Klettern‎ > ‎

KS Steinbergerweg auf den Cellon

Seit meiner Kindheit kenne ich das Gebiet rund um den Weissensee in Kärnten und auch als Erwachsener zog/zieht es mich noch immer dorthin. Was mir früher aber verwährt blieb, sind die vielen Schönheiten, die sich in der unmittelbaren Umgebung befinden. So kam ich drauf, daß der Plöckenpaß, als Startpunkt für einige interessante Klettersteige, nur etwa 1 Autostunde entfernt ist. Und, was besonders erwähnenswert ist, rund um die Steiganlagen dort befinden sich Stellungsreste aus dem 1. Weltkrieg, gebaut um 1915-1918. Du gehst also auf jüngster Geschichte spazieren. Da muß es fast sein, dass der zweite Ferientag mit Klettersteig belegt wird. Nach einem Frühstück IM (ja, IM) See (auf Boot) und gemütlichem Vormittag brechen wir gegen 10:30 Uhr Richtung Paß auf. Die Fahrt zieht sich, aber in gut einer Stunde ist es geschafft. Begriffe wie Gailberghöhe, Laas (mit wunderschöner, leider aufgrund Kunstdiebstählen versperrter Kirche), Kötschach-Mauthen bekommen ein Gesicht. Der Parkplatz am Ausgangspunkt ist "pumpenvoll", wir zwängen uns aber phantasievoll in die letzten 8 m² freien Platz. Dann marschieren wir los und treffen bald auf eine große Gruppe Tiroler Jugendlicher, deren Führer wir stoppen und gleich zum Berg ausquetschen. Den "Cellon-Stollen" (wo ich auch gerne rein wäre), haben wir verfehlt. Auf den Cellon gibts mehrere Wege, wir haben denjenigen angepeilt, wo wir oberhalb des Stollens rauskommen. Dafür können wir durch einige Tunnels entlang der Südseite des Berges auf die Cellonschulter wandern.

Dort angekommen, sehen wir schon den Einstieg zum "Weg ohne Grenzen (D/E)", der als sehr steinschlaggefährdet beschrieben wird und können bereits erste Überreste des Kriegs vor knapp 100 Jahren ausmachen.
Trotzdem gehen wir dorthin und erfahren augenblicklich, wovon die Rede war. Mehrfach treten die Vorbegeher Steine los und immer wieder hallt es durch die Schluchten herab: "Sassi, Sassi!!!!!!" und Sekunden später pfeifen eiergroße Brocken an uns vorbei und schlagen wenige Meter neben uns ein. Ich bat MarTina schon vorher, den Helm aufzusetzen, das war einzig richtig. Die Kachel lassen wir auf und machen uns schnellstens auf, den gefährlichen Platz zu verlassen. Damit war dann auch die Entscheidung getroffen, den leichteren der beiden Steige zu nehmen. Das Ziel, Cellon, war ja vorher schon klar. Wir würgen uns die Steilstelle hinab und queren unten Richtung "Steinbergerweg" hinaus. "Ausgesetzte Querung" heißt es im Führer. Ja, stimmt. Vorsichtig tasten wir uns zum Einstieg.
Der Steig ist nicht schwer, aber anhängen von Vorteil und natürlich Pflicht. Auf allen Vieren tapsen wir hinauf. Ein spannender Abstieg in die Schlucht, zig Meter frei zu klettern (I-) und wieder Stahlseil.
Eine aufregende Kulisse umgibt uns. In der Routenbeschreibung ist vom "Loch" die Rede, das kommt dann auch. 30x30 cm und es strömt Luft mit der Temperatur einer Tiefkühltruhe heraus. Loch halt. Danach queren wir luftig hinaus und vernaschen die letzten Kraxelmeter bis hinauf zum Ausstiegsgrat, von dem es noch 15 Minuten bis zum Gipfel sind. Auf den letzten Metern kann man dann die ersten Stellungsreste sehen.
Es ist etwas ganz Besonderes, dort zu sein und mit Phantasie hört man noch die Geräusche des Kriegs und will nicht einer der Soldaten sein, die dort oben waren, Winter wie Sommer. Den Gipfel feiern wir mit Nüssen, Kaki und Keksen. Der Nebel verzieht sich nicht und wir brauchen viel warme Kleidung, auch die Mützen. MarTina nutzt fast alles, was sie mithat und mutiert zur "Alpen-Vivienne-Westwood".
Den Abstieg meistern wir über den "Normalweg" und haben somit, ohne es zu wollen, eine großartige Cellon-Überschreitung vollbracht. Um 17:45 Uhr kommen wir wieder beim Auto an. Wir rauschen zurück, duschen und gönnen uns eine richtig fette Pizza, MIT Tiramisu, MIT Bierchen, MIT (2) Espress(i!!), UND Schnäpperchen.
Es war ein besonderer Ausflug, der zum Plöckenpaß und zum ersten Weltkrieg.

Giggi, 15.8.2012

Comments