(Matthäus 27:59-60)
Der Heilige und Hohe Freitag - Karfreitag
Der Hohe und Heilige Freitag ist liturgielos. An ihm werden die Königlichen Stundengebete gehalten. Im Orthros werden die zwölf Passionsevangelien gelesen mit den dazugehörigen Aniphona und Kathismata.
Während der 15. Antiphon wird das Kreuz aus dem Altarraum herausgetragen und in der Mitte der Kirche aufgestellt. Man singt:
„Heute hängt am Kreuz, der die Erde in Wassern hängen lässt. Mit einem Kranz aus Dornen wird umwunden der König der Engel. Zum Spott wird mit einem Purpur umhüllt, der die Himmel umkleidet mit Wolken. Schläge erhält, der im Jordan den Adam befreite. Mit Nägeln wird angeheftet der Bräutigam der Kirche. Mit einer Lanze wird durchbohrt der Sohn der Jungfrau. Wir verehren deine Leiden, o Christus. Wir verehren deine Leiden, o Christus. Wir verehren deine Leiden, o Christus. Zeige uns auch deine herrliche Auferstehung!“
Das Synaxarion verdeutlicht noch einmal:
„Am Heiligen und Hohen Rüsttag vollenden wir das heilige und heilbringende und entsetzliche Leiden unseres Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus, das er um unseretwillen freiwillig auf sich nahm: das Anspeien, die Stockschläge, die Misshandlungen, die Beleidigungen, den Spott, den Purpurmantel, das Rohr, den Schwamm, den Essig, die Nägel, den Speer und vor allem das Kreuz und den Tod. Das alles geschah am Rüsttag, aber auch die Heilszusage am Kreuz an den einsichtigen Räuber, der mit ihm gekreuzigt wurde.“
Am Abend des Heiligen und Hohen Freitags findet in der Vesper die Grablegung Christi statt, wobei das Epithaphion (Grabtuch Christi) in der Mitte der Kirche aufgestellt und mit Blumen geschmückt wird.
Großer und Heiliger Freitag
Aus dem Licht des Großen und Heiligen Donnerstags betreten wir das Dunkel des Freitags, den Tag der Passion, des Todes und des Begräbnisses Christi. In der Frühen Kirche wurde dieser Tag „Pascha des Kreuzes“ genannt, denn es ist tatsächlich der Anfang des Durchgangs, dessen Sinn uns allmählich offenbart wird, zuerst im ruhigen Großen gesegneten Sabbat und dann in der Freude des Auferstehungstages.
Wenn wir nur begreifen könnten, dass am Großen Freitag das Dunkel nicht nur symbolisch und im Gedenken ist. So oft folgen wir der schönen und feierlichen Traurigkeit dieser Gottesdienste im Geiste der Selbstgerechtigkeit und Selbstrechtfertigung. Vor 2.000 Jahren töteten schlechte Menschen Christus, heute aber errichten wir – die guten Christen – prächtige Heilige Gräber in unseren Kirchen – ist das nicht ein Zeichen für unser Gut-sein? Doch der Große Freitag berichtet nicht nur von der Vergangenheit. Er ist der Tag der Sünde, der Tag des Bösen, der Tag an dem uns die Kirche dazu einlädt, deren Wirklichkeit und Macht 'in dieser Welt' zu begreifen. Denn die Sünde und das Böse sind nicht verschwunden, sondern im Gegenteil, stellen das Grundgesetz der Welt und unseres Lebens dar.
Wir, die wir uns Christen nennen, machen wir uns nicht auch oft die gleiche Logik des Bösen zu eigen, die den jüdischen Sanhedrin und Pontius Pilatus, die römischen Soldaten und die ganze Volksmenge dazu führte Christus zu foltern und zu töten? Auf welcher Seite, mit wem wären wir gewesen, hätten wir in Jerusalem unter Pilatus gelebt? Dies ist die Frage, die uns mit jedem Wort des Freitagsgottes - dienstes gestellt wird. Es ist die Offenbarung der wahren Natur der Welt, die damals wie noch heute die Finsternis lieber hatte als das Licht, das Böse lieber als das Gute, den Tod lieber als das Leben. Als sie Christus zum Tode verurteilte, verurteilte sich 'diese Welt' selbst zum Tode und insoweit wir ihren Geist, ihre Sünde und ihren Verrat an Gott, uns zu eigen machen – sind wir selbst auch verurteilt. Das ist der erste und furchtbar realistische Sinn des Großen Freitags: ein Todesurteil.
