Personen

Dies ist der vierte Bericht (vom 9. Juli) von Thea Otte, die in Quito/Ecuador einen Freiwilligendienst absolviert. Der anderen Berichte stehen weiter unten.

Buenas tardes!
Es ist mittlerweile ja schon ein bisschen her, dass Ihr das letzte Mal was von mir gehört habt und meine Zeit hier ist auch schon fast um. Leider! Mir bleibt nicht mal mehr viel Zeit zum Arbeiten. Auch wenn es viele Dinge gibt, auf die ich mich in Deutschland freue, will ich hier eigentlich noch nicht weg. Es wird mindestens genauso viele Dinge geben, die ich aus Ecuador vermissen werde.
Es ist auch mal wieder viel passiert in der Zeit. Die größte Veränderung ist in dem Projekt passiert, in dem ich nachmittags arbeite. Seit zwei oder drei Monaten sind ganz viele Flüchtlinge aus Venezuela und Kolumbien bei uns ins Ceipar gekommen. Der Großteil der Kinder ist noch nicht lange hier in Ecuador und ist deswegen noch nicht an einer Schule angemeldet. Unsere Aufgabe war es also ihnen ein bisschen schreiben, lesen und rechnen beizubringen, damit sie dann bald in eine Schule hier gehen können. Dadurch wurde meine Arbeit deutlich aufwändiger als vorher. Vorher sind insgesamt nur vier Kinder gekommen und mit den Flüchtlingen waren es dann ungefähr 15. Aber meine Arbeit wurde dadurch auch deutlich interessanter. Mit so wenigen Kindern hatte man nie viel zu tun und zwischenzeitig war es auch ein bisschen langweilig, wenn ein oder zwei Kinder krank waren. Außerdem ist es ziemlich interessant, was die neuen Kinder aus ihren Ländern zu erzählen hatten. Aber die Kommunikation war etwas komplizierter, weil man in Kolumbien und Venezuela teilweise andere Wörter benutzt als hier in Ecuador. Vor allem beim Essen hat es für viel Verwirrung gesorgt. 
Initiiert wurde das ganze von dem Nonnenbund, der unter anderem auch das Ceipar leitet. Die Geflüchteten erhalten regelmäßig Unterstützung der Nonnen. Die Unterstützung besteht aus Essen, Kleidung, Schulsachen und was sie sonst noch so auftreiben. Die ganze Gemeinde kann den Schwestern Sachen spenden, die sie nicht mehr brauchen. Ein paar mal habe ich auch geholfen, die Sachen zu sortieren und zu verteilen und zum Glück kommt da immer einiges zusammen.
Meine Kinder beim Spielen im Park

In dem Projekt, in dem ich vormittags bin, hat sich nicht viel verändert. Mittlerweile ist da alles etwas strukturierter, aber sonst ist alles so ziemlich beim Alten geblieben. Hin und wieder machen wir mit unseren Kindern Projekte. Zum Beispiel haben wir zum Tag des Baumes Äste, Blätter und Blüten gesammelt und daraus dann einen Baum gebastelt. Oder zum Tag des Kindes sind ein paar Studenten gekommen und haben ein Programm vorbereitet, was aus Tanzen und Spielen bestand. Wenn wir mit unseren Kindern ein Projekt machen oder irgendwer anders ein Programm vorbereitet, sind sie immer ganz aufgeregt und freuen sich riesig darüber. 
 
  
Einige Fotos meiner Kinder

Das letzte Wochenende habe ich mit meinen Kollegen, meiner Chefin, einigen meiner Kinder und deren Familien am Strand verbracht. Jedes Jahr organisieren sie einen Ausflug ans Meer. Für viele ist das aus finanziellen Gründen die einzige Möglichkeit Urlaub zu machen. Der Ausflug hat super viel Spaß gemacht. Insgesamt sind wir mit ca. 130 Leuten in drei Bussen nach Atacames gefahren. Alleine die Fahrt war schon lustig. Nach einem Sing-Wettbewerb hat fast mein ganzer Bus im Gang getanzt. Leider hatten wir nicht so viel Zeit an der Küste, weil wir an einem normalen Wochenende gefahren sind und die Stadt 8 Stunden von Quito entfernt ist. Aber wir hatten eine sehr schöne Zeit und es war schön zu sehen, wie sich die gefreut haben, die noch nie am Meer waren. 
 
