Für die Lehrperson ist es vielleicht nützlich, noch ein paar Fakten über den Forschungskontext geliefert zu bekommen, wovon das eine oder andere in den Unterricht eingestreut werden kann (z. B. bei entsprechenden Schülerfragen), oder auch nicht. Diese Faktensammlung erhebt nicht den geringsten Anspruch auf Vollständigkeit. Weiterführendes und Vertiefendes findet sich bei Mayr (1984) und bei Holdrege (1996).
Die alten Griechen waren von der „Urzeugung“ überzeugt, d.h. sie waren der Meinung, die niederen Lebewesen entstehen direkt aus Schlamm.
Der grosse Scholastiker Albertus Magnus (um 1200), vertrat die Auffassung, dass sich Pflanzenarten ineinander verwandeln können, dass sich zum Beispiel aus Buchen oder Eichen Birken und Zitterpappeln entwickeln können.( Er hatte dies aus der zutreffenden Beobachtung geschlossen, dass nach Rodung eines Buchenwaldes als erstes Birken wachsen) (Bass 1947, S 111).
Linne (um 1790) gliederte die Lebewesen in säuberlich von-einander getrennte, konstante Gattungen (Jede Gattung ein Schöpfungsgedanke Gottes). Die Linne'sche Gliederung der Pflanzenwelt baute in erster Linie auf dem Blütenbau auf, denn die Blüte ist der konstanteste Bereich der Pflanze. (Mayr 1984)
Goethe ging von Linnes Gliederung der Pflanzenwelt aus, wendete seine Aufmerksamkeit aber auf die Entwicklung und Plastizität der Pflanzen und begründete das typologische Denken, was in der Entdeckung der so genannten Urpflanze gipfelte.
Gregor Mendel, Abt und Sohn eines Obstzüchters, versuchte, das Vererbungsgeschehen bei Pflanzen zu mathematisieren, um die Erfahrungswerte aus der Pflanzenzüchtung auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen. Er konzentriert sich dabei vor allem auf die Beobachtung von Blüten, Früchten und Samen, weil er auf konstante Eigenschaften angewiesen war. Mendels Forschungsansatz wurde mit grossem Fleiss und Erfolg weiterverfolgt, im Jahr 2000 gipfelten diese Bemühungen in der Entzifferung des menschlichen Genoms durch eine Vielzahl beteiligter Forscher (Leiter der beiden sich konkurrierenden Projekte F. Collins und C. Venter) und der mecha-nistischen Erklärung von Lebewesen.
Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts wurde immer deutlicher, dass der Vererbungsprozess weit komplizierter ist als zuvor angenommen. Es wurde entdeckt, dass die einzelnen Gene erst in ihrem Kontext ihre Bedeutung erhalten, oder auch: ein bestimmtes Gen wirkt in dem einen Kontext anders als in einem anderen. (Beispiel dafür ist die Entdeckung der „jumping genes“ durch Barbara McClintock, wofür sie 1983 den Nobelpreis bekam.)
Heute sprechen Genetiker sogar von einem zweiten Vererbungsstrom (Jabolonka 1995 und 2005), der nicht direkt über den Zellkern und ihre DNA läuft: Das ist der epigenetische Vererbungsstrom, der über den Organismus als Ganzem läuft, oder in der einzelnen Zelle über ihr Zellplasma. Kürzlich entdeckte zusammen mit anderen die Basler Forscherin Barbara Hohn (Molinier u.a., 2006) die Weitergabe einer erworbenen Eigenschaft, nämlich die Weitergabe einer erworbenen Abwehrreaktion bei Arabidopsis thaliana (eines kleinen einjährigen Kreuzblütlerkrautes). Eine erworbene Eigenschaft weitergeben zu können, verdeutlicht die Kontextabhängigkeit des Genoms. Neue Forschungsprojekte sind initiiert worden, die dabei sind das Verständnis für Bedeutung und Stellung der Gene im Organismus grundlegend zu verändern. (z.B. The ENCODE Project Consortium, 2007) 45
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