Einführung
Was ist der Mensch? Eine oft gestellte Frage mit den unterschiedlichsten Antworten. Jeder Mensch muss sich selbst um eine Antwort bemühen. Wer sich nicht darum bemüht, wird auch keinen Sinn in seinem Leben finden können. Der Mensch ist dazu berufen, unermüdlich die Wahrheit zu suchen, zu erforschen und zu leben und zwar sein ganzes Leben lang. Wenn ein Mensch auf dieser Suche stehen bleibt, treibt er wie ein Segelboot durch den Wind zurück. Der Mensch ist zum überlegten, durchdachten, geistigen Kampf berufen. Die Welt, das Leben ist wie ein unwegsamer Dschungel. Wer sich nicht voran kämpft, wird verschlungen. Von der Welt, vom Teufel und von den eigenen Begierden. Vom Zeitgeist, vom Materialismus, von der Vergnügungs-sucht, von der Machtgier, von der eitlen Selbstsucht, von der Selbsttäuschung. Ein Mensch, der nicht immer wieder sein Gewissen erforscht, seine Sünden bereut und in der Beichte bekennt und sich zu bessern sucht, erliegt ganz gewiss der Selbsttäuschung. Und was ist mit solch einem Menschen, der im Zustand der Selbsttäuschung lebt? Er ist geistig tot, absolut unfruchtbar. Auch wenn er „große humanitäre“ Werke vollbringen würde, z.B. in Äthiopien ein Krankenhaus erbauen würde, würde er dennoch nicht die Liebe, die Freude und den Frieden vermehren. Dies kann nur ein Mensch, der mit sich selbst im Reinen ist, der gemäß seiner tiefsten Überzeugung lebt, der auf Gott hört, Seine Gebote befolgt, die in unserem Herzen einbeschrieben sind, die wir in der Bibel finden, die uns die Apostel und ihre Nachfolger in der Kirche verkündigt haben. Man könnte nun einwenden, dass dies doch gar nicht gewiss ist, dass meine Überzeugungen mit der Lehre der Kirche und der Bibel übereinstimmen. Dieser Einwand ist auch voll berechtigt. Aber da der Mensch eben dazu berufen ist, die Wahrheit selbst zu suchen, muss er sich die Mühe machen, seine Überzeugungen mit der Lehre der Bibel und der Kirche zu vergleichen. Er kann seine Überzeugungen natürlich auch mit anderen Lehren vergleichen, z.B. mit den hinduistischen oder agnostischen oder atheistischen oder mit anderen. Die Mühe dieses Vergleichens lohnt sich gewiss, wenn man dabei immer ganz ehrlich und gewissenhaft vorgeht. Mangelt es aber auch nur an einem Punkt an der Aufrichtigkeit, verfällt man schon der Selbsttäuschung. Dies passiert allzu leicht, z.B. aus Bequemlichkeit oder aus Stolz oder aus Habgier. Die sogenannte Gewohnheitssünde spielt hier ein große Rolle. Ein Beispiel: Ein Jugendlicher beginnt zu rauchen, er erhöht im Laufe der Jahre seinen Zigarettenkonsum auf 20 Stück pro Tag, er spürt, dass er damit seiner Gesundheit ziemlich schadet, aber er bringt nicht die nötige Selbstüberwindung dazu auf, um sein Laster zu beenden. Im Laufe der Jahre wird die Stimme seines Gewissens, die ihm sagt: „Höre auf zu rauchen!“ immer leiser, bis sie ganz verstummt. Und wie Sie, liebe Leser, wissen, gibt es noch viel schlimmere Gewohnheitssünden als das Rauchen, vor allem die Lüge und die Unkeuschheit. Wenn ein Mensch also erkennt, dass sein Verhalten nicht mit der Wahrheit übereinstimmt, muss er die nötige Selbstüberwindung aufbringen, um sein Fehlverhalten zu ändern. Das wäre Umkehr. Jesus Christus sagt uns immer wieder: „Kehrt um!“ Oder: „Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!“ Also zuerst Selbstverleugnung, das ist der Kampf gegen unsere Sünden, gegen unseren Hochmut, gegen unsere Habsucht und Ichsucht, gegen all unsere bösen Neigungen und Wünsche. Der selbstsüchtige Mensch sucht zuerst sich selbst, ein Christ sucht zuerst das Reich Gottes. Jeder Mensch guten Willens sucht zuerst die Wahrheit und den Willen Gottes und nicht seinen eigenen Vorteil! Wir müssen uns jeden Tag neu prüfen, ob wir zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchen oder vielleicht nur unseren eigenen Nutzen. Dies erfordert von uns täglich die Bereitschaft zur Selbstüberwindung, zur Umkehr. Seien wir opferbereit, ehrlich und schonungslos uns selbst gegenüber in diesem steten Kampf gegen das Böse in unseren Herzen! Gott ist es, der uns die Kraft und den Sieg in diesem unerbittlichen Kampf verleiht, vor allem stärkt Er uns in Seinen heiligen Sakramenten. Wir dürfen nicht glauben, dass wir aus eigener Kraft siegen können. Jesus sagt uns deutlich: „Ohne mich vermögt Ihr nichts.