Der St.-Pauli-Friedhof in Dresden, ein bedeutendes Zeugnis der Stadtgeschichte, steht an der Schwelle zu einer bemerkenswerten Transformation. Im Mai 1862 geweiht, diente diese Ruhestätte über 150 Jahre lang als wichtiger Bestandteil des städtischen Lebens. Seit 2016 ist der Friedhof beschränkt geschlossen, was eine einzigartige Gelegenheit zur Neugestaltung bietet.
Im Zuge der Vorbereitungen für die Bundesgartenschau (BUGA) 2033 in Dresden eröffnen sich spannende Perspektiven für die Zukunft des St. Pauli-Friedhofs. Die Stadt plant, Trümmerareale in lebendige Grünräume zu verwandeln und dabei historisch bedeutsame Orte neu zu interpretieren. In diesem Kontext entstand die innovative Idee, den St. Pauli-Friedhof in einen musealen Parkfriedhof für politische Bildung umzugestalten.
Das Konzept verspricht, das reiche historische Erbe des Friedhofs zu bewahren und zugleich einen bedeutenden Beitrag zur politischen Bildung zu leisten. Inspiriert vom sächsischen Modell der politischen Bildung an Schulen, könnte hier ein einzigartiger Ort des Lernens entstehen. Dieser würde nicht nur als Schnittstelle zu anderen Projekten dienen, sondern auch demokratische Werte und gesellschaftliche Verantwortung auf innovative Weise fördern und vermitteln.1
Die Integration in das BUGA-Konzept 2033 bietet dabei einen idealen Rahmen, insbesondere in Verbindung mit den geplanten Umweltbildungsangeboten am nahegelegenen Proschhübel.
Um diese ambitionierte Transformation zu realisieren, wurden vier Kernbereiche definiert:
Diese Umwandlung des St. Pauli-Friedhofs verspricht, einen einzigartigen Ort des Gedenkens, Lernens und der Begegnung zu schaffen, der die Vergangenheit würdigt und gleichzeitig in die Zukunft blickt.
Umgestaltung des St.-Pauli-Friedhofs zum Park zielt darauf ab, den einzigartigen Charakter des Ortes zu bewahren und gleichzeitig seine Funktionalität als öffentlichen Raum zu verbessern. Ein Kernaspekt ist die Erhaltung und Stärkung des Friedhofscharakters mit seinen Grabfeldern, Waldflächen und offenen Lichtungen, wobei besonderer Wert auf den Erhalt der Schutzgüter gelegt wird.
Zu den geplanten Maßnahmen gehört die Nachpflanzung historischer Solitärgehölz sowie an Fehlstellen in den Lindenalleen, die den Gestaltungscharakter unterstreichen. Gleichzeitig sollen verfallene Wandgrabstellen durch neue Bepflanzungen aufgewertet werden, was nicht nur ästhetisch ansprechend und abwechslungsreich sein kann, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität leistet.
Die Wegeinfrastruktur soll durch Erhaltungsmaßnahmen gestärkt werden. Marode und sanierungsbedürftige Wege sollen wiederhergestellt und nach Möglichkeit barrierefrei gestaltet werden, um künftig allen Besuchern Zugang zu den Parkelementen zu ermöglichen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Öffnung des Geländes zur Umgebung und der Reduzierung von Barrieren. Bestehende Verbindungen wie Trampelpfade und das Tor am Hammerweg werden genutzt und weiterentwickelt, um eine bessere Anbindung an den angrenzenden Hechtpark und das Radeburger Dreieck zu schaffen. Dabei orientiert man sich an historischen Quellen, wie dem ehemaligen Schießplatz am östlichen Dreieck des Friedhofs. Neue Toranlagen könnten sich gestalterisch an Friedhofsdarstellungen von Caspar David Friedrich anlehnen.
Schließlich soll die Erholungsfunktion des Parks gestärkt werden. Dies geschieht durch die Aufwertung bestehender Aufenthaltsbereiche und die Entwicklung neuer, vielfältiger Ruhezonen, beispielsweise an der Leichenhalle und im Erweiterungsteil des Friedhofs.
