Wir bewegen uns auf schwankenden Boden. Das Podcasten ist ein junges dynamisches Feld, schwer greifbar, vielschichtig, viele Kanäle bedienend, und doch oder gerade deshalb an- und aufregend. Manche schrecken vor dem Technikaufwand zurück, andere haben Mikro-Berührungsängste. Aber wer den inneren Schweinehund überwindet, merkt bald, dass das Entfaltungspotential groß ist, sich eine Tür zu einer Welt des Klangs öffnet, die Sog ausübt. Auf jene, die gern zuhören genauso wie auf jene, die Podcasts produzieren. Wir stehen in einer langen und mächtigen Tradition, jener von Oral History, Storytelling, Tradieren von Fertigkeiten über mündliches Weitererzählen. Vermutlich ist die Kunst des Erzählens Teil unserer Kultur, festgeschrieben im menschlichen DNA … und das Bedürfnis Gehör zu finden ebenso.
Podcasts sind die Fortführung und Demokratisierung des Radios. 2004 witzelte man in den USA noch über „Guerrilla Media“: Sie werden als Audiodateien über das Internet weltweit verbreitet und archiviert. Sie können downgeloadet, zu jeder Tages- und Nachtzeit angehört (on demand) und individuell aufbewahrt werden, auch offline. Der Begriff PODCAST setzt sich aus CAST von „broadcast“ und POD für iPod von Apple zusammen, einem der ersten und günstigsten mp3-Player auf dem Markt. Manche führen POD auch auf das Akronym Playable On Demand zurück. Auf jeden Fall wurde mit dem Podcasting ab 2003/2004 eine neue Ära eingeleitet, die jede und jeden potenziell zu einem Medienmenschen-Produzent:in-Herausgeber:in machte. Siehe History.
Was mit Podcasten NICHT gemeint ist: Videos (vodcasts), Hörbücher, Hörspiele, Radiosendungen, selbst wenn sie in Sender-Mediatheken online zur Verfügung gestellt werden und als solche bezeichnet werden. Unabdingbar nämlich für Podcasts ist die Eigenschaft, bisher unveröffentlichtes Audio zu bieten (und nicht Radiokonserven).
Vorteile? Neben den oben genannten ganz oben auf der Liste das Nebenbei-Medium: Podcasts werden zu über 80% gehört, während man anderes macht: Hausarbeit steht an allererster Stelle, gefolgt von Autofahrten und Bewegungen in Öffis, von Spaziergängen oder Sport (Ipsos-Studie).
Vorzüge bzw. Alleinstellungsmerkmale? Audio aktiviert das Erinnerungsvermögen und die Vorstellungskraft. Wer zuhört, schaltet andere kognitive Bereiche aus (Sehsinn usw.) und konzentriert sich auf die Bilder im Kopf. Das Zuhören mit Kopfhörern ist ein sehr intimer Moment. Die Stimme/n begleiten die Zuhörer:innen in ihren täglichen Routinen, werden Teil des persönlichen Alltags – Bezugs- und Orientierungspunkte, die man sich selbst aussucht; zum Zeitpunkt, der für einen selbst ideal ist. Folglich: Wer einen Podcast gestaltet, spricht zu/mit einem Menschen, stellt diesen ins Zentrum.