Technik

Der Flugkörper (Missile)

Die PERSHING war ein zweistufiger Boden-Boden- Flugkörper mit Trägheitsnavigationslenkung. Sie bestand aus 4 Hauptbauteilen:

Der ersten und zweiten Antriebsstufe, dem Lenk- und Steuerungsteil sowie dem Gefechtskopf.

  • Die erste Antriebsstufe leistete über eine Dauer von 38 Sekunden einen relativ hohen Startschub (12 500 kg). Sie brannte immer vollständig aus. Zur Flugbahnstabilisierung dienten drei dreieckige Stabilisierungsflossen, die ein hydraulisches Steuersystem betätigte. Sie wurden durch 3 Strahlruder unterstützt.
  • Die zweite Antriebsstufe diente als Marschtriebwerk mit variabler Brenndauer und einem Maximalschub von 10 000 kg. An ihrer Außenseite waren wegen der geringeren Luftdichte drei große, rechteckige Stabilisierungsflossen angebracht. Sie wurden durch 3 Strahlruder unterstützt.
  • Das Lenk- und Steuerungsteil, in dem die Trägheitsnavigationsanlage, das Stromversorgungs- und Stromverteilungssystem und der Druckluftspeicher untergebracht waren, war für die Steuerung während des Fluges und die Berechnung des Brennschlusses mit Abwurf der 2. Flugkörperstufe zusammen mit der Lenk- und Steuerstufe und Abstoß des Gefechtskopfes zuständig (siehe auch weiter unten).
  • Der Gefechtskopf enthielt die thermonukleare Ladung. Ein Schmelzkühlbelag und ein Drallsystem schützte ihn beim Wiedereintritt in die Atmosphäre vor dem Verglühen.

Die Startlafette (Erector Launcher)

diente als Transportauflage des montierten Flugkörpers beim Marsch, richtete den Flugkörper langsam oder im Einsatz schnell auf, drehte ihn auf den Zielrichtungswinkel und bot mit ihrem Starttisch eine genau nivellierte Plattform für den Start. Nach Modifizierung mit der Schutzummantelung bot sie dem Flugkörper auch Schutz gegen die Wirkung von Handfeuerwaffen und Granatsplittern.

Der Programmier- und Prüfstand (Programmable Test Station)

war die Steuerzentrale für den Countdown,

  • errechnete die Testwerte für die Überprüfung und die Parameter für den Abschuss,
  • stellte die errechneten Werte automatisch im Lenk- und Steuerungsteil ein,
  • überprüfte den Flugkörper auf Funktionsfähigkeit,
  • koordinierte alle Überprüfungen des Waffensystems und registrierte ihr Ergebnis,
  • startete den Flugkörper auf ein Signal hin.

Der Kern des Programmier- und Prüfstandes war der Pershing-Schussdatenrechner (Computer). Anpassungsgeräte sorgten dafür, dass die digitale Form seiner Rechen- und Prüfergebnisse in die analoge Form umgesetzt wurde.

Die Kraftstation (Power Station)

lieferte über einen Gasturbinenantrieb Gleich- und Wechselstrom für die elektrischen und elektronischen Geräte. Ein Kompressor und eine Filteranlage lieferten gefilterte wasser- und fettfreie Luft für die Luftlager der Kreisel, Beschleunigungsmesser und Pendel im Lenk- und Steuerungsteil. Klimatisierte Luft wurde während des Countdowns in das Lenk- und Steuerteil geblasen.

Das Automatische Referenzsystem (Automatic Reference System)

brachte wesentliche Verbesserungen mit und machte das manuelle Einrichten der Stabilen Plattform im Lenk- und Steuerungsteil überflüssig.

Das Automatische Referenzsystem (ARS) bestand aus einer Azimuth Referenzeinheit (ARU), die elektrisch mit der PTS und optisch mit dem Prisma der Stabilen Plattform ST120 in der Lenk und Steuerstufe gekoppelt war und einer Steuereinheit. Die Besonderheit bildete ein Nord-suchender Kreisel, der einen auf “true north” basierenden Schussrichtungwinkel ermittelte und mittels eines Lasers und Steuersignalen die Trägheitsnavigationsplattform ST120 einrichtete.


