen starken emotionalen Ausbruch. Später erfahren Sie, dass das Kind Angststörungen hat und bekannte Auslöser bestehen, die Ihnen nie mitgeteilt wurden.
Aufgaben für die Teilnehmenden:
Wie sprechen Sie die Eltern nach einem Vorfall an?
Wie schaffen Sie einen Raum, in dem Eltern sensible Informationen sicher teilen können?
Wie können Sie die Datenerhebung zu Beginn verbessern?
Ziel:
Bewusstsein für die Bedeutung gezielter Fragen und Vertrauensaufbau zu Beginn der Zusammenarbeit schaffen.
Dauer: 30–45 Minuten
Methode: Arbeit in Paaren oder Kleingruppen (3–4 Personen)
Werkzeug: Ausgedruckte Szenarienblätter mit Platz für Notizen
Anleitung für Teilnehmende:
Lesen Sie das zugewiesene Szenario.
Schreiben Sie Ihre vorgeschlagenen Reaktionen und Strategien auf.
Stellen Sie Ihre Lösung dem Team vor.
Gruppenbesprechung – Vergleich der Ansätze und Austausch von Erfahrungen.
Empathie- und Kommunikationsfähigkeiten stärken
Fähigkeiten zum Setzen von Grenzen und zur Selbstsicherheit entwickeln
Die Bedeutung der Zusammenarbeit mit Familien für das Wohl der Kinder erkennen
Trainer auf realistische und emotional anspruchsvolle Situationen vorbereiten
Unten finden Sie eine Reihe praktischer, textbasierter Hilfsmittel, die Ihnen dabei helfen, die Prinzipien des Moduls „Zusammenarbeit mit Familien und Förderung einer unterstützenden Kultur“ umzusetzen. Diese Ressourcen unterstützen inklusive Kommunikation, fördern die Konsistenz im Team und helfen dabei, vertrauensvolle Beziehungen zu den Angehörigen neurodiverser Kinder aufzubauen.
Die Tools helfen Ihnen, Informationen der Familien zu sammeln und anzuwenden, souverän auf Anliegen zu reagieren und eine Kultur der Zusammenarbeit und gemeinsamen Verantwortung in Ihrer Einrichtung zu fördern.
Eine Planungsvorlage, die Coaches und Mitarbeitende bei der Vorbereitung auf Erst- oder Folgetermine mit Angehörigen unterstützt.
Wichtige Abschnitte:
Fokus der Sitzung oder Veranstaltung:
Was ist der Zweck des bevorstehenden Kontakts? (z. B. Aufnahmegespräch, Feedback-Follow-up, Fortschrittsmitteilung)
Informationen, die von der Familie gesammelt werden sollen:
Routinen, sensorische Empfindlichkeiten, Trigger
Erfolgreiche Strategien, die zu Hause funktionieren
Soziale oder emotionale Ziele
Informationen, die mit der Familie geteilt werden sollen:
Struktur und Ablauf der Sitzung
Anpassungen oder vorhandene Unterstützungen
Wie Feedback gesammelt und genutzt wird
Bevorzugte Kommunikationsmethode & Häufigkeit:
(z. B. nach der Sitzung, monatliches Update, nur bei Problemen)
Eine Schnellreferenz, um sicherzustellen, dass die Kommunikation mit Angehörigen klar, inklusiv und vertrauensbildend ist.
Checklisten-Punkte:
☐ Ich habe eine klare, respektvolle Sprache verwendet und Fachjargon vermieden.
☐ Ich habe offene Fragen gestellt und ausreichend Zeit für Antworten gegeben.
☐ Ich habe die Einsichten der Familie anerkannt und mich bedankt.
☐ Ich habe auf frühere Anliegen oder Vorschläge reagiert.
☐ Ich habe geklärt, wie wir in Kontakt bleiben und Optionen angeboten.
☐ Ich habe auf meinen Tonfall, meine Körpersprache und aktives Zuhören geachtet.
Eine visuelle Einführung, die den Angehörigen bei der Anmeldung übergeben wird.
Enthält:
Foto oder Name des Coaches und Kontaktinformationen
Beispielhafter Ablauf oder Struktur einer typischen Sitzung
Symbole für wichtige Prinzipien: Sicherheit, Unterstützung, Wahlmöglichkeiten, Kommunikation
Bestätigung, dass das Wissen der Familie wertgeschätzt wird und dazu dient, das Kind bestmöglich zu unterstützen
Kurzes FAQ:
„Was, wenn mein Kind einen schwierigen Tag hat?“
„Kann ich dem Team Updates geben?“
Ein Tool für Coaches oder Leitungskräfte, um Rückmeldungen von Angehörigen zu erfassen und sicherzustellen, dass diese zu realen Veränderungen in der Praxis führen.