Das zentrale architektonische Ensemble, insbesondere die Leichenhalle im Eingangsbereich des St.-Pauli-Friedhofs, soll umfassend rekonstruiert und revitalisiert werden. Dieses bemerkenswerte Bauwerk, entworfen von den renommierten Architekten Schilling und Graebner aus dem Jahr 1911, galt als mustergültiges Vorbild für Gebäude dieser Art und verdient besondere Aufmerksamkeit.
Die Sanierung umfasst die Wiederherstellung der imposanten Treppenanlage und die sorgfältige Rekonstruktion der Fassade, um den ursprünglichen Charakter des Gebäudes herauszuarbeiten. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die symbolische Bedeutung der Leichenhalle zu unterstreichen und sie zum zentralen Ausstellungs- und Begegnungszentrum des künftigen Parkfriedhofs zu entwickeln.
Im Inneren der Leichenhalle ist eine Neuausrichtung der Räumlichkeiten geplant. Dabei sollen jedoch Gebäudestrukturen und Ausstattungselemente gesichert und erhalten werden. Das Erdgeschoss soll der Präsentation der Dresdner Sepulkralkultur und bedeutender Elemente der deutschen Bestattungskultur gewidmet werden. Im Obergeschoss sind wechselnde Ausstellungen vorgesehen, die in Zusammenarbeit mit dem Gedenkareal Dresden Nord und dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr und weiteren Institutionen realisiert werden sollen. Diese Kooperationen werden den Gedächtnischarakter des Ortes verstärken und vielfältige historische sowie gegenwärtige Perspektiven eröffnen.
Die Umgebung der Leichenhalle soll ebenfalls aufgewertet werden. Geplant ist eine Erweiterung der Ausstellungsflächen in den Außenbereich, um neue Aufenthalts- und Verpflegungsmöglichkeiten für Besucher zu schaffen. Dafür ist der Rückbau eines vorhandenen Schuppens notwendig. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die umliegenden Grünflächen attraktiver zu gestalten und die neue Funktion der Leichenhalle nach "draußen" zu erweitern.
Der zentrale Mosaikstein "Erinnern und Verstehen" bildet das Herzstück der Neukonzeption für den St.-Pauli-Friedhof. Dieser Schwerpunkt zielt darauf ab, die verborgenen Geschichten hinter den einzelnen Grab- und Gedenkstätten behutsam offenzulegen und die Besucher zum Nachdenken und Innehalten anzuregen. In enger Zusammenarbeit mit Experten für Erinnerungskultur wird ein Konzept entwickelt, das ein tieferes Verständnis für komplexe historische Zusammenhänge fördert, ohne dabei die Würde des Ortes oder der Verstorbenen zu beeinträchtigen.
Ein thematisch gestalteter Rundweg wird ausgearbeitet, der verschiedene Zugänge – chronologisch, thematisch oder personenbezogen – ermöglicht. Dieser Weg verdeutlicht eine zentrale Funktion der Friedhofsanlage: Im Tod sind alle gleich, hier kommen Opfer, Täter und Wohltäter zusammen. Das Gewebe der einzelnen Geschichten wird so erlebbar und vermittelbar, wobei stets eine klare Trennung zwischen historischen Fakten und interpretativen Elementen gewährleistet wird.
Die Stationen des Rundwegs beleuchten unterschiedliche Akteure und Themengebiete von Krieg und Gewalt, darunter das Militär und die deutsche Frage, Totalitarismus und die Banalität des Bösen, Mitläufer und Wohltäter sowie unterschiedliche Opfergruppen. Besonderes Augenmerk wird auf die sensible Darstellung der Schicksale von „Ausländerkindern“, Kriegsopfern und Kriegsgefangenen gelegt. Zudem wird die Entwicklung der Bestattungskultur thematisiert. Bei der Konzeption dieser Stationen werden lokale Gemeinschaften und, wo möglich, Nachfahren der Bestatteten einbezogen, um eine breite Akzeptanz und Authentizität zu gewährleisten.
