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Familie Trillitzsch leitete von 1925 bis 1943 Schröters heilpädagogisches Institut in Dresden. Auf dem "Eichenhof" in Trachenberge schufen sie einen Ort, an dem Kinder und Jugendliche mit Behinderungen gefördert und begleitet wurden – bis die nationalsozialistische Politik dieser Arbeit ein Ende setzte.
Der "Eichenhof" in Dresden war von 1925 bis 1943 Teil von "Schröters heilpädagogischem Institut", einer Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit geistigen und körperlichen Behinderungen. Im Allgemeinen waren heilpädagogische Institute in dieser Zeit darauf ausgerichtet, Menschen mit Behinderungen zu fördern und zu betreuen. Sie boten oft eine Kombination aus Bildung, Therapie und Pflege an.
Die Geschichte des Instituts begann 1873, als Stadtrat Friedrich Wilhelm Schröter (1844–1910) die "W. Schröters Erziehungs- und Unterrichtsanstalt" in der heutigen Rudolf-Leonhard-Straße 44 / 44b (damals Oppellstraße) gründete.1
1925 übernahm Otto Hermann Trillitzsch (1868–1938) die Leitung als Direktor von "Schröters heilpädagogischem Institut". Trillitzsch war Eigentümer des ehemaligen Restaurants "Eichenhof" an der Weinbergstraße, in der Nähe des St.-Pauli-Friedhofs.2
Ein bedeutender Schritt in der Entwicklung des Instituts erfolgte 1927/28, als "Schröters heilpädagogisches Institut" nach einer Zwischenstation in Moritzburg auf den Eichenhof in der Weinbergstraße 38 in Dresden-Trachenberge umzog. Dieser Umzug ermöglichte es Direktor Trillitzsch, sein pädagogisches Konzept voll zu entfalten.3
Die Einrichtung nahm Kinder ab dem fünften Lebensjahr auf. Die jährlichen Pensionskosten, einschließlich des Unterrichtshonorars, lagen zwischen 1200 und 1800 Mark, abhängig von den individuellen Bedürfnissen der Zöglinge.4
Das Institut bot eine vorteilhafte Lage und Ausstattung. Trillitzsch beschrieb es als "auf sonnigem Südhang am Waldrande" gelegen, "umgeben von großen Obst-, Gemüse- und Ziergärten" und "hygienisch und zweckentsprechend eingerichtet". Der Unterricht erfolgte in kleinen Gruppen und umfasste alle Fächer der Volksschule, sowie Werkunterricht, Fremdsprachen und Musik.5
Nach dem Tod von Otto Hermann Trillitzsch im Jahr 1938 übernahmen seine Kinder, Hilde Seefried (N. N.) und der Lungenfacharzt Dr. O.H. Trillitzsch (1898–1966), die Leitung des Instituts.6
Die Zeit von 1925 bis 1943 umfasste die späte Weimarer Republik und einen Großteil der NS-Herrschaft. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 verschlechterte sich die Situation für Menschen mit Behinderungen drastisch. Die NS-Ideologie betrachtete sie als "lebensunwertes Leben". Diese menschenverachtende Haltung führte zu systematischer Diskriminierung und Verfolgung.
Die Nationalsozialisten entwickelten verschiedene Maßnahmen gegen Menschen mit Behinderungen. Zunächst versuchten sie durch Propaganda die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass das Leben von Behinderten überflüssig und zu teuer für die Allgemeinheit sei. Ab 1939 begann dann die systematische Ermordung behinderter Menschen im Rahmen des sogenannten "Euthanasie-" oder "Gnadentodprogramms".7
Ein besonders grausames Beispiel für die NS-Gewaltherrschaft war die "Aktion T4", benannt nach der Tötungszentrale in der Berliner Tiergartenstraße 44. Im Rahmen dieser Aktion wurden zwischen 1940 und 1941 systematisch Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten ermordet. Dafür wurden spezielle Tötungsanstalten eingerichtet, darunter Grafeneck, Brandenburg, Hartheim, Pirna, Bernburg und Hadamar.8
Obwohl die offizielle "Aktion T4" 1941 nach Protesten gestoppt wurde, gingen die Tötungen in vielen Einrichtungen bis zum Kriegsende weiter.9 Insgesamt fielen von 1939 bis 1945 schätzungsweise 300.000 kranke und behinderte Menschen in ganz Europa diesem Vernichtungsprogramm zum Opfer. Die Opfer galten als "Ballastexistenzen" und "Volksschädlinge" und wurden als "lebensunwert" aussortiert.10
Die NS-Gesetze zur Euthanasie (griechisch: guter Tod) führten 1943 zur zwangsweisen Auflösung von "Schröters heilpädagogischem Institut" auf Anordnung der Reichsregierung. Die zu diesem Zeitpunkt noch verbliebenen etwa fünf "Zöglinge" wurden in staatliche Einrichtungen, vermutlich nach Arnsdorf, verlegt. Ein ehemaliger "Zögling" namens Werner Bratvogel überlebte in Klein-Wachau und besuchte nach 1945 mehrmals die Familie Seefried.11