Meine Kollegen im Ceipar und am Strand

Vor ein paar Wochen war die Firmung meiner beiden Gastschwestern. Schon ungefähr einen Monat vorher hat meine Familie angefangen das Haus zu renovieren und alles sehr gründlich zu putzen. Ein paar Tage vorher sind dann Die Mutter und die Schwester meiner Gastmutter bei uns eingezogen, um auch zu helfen. Ab dann war durchgehend was los bei uns. Am Tag der Firmung sind morgens schon vor dem Gottesdienst ziemlich viele Leute gekommen und wir sind dann alle zusammen in die Kirche gegangen. Der Gottesdienst war sehr schön und meiner Konfirmation ziemlich ähnlich. Anschließend sind alle mit zu uns nach Hause gekommen. Insgesamt waren so 30-40 Personen bei uns im Haus. Das war zwar relativ eng, aber wurde dadurch auch umso lustiger. Nach ein paar Vorspeisen, einigen Willkommens- und Dankesreden und einem Spiel gab es dann das typisch ecuadorianische Mittagessen: „arroz con pollo“, also Reis mit Hühnchen und dazu Salate, die alle zu einem großem Teil aus Tomaten und Zwiebeln bestehen. Nach einem gemütlichen Zusammensein mit vielen interessanten Themen haben dann irgendwann alle angefangen zu tanzen. Wie es hier üblich ist wurde viel Salsa und Cumbia getanzt, was beides sehr fröhlich ist. Um Mitternacht haben wir dann alle rausgeschmissen, weil meine Schwestern schon um 6 aus dem Haus müssen, um pünktlich in der Schule zu sein. Obwohl alle am nächsten Tag zur Arbeit mussten und einige noch einen ziemlich weiten Weg hatten, sind trotzdem ziemlich viele bis zum Ende geblieben. Insgesamt war das ein echt schönes Fest und alle haben mich ganz liebevoll wie einen Teil der Familie behandelt, obwohl ich die meisten noch nie gesehen habe.
Die Abschiedsfeier einer Freundin

Ende Juni hatte ich schon mein Abschlussseminar. Dieses Seminar war in Quito, was aber auch echt lustig war, weil wir mit insgesamt 30 Freiwilligen in einem Haus geschlafen haben. Auf dem Seminar haben wir das Jahr evaluiert, über die Probleme geredet, die wir hatten und über die wertvollen Erfahrungen, die wir alle mit nach Deutschland nehmen werden. Aufgelockert wurde das ganze durch ein paar Spiele. Eigentlich habe ich erst durch das Seminar richtig realisiert, wie schnell mein Jahr hier dann doch schon vorbei geht. 
Meine Mitfreiwilligen

Das war es auch erstmal wieder von mir. Für mich geht es jetzt bald nach Kolumbien, um ein bisschen Urlaub zu machen und danach bin ich ja auch schon sehr bald wieder in Deutschland. Auch wenn es jetzt nicht mehr lange dauert, bis ich wieder in Deutschland bin, freue ich mich trotzdem über jede Rückmeldung zu meinem Bericht oder auch über jede andere Nachricht aus Deutschland.
Ganz viele liebe Grüße
Thea


Hier der dritte Bericht (vom 12. April)

Buenos días y feliz año nuevo!
2018 ist jetzt vorbei und somit auch mein erstes Weihnachten ohne meine Familie in einem anderen Land! Ich hoffe, dass Ihr alle ein schönes Fest und gut ins neue Jahr gerutscht seid. Das Ganze ist zwar jetzt schon eine Weile her, aber für Glückwünsche ist es meiner Meinung nach nie zu spät. Mein Weihnachtsfest war auf jeden Fall besonders. Jedoch war ganz anders als in Deutschland, was wahrscheinlich auch daran lag, dass es tagsüber um die 25 Grad warm war. 
Über Weihnachten bin ich mit meiner Gastfamilie weggefahren. Wir haben die Schwester meiner Gastmutter im Nebelwald nordwestlich von Quito besucht. Dort wurde ich sehr freundlich als „prima“ (Cousine) von der Familie begrüßt. Heiligabend haben meine Gastmutter und ihre Schwester fast den ganzen Tag mit Kochen verbracht, während ich mit meinen Gastschwestern und Cousins/Cousinen gespielt habe. Spät abends sind wir in den Gottesdienst gegangen und das ganz ohne Jacke! Auch der Gottesdienst war anders, als ich es gewohnt bin. Hier sind die meisten Familien-wie auch meine Gastfamilie- katholisch. Die erste Überraschung für mich war, dass viele Familien ihr Jesus-Kind aus der Krippe mitgebracht und vor den Altar gelegt haben. Dazu muss man wissen, dass die meisten Krippen sehr viel größer sind als die in Deutschland. Die Jesus-Figuren wurden dann im Laufe des Gottesdienstes gesegnet. Ansonsten ähnelt der Gottesdienst denen, die ich aus Deutschland kenne. Ich habe ohne Probleme einige Elemente, wie z.B. das Glaubensbekenntnis, welches bis auf eine kleine Abänderung einfach nur ins Spanische übersetzt wurde, wiedererkannt. Jedoch gab es auch einige Unterschiede. Es gab keine Gesangbücher, dafür aber eine Band, die den Gottesdienst begleitet hat und bei einigen Liedern hat der Pfarrer angefangen zu tanzen und die ganze Gemeinde hat mitgemacht. Am Ende haben alle „Cumpleaños feliz“ (Zum Geburtstag viel Glück) angestimmt und es wurde eine große Geburtstagstorte für Jesus hereingetragen. Nach dem Gottesdienst sind wir alle wieder zu meiner Gasttante gefahren und es gab dort das, für Ecuador typische Weihnachtsessen: Truthahn mit Reis. 
Die Krippe der Familie meiner Gastmutter