Die Vermittlung erfolgt durch sorgfältig gestaltete künstlerische Elemente. Skulpturale Objekte heben die Stationen als Orte der Erinnerung dezent hervor und fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein. Sie können dabei bedeutende Symbole aufgreifen, wie beispielsweise Kirchenmusik oder die Eiche – ein Symbol in der deutschen Romantik2 – und schaffen so Verbindungen zwischen Kunst, Gedenktraditionen und menschlichem Handeln. Diese Objekte, ausgestattet mit interaktiven Elementen wie Audiostationen oder berührbaren Gedenktafeln, sollen einen Dialog zwischen Besuchern, Objekten und der Gedenkstätte anregen. Sie ermöglichen eine „erfahrbare Vergebung“, etwa durch das Hinterlassen persönlicher Gedanken oder das Entzünden virtueller Kerzen, ohne dabei in bestehende Grabflächen einzugreifen oder den ursprünglichen Charakter des Friedhofs zu beeinträchtigen. Diese Form des aktiven Gedenkens dient zugleich als pädagogisches Instrument, das besonders jüngere Generationen anspricht.
Die Skulpturen, in verschiedenen Größen gestaltet, sind mit Informationstafeln und behutsam integrierten interaktiven Elementen ausgestattet. Sie berichten über die Entwicklung der deutschen Geschichte vom Nationalismus über den Imperialismus bis zum Nationalsozialismus, wobei stets darauf geachtet wird, eine ausgewogene und differenzierte Darstellung zu bieten. Verschiedene historische Perspektiven werden einbezogen, von Napoleon bis Hannah Arendt, um ein vielschichtiges Bild der Geschichte zu vermitteln.
Zusätzlich werden neue Räume im direkten Umfeld der Gedenkstationen geschaffen, die sowohl als Aufenthaltsbereiche dienen als auch den Charakter des Friedhofs respektvoll stärken. Diese Bereiche sollen Raum für Reflexion und Dialog bieten und so die integrative Funktion des Ortes unterstreichen.
Diese sorgfältig konzipierten Maßnahmen stärken die Bedeutung des Friedhofs auf mehreren Ebenen: Als lebendiger Lernort für Geschichte und politische Bildung fördert er ein differenziertes Gedenken und bleibt durch die Verknüpfung historischer Ereignisse mit aktuellen Fragestellungen gesellschaftlich relevant. Die ästhetische Aufwertung erhöht die Attraktivität des Ortes, während seine integrative Funktion ihn zu einem Ort der Begegnung und des Dialogs macht. Als einzigartiger Gedenkort bereichert er zudem das kulturelle und touristische Angebot der Stadt Dresden, ohne dabei seinen primären Charakter als Ort der Ruhe und des Gedenkens zu verlieren.
Eine besondere Station auf dem künftigen Rundweg soll im Zuge der Neukonzeption entstehen. Sie setzt sich auf besondere Weise mit dem sensiblen Thema „Ausländerkinder“ auseinander und kann so ein neues Zeichen der Menschlichkeit im künftigen Parkfriedhof setzen.
Die Exhumierung und Umbettung der sterblichen Überreste der Zwangsarbeiterkinder auf dem St.-Pauli-Friedhof markiert einen bedeutsamen und zugleich äußerst sensiblen Schritt in der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit. Diese Maßnahme, als christlicher Akt der "Umkehr und Reue" konzipiert, zielt darauf ab, historisches Unrecht zu beseitigen und den Opfern die lange verwehrte Würde zurückzugeben.
Die geplante Umbettung betrifft die sterblichen Überreste von 225 Kindern, die Opfer des NS-Regimes wurden. Diese Zahl verdeutlicht das erschütternde Ausmaß des Unrechts und unterstreicht die Bedeutung dieses Gedenkprojekts. Bei der Umsetzung sollen Expertisen und Partner wie der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. einbezogen werden.
Die Planung und Umsetzung der Umbettung soll in enger Abstimmung mit verschiedenen Interessengruppen erfolgen. Dazu gehören Vertreter der Herkunftsländer der Kinder, Historiker, Gedenkstättenexperten und, wo möglich, Nachfahren der Opfer. Dieser inklusive Ansatz gewährleistet, dass die verschiedenen Perspektiven und Sensibilitäten in dem Projekt berücksichtigt werden.
