Woraus besteht ein Podcast? Aus Worten, Musik, Geräuschen, aus Rhythmus und Pausen – in einer bestimmten Anordnung und in einem bestimmten Stil. Die journalistischen Bausteine (sind jene aus dem guten alten Radio)
O-Ton: Originalton (Auszug aus einem Interview – ein Satz oder mehrere Sätze)
Moderation: Anmod-, Abmod., Zwischenmod., – Textblöcke, im „Studio“ gelesen oder frei gesprochen
Atmo: Atmosphäre – Geräuschkulisse an einem Ort in einer bestimmten Situation
Geräusch: einzeln zuzuordenbare Klangelemente
Musik: instrumental, vokal, Musikbett, Intro, Outro
Das Format oder die Verpackung
ist wichtig, weil sie Wiedererkennung schafft und damit Orientierung für jene, die zuhören. Nicht zu verwechseln mit Genre (z.B. Kultur, True Crime, Geschichte, News usw.). Und dann solltest du dir noch im Klaren sein, ob du einen on going Podcast oder eine Serie entwickelst: Ein on going Podcast ist eher personen- als sachbezogen (außer bei News) und gliedert sich in Staffeln/Saisonen. Der Vorteil von Serien ist die Planbarkeit: z.B. 7-10 Folgen zu Thema xy, dann weitere 5-10 zu einem anderen Aspekt usw.. Das ist jedes Mal eine neue Podcast-Serie mit einem eigenen Titel, evtl. auch mit einem eigenen Format, manchmal sogar mit einem anderen Zielpublikum (und auf jeden Fall mit einem eigenen RSS-Feed – siehe Schritt 7).
Typologien nach Stimmenvielfalt:
- eine einzige Stimme (Monolog – meist bei News, Tutorials, Meinung)
- zwei oder mehr Stimmen (Dialog, Interviews-Gespräche)
- viele Stimmen/Chor (eine Erzählstimme und mehrere Audiobeiträge mit anderen Stimmen)
Typologien nach Inhalt:
- Tagesaktualität
- Themen-Vertiefung, auch didaktische Aufbereitung
- Audiodocumentary
Typologien nach Machart (die gängigsten bei Podcasts):
- one to one interview: ein/e Gastgeber:in und ein Gast/eine Gästin
- chat show oder free talk: freie Rede, egal ob allein oder mit mehreren Leuten im Gespräch
- roundtable: klassische Diskussionsrunde
- hosted non-narrated stories: mehrere Protagonisten erzählen von sich und ihrer Geschichte, eine Erzählstimme hält roten Faden zusammen
- narrated fiction: Erzählstimme omnipräsent
Auch Mischformen sind möglich. Und selbst live-Podcasts (oder einzelne Folgen) sind gelegentlich zu finden.
Von Format und Inhalt hängen Tonlage und Sprachregister ab: Auch die Tonlage muss bewusst gewählt werden: fröhlich vs. neutral, freundschaftlich vs. formell, ironisch-witzig vs. seriös usw.. Dasselbe gilt für das Sprachregister: Umgangssprache, Jugendsprache, akademisch, Alltagssprache.
Dauer der Folgen
Die 100 Euro-Frage: Wie lange soll eine Folge/Episode dauern? Das hängt davon ab, was ich zu sagen oder erzählen habe und wer meine Zuhörer:innen sind. Wir tendieren allerdings alle zur Länge, selten zur Kürze in der mündlichen Kommunikation! Darum: Weniger ist mehr. Laut Ipsos bewegt sich eine ideale Länge zwischen 15 und 30 Minuten. Doch wenn der Inhalt spannend ist und anregend vermittelt wird, werden wir auch nach Minuten 30 kaum Zuhörer:innen verlieren. Die consumption-rate unter den Hör-Statistiken (siehe Hosting-Plattform) zeigt dir, bei welcher Minute deine Zuhörer:innen bei jeder Folge aussteigen – das ist eine wertvolle Information über Länge (und auch Inhalt).
Um deine Podcast-Dauer zu klären, beantworte folgende Fragen:
- Hab ich wirklich NUR das erzählt, was zu diesem bestimmten Thema in der Folge wichtig war?
