Begegnung mit der Aktivistin Mirrianne Mahn
Am Mittwoch, den 25. Februar, hatten wir, die Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse, die Möglichkeit, Mirrianne Mahn auf unserem Schulcampus in Rostock-Evershagen zu treffen. Sie sprach mit uns über Rassismus, schwarze Geschichte und die Bedeutung von Diversität in unserer Gesellschaft. Der Vortrag fand in einem entspannten Stuhlkreis statt, sodass wir auf Augenhöhe mit Frau Mahn diskutieren konnten.
Im Hauptteil ihrer Sitzung erklärte Frau Mahn, wie wichtig es ist, über schwarze Geschichte Bescheid zu wissen, und hob den Black History Month (jedes Jahr im Februar) hervor. Sie machte deutlich, dass schwarze Menschen in allen Bereichen eine wichtige Rolle spielen – in Sport, Politik, Musik, Social Media und Mode. Dabei betonte sie, dass Aufklärung über Rassismus nicht nur für Schwarze Menschen wichtig sei, sondern für alle, um Gerechtigkeit und gleiche Chancen zu fördern. Ein Ausspruch von ihr hat besonders beeindruckt. Sie sagte, sie müsse mit dem Thema Rassismus übertreiben, weil die anderen (die Rassisten) es auch tun. Damit meint sie, dass sie oft übertreiben muss, weil sie selbst viele diskriminierende Erfahrungen gemacht hat und diese Eindrücke mit dem Appell, so etwas nicht hinzunehmen, weitergeben möchte.
Am Ende des Treffens wurde klar, wie wichtig solche Begegnungen sind. Viele von uns haben verstanden, dass Rassismus bzw. Diskriminierung jeden betrifft und dass wir aktiv etwas dagegen tun können. Die Veranstaltung hat gezeigt, wie viel man über Diversität und Gerechtigkeit lernen kann.
Doch eine weitere Botschaft bleibt von dieser Begegnung:
Beschäftigt euch mit Geschichte und lernt etwas daraus. Die Geschichte hat keine Hautfarbe, sie ist weder weiß oder schwarz. Die Geschichte hat Menschen, die sie prägen, egal, ob sie eine schwarze, weiße oder eine andere Hautfarbe besitzen. Ein wichtiger Punkt aber ist, wie die Geschichte erzählt wird. Einige Dinge gehen im Laufe der Zeit verloren, einige werden mit Absicht nicht erzählt oder als nicht erzählwürdig betrachtet. Das bedeutet aber nicht, dass es diese Geschichte nicht gibt. Lange Rede kurzer Sinn: Betrachtet die Geschichte vielfältig, aus allen möglichen Perspektiven, erfahrt die Welt, seid menschlich, seid tolerant und freundlich.
Mirrianne Mahn wird am 8. Juni 1989 in Buea in Kamerun geboren. Ihre Mutter ist Kamerunerin, ihr Vater ist Deutscher. Sie wächst in Woppenroth im Hunsrück auf. Heute lebt sie in Frankfurt am Main und hat zwei Kinder. Man sieht also, dass sie verschiedene kulturelle Hintergründe miteinander verbindet.
Nach der Schule studiert sie Anglistik und Amerikanistik an der Goethe-Universität Frankfurt. Schon während und nach dem Studium engagiert sie sich in vielen Bereichen.
Seit 2021 ist Mirrianne Mahn Stadtverordnete in Frankfurt. Bis 2024 ist sie Mitglied bei den Grünen, inzwischen ist sie parteilos. Sie gehört zum Präsidium der Stadtverordnetenversammlung und arbeitet in mehreren Ausschüssen mit, zum Beispiel für Kultur, Bildung, Wirtschaft, Frauen und Sicherheit. Besonders wichtig sind ihr die Themen Diversität, Antidiskriminierung und Inklusion. Alles Themen, die auch für uns als Schülerinnen und Schüler eine große Rolle spielen, weil es um Gerechtigkeit und gleiche Chancen geht.
Neben der Politik engagiert sich Mirrianne Mahn auch stark in Theater, Kunst und Literatur. 2018 gründet sie mit Hannah Schassner das Projekt „yellowdressproudactions“ und arbeitet am Kinder- und Jugendtheaterzentrum in Frankfurt. Ihr Theater „theaterperipherie“ gewinnt 2019 den Karfunkel-Preis. 2024 veröffentlicht sie ihren ersten Roman „Issa“, der für den Debütpreis der Lit.Cologne nominiert wird, und sie ist Co-Autorin von „People of Deutschland“. Außerdem setzt sie sich seit 2016 in der Initiative „Schwarze Menschen in Deutschland e.V.“ ein, hält Workshops zu Rassismus und Ableismus und startet ein Foodtruck-Projekt durch Crowdfunding.