Propagandaminister Goebbels bei einer Vorstellung des Volksempfängers (Propagandamaterial).
Bedeutung der Propaganda
Die Geschichte zeigt, dass die Kontrolle über die Medien immer ein zentrales Element ist, um politische Ziele zu erreichen. Auch während des Dritten Reichs kam den Medien eine Schlüsselrolle zu, indem sie die öffentliche Meinungsbildung beeinflussten.
Nachdem Adolf Hitler im Jahr 1933 die Macht an sich gebracht hatte, wurde ihm schnell bewusst, wie wichtig es war, die Kommunikationskanäle zu kontrollieren. Um dies zu erreichen, gründete er das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, das von Joseph Goebbels geleitet wurde. Unter Goebbels' Führung wurde der Volksempfänger (ein tragbares Radio, das mit 65 Deutschen Mark für viele Haushalte erschwinglich war) zu einem entscheidenden Instrument der nationalsozialistischen Propaganda. Millionen von Volksempfängern wurden verkauft, um die Massen mit den Botschaften des Regimes zu erreichen: Anstatt dass sich die Menschen an Rede-Auftritte begeben mussten, konnten sie Hitlers Stimme zu Hause hören.
Neben dem Rundfunk erkannten die Nationalsozialisten auch das Potenzial eines weiteren Leitmediums des 20. Jahrhunderts: des Films. Goebbels setzte auf die Produktion von Propagandafilmen, die die Ideologie des Regimes verbreiteten und die deutschen Bürgerinnen und Bürger beeinflussten.
Die Kontrolle über die Medien spielte eine zentrale Rolle in Hitlers Machtergreifung und der Aufrechterhaltung der nationalsozialistischen Herrschaft. Durch die systematische Manipulation von Informationen und die Ausnutzung der neuen Medientechnologien gelang es der Regierung, die deutsche Bevölkerung zu beeinflussen und ihre Ideologie zu festigen.
Aufgabe 16
Klicken Sie auf das Bild und schauen Sie den Filmausschnitt (Joseph Goebbels: Meister der Propaganda – Hitlers Helfer | BILD Doku).
1. Welche Funktion hatte das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda?
2. Welche Vorteile hatte der Volksempfänger?
3. Was erfährt man über Goebbels' Privatleben?
Info: Film im Nationalsozialismus
Zwischen 1933 und 1945 war das Kino in Deutschland stark von der nationalsozialistischen Propaganda geprägt. Die Filme, die in dieser Zeit gezeigt wurden, lassen sich grob in drei Kategorien einteilen: Propagandafilme, Unterhaltungsfilme und historische Dramen.
Propagandafilme
Unterhaltungsfilme
Historische Dramen
1. Propagandafilme: Diese Filme dienten dazu, die Ideologie der Nationalsozialisten zu verbreiten und die Bevölkerung zu indoktrinieren. Bekannte Beispiele sind Hitlerjunge Quex (1933), Der ewige Jude (1940) oder SA-Mann Brand (1933). Diese Filme glorifizierten Hitler und das Regime und/oder verbreiteten antisemitische und rassistische Ideologien. Insgesamt ist der Anteil Kinofilme mit direkter, unverhüllter Propagandaabsicht eher klein.
2. Unterhaltungsfilme: Um das Publikum zu unterhalten und von den politischen und wirtschaftlichen Problemen abzulenken, wurden viele leichte Komödien, Heimatfilme und Liebesfilme produziert. Filme wie Die grosse Liebe (1942) und Münchhausen (1943) erfreuten sich grosser Beliebtheit. Der Anteil dieser Filmgruppe war am grössten.
3. Historische Dramen: Diese Filme wurden genutzt, um nationale Mythen und historische Erzählungen zu propagieren, die die Ideologie des Regimes unterstützten. Beispiele sind Der alte und der junge König (1935), Kolberg (1945) oder Paracelsus (1943), die patriotische Geschichten erzählten und den Kampfgeist der Deutschen hervorheben sollten.
