Deutschland. Ein Sommermärchen (19. Oktober 2006)
Jürgen Klinsmann läßt sich nicht in die Karten schauen. Jürgen Klinsmann läßt sich auch nicht von Sönke Wortmann in die Karten schauen. Dennoch hat sich der unerreichte Meister der Motivation und des Spins mit diesem Film ein Denkmal gesetzt.
Denn ungelöste Rätsel büßen keineswegs ihre Faszination ein. Eine zuvor ungelenke und wankelmütige Mannschaft, die zehn Jahre lang kein Spitzenteam aus Europa und Lateinamerika schlagen konnte, begeistert mit selbstbewußtem Konzept und erstklassigen Ergebnissen Fans nicht nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt. Partes pro toto: Bayern-Ergänzungsspieler Schweinsteiger und Bundesliga-Absteiger Podolski erringen den Status von Superstars.
In der Kabine läßt Klinsmann aufblitzen, was bislang nur aus Gesprächen hinter vorgehaltener Hand für Medienkonsumenten wie mich erkennbar geworden ist. Hinter den Erfolgen steckt harte Arbeit und die Dosis Brutalität, ohne die Spitzensport offenbar nicht auskommt. Klinsmann schreit vor dem zweiten Spiel seine Mannen an: "Das lassen wir uns nicht mehr nehmen - schon gar nicht von den Polen.". Auf die Argentinier stimmt er unsere Besten ein mit dem Schlachtruf "Jetzt kriegen sie eine auf die Fresse." An einen Sieg über die Italiener glaubte das Team sicherlich nach dem Ruf " Die hauen wir weg, die Scheißer."