- Welches Vorwissen, welche Erwartungen haben meine Zuhörer:innen?
- Wieso wollen sie gerade meinen Podcast hören?
- Was tut mein imaginäres Gegenüber während sie/er meinen Podcast hört? (z.B. Kochen, morgendliche Routine – dann nicht länger als 20 Minuten!)
- Was ist mein Zeit-Gegenspieler – was hält sie davon ab, meinen Podcast zu hören?
Häufigkeit
hängt vom Zeitplan, den Ressourcen und dem Ziel deines Podcasts ab. Konsistenz ist wichtig, um das Interesse und die Bindung deiner Zuhörer:innen aufrechtzuerhalten. Am besten von vornherein einen Veröffentlichungsplan bestimmen.
- täglich (Tagesgeschehen und journalistische Inhalte, Horoskop, GutenMorgen-Inhalte)
- wöchentlich (die beliebteste derzeit)
- 14-tägig
- monatlich (für aufwändig konzipierte Podcasts die üblichste)
Nur eines ist wirklich zu vermeiden: die random-Veröffentlichung, ergo eine gelegentliche Veröffentlichung ohne kommunizierbares Muster dahinter.
Struktur schafft Storyboard
Überlege dir eine klare Struktur für jede Folge. Hier sind Gliederungs-Beispiele für deinen Storyboard, die Reihenfolge der Podcast-Elemente oder -Blöcke könnte auch anders sein.
Bsp. 1:
Intro
Signation (Kennung)
(Begrüßung durch Gastgeber)
Vorstellung Gast/Gästin
Interview
Zwischenteil
Vorstellung Gästin/Gast
Interview 2
Zusammenfassung Thematik
Outro
Schlusskennung
Bsp. 2:
O-Ton (Originalton – bis zu 30 Sek. Auszug aus einem Interview)
Signation
Intro
Gespräch mit 1 oder mehreren Leuten
Outro
Teaser auf nächste Folge
Schlusskennung
Abschiedsmotto
Intro-Outro
Einleitung und Schluss werden meist auch klanglich gekennzeichnet durch eine Musik- bzw. Klangbasis, darauf Podcast-Bezeichnung, Name Sprecher:in, gelegentlich auch Claim (Untertitel/Motto) und Herausgeberschaft – die Signation (Kennung). Das Outro kann auch nur ein musikalischer Schlusstakt sein, oder es kann eine Webadresse oder einen Sponsor als Bezug nennen. Je 10-15 Sekunde Länge sind die Regel. Und: Die Signation muss-soll gar nicht das erste Element im Podcast sein, sondern darf ruhig nach einem ersten Inhaltsblock kommen, der ins Thema der bestimmten Folge einleitet bzw. in die Thematik „hineinzieht“. Das hat 2 Vorteile: Überraschungseffekt und Entscheidungshilfe, ob weiterhören oder nicht. Bei größeren Produktionen mit einem Team sind alle „Helferlein“ (credits) zu nennen (ob mit Stimme am Schluss oder in der Beschreibung der Folge im Text): Sound Designer, Postproduktion, Producer usw..
ist eine Art Regieanweisung (ähnlich dem Drehbuch im Film) mit Textblöcken oder Stichworten für die Sprecher:innen und für die Producer:innen beim Schnitt. Es ist der Leitfaden bei der Aufnahme und noch mehr beim Sound-Editing (Audioschnitt, Montage und Mix). Es enthält auch Musiktitel, gespielte Länge und ob Musik im Hintergrund gespielt wird oder Protagonistin ist, ob ein- oder ausgeblendet oder hart reingeschnitten wird.
Entscheide, ob du deinen Podcast vollständig skripten möchtest oder ob du lieber Stichpunkte verwendest, um den Inhalt strukturiert zu präsentieren. Doch wenn du vollständige Sätze aufschreibst, dann tu es fürs Hören und nicht fürs Lesen!
Schreiben, um gehört zu werden
Texten ist nicht gleich Texten. Dazu gibt es eigene Workshops und auch eine Vielzahl von Literatur. Das wirklich Wesentliche findest du hier zusammengefasst.