Am ersten Weihnachtsfeiertag mussten wir leider wieder zurück nach Quito fahren, weil mein Gastvater am nächsten Tag wieder arbeiten musste. Aber vorher haben wir das gute Wetter genutzt und sind zu einem Fluss gefahren, um dort ein bisschen unter dem Wasserfall zu schwimmen. Es fühlte sich nicht so an, als ob es Weihnachten war, aber es war auf jeden Fall ein schönes Erlebnis. Die Rückfahrt nach Quito war auch wieder spannend. Mangels ausreichenden Plätzen im Fahrerbereich sind meine Gastmutter und ich auf der Ladefläche des Pick-ups gefahren. Wir hatten uns vorher ausreichend Decken und Kissen mitgebracht, um es uns da gemütlich zu machen. Ebenfalls mit uns auf der Ladefläche ist ein Huhn gefahren, welches ein Weihnachtsgeschenk war.
Danach hatte ich noch eine Woche Ferien, bevor die Schule und somit auch meine beiden Projekte wieder angefangen haben. In der Zeit bin ich mit ein paar anderen Freiwilligen durch Ecuador gereist. Zuerst sind wir nach Puyo, im Amazonasgebiet, gefahren und anschließend über Silvester nach Baños, wieder im Nebelwald, aber südlich von Quito. 
Silvester wird hier anders gefeiert als in Deutschland. Es gibt zwar auch ein bisschen Feuerwerk, aber das ist bei weitem nicht alles. Um Mitternacht werden sogenannte „año viejos“ (altes Jahr) oder „muñecos“ (Puppen) verbrannt. Das sind teilweise riesige Figuren, die meistens eine Person oder eine Figur aus einem Film verkörpern sollen. Diese werden alle feierlich in den Straßen verbrannt. Man verbrennt symbolisch das alte Jahr. Eine weitere Tradition ist es sich zu verkleiden. Viele Männer verkleiden sich mit aufreißenden Kleidern als Witwen und sammeln durch Tanzen Spenden auf den Straßen. Ebenfalls verkleiden sich viele Kinder und sperren die Straßen ab. Wenn ein Auto vorbei fährt, wird es nur durchgelassen, wenn es den Kindern Zoll bezahlt. Man kann sich aber auch aus Spaß verkleiden, ohne Geld zu sammeln. Durch die Verkleidungen und die abgesperrten Straßen herrschte in der ganzen Stadt schon seit dem Morgen eine ausgelassene Stimmung. Generell wird hier viel mehr auf den Straßen oder öffentlichen Plätzen gefeiert als im eigenen Haus. Um Mitternacht waren wir also mit sehr, sehr vielen anderen Menschen in einem öffentlichen Park. Eine weitere Silvestertradition ist es um Mitternacht zwölf Trauben zu  essen und sich bei jeder was zu wünschen, was im nächsten Jahr in Erfüllung gehen soll. Das ist die einzige Tradition, bei der wir wirklich mitgemacht haben.
Año Viejo

Nach den ganzen Feierlichkeiten gingen dann die Arbeit und somit auch mein Alltag wieder los, worüber ich mich sehr gefreut habe, weil ich meine Kinder über die Ferien ziemlich vermisst habe. Erstmal war alles wieder beim alten, aber kürzlich sind in meinem Vormittagsprojekt neue Freiwillige dazu gekommen: ein Freiwilliger aus Schweden, der allerdings nur zwei Monate bleibt und vier Freiwillige aus Italien, die wie ich für ein ganzes Jahr in Ecuador bleiben. Zusätzlich kommen auch zweimal in der Woche einige Studenten, die in dem Projekt helfen. Dadurch, dass wir jetzt so viel mehr Unterstützung haben, haben wir die beiden Gruppen, die wir im Dezember zusammengelegt haben, wieder getrennt, woran sich alle aber erstmal wieder gewöhnen müssen. 
Im Februar hatten alle eine Woche Schulferien und wir haben vormittags mit den Kindern ein Ferienprogramm gemacht. Hieran haben die Kinder teilgenommen, die vor- oder nachmittags in das Projekt kommen. Da nachmittags, wenn ich in dem anderen Projekt bin,  viel mehr Kinder kommen, kannte ich die meisten noch gar nicht. Wir haben uns jeden Tag ein Programm für die Kinder ausgedacht. An einem Tag waren wir zum Beispiel in dem Kinosaal, der in unserem Projekt ist und haben einen Film geguckt. Dadurch, dass sie ja alle keine Hausaufgaben aufhatten, hatten wir auch ausgiebig Zeit, den Geburtstag eines der Kinder zu feiern.
  
