Die Lehrperson spricht mit den Schülern die Tatsachen an, dass jede Pflanze stark auf die Umweltbedingungen reagiert, denen sie an ihrem Standort ausgesetzt ist. Die Schüler sammeln Vermutungen, welche Umweltbedingungen wie auf Pflanzen wirken könnten. Die Lehrperson erzählt von der Studie, die in diesem Zusammenhang mit Senecio vulgaris gemacht worden ist: Samen einer Mutterpflanze von Senecio vulgaris wurde an schattigen und an sonnigen Standorten ausgesät und gezo-gen, von den blühenden Exemplaren wurden Blattreihenpräparate hergestellt. (siehe Bild 26) Den Schülern werden zwei Blattreihen gezeigt, aber ohne Standortangaben. Zunächst werden die Unterschiede diskutiert, nachher wird über ihre Herkunft spekuliert: welche ist die Schattenpflanze, welche die Sonnenpflanze?
Bild 1: Senecio vulgaris Typ V (aus C. Holdgrege 1986); oben: sonniger Wuchsort, unten: schattiger Wuchsort
Die Lehrperson gibt die Lösung des Rätsels bekannt und verallgemeinert die gemachten Beobachtungen zu den folgenden Wachstumsgesetzen: Ein heller Standort bewirkt Wachstum von kleineren, kräftigeren Blättern, die Blattmetamorphose schreitet schneller voran, der Blattgrund wird früher betont. Das Spitzen ist ausgeprägter. Ein schattiger Standort bewirkt das Wachstum von grösseren, zarteren Blättern, die Blattmetamorphose schreitet lang-samer voran, es bilden sich mehr Blätter, der Blattgrund wird später betont. Das Stielen ist ausgeprägter. Die Hell - Dunkel - Beobachtungen lassen sich auch ohne grossen Aufwand an Originalpflanzen machen. Man suche dazu an einem Standort Pflanzen des gleichen Typs (was so-wieso meistens der Fall ist), die mehr an der Sonne oder mehr im Schatten gewachsen sind und vergleiche die Wuchsform, die Farbe, die Konsistenz und die Form der Blätter. Die Unterschiede sind an frischen Pflanzen leichter zu beobachten (siehe dazu die Bilder aus Meride). An Wildstandorten kennt man natürliche die Mutterpflanzen nicht und muss den Einfluss eventuell unterschiedlicher Mut-terpflanzen und unterschiedlicher Typen mitbedenken. Man könnte nun an die Licht-Schatten-Versuche analoge Versuche anschliessen zu weiteren komplementären Umweltbedingungspaaren, etwa feucht-trocken und üppig-mager. Auch diese Versuche würden zeigen, dass die Blattmetamorphosen auf typische Art modifiziert werden.
Bild 2: Senecio vulgaris: 3 Exemplare von Senecio vulgaris auf dem seinigen Kirchplatz von Meride (Tes-sin) hinter schattenspendenen Steinen; grösste Pflan-ze 15 cm hoch; April 2009
Bild 3: Senecio vulgaris: 7 Exemplare von Senecio vulgaris von einem steinigen voll besonnten Park-platz in Meride (Tessin); grösste Pflanze 14 cm hoch; April 2009