Zentrale Anwendung:
Anliegen, Vorschläge und Beobachtungen der Familien dokumentieren
Maßnahmen oder Anpassungen festhalten
Nachverfolgung und Ergebnisse dokumentieren, um sicherzustellen, dass das Feedback in die Planung einfließt
Zusammenfassungen im Team teilen, um eine einheitliche Vorgehensweise zu gewährleisten
Verwenden Sie dieses Protokoll, um:
Änderungen zu dokumentieren, die als Reaktion auf Anliegen der Familien vorgenommen wurden
Konsistenz bei der Nachverfolgung zu überwachen
Reflexionsprozesse während Teambesprechungen zu unterstützen
Ein einfaches Beobachtungsblatt, um die Entwicklung der Beziehungen zu Familien über die Zeit zu verfolgen und auszuwerten.
Wichtige Indikatoren:
Offenheit für Kommunikation
Häufigkeit der Kontakte
Art des Feedbacks (positiv, neutral, besorgt)
Reaktionsbereitschaft auf Veränderungen
Notizen zu wichtigen Entwicklungen
Diese Takeaway-Ressourcen bieten praktische Hilfsmittel, um sicherzustellen, dass die Zusammenarbeit mit Familien konsistent, respektvoll und fest in Ihrer Coaching-Kultur verankert ist. Durch regelmäßige Nutzung können Sie:
Die Kommunikation mit den Angehörigen verbessern
Die Unterstützung für jedes Kind personalisieren
Eine teamweite Abstimmung bei inklusiven Praktiken gewährleisten
Stärkere, langfristige Partnerschaften mit Familien aufbauen
Präsentation + Diskussion über die Rolle der Eltern: 10 Minuten
Infografik-Überblick und Beispiele guter Praxis: 10 Minuten
Video „Das Elterngespräch“ + kurze Analyse: 10 Minuten
Szenarioanalyse (3 Beispiele in Gruppen): 20 Minuten
Abschließende Diskussion und Reflexion: 5 Minuten
Ausfüllen des Bewertungs-/Feedbackbogens: 5 Minuten
🕒 Geschätzte Gesamtdauer: 60 Minuten
✅ Kurzes Quiz – Zusammenarbeit mit Eltern
Zweck: Überprüfen des Verständnisses der zentralen Inhalte und Ansätze zur Kooperation mit Eltern.
Warum ist es wichtig, Familien nach den Routinen und Triggern ihres Kindes zu fragen?
a) Um Vergleiche mit anderen Kindern anzustellen.
b) Um Konflikte mit den Eltern zu vermeiden.
c) Um die Unterstützung besser anzupassen und ein vorhersehbares Umfeld zu schaffen. ✅
d) Um die Sitzungsdauer zu verkürzen.
Wie sollte man auf Kritik oder Anliegen von Eltern reagieren?
a) Erklären, warum sie falsch liegen.
b) Das Thema vermeiden.
c) Das Anliegen anerkennen und anbieten, nachzufassen. ✅
d) Sagen, sie sollen sich an die Leitung wenden.
Was bedeutet „gemeinsame Team-Kommunikation“ in einer inklusiven Einrichtung?
a) Alle Mitarbeitenden übermitteln konsistente und respektvolle Botschaften an die Familien. ✅
b) Nur der Cheftrainer spricht mit den Eltern.
c) Mitarbeitende kommunizieren hauptsächlich mit Fachbegriffen.
d) Jeder gibt seine eigene Meinung weiter.
Wenn Eltern keine Informationen über die Bedürfnisse ihres Kindes geben, ist der beste Ansatz:
a) Sanft gezielte, offene Fragen stellen und Vertrauen aufbauen. ✅
b) Annehmen, dass das Kind keine Unterstützung braucht.
c) Abwarten, bis Probleme auftreten.
d) Das Kind vor der Gruppe besprechen.
Reflexionsfrage:
Nach Abschluss dieses Moduls: Was ist eine konkrete Sache, die Sie bei der Kommunikation mit Familien in Ihrer nächsten Sitzung ändern oder anwenden werden?