Meine Gruppe beim Ferienprogramm

Im Anschluss an die Ferien hatten wir unser Zwischenseminar. Dafür bin ich mit meinen Mitfreiwilligen auf eine Farm gefahren. Die Fahrt dahin war allein schon aufregend, weil es so viel geregnet hat, dass die Straßen komplett aufgeweicht waren und das, wobei wir fast nur auf Feldwegen gefahren sind. Als uns ist dann eine Kuhherde entgegen gekommen ist, musste unser Bus ein bisschen zur Seite ausweichen. Leider war der Straßenrand unbefestigt, sodass der Bus im Schlamm eingesunken und zur Seite gekippt ist. Zum Glück befand sich neben uns eine Felswand, sodass der Bus nicht weit kippen konnte und so niemanden etwas passiert ist. Nach erfolglosen Versuchen, den Bus anzuschieben, haben wir es irgendwann aufgegeben und sind zu Fuß weiter gegangen. Zum Glück war es nicht mehr weit. Die Farm liegt ziemlich abgeschottet, sodass dort nur die Leute waren, die da arbeiten und es kein Internet gibt, was für ein langes Wochenende ganz angenehm war. Nach einem Tag hatten wir aber auch kein sauberes Wasser mehr, weil der Regen immer noch nicht aufgehört hatte und anscheinend die Rohre beschädigt hat. Am letzten Tag hatten wir nicht mal mehr Strom. Das ganze haben wir mit Humor genommen und es hat den Gruppenzusammenhalt gestärkt. Nach ein paar Tagen Seminar, in denen wir viel gearbeitet haben, aber dabei auch viel Spaß hatten, ging es dann zurück nach Quito.
Karneval wird in ganz Ecuador gefeiert. In einigen Städten gibt es große Umzüge und in anderen Städten wird es nur mit Wasser-, Schaum- oder Essensschlachten gefeiert. In Quito ist es zum Beispiel üblich, dass schon ein paar Wochen vorher Wasserbomben geworfen werden. Ich musste auf dem Weg zur Arbeit immer ziemlich aufpassen, dass ich nicht nass gespritzt wurde. An dem Karnevalswochenende bleibt es dann nicht nur bei Wasser. Zusätzlich werden auch Schaum, Eier und Mehl geworfen. Ich habe Karneval aber mit ein paar Freunden am Strand verbracht. Dort verzichten die Menschen auf die Eier und das Mehl und malen sich dafür gegenseitig die Gesichter an. Wenn man nicht nass gemacht werden wollte, musste man das ganze lange Wochenende im Haus verbringen. Da es am Strand aber ziemlich warm ist, hatte niemand von uns ein Problem damit, nass zu werden und wir haben ein paar ziemlich lustige Schaumschlachten gemacht. 
In den letzten Wochen hatte ich Besuch aus Deutschland. Meine Schwester Paula war mit einer Freundin hier. Ein paar Tage ist Paula sogar mit zur Arbeit gekommen. Einen Tag davon hatten wir eine Reunion, wo sich alle vorstellen mussten, weil die italienischen Freiwilligen gerade erst gekommen sind. 
   
Besuch in meinem Projekt

Am folgenden Wochenende sind wir zusammen in das Amazonasgebiet gereist. Für uns drei war es das erste Mal, dass wir den Regenwald gesehen haben, was sehr spannend war. Wir haben ein indigenes Dorf besucht und von dort aus eine Tour durch den Regenwald gemacht und dabei unter anderem viel über die Pflanzen und Jagdmethoden erfahren. Mittlerweile mussten die beiden aber schon wieder nach Deutschland zurückkehren.
   