Dazu kam die sogenannte Wochenschau, die weitaus stärker propagandistisch geprägt war: Diese kurzen, meist wöchentlich erscheinenden Filmbeiträge wurden im Kino vor dem Hauptfilm gezeigt und dienten dazu, die Bevölkerung über aktuelle Ereignisse zu informieren – allerdings immer im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie.
Die Wochenschau berichtete beispielsweise über staatliche Grossveranstaltungen, politische Reden und (ab 1939) über Kriegsereignisse. Hier wurden militärische Erfolge glorifiziert, während Niederlagen entweder verschwiegen oder beschönigt dargestellt wurden. Durch die Wochenschau sollten die Zuschauer emotional aufgeladen und motiviert werden, sich für die Ziele des Regimes einzusetzen. Dies wurde durch dramatische Musik, packende Kommentare und eindrucksvolle Bilder erreicht.
Still aus dem Propagandafilm Triumph des Willens
Info: Leni Riefenstahl
Neben Goebbels war eine zweite zentrale Figur für die Propaganda des Nationalsozialismus Leni Riefenstahl. Zu Beginn ihrer Karriere war sie Tänzerin und Schauspielerin, bevor sie sich als Filmemacherin einen Namen machte. Während einer Filmtournee besuchte sie eine Veranstaltung, bei der Adolf Hitler sprach. Von seinem Auftritt begeistert, schrieb sie ihm einen Brief, der den Beginn einer folgenreichen Zusammenarbeit markierte.
Zu ihren wichtigsten Filmen gehören Triumph des Willens, eine Dokumentation über den Reichsparteitag 1934, und Olympia, eine zweigeteilte Dokumentation über die Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Diese Werke gelten als Meisterwerke der Filmkunst, sind jedoch auch bekannt für ihre propagandistische Verherrlichung des NS-Regimes. Für ihren Film Tiefland zwangsrekrutierte Riefenstahl Sinti und Roma aus einem KZ, um sie als Statisten einzusetzen.
Nach 1945 wurden ihre Filme von den Alliierten verboten, stehen jedoch heute nicht mehr auf dem Index. In der Nachkriegszeit wurde Riefenstahl als «Mitläuferin» eingestuft, jedoch nicht bestraft. Die Filmindustrie distanzierte sich von ihr, und sie zog sich auf Reisen in den Sudan zurück, wo sie die Nuba-Kämpfer studierte und fotografierte. Mit 71 Jahren wandte sie sich dem Tauchen zu und produzierte Tauchfilme.
Ihre mangelnde Selbstreflexion und kritische Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Schuld prägten ihr Nachleben. Obwohl sie sich von Hitler distanzierte und nie Mitglied der NSDAP war, sah sie ihre eigene Verstrickung in das Regime nie ein. Riefenstahl bemühte sich bis zuletzt, ihre Werke als „blosse dokumentarische Arbeit“ darzustellen. Ihre Filme enthielten jedoch keine journalistischen Informationen, sondern sollten Faszination auslösen und die Ideologie der NSDAP verherrlichen. Trotz ihrer Behauptungen blieb sie eine umstrittene Figur, die bis zu ihrem Tod (im Alter von 101 Jahren) ambivalent wahrgenommen wurde.
Aufgabe 17
Triumph des Willens ist ein Film, der anlässlich des sechsten Parteitages der NSDAP 1934 gedreht wurde. Klicken Sie auf das Bild und schauen Sie die folgenden zwei Ausschnitte.
1. Wie wird Hitler bei seiner Ankunft in Nürnberg inszeniert?
2. Welche Musik ist zu Beginn zu hören, wie verändert sie sich?
3. Wie inszeniert Leni Riefenstahl das Publikum?
Aufgabe 18
Klicken Sie auf das Bild und schauen Sie den Filmausschnitt 2 aus Triumph des Willens.
1. Welche Wirkung hat die Sequenz auf Zuschauerinnen und Zuschauer?
2. Welche Perspektiven werden für Hitler verwendet?
3. Überlegen Sie abschliessend: Handelt es sich, Ihrer Meinung nach, um einen Dokumentarfilm oder um einen Propagandafilm?
