Wahre Gottesdienst hängt nicht von der Einhaltung äußerer religiöser Vorschriften ab, sondern beginnt dort, wo sich das Herz des Menschen wirklich Gott zuwendet. Gott genügt die mit Worten bekundete Ehrerbietung nicht, wenn das Herz dabei von ihm fernbleibt (Mt 15,8-9).
In seinem Gespräch mit der Frau aus Samaria (Joh 4,23-24) verlagerte Jesus den Schwerpunkt radikal von den äußeren Formen hin zur inneren geistlichen Haltung.
• Im Geist: Da Gott Geist ist, ist die Beziehung zu ihm nicht an äußere Formen gebunden, sondern bedeutet eine innere, lebendige Gemeinschaft. Diese Beziehung bestimmt nicht nur unser Verhältnis zu Gott, sondern auch, mit wem wir Gemeinschaft im Gottesdienst eingehen.
• In der Wahrheit: Dies bedeutet einerseits innere Aufrichtigkeit, andererseits Treue zu der von Gott offenbarten Wahrheit. Wo Leben und Lehre nicht im Einklang mit der Wahrheit stehen, verliert der Gottesdienst seine Glaubwürdigkeit.
Wahre Anbetung ist also weder in Bezug auf die Lebensführung noch in Bezug auf die Lehre gleichgültig: Der gläubige Mensch strebt danach, dass die Wahrheit nicht nur in seinen Worten, sondern auch in seinem Leben sichtbar wird.
"Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, was euer vernünftiger Dienst ist. Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist." (Röm 12,1-2)
Das Opfer im Neuen Testament ist keine äußere Handlung, sondern die vollständige Hingabe des gläubigen Menschen.
• Mit unserem ganzen Wesen: Wenn wir unseren Körper hingeben, wird jede unserer Handlungen – unsere Arbeit, unsere Worte, unsere Entscheidungen – zu einer Ehrung Gottes.
"Ob ihr nun esst oder trinkt oder irgendetwas tut, tut alles zur Ehre Gottes." (1. Kor 10:31)
• Ohne die Schemata der Welt: Diese Hingabe erfordert, dass wir uns nicht nach den Wertvorstellungen der Welt richten, sondern durch die Erneuerung unseres Geistes Gottes vollkommenen Willen erkennen.
In Gottes Augen wird die Echtheit des Gottesdienstes durch das tägliche Leben bestätigt.
"Und Samuel sprach: Hat der HERR Gefallen an Brandopfern und Schlachtopfern, wie daran, dass man der Stimme des HERRN gehorcht? Siehe, Gehorchen ist besser als Schlachtopfer, Aufmerken besser als das Fett der Widder." (1. Sam 15,22)
• Gerechtigkeit und Barmherzigkeit: Gott erwartet von uns, dass wir gerecht leben, die Barmherzigkeit lieben und demütig vor Gott wandeln (Mich 6,8). Fehlen diese Eigenschaften, bleibt die religiöse Praxis leer.
• Die Bedeutung der Lehre: Wer bewusst sein Ohr von Gottes Geboten abwendet, dessen Gebet ist vor Gott „verabscheuungswürdig“ (Spr 28,9). Die Anbetung ist untrennbar mit dem Gehorsam verbunden.
Die Ehrfurcht vor Gott beinhaltet auch die Entscheidung, uns von der Sünde abzuwenden und unser Leben nach ihm auszurichten. Nur Gott ist der Ehre und Anbetung würdig; deshalb dürfen wir uns ihm nicht nach unseren eigenen Vorstellungen nähern, sondern nur so, wie er es für richtig hält.
Obwohl der Gottesdienst unser ganzes Leben umfasst, spricht die Bibel auch von der Kraft der Worte:
"Durch ihn nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen." (Heb 13,15)
Das gefällt Gott jedoch nur, wenn es aus reinem Herzen kommt.
"Nehmt Worte mit euch und kehrt um zu dem HERRN; sprecht zu ihm: Vergib alle Ungerechtigkeit und nimm an, was gut ist, dass wir die Frucht unserer Lippen als Schlachtopfer darbringen." (Hos 14,3)
Unsere Worte werden erst dann zu einem echten Opfer, wenn ihnen die Umkehr und aufrichtige Hingabe zugrunde liegen.
Der Gottesdienst ist laut Bibel kein einzelner Anlass, sondern eine umfassende Lebensweise. Er ist nicht auf eine bestimmte Zeit oder einen bestimmten Ort beschränkt, denn das ganze Leben gehört Gott:
"Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden; verherrlicht nun Gott in eurem Leib." (1. Kor 6,20)
Das bedeutet, dass der gläubige Mensch Gott nicht nur an bestimmten Tagen, sondern in jeder Situation vertritt. Die vollständige Hingabe lässt sich nicht durch religiöse Programme oder Bräuche ersetzen. Wer Gottes Liebe erkannt hat, strebt ganz natürlich danach, ihm jeden Tag zu dienen.
Gott sucht keine Anbeter, weil er sie braucht, sondern weil er allein der Ehre würdig ist (1. Tim 6,16). Der Zweck des Gottesdienstes besteht nicht darin, Gott etwas zu geben, das er braucht, sondern darin, dass wir zu dem werden, wozu er uns geschaffen hat: zu Spiegeln seiner Herrlichkeit.
Gott sucht die aufrichtige Hingabe des Herzens und den Gehorsam, der sich im Leben zeigt.
Wir Christen streben danach, dass der Gottesdienst Teil unseres jeden Tages ist. Komm, lass uns unsere Erfahrungen teilen und einander helfen, damit unser Leben in jedem Augenblick Gottes Herrlichkeit widerspiegelt.