Kanone von 1770 in Vathy/Meganisi – seltenes Dokument aus früher neugriechischer Geschichte.
Schon vor etlichen Jahren fand sich im Hafen vor der alten Mole ein gusseisernes Kanonenrohr.
Meine grobe Schätzung für ein Alter von ca 200 Jahren wurde präzisiert durch Dr.Mehl, Hamburg : Die Entstehungszeit liegt um das Jahr 1770.
Was geschah damals im weitgehend türkisch be -herrschten Griechenland - womit kann dieses Schiffsgeschütz vermutlich in Verbindung gebracht werden ?
Dies ist die Zeit der ersten Aufstände der Griechen gegen die Türken, die das Land mit Ausnahme der Ionischen Inseln seit 4 Jahrhunderten unterdrückt hatten –- 1770 mit noch katastrophalem Ausgang.
Erst der Befreiungskrieg ein halbes Jahrhundert später führte zum Erfolg und so zur Entstehung des neuen und souveränen griechischen Staates.
Ganz selten sind Zeugnisse aus jener dunklen Epoche, für die es auch kaum schriftliche Überlieferungen gibt – so kann nur vermutet werden, dass diese alte Schiffskanone aus venetianischer Fertigung dazu diente, den Hafen von Meganisi gegen türkische Überfälle zu verteidigen.
Unter großer Aufgeschlossenheit der Einwohner und mit Unterstützung durch den damaligen Bürgermeister konnte ich nach Rekonstruktion einer zeitgemäßen Lafette dies sehr seltene Dokument aus der Frühzeit des neugriechischen Staates als Denkmal auf der Hafenmole aufstellen lassen.
Aber ein inzwischen erfolgter Neubau der Mole machte die zeitweilige Entfernung der Kanone nötig, doch die Wieder-Aufstellung steht noch aus.
Und nun ? Der neue Bürgermeister zeigt im Gegensatz zu seinem Vorgänger keinerlei Interesse an der Geschichte seiner eigenen Heimat-Insel ...
Mein an viele Interessierte und die Medien verteiltes Pamphlet gegen ihn (s.o. rechts) sollte Bewegung in die Angelegenheit bringen, aber da bewege einer mal etwas in Griechenland …
Nachtrag Frühjahr 2012:
... und es bewegte sich doch etwas und nun ist sie wieder monumental in Stellung gebracht, die historische Kanone von Meganisi.
Besonders die zweisprachige Inschrift-Tafel macht sie zu einem “Denk – mal !” an heroische Zeiten für Einheimische wie Touristen, nicht nur zu dem inzwischen wohl meist fotografierten Motiv am Hafen ...