Wir haben also verschiedene Typen von Senecio vulgaris entdeckt, ohne zu verstehen, wie sie zu ihrer Verschiedenheit gekommen sind. Wir wenden uns der Frage zu: Können wir Beziehungen zwi-schen den verschiedenen Typen finden, weitere oder nähere Verwandtschaften oder sonst welche Gesetzmässigkeiten? Um da weiter zu kommen, müssen wir die verschiedenen Ty-pen besser kennen lernen, wir müssen ihre ganzen umge-bungsbedingten Plastizitätsmöglichkeiten ausloten. Dazu dienen uns die: Studien (von Bockemühl (1972) und Holdrege (1986) J. Bockemühl und C. Holdrege haben viele verschiedene Typen von Senecio vulgaris systematisch den verschiedensten Umweltbedingungen ausgesetzt, um deren volles Plastizitäts-spektrum hervorzulocken.
Sie führten die folgenden Versuchsreihen durch:
• Sie benannten jeden Typus mit einem Buchstaben aus dem Alphabet.
• Sie säten verschiedene Typen unter festgelegten gleichen Bedingungen übers Jahr hinweg aus, jeden Monat eine Se-rie, also 12 mal pro Jahr
• Sie präparierten die Blattreihen der ausgewachsenen Pflanzen Sie verglichen die Blattreihen der verschiedenen Typen miteinander.
Die Lehrperson zeigt den Schülern nun Abbildungen dieser Blattreihen und diskutiert Versuchsergebnis (Bild 1):
• Bild 1 zeigt die Blattmetamorphose von vier verschiedenen Typen (Typen H, C, B und E) bei Aussaat in den Monaten Mai, Juni und Oktober. Alle vier Typen zeigen eine ausge-prägte Plastizität. Die Blattmetamorphose der „Oktober-pflanzen“ schreitet langsamer voran, die Blätter sind kleiner und abgerundet, das Spitzen und damit die Betonung des Blattgrundes tritt kaum in Erscheinung.
• Bilder 1 und 2 zeigen die Blattmetamorphose bei monatlicher Aussaat (Typ S und R). Es zeigen sich die gleichen Grundgesetzmässigkeiten wie bei den Typen H, C, B und E. Die „Frühlingspflanzen (deutlich bei Monat III und IV) bilden die einzelnen Blattfiedern stärker aus. Die Blattfiedern werden schlanker und z.T. spitzer. Sie betonen das Gliedern. Die „Frühsommer- und Sommerpflanzen“ werden kompakter. Die Blätter verstärken den Blattgrund. Die Metamorphose schreitet schnell voran. Das Spitzen wird also markanter. Im Spätsommer und Herbst werden die Metamorphosen wieder länger, der Blattgrund wieder kleiner, das Stielen wieder ausgeprägter, die Fiederteile runden sich wieder ab und schaffen so den Übergang zu der Winterform der Blattmetamorphose.
• Anhand der Bilder kann mit den Schülerinnen und Schülern das Besondere der jeweiligen Jahreszeiten herausgearbeitet werden und qualitativ auf den Wandel der Blattmetamorphosen bezogen werden. (Winter ruhige, dunkle Jahreszeit geringer Gegensatz zwischen Tag und Nacht, Verhaltenheit der äusseren Prozesse etc., Sommer dynamische, helle Jahreszeit, starke Tag Nacht Unterschiede, schnelle Prozesse, etc.) Das eigene Erleben der Jahreszeiten lässt sich an den Blattmetamorphosen spiegeln. Das eigene Erleben und das Verständnis für die Pflanzenentwicklung wird gegenseitig vertieft.
• Alle Typen betonen aber einen besonderen Bildestil durch alle verschiedenen Jahreszeitenaussaaten hindurch. Typ S ist z.B. im Gegensatz zu Typ R immer kompakter und mehr zum Blattgrund hin konzentriert als Typ R, immer feingliedriger und bildet den Blattgrund über das ganze Jahr hinweg weniger aus.
Bild 1: Senecio vulgaris: Typen H, C, B und E, Jahreslauf mit je drei Aussaatterminen V Juni; VI Juli; X Oktober
Diese festgehaltenen für die verschiedenen Typen charakteristischen Bildestile kann man nun als nächste mit der Jahreslaufübersicht eines Referenztyp vergleichen., Wir wählen dazu den S Typ machen mit den Schülerinnen und Schülern die folgende Übung:
Bild 2: Jahreslauf Senecio vulgaris: Typ S, monatliche Aussaat (Römische Ziffern: Aussaatzeitpunkt der jeweiligen Pflanzen)
Übung Vergleiche:
• Man nehme (beispielsweise) die verschiedenen „Sommermetamorphosen“ von der Typen C, H, R, B, E und als auch die Sommeraussaat von Typ S.
Bild 3 Sommerbilder (Juniaussaat) der Typen R, B, C, E, H und S
Man lege sie neben die „Ganzjahresmetamorphosen“ des S-Typus (Bild 4).
Bild 4: Jahreslauf Typ S
Man vergleiche und versuche Zuordnungen. Dies gelingt etwa in der folgenden Weise (siehe unten): Die obigen Bilder (Bild 3, Bild 4) können heruntergeladen, ausgedruckt und dann verglichen werden.
• Typ H gleicht Monat Februar von Typ S
• Typ C gleicht Monat März / April von Typ S
• Typ R gleicht Monat .April / Mai von Typ S
• Typ S gleicht Monat Juni/Juli von Typ S
• Typ B gleicht Monat August von Typ S
• Typ E gleicht Monat November von Typ S
Man kann also mit den Sommeraussaaten unterschiedlicher Typen den Jahreslauf des Typs S nachbilden. Einige Zuordnungen fallen leicht (R, H, B und natürlich S), bei anderen ist man unsicherer (C und vor allem E, (hier sind die Formen zwar leicht zuzuordnen ist, nicht aber die Anzahl der Blätter der Metamorphose).
Bild 5: Nachbildung des Jahreslaufes von Typ S durch die Typen H, C, R, (S); B, E