Die Auswahl der Aufnahmeausrüstung und Software hängt zuallererst vom Budget ab und verspricht auch mit geringen Mitteln Qualität, wenn wir etwas Erfahrung mitbringen oder lernwillig sind!
Akustik & die Mikrofon-Auswahl
Akustik hat mit der Ausbreitung von Schall zu tun. Schall misst man in Frequenzen (Anzahl der Schwingungen je Sekunde), die Töne produzieren. Seine Einheit ist Hertz (Hz). Das menschliche Ohr ist imstande Frequenzen zwischen 20 Hz und 20.000 Hz wahrzunehmen. Je höher die Frequenz, desto klarer und detaillierter ist der Klang. Mit dem Alter und mit der Exponiertheit an intensivem Geräuschpegel wird man unsensibler gegenüber höheren Frequenzen.
Die früheren analogen Tonaufnahmen auf Band sind definitiv passé. Heute werden Töne digital aufgezeichnet: das physikalische Phänomen Ton im Raum wird mittels Mikrofon in ein elektrisches Signal gewandelt, über die Audio-Speicherkarte digital codiert und mittels Kabel in die Audio-Software geladen, um dort verarbeitet zu werden. Später läuft der Prozess umgekehrt bis zum Lautsprecher oder Kopfhörer.
Je nach Klang-Umgebung brauchen wir für einen optimalen Klang eine bestimmte Art von Mikrofon, auch je nachdem, ob wir nur eine Stimme aufzeichnen oder parallel mehrere, ob wir Nebengeräusche interessant finden oder störend.
Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen a) dynamischen Mikrofonen und b) Kondensatormikrofonen. A) unempfindlicher gegenüber Raumhall und Störgeräuschen, aber weniger präzise. Eignen sich gut für live-Situationen, Interviews, Podcasting. B) für Aufnahmestudios, da sie deutlich empfindlicher sind, aber dafür auch präziser in der Tonwiedergabe, weil sie eine größere Frequenzbreite haben.
Wichtigere Unterscheidung: unidirektional oder omnidirektional
Die Richtung macht’s aus: Für ein Studiogespräch mit mehreren Gästen brauche ich entweder entsprechend viele unidirektionale Mikros (1 pro Gast + 1 Host) oder ein Mikrofon, das Schall von allen Seiten und Richtungen einfängt (omnidirektionales teures Studiomikrofon). Es gibt aber auch günstige Aufnahmegeräte mit einem bidirektionalen Mikrofon für die klassische Interviewsituation.
Anschlüsse: USB oder XLR
USB: einfachere Handhabe – verbindet Mikrofon direkt mit dem Computer, für eine Stimme geeignet
XLR: braucht einen externen Mixer bzw. Audiointerface, dafür flexibler und größerer Spielraum, höhere Mikrofonqualität; bedient gleichzeitig 2 und mehr Mikrofone (Aufzeichnung eines Gesprächs) direkt am PC oder Laptop
Ist ein Aufnahmegerät unabdingbar?
Wenn ich mich für eine mobile Form des Podcastens entscheide, meine Stimme draußen irgendwo im Freien einfange oder mich mit Gästen an verschiedenen Orten treffe, um dort in verschiedenen Situationen mobil aufzuzeichnen, dann JA. Es gibt auch günstige Qualitätsgeräte ab 100 Euro. Ein Handy ist zwar keine gute Wahl, aber manchmal eine notwendige Wahl fürs Podcasten!
Wenn ich ein Podcast-Format wähle, das nur meine Stimme einfängt oder ich Gespräche immer im Remote-Modus am PC aufzeichne, dann reicht ein Laptop/PC mit integriertem Mikrophon und einem Schnittprogramm wie Audacity (auch Aufnahme!). Der nächste Qualitätsschritt ist ein externes Mikrophon - ab 50 Euro erhältlich.
Kopfhörer
ein Muss! Und zwar on oder over ear und nicht in ear. Wir brauchen sie sowohl bei der Aufnahme, um die Audioqualität zu bewachen, als auch und vor allem beim Audioschnitt, um Geräusche von außen fernzuhalten und bei Schnitt und Montage präzise arbeiten zu können.
Eine externe Audio-Schnittstelle
braucht es unbedingt, wenn ich in einem improvisierten Studio zwei Stimmen oder mehr aufnehmen will (mit entsprechend vielen Mikrofonen und Anschlüsse in der Audio-Schnittstelle).
Kostenpunkt: ca. 120,00 Euro aufwärts + Mikrofon (mit Tischstativ oder Mikrofonarm + Popschutz und für unterwegs einen Windschutz, auch „dead cat“ genannt) je mindestens 50,00 Euro.
Laptop/PC und Audioschnittprogramm
Mit Laptops arbeitet es sich auch gut von unterwegs, das gilt auch für den Audioschnitt und sogar fürs Aufzeichnen. Aber egal ob mobil oder fix, wir brauchen eine Digital Audio Workstation, sprich eine Audiosoftware (empfohlen: Adobe Audition, Garage Band, Reaper oder eine kostenlose Einsteiger-Software wie Audacity). In der Folge gehen wir bei den Audioschnitt-Tipps von dieser Möglichkeit aus.
Remote-Interviews
Stelle sicher, dass du über eine stabile Internetverbindung verfügst, wenn du Remote-Interviews durchführst. Das gilt auch für deinen Gesprächspartner, mit dem du vorab einen Audio-Test gemacht haben solltest. Haben beide ein brauchbares Mikrofon? Wie klingt der Output der Probe? Kann evtl. nachgebessert werden?
Für solche Interviews gibt es eigene Apps bzw. Plattformen wie zencastr.com oder iris.fm oder cleanfeed.net (siehe Links). Wichtig ist, dass für jede Stimme eine eigene Spur aufgezeichnet wird, so kann beim Schnitt noch viel nachgebessert werden und Unterschiede in Lautstärke und Klang lassen sich nachträglich nivellieren.
Doch eine Handy-Aufzeichnung ;-)
Eine kurze Aussage oder Meinung kann auch als Audiobotschaft übers Handy eingeholt werden – als Originalton eben. Dann am besten als Whatsup-Nachricht vom Interviewpartner schicken lassen und im Podcast als eingeholte „Botschaft“, als zusätzliche Meinung verwenden.
Spotify for Podcasters hat fürs Handy eine kostenlose App, die (unter Funktion Tools) Sprachnachrichten in guter Qualität und sogar Gespräche aufzeichnet, sofern das Mikrofon deines Handys und die Internetverbindung mitspielen. Du kannst über die App Gäste einladen, am Gespräch teilzunehmen. Wichtig: Die App zeichnet nur eine Audiospur auf, nicht eine pro Gast; darum ist es wichtig, sich ja nicht ins Wort zu fallen!
Aufnahmen mit dem Handy - siehe Schritt 5