Gut gemacht! Sie haben es bis zum Fest des Eintritts unseres Herrn ins Jerusalem geschafft! An diesem Tag nahmen die Menschen zur Feier Zweige auf und schmückten die Straßen mit ihren Gewändern, als Christus auf einem Esel einritt. Er kam zu ihnen, um ihr König zu werden. Und zu uns? Er kommt gerade an, um die Menschheit von ihren Sünden zu retten.
Wie werden Sie die Ankunft unseres Herrn in der Heiligen Woche feiern?
SIE KÖNNEN LESEN
Gehen Sie in Ihre Gebetsecke und öffnen Sie das Evangelium nach Johannes, Kapitel 12, Verse 1 bis 18. Wenn Sie die göttliche Liturgie online streamen, folgen Sie dem Gottesdienst.
SIE KÖNNEN DEKORIEREN
Wenn es möglich ist, frisch gesegnete Zweige aus Ihrer Kirche zu holen, nehmen Sie sie und schmücken damit Ihre Gebetsecke. Stecken Sie sie hinter eine Ikone oder ein Kreuz an die Wand oder stellen Sie sie in eine Vase in der Nähe der Gebetsecke. Wenn Sie keine frisch gesegneten Zweige bekommen können, können Sie vorerst einige Zweige aus Ihrem Hof oder Garten
besorgen. Begraben Sie die Zweige vom letzten Jahr.
SIE KÖNNEN SINGEN
Während Sie dekorieren, singen oder hören Sie „Heilig, heilig, heilig!“ („Qudus, Qudus, Qudus!“), eine Hymne, die in jeder göttlichen Liturgie gesungen wird. Es enthält viele der Worte, die das Volk bei Jesus‘ Eintritt in Jerusalem für ihn gesungen hat. Teilen Sie Ihre Freude.
Dein Wort ist meines Fußes Leuchte, und ein Licht auf meinem Wege.
Hesekiel - Kapitel 37
1 Die Hand des HERRN kam über mich und führte mich im Geiste des HERRN hinaus und ließ mich nieder mitten auf der Ebene, und diese war voller Totengebeine. 2 Er führte mich an denselben vorüber ringsherum; und siehe, der Gebeine waren sehr viele auf der Ebene; und siehe, sie waren sehr dürr. 3 Da sprach er zu mir: Menschensohn, können diese Gebeine wieder lebendig werden? Ich antwortete: O Herr, HERR, du weißt es! 4 Da sprach er zu mir: Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Ihr verdorrten Gebeine, hört das Wort des HERRN! 5 So spricht Gott, der HERR, zu diesen Gebeinen: Seht, ich will einen Geist in euch kommen lassen, daß ihr lebendig werdet6 Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und einen Geist in euch geben, daß ihr lebendig werden und erfahren sollt, daß ich der HERR bin7 Da weissagte ich, wie mir befohlen war, und indem ich weissagte, entstand ein Geräusch, und siehe, eine Bewegung, und die Gebeine rückten zusammen, ein Glied zum andern! 8 Und ich schaute, und siehe, sie bekamen Sehnen, und es wuchs Fleisch an ihnen; und es zog sich Haut darüber; aber es war noch kein Geist in ihnen. 9 Da sprach er zu mir: Richte eine Weissagung an den Geist, weissage, Menschensohn, und sprich zum Geist: So spricht Gott, der HERR: O Geist, komm von den vier Winden und hauche diese Getöteten an, daß sie lebendig werden! 10 So weissagte ich, wie er mir befohlen hatte. Da kam der Geist in sie, und sie wurden lebendig und stellten sich auf ihre Füße, ein sehr, sehr großes Heer. 11 Und er sprach zu mir: Menschensohn, diese Gebeine sind das ganze Haus Israel. Siehe, sie sprechen: «Unsere Gebeine sind verdorrt, und unsere Hoffnung ist verloren; es ist aus mit uns!» 12 Darum weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott, der HERR: Siehe, ich will eure Gräber auftun und euch, mein Volk, aus euren Gräbern führen und euch wieder in das Land Israel bringen; 13 und ihr sollt erfahren, daß ich der HERR bin, wenn ich eure Gräber auftue und euch, mein Volk, aus euren Gräbern führen werde. 14 Ich will auch meinen Geist in euch legen, und ihr sollt leben; und ich will euch wieder in euer Land bringen, daß ihr erfahren sollt, daß ich der HERR bin. Ich habe es gesagt und werde es auch tun, spricht der HERR.