“ Bleiben wir also mit Christus verbunden durch den häufigen und ehrfürchtigen Empfang Seiner heiligen Sakramente und bleiben wir untereinander verbunden im mystischen Leib Christi, in Seiner heiligen Kirche! Wir brauchen einander! „Einer trage des anderen Last!“ sagt uns der heilige Paulus. Und Jesus bittet Seinen Vater: „Lass sie alle eins sein! Wie Du, Vater, in mir bist und ich in Dir bin, so lass auch sie in uns eins sein, damit die Welt es glaube, dass Du mich gesandt hast! Ich habe die Herrlichkeit, die Du mir gegeben hast, ihnen gegeben, damit sie eins sind, gleichwie wir eins sind: Ich in ihnen und Du in mir. So lass auch sie vollkommen eins sein!“ (Joh 17,21-23). In diesem Evangelium des heiligen Johannes geht es immer wieder um die Einheit, um die Einheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, um unsere Einheit mit den drei göttlichen Personen, mit dem einen Gott, um unsere Einheit untereinander und um die Einheit unserer eigenen Persönlichkeit, um die Einheit zwischen unserem Geist und unserem Leib. Nur die Liebe Gottes kann diese Einheit bewirken. Wir müssen sie wollen, anstreben, uns darum bemühen und Gott um Seine Gnade dafür anflehen!
Der Mensch sucht die Wahrheit, weil nur sie seinem Leben einen Sinn geben kann. Der Mensch kann seinem Leben nicht selbst einen Sinn geben. Aber nur der Mensch kann die Wahrheit finden, der keine faulen Kompromisse eingeht, z.B. mit seiner eigenen Bequemlichkeit. Nur der Mensch, der bereit ist, die erkannte Wahrheit in seinem Leben konsequent umzusetzen. Die Wahrheit muss gelebt werden, ansonsten verflüchtigt sie sich. Wenn ich erkenne, dass mir Rauchen schadet, muss ich damit aufhören. Und wenn wir uns darum bemühen, das Gute zu tun, können wir gewiss sein, dass Gott uns dazu die nötige Kraft verleihen wird, denn Er will immer das Gute und hilft den Menschen, dass Gute zu wollen und zu vollbringen, aber nur wenn der Mensch mit Ausdauer und Vertrauen um Gottes Hilfe fleht, denn ein Mensch, der glaubt, das Gute allein, aus eigener Kraft vollbringen zu können, irrt sich sehr. Jesus sagt uns: „Wer sucht, der findet!“ Wer also die Wahrheit aufrichtig und unermüdlich sucht, mit der Absicht, gemäß der Wahrheit sein Leben zu gestalten, der wird sie gewiss finden. Er wird sie letztendlich in der Person Christi finden, denn Er sagt von sich selbst: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!“ Wir sind dazu herausgefordert, dies zu glauben oder auch nicht. Betrachten wir dazu Sein Leben und Seine Worte in den Evangelien, in den anderen Schriften des NT und in der ganzen Heiligen Schrift! Die ganze Heilige Schrift spricht über unseren Herrn Jesus Christus, Er ist das Geheimnis der Heiligen Schrift, welches im NT aufgedeckt wird. Ist Jesus glaubwürdig oder nicht, sagt Er die Wahrheit oder ist Er ein Lügner? Wir müssen uns entscheiden, für oder gegen Ihn! An ihm scheiden sich die Geister aller Menschen! Sein Leben ist die große Anfrage an unser Leben. Wenn ich glaube, dass Er die Wahrheit spricht und lebt, ja Er selbst diese Wahrheit ist, dann muss ich mich ganz und bedingungslos für Ihn entscheiden, dann muss ich Ihm nachfolgen, muss ich Tag für Tag umkehren, mich ändern, um Ihm immer ähnlicher zu werden, um Ihm gleich gestaltet zu werden. Dazu müssen wir in Christus, in Seiner Liebe, in Seinem Heiligen Geist, in Seiner Gnade bleiben! Das ist der Sinn unseres Lebens. Jesus ist nur Liebe und auch wir sind in Ihm zur Liebe berufen. Ohne Ihn können wir unmöglich zu Liebenden werden. Die Liebe ist unsere Berufung. „Alles vergeht, nur die Liebe bleibt!“ sagt uns Paulus. Christus allein ist das Maß aller Dinge. Wenn ich auf Ihn schaue, auf Sein heiliges Leben, auf Seinen Opfertod und Seine Auferstehung, erkenne ich im Laufe meines Lebens immer deutlicher, war in meinem Leben nicht gut ist und Christus gibt mir die Kraft zur Vervollkommnung, wenn ich Ihn darum bitte und wenn ich Seine Sakramente empfange, die Er eben zu unserer Heiligung eingesetzt hat. Danken wir Ihm unaufhörlich für alles, was Er für uns tut! Er hat Sein eigenes Leben für uns am Kreuz hingegeben, damit wir das ewige Leben in Gott erlangen können.