Die Kinder, deren Gebeine umgebettet werden sollen, waren Opfer einer systematischen und menschenverachtenden Gewalt des NS-Regimes. Schon vor ihrer Geburt als "unwürdiges Leben" kategorisiert, wurden sie bewusst getötet und an der sogenannten „Selbstmördermauer“ des Friedhofes beigesetzt – ein Ort, der ihre vermeintliche Minderwertigkeit auch im Tod manifestieren sollte. Diese Praxis steht exemplarisch für die von Hannah Arendt beschriebene "Banalität des Bösen" und unterstreicht die Tatsache, dass neben der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung auch die Auslöschung der slawischen Völker ein zentrales Ziel der nationalsozialistischen Ideologie war.3
Die geplante Umbettung adressiert mehrere kritische Aspekte. Sie zielt darauf ab, die Ungleichbehandlung zu beseitigen, die bisher bestand, da andere Opfer von Krieg und Gewalt aus den Jahren 1933-1945 bereits exhumiert und in würdigen Gräbern beigesetzt wurden. Die Umbettung gibt den Kindern die verdiente Anerkennung als Opfer des NS-Regimes, arbeitet diesen Teil der NS-Geschichte auf und kann als symbolische Geste der Wiedergutmachung verstanden werden. Sie schafft zudem einen Ort aktiver Erinnerung und Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Der Entwurf für die neue Gedenkanlage kann gestalterische und symbolische Elemente aufgreifen, miteinander verbinden und auf dem Grabfeld H realisiert werden, wo bereits die Opfer von Krieg und Gewalt 1939–45 beigesetzt wurden.
Die Realisierung dieses wichtigen Gedenkprojekts erfordert erhebliche finanzielle Mittel. Die Finanzierung könnte durch eine Kombination aus städtischen Mitteln, Zuschüssen des Landes Sachsen und Spenden erfolgen. Diese möglichst breite finanzielle Basis würde den gesellschaftlichen Konsens über die Notwendigkeit dieses Vorhabens unterstreichen.
Von großer Bedeutung ist die Bewahrung des ursprünglichen Bestattungsortes an der Friedhofsmauer mit dem Gedenkstein aus den 1950er Jahren und den Grabsteinen von 2015. Nach erfolgter Umbettung soll die bisherige Struktur wiederhergestellt werden. So soll dieser Ort weiterhin als mahnendes Zeugnis der Vergangenheit dienen und ein Vergessen oder Verdrängen der Geschichte verhindern.
Die Realisierung dieser Maßnahmen stärken die Bedeutung des St.-Pauli-Friedhofs als Ort des Gedenkens und der historischen Aufarbeitung. Sie demonstrieren den Willen zur Aussöhnung und Achtung aller Opfer, unabhängig von ihrer Herkunft oder den Umständen ihres Todes. Der Friedhof wird zu einem vielschichtigen Lernort, der die Folgen von Diskriminierung und Entmenschlichung greifbar macht. Er betont die Wichtigkeit von Mitgefühl und Gleichberechtigung, auch über den Tod hinaus, und etabliert einen Ort der Reflexion, der sowohl die Vergangenheit würdigt als auch in die Zukunft weist.
Die pädagogische Funktion dieser Umgestaltung ist von besonderer Bedeutung. Der Ort bietet vielfältige Möglichkeiten für die Bildungsarbeit. Schulklassen können hier im Rahmen des Geschichts- und Ethikunterrichts die Folgen totalitärer Ideologien konkret erfahren. Universitätsseminare können die Gedenkstätte für Diskussionen über Erinnerungskultur und historische Verantwortung nutzen. Fortbildungen für Pädagogen können hier stattfinden, um Methoden der Vermittlung schwieriger historischer Themen zu erarbeiten. Führungen und Workshops für die breite Öffentlichkeit können das Bewusstsein für die Bedeutung der Erinnerungskultur schärfen.
Um die Nachhaltigkeit dieses Gedenkorts zu sichern, wird ein langfristiges Pflege- und Erhaltungskonzept entwickelt. Dies umfasst regelmäßige Instandhaltungsmaßnahmen, die kontinuierliche Aktualisierung der pädagogischen Angebote und die Einbindung der Gedenkstätte in überregionale Erinnerungsnetzwerke. So wird sichergestellt, dass die Erinnerung an diese Kinder und die Lehren aus der Geschichte auch für zukünftige Generationen lebendig bleiben.