Fotos aus dem ecuadorianischen Regenwald

Das war es dann auch fürs Erste von mir. Wie immer freue ich mich über Antworten auf meinen Rundbrief und Nachrichten aus Deutschland!
Viele liebe Grüße aus Quito
Thea


Dies ist der zweite Bericht (vom 12. Dezember)

Hola!
Es gibt wieder Neues aus Ecuador. Bei mir hat sich einiges geändert! Die vier italienischen Freiwilligen, die in meinem Vormittagsprojekt unterstützt haben, sind jetzt leider wieder in Italien. Stattdessen ist eine neue, ecuadorianische Mitarbeiterin gekommen, die jetzt die Kindergruppe betreut, bei der ich zuerst war. Ich bin dafür jetzt in einer Kindergruppe für die Kinder zwischen 3 und 5 Jahren. Die Kinder gehen bereits in die Vorschule. Da bekommen sie zwar auch Hausaufgaben auf, aber nicht oft und nur wenige Aufgaben. Also spielen oder malen wir die meiste Zeit. Es war am Anfang ungewohnt, als einzige Freiwillige in dem Projekt zu sein und nicht immer, wenn es Kommunikationsschwierigkeiten gibt, die anderen um Hilfe fragen zu können. Aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt und ich lerne verstärkt die Probleme alleine lösen zu können.
Eine Gruppe Mädchen mit denen ich einen Tanz vorgeführt habe

Einmal in der Woche übe ich jetzt mit einem Mädchen Lesen und Schreiben, weil sie mittlerweile in der dritten Klasse ist, aber noch Schwierigkeiten damit hat. Es gibt hier, was das Schulsystem angeht, ein Zwei-klassen-System: alle, die es sich leisten können, schicken ihre Kinder auf Privatschulen. Wenn das nicht möglich ist, besuchen die Kinder öffentliche Schulen. Es macht sich ein deutlicher Unterschied in Qualität und Anerkennung der Schullaufbahnen und -abschlüsse bemerkbar. Vor einigen Jahren hat die Regierung versucht, die Qualität der öffentlichen Schulen zu verbessern, indem sie die Lehrbücher anspruchsvoller gemacht haben, was sich leider tendenziell negativ auf die Schulen ausgewirkt hat. 
Das Leben in meiner Gastfamilie im Süden Quitos, zu der der Vater Fransisco, die Mutter Elizabeth und Zwillingsschwestern Franciel und Alison gehören, ist sehr schön. Besonders Elizabeth kümmert sich sehr liebevoll um mich. Sie bereitet mir jeden Morgen Frühstück vor, was im Regelfall aus frischgepresstem Saft, frischem Obst und Brötchen besteht. Alle Familienmitglieder sind aufgrund von Arbeit und Schule immer ziemlich lange unterwegs, sodass ich sie leider nicht oft sehe. Ich finde es schade, da ich gerne ein bisschen mehr Zeit mit ihnen verbringen würde. Ich hoffe, dass in der Weihnachtzeit mehr Zeit für gemeinsame Unternehmungen bleibt. Hin und wieder übe ich mit Alison und Franciel englisch. Ich bin sehr glücklich in meiner Gastfamilie!
Insgesamt habe ich mich hier mittlerweile gut eingelebt. Ich bin zwar nach wie vor auf der Suche nach einer Möglichkeit Sport zu treiben, aber auch da arbeite ich dran. Ich habe hier einige gute Freunde gefunden, die immer motiviert sind etwas zu unternehmen. Durch sie sind meine Abende deutlich lustiger und bunter. 
Die Wochenenden nutze ich meistens dazu, um möglichst viel von Ecuador zu entdecken. Reisen ist hier deutlich billiger als in Deutschland, abgesehen von einem Zug, der sehr teuer ist. Kaum jemand kann es sich leisten, ihn zu nutzen. Die verbreitetsten Verkehrsmittel sind hier Bus oder Auto. Da ich hier aber kein Auto fahren darf, reise ich überall mit dem Bus hin. 
Anfang Dezember haben hier die „fiestas de Quito“ stattgefunden, also Feiern anlässlich des Gründungstages Quitos, dem 6. Dezember 1534. Die „fiestas de Quito“ dauern jedes Jahr 10 Tage, wovon ein Tag sogar frei ist. In diesen 10 Tagen herrschte ein besonderer Ausnahmezustand in der gesamten Stadt. Es war zwar offiziell nur ein Tag frei, aber trotzdem wurde in der gesamten Zeit weniger gearbeitet, als sonst üblich ist. Zu den fiestas gehören ziemlich viele Konzerte, die alle nichts kosten. Außerdem gab es mehrere Umzüge, von denen ich aber leider keinen gesehen habe, weil ich zu den Zeiten arbeiten musste. Aber ich habe ziemlich oft verkleidete Leute im Bus getroffen, die entweder auf dem Weg zu einem Umzug waren oder von dort zurückkamen. Hinzu kommen noch sogenannte „chivas“. Das sind Partybusse, die während der fiestas jeden Tag durch die Stadt fahren. Natürlich musste auch ich die „chivas“ ausprobieren und es war eine Erfahrung, die mir in Erinnerung bleiben wird, eben weil sie typisch ecuadorianisch ist. Darüber hinaus gab es seit Anfang November jeden Tag Feuerwerke in der großen Hauptstadt, was ich allerdings erst nach einiger Zeit mitbekommen habe. 
In der Zeit der fiestas fand ein „weltwärts –Tag“ statt. Dazu wurden alle Freiwilligen, die wie ich, mit dem Programm „weltwärts“ derzeit in Ecuador sind, in das Haus des deutschen Botschafters eingeladen. Dort wurden verschiedene Vorträge, z.B. über Schamanismus gehalten und es wurden einige interessante Workshops angeboten. Besonders gefallen hat mir der Salsa-Kurs, bei dem wir innerhalb kürzester Zeit, Einblicke in den weit verbreiten Tanz bekommen konnten. Insgesamt war es ein sehr schöner Tag, bei dem man viele andere Freiwillige aus ganz Ecuador kennen gelernt hat.

