Dieses Einführungsmodul definiert inklusives Klettern und erklärt seine Bedeutung für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS), ADHS und geistigen Beeinträchtigungen (GB).
Es beschreibt die Vorteile des Kletterns für neurodiverse Kinder, benennt häufige Teilhabehindernisse und stellt die Kernwerte des ClimbAbility-Projekts vor.
🎯 Lernziele
Die Teilnehmenden können:
das Konzept und die Vorteile des inklusiven Kletterns erklären.
soziale, umweltbedingte und strukturelle Barrieren identifizieren.
die Inklusionswerte und Ziele von ClimbAbility verstehen.
die Inklusivität von Kletterumgebungen einschätzen und verbessern.
inklusive Methoden bei der Planung und Durchführung von Klettersessions anwenden.
👥 Zielgruppe
Klettertrainer*innen und -coaches
Hallenpersonal und Anlagenleiter*innen
Familien und Betreuungspersonen
📌 Zentrale Konzepte
Was ist inklusives Klettern und warum ist es wichtig?
Vorteile für Kinder mit ASS, ADHS und GB
Barrieren für die Teilhabe
Inklusionswerte (Respekt, Gerechtigkeit, Anpassungsfähigkeit, Zusammenarbeit, Empowerment)
Praktische Strategien zur Förderung inklusiver Praxis
Inklusives Klettern bedeutet, allen Personen gleiche Möglichkeiten zur Teilnahme, zum Erfolg und zur Freude am Klettern zu bieten – unabhängig von Fähigkeiten oder Beeinträchtigungen. Für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS), Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und geistigen Beeinträchtigungen (GB) bietet inklusives Klettern besondere Chancen zur Verbesserung der körperlichen Koordination, sozialer Fähigkeiten, des Selbstvertrauens und des emotionalen Wohlbefindens.
Inklusives Klettern geht über den reinen physischen Zugang hinaus. Es umfasst die Anpassung von Aktivitäten, Kommunikationsweisen und Umweltbedingungen, um unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, und schafft Kletterräume, die einladend, unterstützend und empowernd für alle sind.
Klettern bietet Kindern mit ASS, ADHS und geistigen Beeinträchtigungen (GB) in mehreren wichtigen Bereichen besondere Vorteile:
Körperliche Entwicklung:
Klettern stärkt Kraft, Gleichgewicht, Koordination und motorische Planung. Diese Verbesserungen wirken sich positiv auf alltägliche Aktivitäten aus – von der Schule bis zu sozialen Interaktionen.
Kognitive Fähigkeiten:
Das Bewältigen von Kletterrouten erfordert Problemlösungs- und Entscheidungsfähigkeiten. Kinder üben dabei Bewegungen zu planen, Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zu verstehen und ihre Konzentration und Aufmerksamkeit zu steigern.
Soziale und emotionale Entwicklung:
Klettersessions fördern Teamarbeit, Kommunikation und gegenseitige Unterstützung. Fortschritte beim Klettern können das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl der Kinder deutlich stärken.
Sensorische Integration:
Klettern bietet vielfältige sensorische Erfahrungen, die Kindern helfen können, ihre sensorischen Reaktionen besser zu regulieren und Stress sowie Angstgefühle zu reduzieren.
Despite its benefits, children with special needs often face multiple barriers to participating fully in climbing activities:
Sensory Overload:
Loud noises, bright lights, and crowded environments can overwhelm children sensitive to sensory stimuli.
Physical Access:
Many climbing facilities lack ramps, adapted harnesses, or accessible routes, limiting participation.
Social Barriers:
Misunderstandings about the capabilities of neurodiverse children can result in exclusion or reduced expectations.
Communication Challenges:
Abstract instructions or complex verbal explanations can cause confusion and frustration.
Fear and Anxiety:
Many children may feel anxious about performance, social interaction, or the unfamiliar environment.
Understanding these barriers is crucial to designing effective inclusive climbing experiences.
Trotz der vielen Vorteile stehen Kinder mit besonderen Bedürfnissen häufig vor verschiedenen Hindernissen, die eine volle Teilnahme am Klettern erschweren:
Sensorische Überlastung:
Laute Geräusche, grelles Licht und überfüllte Umgebungen können Kinder, die empfindlich auf sensorische Reize reagieren, überfordern.
Physischer Zugang:
Viele Klettereinrichtungen verfügen nicht über Rampen, angepasste Gurte oder barrierefreie Routen, was die Teilnahme einschränkt.
Soziale Barrieren:
Missverständnisse über die Fähigkeiten neurodiverser Kinder können zu Ausschluss oder verringerten Erwartungen führen.
