Opfergruppe unter der NS-Diktatur
Unter der NS-Diktatur wurden zahlreiche Gruppen der Gesellschaft systematisch verfolgt, entrechtet, gefoltert und ermordet. Im Zentrum der nationalsozialistischen Ideologie stand ein radikaler Antisemitismus, der die jüdische Bevölkerung als Hauptfeind definierte und deren vollständige Vernichtung zum Ziel hatte.
Neben den Juden gab es weitere Opfergruppen. Schon früh nach der Machtübernahme liess das Regime politische Gegner – etwa Kommunisten und Sozialdemokraten – inhaftieren, da sie als Bedrohung für den NS-Staat galten. Im Rahmen des sogenannten Euthanasie-Programms strebten die Nationalsozialisten eine vermeintlich «reine» und «gesunde» deutsche Gesellschaft an: Menschen mit Behinderungen wurden als «biologische Gefahr» eingestuft, ab 1939 wurden Kinder mit bestimmten Behinderungen, später auch erwachsene Heimbewohner, systematisch ermordet – die Morde führten Ärzte und Krankenschwestern unter dem Decknamen «Aktion T4» aus. Homosexuelle Männer wurden ebenfalls verfolgt; zwischen 5.000 und 15.000 kamen in Konzentrationslager, einige wurden zwangssterilisiert. Darüber hinaus fielen auch Roma, Schwarze, Polen und sowjetische Kriegsgefangene der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik zum Opfer.
In den Konzentrationslagern mussten die verschiedenen Opfergruppen Kennzeichen tragen. Dadurch wurde der Grund für die Inhaftierung sofort sichtbar.
Tafel der Kennzeichnungen im KZ Dachau
Zeitzeugen berichten aus den KZs
Der 1981 entstandene Dokumentarfilm Zeugen – Aussagen zum Mord an einem Volk stammt von Karl Fruchtmann. Dieser kam 1936 ins KZ Dachau, konnte aber 1937 Deutschland verlassen. Der Film besteht aus Erinnerungen verschiedener KZ-Überlebender, die thematisch geordnet sind. Hinweis: Achten Sie auf die jiddische Sprache, die einzelne sprechen (Jiidisch = Deutsch der Juden Osteuropas).
Aufgabe 49
Klicken Sie auf die Bilder und schauen Sie die folgenden drei Filmausschnitte. An welche Ereignisse der Ankunft und der Zeit im KZ erinnern sich die einzelnen Zeitzeugen speziell? Halten Sie drei bis vier schriftlich fest.
Welche Stellen dieser Zeitzeugen-Interviews haben Sie besonders beeindruckt?
Ausschnitt: Ankunft im KZ
Ausschnitt: Selektion
Ausschnitt: Gaskammern
Literaturhinweise
Distel, Barbara. Frauen im Holocaust. Gerlingen: Bleicher, 2001.
Quack, Sibylle. Dimensionen der Verfolgung : Opfer und Opfergruppen im Nationalsozialismus. München: Dt. Verl.-Anstalt, 2003.
Spörri, Balz u. a. Die Schweizer KZ-Häftlinge : vergessene Opfer des Dritten Reichs. 1. Auflage. Basel: NZZ Libro, Schwabe Verlagsgruppe AG, 2019.
Zeugenschaft des Holocaust : zwischen Trauma, Tradierung und Ermittlung
Frankfurt/Main : Campus-Verlag 2007.
Zürcher, Regula. „‚Wir machten die schwarze Arbeit des Holocaust‘ : das Personal der Massenvernichtungsanlagen von Auschwitz“. Verlag Traugott Bautz, 2004.
https://encyclopedia.ushmm.org/content/de/article/what-groups-of-people-did-the-nazis-target (30.5.25)