Info: Hitlerjunge Quex
Hitler Quex handelt vom ca. vierzehnjährigen Druckerlehrling, der mit seiner Mutter und seinem Vater, einem Sozialisten, in Berlin lebt. Den Übernahmen «Quex», eine Anspielung auf das aktive, flüssige Element Quecksilber, verdankt er seiner aufgeweckten Art und Lebendigkeit. Von der kommunistischen Jugendbewegung enttäuscht, möchte er in die Hitlerjugend eintreten, wo er im Laufe des Films aufgenommen wird. Am Ende wird er von Kommunisten bei einer Flugblatt-Aktion getötet. Der Film verfolgt das Ziel, linksgerichtete Arbeiterfamilie zum Eintritt in die Hitlerjugend bzw. NSDAP zu bewegen.
Der Film basiert lose auf dem Schicksal des Hitlerjungen Herbert Norkus, der 1932 von Kommunisten getötet und von den Nationalsozialisten zum Märtyrer stilisiert wurde. Er wurde bei Filmabenden der Hitlerjugend (siehe Modul Hitlerjugend und BDM) regelmässig vorgeführt und dort begeistert aufgenommen, wie die folgende Aussage eines ehemaligen Mitglieds zeigt: «Dieser Quex wäre ich gern gewesen: ein tapferer Bub, der eine grosse Aufgabe übernimmt – eine Aufgabe, die man sonst nur Erwachsenen zutraut. Darin lag die Verführung für junge Menschen: in der Hoffnung, ernstlich gebraucht zu werden.» (Zeitzeuge Hartmut von Hentig, zitiert in Benecke 2023, S. 96)
Filmplakat des Propagandafilms Hitlerjunge Quex
Aufgabe 19
Klicken Sie auf das Bild und schauen Sie die beiden Filmausschnitte aus Hitlerjunge Quex.
1. Wie wird Quex dargestellt, wie der Vater? Welche Absicht verfolgt der Film damit?
2. Quex wird am Ende des Filmes von den Kommunisten ermordet. Deuten Sie diese letzte Szene. Welche (propagandistische) Botschaft vermittelt dieses Ende? Das Fahnenlied taucht im Film als Leitmotiv auf. Wie erklingt es hier? Achten Sie auf Text und Musik.
Propaganda im Kinder-Alltag
Bisher kamen vor allem offensichtliche Formen der Propaganda zur Sprache. Daneben existierten aber auch besser versteckte Formen. «Von besonderer Bedeutung in der Kindheit war jene Propaganda, die als solche nicht wahrgenommen wurde, weil sie ohne kritische Reflexion direkt ins Unterbewusstsein drang. Es waren die kleinen Dinge des Alltags – Schul- und Kinderbücher, Anstecknadeln und Kartenspiele –, die subtil und unauffällig politische Ideen in die Köpfe und Herzen der Wehrlosesten, der Kinder, pflanzten.» (Merkel 2011, S. 9)
Aufgabe 20
Schauen Sie sich die Bilder an und überlegen Sie für jeden Gegenstand: Wie konnte er genutzt werden? Worin besteht der propagandistische Vorteil (aus Sicht des Regimes) im betreffenden Medium?
Fibel (Leselernbuch)
Spielfiguren
Memory
Gesellschaftsspiel
Literatur
Burgstaller, Rosemarie. Inszenierung des Hasses: Feindbildausstellungen im Nationalsozialismus. Frankfurt am Main, Campus Verlag, 2022.
Forschungsarbeit zu Propagandaausstellungen, die Feinbilder verbreiten wollten (Wirtschafts- und Leistungsschauen, Feindbildausstellungen, Ausstellungen im Krieg).
Gladitz, Nina. Leni Riefenstahl: Karriere einer Täterin. Zürich: Orell Füssli Verlag, 2020.
Kritische Biographie von Nina Gladitz, die mit Leni Riefenstahl im Rechtsstreit lag.
Jacobsen, Wolfgang. Filmgeschichte kompakt - Der Film im Nationalsozialismus. 1st ed. München: Edition text + kritik, 2021.