Das Abschussfolgeumschaltgerät (Sequential Launch Adapter)

ermöglichte es dem Abschussbereichsführer mit nur einer PTS/PS drei Flugkörper zu überprüfen und zu starten, ohne zwischen den Starts umkabeln zu müssen.

Das SLA bestand aus einer Umschaltstation mit Anschlüssen, Relais, Schaltern und Schlauchverbindungen, an die 3 Flugkörper und eine PTS/PS angeschlossen wurden. Der zu überprüfende und zu startende Flugkörper wurde per Signal angewählt


Start und Flugverlauf

Die PERSHING-Flugbahn wurde in zwei Abschnitte unterteilt:

den ersten, vom Boden unabhängigen, trägheitsgelenkten Teil, der vom Start bis zur Neutralisation des Schubs der zweiten Antriebsstufe reicht, und den zweiten ballistischen Teil, von der Schub-Neutralisation und Gefechtskopftrennung bis zum Ziel.


Für jeden Flug errechnete der Computer des Programmier- und Prüfstandes die günstigste ballistische Flugbahn. Die Angaben, die das Trägheitsnavigationssystem benötigte, um den Flugkörper mit der richtigen Geschwindigkeit auf diese Bahn zu bringen, wurden gleichfalls vom Computer ermittelt und automatisch eingestellt.

Nach Drücken der beiden Feuerknöpfe wurde die Startfolge initiiert und die erste Antriebsstufe gezündet. Der Flugkörper hob mit hoher Geschwindigkeit vom Starttisch ab und erhielt die erforderliche Anfangsbeschleunigung. Nach dem Ausbrennen der ersten Stufe (38 sec nach Zündung) flog die PERSHING je nach Zielentfernung eine bestimmte Zeit ohne Antrieb weiter (8,2 +- 6 sec für maximale Reichweite, 36,7+- 6 sec für minimale Reichweite), ehe die erste Antriebsstufe abgetrennt und die zweite Stufe gezündet werden konnte.

Die antriebslose Phase endete mit der Trennung der 1. Motorstufe von der 2. Motorstufe. Die Trennung erfolgte auf ein Signal der Lenk- und Steuerstufe welches zwei Sprengbolzen im Halteband zwischen 1. Motorstufe von der 2. Motorstufe detonieren lies und damit die mechanische Verbindung löste. Zur selben Zeit wurde von der Lenk- und Steuerstufe ein weiteres Signal initiiert, das die 2. Motorstufe zündete.

Bei Erreichen eines bestimmten Neigungswinkels, einer vorbestimmten Geschwindigkeit und Reichweite und damit einhergehendem Einschwenken auf eine ballistische Flugbahn, wurden auf ein Signal hin am vorderen Ende der zweiten Motorstufe drei Schubbegrenzungsöffnungen aufgesprengt, so dass die entgegengesetzten Schubvektoren sich kurzzeitig aufhoben. Genau in diesem Moment wurde die mechanische Verbindung zwischen Lenk- und Steuerstufe mittels Sprengbolzen gelöst und durch vier starke Federn der Gefechtskopf vom Lenk- und Steuerungsteil gestoßen. 0,15 Sekunden später rissen zwei Hohlladungen die 2. Motorstufe auf. Der damit erreichte plötzliche Gasdruckabfall bewirkte, dass kein Gas mehr aus den Schubumkehröffnungen austreten und dabei den Gefechtskopf beeinflussen konnte. Dieser flog jetzt ohne jede weitere Steuerung, jedoch drallstabilisiert (32 1/min) ballistisch in das Ziel. Die Flugzeit dauerte je nach Zielentfernung bis zu 8 Minuten; die Endgeschwindigkeit betrug MACH 8!