Kommunikationsschwierigkeiten:
Abstrakte Anweisungen oder komplexe verbale Erklärungen können Verwirrung und Frustration hervorrufen.
Angst und Unsicherheit:
Viele Kinder fühlen sich möglicherweise unsicher hinsichtlich ihrer Leistung, sozialer Interaktionen oder der ungewohnten Umgebung.
Das Verständnis dieser Barrieren ist entscheidend, um inklusive Klettererlebnisse effektiv zu gestalten.
Die Umsetzung von inklusivem Klettern erfordert gezielte Strategien:
1. Klare und einfache Kommunikation:
Verwenden Sie visuelle Hilfsmittel (z. B. Bilder, visuelle Zeitpläne) zusätzlich zu verbalen Anweisungen.
Halten Sie die Sprache einfach und konsistent.
Bieten Sie häufig Demonstrationen und Beispiele an.
2. Sensorisch freundliche Umgebungen:
Schaffen Sie ruhige Bereiche oder Pausen innerhalb der Kletterbereiche.
Passen Sie Licht- und Geräuschpegel an, um sensorische Überlastung zu reduzieren.
Planen Sie Sitzungen nach Möglichkeit zu weniger frequentierten Zeiten.
3. Anpassung der Aktivitäten:
Führen Sie vereinfachte oder farbcodierte Kletterrouten ein.
Nutzen Sie Geschichten und Spielelemente, um Motivation und Engagement zu steigern.
Ermöglichen Sie flexible Methoden zur Aufgabenerfüllung, um unterschiedlichen Fähigkeiten gerecht zu werden.
4. Positive Verstärkung und Ermutigung:
Feiern Sie Anstrengung und Fortschritte, nicht nur das Erreichen eines Ziels.
Geben Sie regelmäßiges, klares und sinnvolles Feedback, um das Selbstvertrauen zu stärken.
Fördern Sie gegenseitige Unterstützung und Teamarbeit in kleinen Gruppen.
„Diese Kletteraufgabe anpassen“
Ziel:
Die Teilnehmenden wenden die grundlegenden Prinzipien des inklusiven Kletterns an, um Standard-Kletteraufgaben in inklusive, zugängliche und motivierende Aktivitäten für Kinder mit ASS, ADHS oder geistigen Beeinträchtigungen (GB) zu transformieren.
Anleitung:
Schritt-für-Schritt-Prozess:
1. Szenario auswählen (5 Min.):
Wählen Sie eine gängige Kletteraktivität aus Ihren regulären Einheiten (z. B. Grundwandklettern, Bouldern, Seilklettern).
2. Potenzielle Barrieren identifizieren (5 Min.):
Betrachten Sie das Szenario aus der Perspektive von Kindern mit ASS, ADHS oder GB.
Welche sensorischen Probleme könnten auftreten?
Welche Kommunikationsschwierigkeiten könnten entstehen?
Vor welchen sozialen oder emotionalen Barrieren könnten die Teilnehmenden stehen?
3. Anpassungsübung (10 Min.):
Passen Sie Ihre gewählte Kletteraktivität unter Berücksichtigung der identifizierten Barrieren an. Entwickeln Sie praktische Lösungen unter Verwendung der in diesem Modul behandelten inklusiven Strategien.
Beachten Sie dabei:
Kommunikation: Nutzen Sie visuelle Hilfsmittel oder vereinfachte Anweisungen.
Umgebung: Passen Sie Licht, Lärmpegel an oder schaffen Sie sensorisch freundliche Bereiche.
Struktur der Aktivität: Vereinfachen, gamifizieren oder personalisieren Sie die Übung.
4. Teilen & Diskutieren (10 Min.):
Teilen Sie Ihre angepasste Aktivität in Kleingruppen oder Paaren. Diskutieren Sie:
Welche Anpassungen waren am effektivsten?
Wie könnten diese Anpassungen praktisch in Ihrer Einrichtung umgesetzt werden?
Wie könnten diese Anpassungen die Teilnehmenden positiv beeinflussen?
Beispielszenario (zur Verdeutlichung):
Originalaufgabe: Klettern an einer senkrechten Wand mit Grundgriffen.
Potenzielle Barrieren: Sensorische Überlastung (Lärm durch andere Kletterer), Verwirrung durch verbale Anweisungen.
Anpassung:
Visuelle Anweisungen bereitstellen, die die Kletterbewegungen Schritt für Schritt zeigen.
Farblich kodierte Griffe und visuelle Kontrollpunkte zur Vereinfachung der Route nutzen.