Inspiriert von Hiob 11,14 – "Wenn Unrecht klebt an deiner Hand, entfern es / und lass nicht Schlechtigkeit in deinem Zelte wohnen!"4 – kann die Umgestaltung des St.-Pauli-Friedhofs ein kraftvolles Zeichen für die Bereinigung historischen Unrechts und die Übernahme moralischer Verantwortung setzen.
Diese biblische Weisheit findet in der Neukonzeption des Friedhofs eine zeitgemäße Umsetzung. Indem wir den Opfern des NS-Regimes ihre Würde zurückgeben und einen Ort des respektvollen Gedenkens schaffen, "entfernen" wir symbolisch das Unrecht der Vergangenheit. Wir weigern uns, die "Schlechtigkeit in unserem Zelte" – in unserem gemeinsamen Raum des Erinnerns – weiter zu dulden.
Der neu gestaltete St.-Pauli-Friedhof kann so zu einem lebendigen Mahnmal werden, das uns auffordert, wachsam zu bleiben und aktiv gegen Ungerechtigkeit einzutreten. Er erinnert uns daran, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit eine fortwährende Aufgabe ist, die jede Generation aufs Neue annehmen muss.
Der St.-Pauli-Friedhof kann eine umfassende Vernetzung und Entwicklung vielfältiger Vermittlungsangebote anstreben, um als integraler Bestandteil der Dresdner Erinnerungskultur zu fungieren. Diese Vernetzung bildet den letzten Mosaikstein in der Transformation des historischen Ortes zu einem lebendigen Zentrum für politische Bildung und Gedenken.
Im Mittelpunkt steht die Kooperation mit renommierten Institutionen wie dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr, des Gedenkareals Dresden-Nord und der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen. Ergänzt wird dies durch Partnerschaften mit der Justizvollzugsanstalt Dresden, dem Landesamt für Denkmalpflege Sachsen und verschiedenen gemeinnützigen Vereinen, die sich der Aufarbeitung der Dresdner Geschichte widmen. Diese Zusammenarbeit ermöglicht einen vielschichtigen Blick auf die komplexen Themen von Krieg, Gewalt und Gewaltherrschaft.
Das Vermittlungskonzept sieht lebendige und interaktive Formate vor. Geführte Rundgänge passieren die einzelnen Gedenkstationen und werden Themen wie Krieg, Gewalt, politische Theorien und die Entwicklung der deutschen Geschichte beleuchten. Im Hinblick auf die Bundesgartenschau 2033 können so spezielle Themenangebote für Groß und Klein entwickelt werden, die über bisherige Ideen der Machbarkeitsstudie hinausgehen und aufzeigen, wie Landschaftsarchitektur und Gartendenkmäler als Medien politischer Bildung fungieren können.
Ein besonderer Fokus liegt auf der digitalen Vernetzung. Eine mobile Website und App zum künftigen Parkfriedhof St.-Pauli werden entwickelt. Diese digitalen Angebote nutzen QR-Codes, um weiterführende Informationen zu den einzelnen Stationen innerhalb des Parkfriedhofs bereitzustellen und Verbindungen zwischen verschiedenen Punkten aufzuzeigen. Besucher erhalten detaillierte Informationen, auch zu den Gestaltungs- und Informationselementen innerhalb der Anlage sowie Hinweise auf thematische Verbindungen zu anderen Gedenkorten.
Diese digitale Infrastruktur macht die Inhalte für alle Interessierten jederzeit und überall zugänglich, wobei die Würde des Ortes gewahrt bleibt. Sie bietet die Möglichkeit, umfangreiche Informationen zur Geschichte des Friedhofs, zu bedeutenden Persönlichkeiten und zur Entwicklung der Bestattungskultur zu vermitteln, ohne den physischen Raum zu überlasten.
Durch diese vielfältigen Ansätze soll der St.-Pauli-Friedhof zu einem Ort werden, der Geschichte lebendig vermittelt, zum Nachdenken anregt und aktiv zur politischen Bildung beiträgt. Die Vernetzung mit anderen Institutionen und die Nutzung moderner Technologien schaffen dabei eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen lokalem Gedenken und überregionaler Bedeutung. Der folgende Entwurf zeigt, wie die Umsetzung erfolgen könnte.