Lesung aus dem Evangelium nach Matthäus
62 Am andern Tage nun, welcher auf den Rüsttag folgt, versammelten sich die Hohenpriester und die Pharisäer bei Pilatus 63 und sprachen: Herr, wir erinnern uns, daß dieser Verführer sprach, als er noch lebte: Nach drei Tagen werde ich auferstehen. 64 So befiehl nun, daß das Grab sicher bewacht werde bis zum dritten Tag, damit nicht etwa seine Jünger kommen, ihn stehlen und zum Volke sagen: Er ist von den Toten auferstanden, und der letzte Betrug ärger werde als der erste. 65 Pilatus sprach zu ihnen: Ihr sollt eine Wache haben! Gehet hin und bewacht es, so gut ihr könnt! 66 Da gingen sie hin, versiegelten den Stein und bewachten das Grab mit der Wache.
- Du, das Leben, würdest in die Gruft gelegt, o Christus, und der Engel Heere entsetzten sich, Deine Herabkunft verherrlichend
Arabisch: ya yasu-ul hayat, fi Kabren U-udiåta, falgunudul sama-uy-yatu ånzahalat, kul-luha uamagadat tanazulak.
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- Würdig ist es, Dich hochzupreisen, den Lebensspender, der Du am Kreuze die Hände ausgebreitet und die Macht des Feindes zerstört hast.
Arabisch: nu-åa-zi-mu-ka, bistihkaken ya mu-åtil hayat, yaman basata yadaihi alal salib, sahikan Kudrata sultanil åadu.
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- Alle Geschlechter bringen Deiner Grablegung ein Loblied dar, mein Christus
Arabisch: kamilul ågiali, tukaribul tasbiha, lidafnika ya masihi.
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Als Du hinabkamst zum Tode, Du unsterbliches Leben,
da hast Du den Hades getötet durch den Blitzstrahl der Gottheit.
Als Du aber auch die Verstorbenen aus der Unterwelt auferweckt hast,
da haben alle Mächte der Himmlischen gerufen: Lebensspender, Christus unser Gott, Ehre Dir !
Der edle Joseph nahm ab vom Kreuzesholz Deinen allreinen Leib,
hüllte ihn in reines Linnen, bedeckte ihn mit wohlriechenden Kräutern
und legte ihn in ein neues Grab.
Den Gesetzlosen, die Dich gefangen nahmen, riefst Du geduldig also zu, Herr: Wenn ihr auch den Hirten geschlagen und die 12 Schafe, Meine Jünger zerstreut habt, so könnte Ich mehr als 12 Legionen Engel herbeiführen; aber ich bin langmütig, damit das Verborgene und das Geheime erfüllt werden, das ich euch durch Meine Propheten offenbart habe. Herr, Ehre sei Dir !
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Heute hat Sein Volk den Herrn ans Kreuz geschlagen,
Ihn, Der das Meer mit dem Stabe geteilt und sie durch die Wüste geführt hatte. Heute haben sie mit der Lanze durchbohrt die Seite Dessen, Der ihretwegen Ägypten mit Plagen gegeißelt hat; Galle haben sie zum Trank Dem gegeben, Der ihnen das Manna zur Nahrung regnen ließ.
Die Feier der Grablegung und das Heraustragen des Grabtuches.
Anstelle des Kreuzes, das nun in den Altarraum zurückgebracht wurde, wird im Rahmen desselben Vespergottesdienstes das Grabtuch Christi, der Epitaphios in der Mitte der Kirche getragen. Der Epitaphios (griechisch aus epi = auf und tafos = Grab) ist ein geschmücktes Tuch aus Samt oder Seide mit einer Ikone der Grabeslegung des HERRN.
Der Ephitaphios lag während der Vesper auf dem Altar. Nun wird er in feierlicher Prozession aus dem Altar getragen und auf ein Grabpodest in der Mitte der Kirche gelegt. Währenddessen singt der Chor das Grablegungstropar: "Der ehrwürdige Joseph nahm Deinen allerreinsten Leib vom Holze des Kreuzes herab, hüllte ihn in eine unbefleckte Leinwand und bestattete ihn, mit wohlriechenden Spezereien bedeckt, in einem neuen Grab". Während der Grablegung verharrt die Gemeinde ehrfürchtig in bis zur Erde niedergeworfener Haltung. In der griechischen Tradition ist der Podest des Heiligen Grabes von einer geschnitzten hölzernen Kuppel überwölbt, die die Kapelle des Grabes Christi in der Anastasis- Kirche in Jerusalem abbildet. Die heilige Ikone im Grabe liegenden Christus wird mit Blumen geschmückt. Über das Gesicht Christi breitet der Priester ein Aer (liturgische Decke zur Verhüllung des Kelches) und auf die Brust Christi legt er das Evangelienbuch. Die Gläubigen treten heran, um das heilige Grab zu verehren. Dabei bringen sie oft Blumen und wohlriechendes Öl zur Verehrung Christi dar.
https://www.orthodoxe-ikone.de/gro%C3%9Fe-und-heilige-woche/