Klettern zu ruhigeren Zeiten planen oder einen ruhigen Bereich einrichten.
Reflexion & Nachbesprechung (optional):
Reflektieren Sie individuell oder in Gruppen:
Wie hat diese Übung Ihr Verständnis inklusiver Praxis beeinflusst?
Welche eine Sache werden Sie direkt in Ihrer nächsten Klettersession umsetzen?
Diese Checkliste hilft Ihnen sicherzustellen, dass Ihre Klettersession inklusiv, zugänglich und einladend für Kinder mit ASS, ADHS und geistigen Beeinträchtigungen (GB) ist.
Verwenden Sie die Checkliste vor und während jeder Klettersession, um schnell zu prüfen, ob Ihre Session den inklusiven Best Practices entspricht.
✅ Vor der Session
Umgebung:
Ruhiger Bereich verfügbar (Sensorik-Pause eingerichtet)
Geräuschpegel angepasst (Musik reduziert, ruhige Zeiten geplant)
Beleuchtung angepasst (angenehm, keine grellen Lichter)
Aktivitätsplanung:
Klare & einfache Aktivitätsanweisungen vorbereitet (visuelle Zeitpläne, einfache Texte, Piktogramme)
Alternative Aktivitäten verfügbar (verschiedene Schwierigkeitsgrade, sensorisch freundliche Optionen)
Materialien bereit (farbcodierte Griffe, visuelle Fortschrittsanzeigen, angepasste Gurte)
Kommunikation:
Visuelle Kommunikationshilfen vorbereitet (Piktogramme, Schritt-für-Schritt-Visuelle Anleitungen)
Einfache und klare Sprachrichtlinien festgelegt (kurze Sätze, wiederholte Phrasen)
✅ Während der Session
Begrüßung & Einführung:
Freundliche, ruhige Begrüßung (herzliches Willkommen, entspannte Körpersprache)
Sessionsstruktur klar erklären mithilfe des visuellen Zeitplans
Durchführung der Aktivität:
Aktivitäten visuell demonstrieren (Schritt-für-Schritt-Anleitung)
Häufig positive Verstärkung verwenden (Anstrengung und Engagement anerkennen)
Regelmäßig Komfort & sensorische Bedürfnisse prüfen (Körpersprache beobachten, Pausen ermöglichen)
Soziale Umgebung:
Peer-Interaktionen positiv fördern (geführte Interaktionen, Teamübungen)
Wettbewerbsfreie Umgebung sicherstellen (Fokus auf Fortschritt, nicht auf Wettbewerb)
✅ Nach der Session
Rückblick & Feedback:
Visuelles oder einfaches verbales Feedback geben (Positive Aspekte hervorheben, Erfolge klar anerkennen)
Feedback von Teilnehmenden und Betreuungspersonen einholen (kurzes Check-in, einfaches Feedback-Formular)
Vorbereitung der nächsten Session:
Notwendige Anpassungen notieren (sensorische Präferenzen, Kommunikationsstil)
Fortschrittsanzeige aktualisieren (Erfolge der Teilnehmenden visuell dokumentieren)
Video-Lektion: 5 Minuten
Lesen der Unterrichtsmaterialien: 20 Minuten
Praxisübung („Diese Kletteraufgabe anpassen“): 15–20 Minuten
Quiz (3 Fragen): 5 Minuten
🕒 Geschätzte Gesamtdauer: 45–50 Minuten
✅ Kurzes Quiz – Grundlagen des inklusiven Kletterns
Zweck: Überprüfung des Verständnisses der wichtigsten Konzepte aus dem Modul.
1. Was ist ein zentraler Vorteil des Kletterns für Kinder mit ASS, ADHS und GB?
a) Es ist ein wettkampforientierter Sport, der das Gewinnen fördert
b) Es reduziert die Notwendigkeit sozialer Interaktion
c) Es hilft, motorische, kognitive und emotionale Fähigkeiten zu entwickeln ✅
d) Es erfordert nur minimale Betreuung
2. Welche der folgenden Faktoren ist eine häufige Barriere für inklusives Klettern?
a) Mangelndes Interesse der Kinder
b) Sensorische Überlastung durch Geräusche und Beleuchtung ✅
c) Zu viele verfügbare Materialien
d) Übermäßige Beteiligung der Eltern
3. Welches Prinzip gehört zum ClimbAbility-Ansatz für inklusives Klettern?
a) Starre Struktur der Sessions
b) Standardisierte Regeln für alle
c) Zusammenarbeit mit Familien und Betreuungspersonen ✅
d) Fokus ausschließlich auf körperliche Fähigkeiten