Die Fronmühle war die älteste mit Wasserkraft betriebene Mühle in Haßloch am Speyerbach und war bis 1995 in Betrieb. Sie wäre heute noch betriebsfähig.
An der nördlichen Gemarkungsgrenze zu Geinsheim, liegt die Fronmühle. Vor allem die Bauern aus Geinsheim, aber auch aus den weiteren umliegenden Dörfern lieferten dort ihr Getreide ab und bezogen Mehl.
Die zu Haßloch gehörende Mühle, die am Speyerbach erbaut wurde, war bereits 1255 im Besitzverzeichnis des Klosters Weißenburg als "Frondemühle" erwähnt. Sie war mit dem Bannrecht (Mühlenrecht – Mühlenzwang) der drei Dörfer Haßloch, Böhl und Iggelheim ausgestattet, deren Einwohner gezwungen waren, dort ihr Getreide mahlen zu lassen. Unter anderem mussten sie auch Fronarbeiten in der Mühle leisten. Wenn zum Beispiel das Wasser Schaden in der Mühle angerichtet hatte.
1330 kam Haßloch und mit ihm die Mühle in den Besitz der Kurpfalz (Kurfürsten der Pfalz), die 1379 die Hälfte an die Grafen von Leiningen abgaben. Später ging sie ganz in den Besitz der Leininger über, die jährlich eine Gült von 45 Malter Korn (ca. 150 Liter, je nach Gegend sehr unterschiedlich) an die Kurpfalz zahlen mussten.
Im pfälzischen Erbfolgekrieg 1688 – 1697 wurde die Mühle von den Franzosen niedergebrannt. Später wurde sie von der Kurpfalz wieder aufgebaut, wodurch die Leininger ihr Anrecht auf die Mühle verloren.
Von 1721 bis 1854 war die Mühle in Erbbestandspacht von der Familie Tyrolf bewirtschaftet. Die Müller der Fronmühle waren in dieser Zeit keine Eigentümer der Mühle, sondern nur Pächter, die die Mühle an ihre Nachkommen vererben konnten.
1721 zog Johann Georg Tyrolf mit seiner jungen 17jährigen Ehefrau Eva Elisabeth Sebastian aus Geinsheim auf die Fronmühle. Aus der Ehe gingen dreizehn Kinder hervor, die fast alle in Geinsheim getauft wurden.
Die bischöfliche Behörde duldete zu dieser Zeit, dass die Geinsheimer statt in der Mühle zu Hanhofen in der näher gelegenen Fronmühle ihr Getreide mahlen ließen. Sehr wahrscheinlich spielten die familiären Beziehungen zwischen der katholischen Fronmüller-Familie und dem katholischen Ort Geinsheim eine Rolle.
Der über Jahrhunderte bestehende Mühlenbann ging mit der Franzosenherrschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu Ende, sodass die Geinsheimer nun völlig legal ihr Getreide in der Fronmühle mahlen lassen konnten.
Der älteste Sohn Joh. Georgs, Heinrich Tyrolf, übernahm 1757 die Frohmühle mit seiner Ehefrau Eva Barbara Hoffmann aus Geinsheim. Er ließ 1761/62 das Mühlwerk und den Wasserbau neu herrichten. 1795 wurde das Gesindehaus mit Backofen erbaut.
Mit Johann Jacob Tyrolf und seiner Frau Maria Katharina Mohr aus Geinsheim ging 1854 die Ära Tyrolf zu Ende.
Jakob Müller, der Müller auf der Pfalzmühle war, kaufte sie 1854 für seinen Sohn Jean für 32100 Gulden. Jean hatte eine sehr vermögende Frau und baute ein Sägewerk und 1861 die jetzige Scheune mit „Eiswerk“ und Stall. Im Eiswerk wurden im 20. Jhdt. Eisblöcke für Kühlschränke hergestellt. 1867-1870 baute der Müller eine weitere Scheune mit dem Fachwerk aus dem Geinsheimer Rathaus (1594).
1882 brannten Wohnhaus und Mühle komplett aus. 1883 ließ Jean Müller das Mühlen- und das Wohngebäude großzügig aufbauen.
Jean Müller verkaufte das Anwesen 1898 für 65 000 Mark an den Haßlocher Friedrich Steinmüller (1863-1935). Seither ist die Fronmühle im Besitz der Familie Steinmüller. Zu dieser Zeit betrieben sie eine Gaststube im Wohngebäude. Dieses wurde aber schnell zu klein, wenn die Bauern lange warten mussten. Gegenüber der Mühle erbaute Friedrich 1906/08 ein Gasthaus „Zur Fronmühle“ für seine Tochter. Sein Sohn Philipp (1883-1955) übernahm 1935 die Mühle und ließ 1941 das Wasserrad durch eine Turbine ersetzen. Ihm folgte 1955 sein Sohn Fritz Steinmüller (1926-2012), der bereits seit seiner Heimkehr aus dem 2. Weltkrieg mitarbeitete. Er war der letzte aktive Müller auf der Fronmühle.
Die Fronmühle gehört zwar zur Gemeinde Haßloch, doch die Müllerkinder gingen stets in Geinsheim zur Schule.
Geschichte und Geschichten aus dem Gäudorf
Norbert Kästel - 2016