Expeditionsmobil‎ > ‎

Containerverlad

Vorbereitung

Wird der Container auf dem Seeweg transportiert, lohnt es sich wegen der salzhaltigen und sehr feuchten Luft,

  • rostanfällige Stellen des Fahrzeugs mit WD40 oder einem anderen ölhaltigen Spray zu schützen
  • Kleider, Schlafsäcke und andere feuchtigkeitsempfindlichen Gegenstände in Plastiktaschen zu verpacken und luftdicht zu verschliessen
Geht der Container nach Australien oder Neuseeland, dann unbedingt den Container genau inspizieren und reinigen. Eine tote Fliege — und die australischen Quarantänebehörden ordnen eine Dampfreinigung des Fahrzeugs an. Dass dort für das Fahrzeug die Parole "clean" gilt ist selbstverständlich, und zwar mit dem Zusatz "clean means clean as new". Leider bitterer Ernst.

Wozu Containerräder?

Unser T-Rex ist mit Aufbau 2.80m hoch, die Türöffnung eines High-Cube-Containers ist 2.597m hoch. Eine Reserve ist von Vorteil; zudem hat der Container eine Schwelle, sodass es nicht immer möglich möglich, plan einzufahren. Insgesamt darf das Fahrzeug für den Verlad also nicht höher sein als ca. 2.55m. Mit Containerrädern können bis zu 27cm gewonnen werden.

Aufs Bild klicken für Vergrösserung

Spezifikation der Containerräder

Die Containerräder wurden gemäss Spezifikation von Allrad Christ durch Ormocar gefertigt (Stahl). Die Erfahrung hat gezeigt, dass 1 cm mehr Radius für den Verlad / Auslad mit einer Blechrampe von Vorteil wären.

Montage der Containerräder

Die Montage ist so einfach wie ein normaler Radwechsel. Das Problem das sich allerdings stellt, ist dass

  • die hochgehobene Achse nach dem Wechsel fast 30cm runtergelassen werden muss
  • das Differenzial, welches als Ansatzpunkt für den Wagenheber dient, danach nur noch 2cm über Boden ist
  • der nomale Ansatzpunkt für den Wagenheber (die Vier-Schrauben-Platte unter den Blattfedern), auch nur noch ca. 6 cm über Boden ist


Während 30cm Hub schon nicht mehr von jedem Wagenheber bewältigt wird, sind 6cm Minimalhöhe dann das k.o.

Eine Lösung ist, die Containerräder jeweils einer Achse auf Holzkeile abzusetzen, welche so hoch sind, dass der Wagenheber noch entfernt werden kann. Dann fährt man das Fahrzeug von den Keilen runter. Aber Achtung, für Australien darf nur fumigiertes, zertifiziertes Holz verwendet werden.

Wir haben uns für eine Lösung mit einem hydraulischen Rangierwagenheber (2000 kg, CHF 35.-), der sich auf minimal ca. 8 cm absenken lässt, und 14 Holzplatten (22 mm dick) entschieden, nachdem ein Versuch mit einem Air Jack (Luftsack, der per Auspuff aufgeblasen wird) fehlschlug.


Mit 7 Brettern auf jeder Seite lässt sich der Wagenheber noch entfernen. Beim Rücktransport fügten wir noch ein Holzbrettchen zwischen Wagenheber und Differential.




Beide Containerräder stehen jetzt auf 7 Brettern. Dann wird zuerst eine Seite ganz runtergelassen, dann die andere.
Auf der ersten Seite bietet dies keine Probleme, wenn der Wagenheber an der 4-Schrauben-Platte angesetzt wird.


Erste Seite abgesetzt. Achtung: den Stapel auf der anderen Seite im Auge behalten, da die Bretter seitlich rutschen können.



Auf der anderen Seite kommt die 4-Schrauben-Platte zu weit runter, sodass das Containerrad bei voll abgesenkten Wagenheben den Boden noch nicht berührt.
Deshalb wird zuerst auf zwei Bretter abgelassen.
Dann wird der Wagenheber unter dem Blattfederpaket angesetzt, so nahe an der Achse wie möglich. Damit schafft man die letzten 5 cm.
Herzlichen Dank an Valentin und Peter, die sich diesen Trick ausgedacht haben.




Verlad

Der eigentliche Velad verlief problemlos, da sowohl Verladerampe wie Lastwagen in der Höhe zentimetergenau abgestimmt werden konnten. Das Fahrzeug wurde vom Spediteur gesichert. Die Fahrzeugschlüssel müssen aus zollrechtlichen Gründen auf dem Fahrzeug bleiben, der Tank muss auf ein Minimum geleert und die Batterie abgekemmt sein.

Der Bremach fährt mit eigener Kraft in den Container. Das Manövrieren im Container ist schwierig, weil der Fahrer wegen dem Lärm die Anweisungen fast nicht versteht.


Hinten wird der Unterfahrschutz verzurrt, vorne die Achse, ebenfalls mit überkreuzenden Gurten.


Ich habe auch schon Bilder gesehen, wo zusätzlich mit vier Kanthölzern ein Rahmen gezimmert wurde, der an den Containerwänden abgestützt oder auf den Holzboden geschraubt wurde und die seitliche Bewegung des Fahrzeugs verhinderte. Siehe die Bemerkung zum verwendeten Holz, oben.

Der Container wird geschlossen und plombiert. Die Plombe lässt sich nur mit einem Bolzenschneider öffnen.




Auf Wiedersehen in Melbourne!


Photos © Manuel Reinhard 2010

Auslad

Das kreuzweise Verzurren hat sich bewährt. Das Fahrzeug stand in Melbourne noch genau so im Container und schien keinen Kontakt mit den Containerwänden gehabt zu haben.

Für den Auslad wurde eine Metallrampe an den Container geschoben und der Bremach mit einem Stapler rückwärts aus dem Container gezogen. Die Schutzplatte des vorderen Differentials hatte allerdings einen minimen Kontakt mit der Ladekante des Containers, da die Ausfahrt wegen der Rampe nicht ganz eben war.
Das Herausziehen hatte den Vorteil, dass die Batterie im Freien und bei gutem Licht wieder angeklemmt werden konnte.

Rücktransport

Beim Rücktransport haben wir das Fahrzeug rückwärts in den Container gestellt. Eine Person gab Anweisungen aus der Tiefe des Containers, eine Person stand vor dem Fahrzeug und gab dem Fahrer Handzeichen. Das Herausfahren (diesemal klemmten wir die Batterie bereits im Container wieder an — Stirnlampe und Werkzeug nicht vergessen!) war sodann trivial. Insgesamt die bessere Lösung.

Die Verzurrung war identisch und wiederum ohne Holz. Das Fahrzeug schien sich nicht einen Millimeter bewegt zu haben.


Ein Auto geht in die Luft!

ċ
Oliver Reinhard,
Jul 19, 2010, 6:29 AM
Comments