Das Grundprinzip eines Interviews fußt auf dem Frage-Antwort-Muster. Ein Interview kann viele Funktionen erfüllen: 1. Es kann komplizierte Sachverhalte auf den Punkt bringen (Interview zur Sache), 2. Es kann eine Person in den Mittelpunkt stellen (Interview zur Person), 3. Es kann Meinung und Wertungen von Expert:innen zum Ausdruck bringen (Interview zur Meinung) – oder alle drei in einem. Immer liefert das Interview aber mehr als reine Information, und zwar durch den Mehrwert, den die Stimme, die Art zu sprechen beisteuert (das Zwischen-den-Zeilen hören). Das Interview hat immer sehr „menschliche Züge“ und rückt Emotionen ins Hörfeld. Es ist gerade darum eine beliebte Podcast-Form, die auch beim Publikum „gut ankommt“.
Es gibt offene und geschlossene Fragen (Ja/Nein), steuernde und nicht steuernde Fragen.
Nicht steuernde sind gewöhnlich die klassischen W-Fragen: Wo, was, wer, warum, wann, wie, wozu?
Steuernde Fragen wollen mehr als die vordergründige Information, sie sollen Interviewpartner aus der Reserve locken:
- Alternativfragen: Bsp. Das oder jenes?
- Skalafragen: Bsp. Wie groß ist Ihr Kinderwunsch?
- Suggestivfrage (auch Fangfrage bzw. Provokation): Bsp. Wie viel Prozent der Marktanteile haben Sie verkauft?
- Unterstellungsfrage: Bsp. Was treibt Sie dazu, Ihren Auftrag zu vernachlässigen?
- Bestätigungsfrage: Bsp. Habe ich Sie richtig verstanden, wenn Sie...?
Die Interviewsituation
Zuerst deine/n Gesprächspartner:in ankommen und sich wohlfühlen zu lassen (auch im Remote) durch ein Warm-up Quatschen und durch eine transparente Kommunikation zum Gespräch, zum Podast und deinen Zielen.
Auf keinen Fall einen Fragenkatalog vorab schicken, das tötet jede Art von Spontanität. Wenn du bei der Kontaktanbahnung danach gefragt wirst, am besten nur Stichworte liefern, und im Gespräch die Reihenfolge sich natürlich entfalten lassen. Zuhören, zuhören, zuhören, gelegentlich zusammenfassen und weiterfragen, um zum Erzählen zu motivieren.
10 gute Fragen, die zum Erzählen motivieren
1. Was ist passiert?
2. Was meinen Sie?
3. Wieso denn das?
4. Welches waren die Optionen?
5. Wie würden Sie das charakterisieren?
6. Was war der Wendepunkt?
7. Was hat sie/er denn gesagt?
8. Wie war es?
9. Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen?
10. Was würden Sie als Beispiel anführen?
CC BY-ND Marion Overcamp
Für die meisten von uns ist klar, dass Logo, Grafik, Farbwahl usw. für die schriftliche Kommunikation und für die Corporate Identity eines Unternehmens wesentlich sind. Dasselbe gilt für die Wahl der Stimme/n im Podcasting. Jede Stimme hat eine andere Klangfarbe und Modulation, vermittelt Nähe-Distanz, Authentizität (wenn auch regionale Einflüsse hörbar sind), Kompetenz. Wichtig ist nicht eine professionelle Schulung (Stimmbildung), aber eine Mikrofon-Schulung und Übung, damit die Aussprache klar ist (klar ist nicht gleich akzentfrei!). Im Zweifel eine dunkle Stimme bevorzugen, weil wir v.a. im Alter dazu tendieren, die höheren Frequenzen nicht mehr gut zu hören und weil sehr helle Stimmen als weniger kompetent wahrgenommen werden. Die Stimme eines Podcasts macht laut Ipsos rund ein Drittel der Fangemeinde aus.
Siehe Leitfaden (vor dem Mikro-Auftritt & Ausspracheübungen) - gilt auch für Referate, Reden, Bühnenauftritte usw..