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Graf Georg Friedrich Alfred von Fabrice (1818–1891) war eine bedeutende Persönlichkeit in der sächsischen Geschichte des 19. Jahrhunderts. Als General der Kavallerie, Staatsminister und Politiker prägte er maßgeblich die Entwicklung Sachsens in einer Zeit großer politischer und militärischer Umwälzungen.
Geboren wurde Alfred 1818 in Frankreich, wo sein Vater als Major im Königlich-Sächsischen Husarenregiment "Prinz Johann" während der damaligen Okkupation Frankreichs durch deutsche Truppen in Garnison lag. Im 12. Lebensjahr wurde Alfred in Dresden Cadet im Corps von General von Gersdorf (1809–1870).1
Er begann seine militärische Karriere 1831, als er aus dem Kadettenkorps in die sächsische Reiterei eintrat. Seine Fähigkeiten und sein taktisches Geschick zeigten sich früh, was zu einem raschen Aufstieg in den militärischen Rängen führte. Als Rittmeister nahm er 1849 am schleswig-holsteinischen Krieg teil und wurde 1850 in den Generalstab berufen.2
Ein entscheidender Moment in Fabrices Karriere war der Deutsch-Deutsche Krieg von 1866, in dem Sachsen an der Seite Österreichs gegen Preußen kämpfte. Als Generalmajor und Chef des Generalstabs diente er unter dem Kronprinzen Albert von Sachsen (1828–1902) und leitete die Operationen des sächsischen Armeekorpses in Böhmen mit großem Geschick. Er veranlasste in der Nacht vor der Schlacht von Königgrätz den Kronprinzen, seine Truppe anderswo aufzustellen, als vorgesehen und befohlen. So dauerte die legendäre Schlacht wesentlich länger, als es den später siegreichen Preußen lieb war, und die Sachsen konnten sie mit wenigen Verlusten überstehen.3 Tragischerweise verlor er in diesem Krieg seinen Bruder Bernhard von Fabrice (1827–1866), der am Abend des 29. Juni 1866 in der Schlacht bei Gitschin von einer Kugel tödlich getroffen wurde und mit den letzten Worten „Sachsen hoch!“ fiel.4
Nach der Niederlage Sachsens zeigte sich Fabrices diplomatisches Talent. Er wurde mit der Leitung des sächsischen Kriegsministeriums betraut und schloss mit Preußen eine Militärkonvention ab, die die Umgestaltung der sächsischen Armee zum XII. Armee-Korps des Norddeutschen Bundes nach preußischem Muster vorsah. Diese geschickte Verhandlungsführung trug dazu bei, dass Sachsen seine Eigenständigkeit bewahren konnte, obwohl Preußen ursprünglich eine vollständige Einverleibung des Königreichs anstrebte.5
Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 wurde Fabrice zum Generalgouverneur für den Bezirk des XII. Armee-Korps ernannt. In Versailles leitete er die Verwaltung der eroberten nördlichen Départements und spielte eine Schlüsselrolle bei den Friedensverhandlungen. Er beherrschte die französische Sprache und seine diplomatischen Fähigkeiten sowie seine sympathische Art waren so beeindruckend, dass selbst die besiegten Franzosen erleichtert waren, als er zum Verhandlungsführer ernannt wurde.6
Dass in der Folge jahrzehntelang Frieden herrschte, dürfte nicht zuletzt auf diese weitsichtige Weichenstellung durch Fabrice zurückzuführen sein. Im Juni 1871 kehrte Kriegsminister Fabrice nach Dresden zurück und wurde 1872 zum General der Kavallerie ernannt. Anschließend widmete er sich der geeigneten Kasernierung und Reorganisation der zuvor größtenteils mangelhaft untergebrachten sächsischen Truppen.7
Er erkannte die Notwendigkeit, die veralteten und dezentral organisierten militärischen Anlagen zu modernisieren und so entstand eine der bleibenden Leistungen von Graf Alfred von Fabrice, die Konzeption und der Bau der Albertstadt in Dresden.
1873 wurde mit dem Bau der heutigen Stauffenbergallee als Zentralachse der Grundstein für die Albertstadt gelegt. Fabrice entwarf ein ambitioniertes Konzept für eine eigenständige Garnisonsstadt, die zur größten ihrer Art in Deutschland werden sollte. Die Albertstadt war mit allen notwendigen Einrichtungen ausgestattet, darunter eine eigene Bäckerei mit Mühle, Heizkraft-, Elektrizitäts- und Wasserwerk sowie einer eigenen Kirche. Ab 1883 agierte die Albertstadt völlig eigenständig unter der Gutsherrschaft des Sächsischen Kriegsministers.8
In nur 7 Jahren entstand unter seiner Anleitung Europas modernste Kasernenanlage auf einem 1,5 km2 großen Gelände für mehr als 12.000 Soldaten und ebenso viel Zivilpersonal. Im Zuge von Erweiterungsbauten wurden die Personalbestände später noch verdoppelt. Die alten Kasernen in der Dresdner Innenstadt wurden auf seine Anregung hin teilweise zu Sozialwohnungen umgebaut.
Seine Fähigkeiten als Staatsmann wurden 1876 anerkannt, als er zum Vorsitzenden des Staatsministeriums (heute Amt des Ministerpräsidenten) des Königreichs Sachsen berufen wurde. Er machte sich anschließend verdient um die Modernisierung des sächsischen Schulwesens und übernahm 1882 als versierter und sprachenkundiger Diplomat dazu noch die Geschäfte des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten.9
Fabrice war im In- und Ausland äußerst populär. Das zeigt sich darin, dass er in fast allen Ländern in Europa, sogar in Russland und Japan mit hohen und höchsten Orden ausgezeichnet wurde. Nach seinem Tod am 25. März 1891 wurde Fabrice zunächst in der Familiengrabstätte auf dem St.-Pauli-Friedhof beigesetzt. 1893 wurde für ihn ein Mausoleum mit Denkmal an der Stauffenbergallee fertigstellt, wo er und später auch seine Gattin, Gräfin Anna Friederike Luise von Fabrice-Asseburg (1821–1897), ihre letzte Ruhe finden sollten. Jedoch erfolgte 1950 eine Umbettung der Särge zurück auf den St.-Pauli-Friedhof.10
Graf Alfred von Fabrice hinterließ ein bedeutendes Erbe für Sachsen und Deutschland. Seine militärischen Fähigkeiten, sein diplomatisches Geschick und seine visionäre Stadtplanung in Form der Albertstadt prägten eine Ära. Er war ein Mann, der in Zeiten großer Veränderungen Stabilität und Fortschritt für Sachsen sicherte und dabei stets das Wohl seines Landes im Blick hatte.