Ein hochragender spätgotischer "Burg"-Torturm, verstärkt durch eindrucksvolle flankierende Befestigungsmauern und Wehrtürme, fast so bekannt wie das berühmte Holstentor,
ferner eine Große und Kleine "Burg"-Strasse, dazu ein verstecktes, aber nahezu vollständig erhaltenes mittelalterliches "Burg"-Kloster -- alles in der nördlichen Lübecker Altstadt wohlbekannt, aber wo findet man oder wo lag die namensgebende Burg ? Wie dürfte sie ausgesehen haben ?
Jahrzehntelange stadtarchäologische Untersuchungen, insbesondere die 1992 von Manfred Gläser veröffentlichten *), geben hierüber Aufschluß. Darauf gestützt erstellte ich das abgebildete Modell, um den Besuchern des "Museum Burgkloster" eine plastische Vorstellung der einstigen Verteidigungsanlage aus der Frühphase der Stadt zu vermitteln :
Gelegen zwischen der Wakenitz ( im Bild oben ) und der Trave ( im Vordergrund ) riegelte diese den schmalen Landzugang nach der weiter südlich, rechts außerhalb des Bildes, sich entwickelnden jungen Stadt ab.
Sie bestand aus Graben und holzverstärktem Wall in Form eines unregelmäßigen Vierecks, komplettiert durch einen gleichartigen Abschnittswall und –Graben nach Osten.
Hier ließen sich schon für die Germanen-Zeit der ersten Jahrhunderte nach Christi einfachere Befestigungsanlagen nachweisen, ebenso für die Slawen-Zeit ab dem 7. bis 8. Jhd., für die spätslawische Zeit bereits in Form einer kleineren Burganlage.
Die Abbildung zeigt das Stadium der ab der Mitte der 1140er Jahre ausgebauten frühdeutschen Burg der holsteinischen Grafen, übrigens ähnlich der deutlich älteren hamburgischen namensgebenden "Hammaburg".
Möglicherweise schon kurz vor 1180 durch den derzeitigen Stadtherrn, den Sachsenherzog Heinrich den Löwen veranlaßt, wurde eine modernere Verteidigungslinie unmittelbar nördlich davor errichtet: Die im Modell satt-backsteinrot gehaltenen Teile stehen heute noch, in den folgenden Jahrhunderten vielfach verstärkt und überformt.
Schon kurz nach 1227, der Vertreibung einer dänischen Burg-Besatzung, schleiften die Lübecker die alte Burg, um zu vermeiden, daß sich dort Feudalherren erneut festsetzten und eine Stadtherrschaft errichten konnten.
Das eingeebnete Areal wurde dem Dominikaner-Orden zur Errichtung eines Klosters überlassen: Dieses entwickelte sich um ein im Untergeschoß erhaltenes, großes Backsteingebäude, das einst inmitten des Burgwalls gelegen war und als ehemalige Burg-Vogtei gedeutet wird. Das mit Ausnahme der einstigen Kirche vollständig erhaltene Kloster ist wohl das beste Zeugnis für die mittelalterliche nordeuropäische Bettelordens-Architektur und wird in das im Entstehen befindliche "Europäische Hanse-Museum" einbezogen werden.
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*) in : Lübecker Schriften zur Archäologie und Kulturgeschichte 22, S. 65 - 121