«Diese Darstellung des Films im Nationalsozialismus versucht in kompakter Montage von Daten, Tatsachen und Befunden sowie szenischen Eindrücken, unterlegt mit einer Ebene subjektiver Einwürfe von Exilanten und Verfolgten, darunter auch literarische Fundstücke, einem zeitgenössischen Kommentar gleich, diesen Abschnitt deutscher Filmgeschichte zu beschreiben.» (Klappentext)
Lange, Marcus. Das politisierte Kino: ideologische Selbstinszenierung im ‘Dritten Reich’ und der DDR. Marburg: Tectum Verlag, 2013.
Diese Monografie beschäftigt sich anhand des Dritten Reichs und der DDR mit der Frage, wie sich totalitäre Regimes inszenieren.
Merkel, Kerstin. Spiel mit dem Reich: nationalsozialistische Ideologie in Spielzeug und Kinderbüchern. Wiesbaden: Harrassowitz, 2011.
Sammlung und Kommentierung von Propagandamaterial im Alltag.
Nguyen, Binh. “Mit Musik geht alles besser: Strategien psychischer Einflussnahme über die Musik in den propagandistischen Unterhaltungsfilmen des Dritten Reichs und Hollywoods.”
Dieses Buch geht der Rolle der Filmmusik im NS-Propagandafilm nach und zieht zum Vergleich auch zeitgleich erschienene Hollywoodfilme als Beispiele heran.
Wattolik, Eva. Fotografie im Dienst der Gehirnwäsche oder das Märchen von der Liebe zwischen Reichskanzler und Kind. In: Merkel, Kerstin. Spiel mit dem Reich: nationalsozialistische Ideologie in Spielzeug und Kinderbüchern. Wiesbaden: Harrassowitz, 2011. S. 39-43.
Pietsch, Andreas. “Tönende Verführung: NS-Propaganda durch Filmmusik.” Berlin: mbv, Mensch-und-Buch-Verlag, 2009.
Dieses Buch widmet sich im Rahmen der Propagandaforschung der Manipulation durch Filmmusik in nationalsozialistischen Filmen wie beispielsweise Hitlerjunge Quex oder Die grosse Liebe.
Ronge, Tobias. “Das Bild des Herrschers in Malerei und Grafik des Nationalsozialismus: eine Untersuchung zur Ikonografie von Führer- und Funktionärsbildern im Dritten Reich.” Berlin: Lit Verlag, 2010.
Kunstwissenschaftliche Untersuchung zum Portrait des Führers und anderer Nazigrössen.
Witamwas, Birgit. Geklebte NS-Propaganda: Verführung und Manipulation durch das Plakat. Berlin u.a.: Walter de Gruyter GmbH, 2016.
Im Zentrum der Publikation steht das politische Plakat meinungsbildendes Medium.
https://www.zeitlupe.co.at/werbung/propaganda2.html (31.10.23)
Private Webseite, die Dokumente und Hintergrundinformationen liefert zur Kinder- und Jugendliteratur der Zeit von 1900 bis in die frühe Nachkriegszeit.
https://www.murnau-stiftung.de/movie/382 (31.10.23)
Informationen zu Hitlerjunge Quex.
Filme
Leni Riefenstahl Das Ende eines Mythos (Arte Doku 2020)
Dokumentarfilm über die Recherchen von Nina Gladitz.
Joseph Goebbels: Meister der Propaganda – Hitlers Helfer | BILD Doku
Dokumentarfilm über Goebbels und sein Ministerium.
JOSEPH GOEBBELS (2004, eine dreiteilige Dokumentation im Auftrag von SWR/WDR für Das Erste) (3 mal 45 Minuten)
Die Dokumentation orientiert sich vor allem an Tagebüchern und Zeitzeugen. Herausgeberin der Goebbels-Tagebücher Historikerin Elke Fröhlich kommentiert Originalfotos und -filmdokumente. Etwas irritierend, dass auch ehemalige Parteigenossin Lucie Kluge zu Wort kommt. Auch viele Originalaufnahmen, u.a. von Goebbels-Reden.
Das Goebbels-Experiment (2005, R: Lutz Hachmeister)
Dokumentarfilm mit experimentellem Charakter: Fotos und Filmaufnahmen aus Archiven werden mit Auszügen aus Goebbels Tagebüchern ohne Kommentierung oder Augenzeugenberichte kombiniert.