Hier merkt man langsam, dass die Weihnachtszeit beginnt. Alles ist schon sehr weihnachtlich geschmückt. Auch in meinem Nachmittags-Projekt haben wir schon mit den Kindern zusammen einen Weihnachtsbaum und eine Krippe aufgebaut und den Raum geschmückt. Da es hier keine echten Weihnachtsbäume gibt, sondern nur Plastikbäume, konnten wir den Baum aus verschiedenen Kisten holen, ausklappen und dann zusammenstecken. Den Kindern (und mir natürlich auch) hat das Schmücken sehr viel Spaß gemacht. Bei meiner Familie gibt es außer eines Adventskranzes noch nicht viel Weihnachtsdekoration, aber das kommt ja vielleicht auch noch.

Unser Weihnachtsbaum im Projekt
Da es hier keine Jahreszeiten gibt, so wie wir sie aus Deutschland kennen, bin ich sehr gespannt auf ein Weihnachten bei ungefähr 20 Grad. Hier wird nur unterschieden zwischen Sommer und der Regenzeit, die hier im November begonnen hat. Morgens ist es normalerweise schön warm und es scheint die Sonne, aber nachmittags fängt es dann fast jeden Tag an zu regnen und dann wird es auch immer verhältnismäßig kalt. Die Temperaturschwankungen im Laufe des Tages sind oft größer als die innerhalb eines Jahres. An das Wetter habe ich mich zum Glück mittlerweile gewöhnt, genauso auch daran, dass es hier das ganze Jahr um kurz nach sechs dunkel wird. Sobald die Sonne dann weg ist, wird es auch immer recht kalt.
Das war es fürs Erste auch schon wieder von mir aus Ecuador. Falls ihr mehr wissen wollt, schreibt mir gerne, ich gebe mir Mühe zeitnah zu antworten, auch wenn das manchmal schwierig ist, weil ich so viele neue Erfahrungen mache, die ich erst verdauen muss.
Ich wünsche allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Liebe Grüße 
Thea


Hier der erste Bericht von Thea Otte (30. Oktober 2018)

Buenos días!

Kaum zu glauben, dass es jetzt schon fast zwei Monate her ist, dass ich in Frankfurt ins Flugzeug gestiegen bin und die lange Reise nach Ecuador begonnen habe. In der Zwischenzeit ist so viel passiert! Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll zu erzählen.

Alles begann mit dem Abschied von meiner Familie und meinen Freunden. Beim Abschied war mir noch gar nicht so richtig bewusst, dass ich euch jetzt wirklich alle ein Jahr lang nicht sehen werde. Das wurde mir erst so richtig klar, als ich am 9. September von meiner Familie zum Flughafen gebracht wurde und es Zeit war, mich zu verabschieden. Zum Glück musste ich nicht alleine fliegen, sondern habe am Flughafen ungefähr 12 andere Freiwillige getroffen, die ich fast alle schon von einem Vorbereitungsseminar kannte. Mein erster Flug dauerte 12 Stunden und ging nach Panama. Von da aus mussten wir dann noch 2 Stunden weiter nach Quito fliegen. Als wir in Quito, der höchsten Hauptstadt der Welt, angekommen sind, war es schon komplett dunkel, sodass man von der Stadt nur die Lichter sehen konnte. Wir wurden von unserer Mentorin vom Flughafen abgeholt und in die Fundación gebracht, der Ort, an dem wir die nächsten ein 1 ½  Wochen lebten. Wir waren alle sehr froh, als wir angekommen waren und endlich ein bisschen schlafen konnten.

Am nächsten Tag begann unser Orientierungsseminar an. Dort haben wir einige nützliche Dinge über Ecuador gelernt, z.B. wie wir uns hier verhalten müssen und worauf wir achten müssen. Unter anderem waren wir bei der Polizei und haben uns erklären lassen, mit welchen Taxen man gefahrlos fahren kann und welche man eher meiden sollte. Das alles wurde aufgelockert durch Spiele und eine kleine Einheit, in der wir die Grundschritte einiger verbreiteter Tänze gelernt haben. Anschließend an das dreitägige Seminar haben wir alle zusammen einen Ausflug in das historische Zentrum der Stadt und zu nahegelegenen, heißen Quellen gemacht.

Am darauffolgenden Freitag begann unser Spanischkurs, bei dem jede/-r 4 Stunden pro Tag Einzelunterricht hatte. Das war ziemlich anstrengend, aber ich habe auch viel gelernt. Die freie Zeit, die wir dadurch zur Verfügung hatten, haben wir dann genutzt, um die Stadt und einen der vielen Obstmärkte zu erkunden. Das war jedoch nicht immer einfach, da wir oft lange Bus fahren mussten, um dorthin zu gelangen. Da es keinen regulären Busfahrplan gibt, auf dem man nachgucken kann, wie man am schnellsten von einem Ort zum anderen kommt, war es zuerst ziemlich verwirrend. Zum Glück sind die meisten Leute hier sehr hilfsbereit und erklärten uns den Weg. Sonst wären wir wahrscheinlich kein Mal da angekommen, wo wir hinwollten. Es gibt hier nur sehr wenige Bushaltestellen und deswegen muss man meistens an der Straße einsteigen und den richtigen Bus anhalten. Die Schwierigkeit ist es erstmal herauszufinden, welches der richtige Bus ist. Wenn man die Namen der Busse lesen kann, ist es manchmal zu spät, um ihn noch anzuhalten.

Meine neue Heimatstadt hat einiges zu bieten. Die Stadt ist ziemlich schmal, aber dafür sehr lang, sodass man auch durchaus eine Stunde mit dem Taxi fahren muss, um in den Norden zu kommen. Quito ist umgeben von Vulkanen und Bergen, die man von überall in der Stadt sehen kann.

Am Sonntag, meinen Geburtstag hatten wir frei und haben die Zeit genutzt, um mit dem teleferiqo, einer riesigen Seilbahn, auf den Vulkan Pichincha zu fahren. Die Seilbahn hat uns ungefähr auf eine Höhe von 4100 m gebracht, was nochmal ein gewaltiger Unterschied zu den 3850 m Höhe, auf denen Quito liegt, darstellt. Von da aus hatte man aber einen wunderschönen Blick über die ganze Stadt. Von oben sieht sie nochmal viel schöner aus. Man sieht nur die vielen bunten Häuser, den ganzen Müll, der häufig in den Straßen liegt, kann man nicht erkennen. Nachmittags sind wir dann weiter zur Mitad del Mundo, also dem Mittelpunkt der Welt gefahren. Wir wussten zwar, dass der Äquator eigentlich 240 m davon entfernt verläuft, aber das Monument wurde gebaut, bevor die Tatsache herausgefunden wurde.

Unser Ausflug auf den Vulkan

Nach fünf Tagen Sprachkurs sind fast alle anderen Freiwilligen in andere Städte gefahren, in denen sie leben werden. Außer mir bleiben nur zwei weitere hier in Quito. Alleine musste ich einige Stunden auf meine Gastmutter warten. Beim Warten wurde mir das erste Mal richtig bewusst, dass ich jetzt ein Jahr lang alleine in dieser großen Stadt in einem Land bin, dessen Sprache ich nicht sonderlich gut spreche. Das Gefühl hat sich aber schnell wieder gelegt, als ich sehr herzlich von meiner Gastmutter und später auch von dem  Rest meiner Familie begrüßt wurde. Es war dann doch ein tolles Gefühl, endlich angekommen zu sein, meinen Koffer auspacken zu können und mein Zimmer einrichten zu können.

Am nächsten Tag hatte ich gleich meinen ersten Arbeitstag in einen der beiden Projekte, in denen ich arbeite. Meine Arbeit besteht in der Hausaufgabenbetreuung der Kinder. Wenn sie die Hausaufgaben erledigt haben, geben wir ihnen neue Aufgaben oder spielen mit ihnen. Nach zwei Stunden treffen sich dann alle in einem großen Saal und es gibt eine Kleinigkeit zu essen.

An dem folgenden Montag habe ich vormittags mein zweites Projekt kennengelernt. Die beiden Projekte werden vom gleichen Nonnenorden geleitet, aber das Projekt, in dem ich vormittags bin, ist deutlich umfangreicher. Die Projekte heißen beide CEIPAR, also Centró de Educación Integral Paola Di Rosa. Übersetzt heißt das so viel wie integratives Bildungszentrum.

Der Innenhof meines Projektes

Für mich beginnt der Arbeitstag immer um 8:30 Uhr. Ab 9:00 Uhr beginnen die Kinder mit ihren Hausaufgaben, vorher spielen wir immer noch ein bisschen im Hof. Jedoch wird das mit der Pünktlichkeit immer nicht so genau gesehen und die letzten Kinder kommen erst dann, wenn es schon Mittag gibt und es für sie schon fast wieder Zeit ist, in die Schule zu gehen.

In meinem Vormittagsprojekt arbeiten im Moment noch vier italienische Freiwillige und eine andere Frau, die mit uns zusammen die Kinder betreut. Hier haben die Kinder immer eine Stunde Zeit, um die Hausaufgaben zu erledigen. In meiner Gruppe sind immer ungefähr 15 Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren und wir betreuen sie zu dritt. Am Anfang war ich für die Kinder keine große Hilfe, weil ich die meisten der Aufgaben nicht verstanden habe, aber so langsam verbessere ich mein Spanisch und kann immer mehr helfen. Außerdem versuchen die Kinder mir auch geduldig zu erklären, wie ich ihnen helfen kann. Mit Händen und Füßen versteht man das dann meistens. Wenn alle mit den Hausaufgaben fertig sind, gehen wir alle nach draußen und es gibt einen kleinen Snack, meist in Form von Obst oder Brötchen. Anschließend gehen wir im Regelfall auf einen Spielplatz, auf dem sich alle ein bisschen austoben können. In letzter Zeit übe ich auch mit den Mädchen einen Tanz ein, den wir im November bei einem Schulfest den Eltern vortanzen wollen. Wenn die Sonne zu stark scheint, bleiben wir aber auf dem Gelände. Dort beschäftigen sich die Kinder im Innenhof. Wegen der Höhe scheint die Sonne hier viel intensiver als in Deutschland. Deswegen muss man ziemlich aufpassen. Nachdem die Kinder Zeit zum Spielen hatten, gibt es Mittag. Anschließend bringen wir die kleineren Kinder zur escuela. Escuela ist die Bezeichnung für die Schule bis zur achten Klasse. Danach wird die Schule colegio genannt. Manche Kinder haben hier vormittags Schule und manche nachmittags. Deswegen holen die anderen Freiwilligen dann immer andere Kinder von der Schule ab und gehen mit ihnen ins Ceipar zurück, während ich nach Hause fahre, um meine Mittagspause zu genießen, bevor ich dann in das andere Ceipar gehe, um da nachmittags zu arbeiten.

Kinder aus meinem Projekt beim Fussballspielen im Park

Hier in Ecuador werden alle LehrerInnen Tío oder Tía genannt, was für ziemliche Verwirrung mit meinem Namen gesorgt hat. Ich glaube, dass ich mich auch durchaus ein Jahr lang nur damit beschäftigen könnte, allen den Unterschied zwischen Tía und Thea beizubringen. Den Kindern wird dabei aber auch nicht langweilig, mich immer und immer wieder zu fragen, wie man meinen Namen nochmal ausspricht.

Die Kinder, die in mein Projekt kommen, leben alle in ärmlichen Verhältnissen und haben oft nur noch ein Elternteil. Ein anderer Teil meines Projektes ist auch die Essensausgabe an Personen, die auf der Straße leben. Sie bekommen dort die Gelegenheit, das Bad zu benutzen und sie bekommen Essen und Trinken. Die Hilfe bei der Essensausgabe gehört aber nicht zu meinen Hauptaufgaben.

Aufgrund der Familien- und Lebenssituationen stehe ich oft vor unerwarteten Herausforderungen, die es zu bewältigen gibt. Dazu gehören z.B. die fehlende Einsicht die Hausaufgaben zu erledigen, lautstarke Auseinandersetzungen und ständiges Rumlaufen. Auch wenn die Arbeit dadurch ziemlich anstrengend ist, freue ich mich doch jeden Morgen wieder, dahin zu gehen und von den strahlenden Gesichtern begrüßt zu werden.

Das war es erstmal von mir aus Ecuador! Wenn Ihr noch mehr erfahren wollt, könnt Ihr mir aber auch gerne schreiben. Ich freue mich auch über jede Nachricht vom anderen Ende der Welt. Ihr hört auch bestimmt bald wieder was von mir.

Liebe Grüße und bis dann

Thea




Interessierte Personen, die sich hier darstellen oder einen Link zu facebook haben möchten, bitte bei mir melden.

Link zur Fotoseite von Thorsten Roland.

Link zu Marlies Glases Blog zu den Themen Handarbeiten und Schweden