Wir Christen glauben, dass Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch in einer Person ist, Seine Worte und Taten, niedergeschrieben durch Zeugen, lassen uns dies glauben. Sein Leben, Seine Lehre, Sein Tod und Seine Auferstehung sind historisch gut bezeugt. Jeder muss selbst entscheiden, ob er diese Zeugnisse für glaubwürdig hält oder nicht. Leider gibt es Theologen, die mit sehr fragwürdigen Methoden alles oder fast alles als historisch unglaubwürdig hinstellen. Dies führt dazu, dass immer weniger Menschen an die Evangelien glauben. Für sehr viele sind die Evangeliumsberichte nur noch lehrreiche Märchen. Würde man in Westeuropa eine Umfrage durchführen, wie viele Menschen daran glauben, dass Jesus Christus vom Heiligen Geist empfangen wurde und von der Jungfrau Maria geboren wurde, würde man sehen, dass dies nur sehr wenige sind, selbst unter denen, die sich noch Christen nennen. Entscheidend aber ist, dass wir uns nicht beeinflussen lassen von solchen falschen Theologen, die uns nur in die Irre führen wollen. Gehen wir in die Stille und betrachten wir unvoreingenommen die Evangelien, lassen wir alles tief auf uns einwirken! Dann werden wir erkennen, dass die Lehren der Evangelien, die Worte und Taten Jesu der Wahrheit entsprechen. Der christliche Glaube widerspricht nicht der Vernunft, im Gegenteil, er erhöht unsere Vernunft, er hilft unserer Vernunft, immer tiefer in die Wahrheit einzudringen, immer tiefer den Sinn unseres Lebens zu entdecken, immer klarer unsere je eigene Berufung zu erkennen. Obwohl kein Menschen dem anderen gleicht, sind die Evangelien für alle Menschen geschrieben, jeder würde dort die größten Schätze finden und bergen, wenn er es wie Maria machen würde, von der es heißt: „Sie bewahrte alle Worte in ihrem Herzen.“ Wer unvoreingenommen die Evangelien betrachtet, ja die ganze Heilige Schrift, spürt die Inspiration durch den Heiligen Geist, wie dies uns die Kirche verbindlich lehrt. So wenige Menschen interessieren sich wirklich für Christus, welch unglaubliche Gleichgültigkeit! Die einen kennen zwar Seine Worte und Taten, aber sie glauben diesen nicht, andere sind nicht bereit, ihr Leben nach diesen auszurichten, wieder andere kennen diese gar nicht oder nur bruchstückhaft. Eine große Mitschuld tragen jene, die dafür verantwortlich sind, den Glauben zu verkünden. Die einen tun dies überhaupt nicht, die anderen nur auswahlweise, je nach ihren eigenen Vorlieben, andere verfälschend im Widerspruch zur gesunden Lehre der Kirche. Wo wird denn heute noch der wahre Glaube vollständig und unverfälscht verkündigt und gelehrt? Ja, es gibt noch solche Orte, gehen wir dorthin! Treue und Liebe zu Christus und Seiner Kirche!
Es kommt darauf an, die Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber Christus zu brechen. Er ist die Liebe, das Leben, das Licht! Wer Seine Liebe mit offenem Herzen empfängt, kann sie an seine Mitmenschen weitergeben. Aber wer kein Interesse für Jesus hat, hat wohl auch kein wahres Interesse für seinen Nächsten. Wer sich die Liebe nicht schenken lassen will, kann sie auch nicht weitergeben. Gott ist die unendliche Liebe, lassen wir unsere Herzen von ihr entzünden! Nur wenn wir uns lieben, kann sich die Liebe wie ein Feuerbrand ausbreiten, nur so können Seelen für die ewige Glückseligkeit bei Gott gewonnen werden. Nur wenn wir uns mit Hingabe lieben, können wir den Menschen glaubwürdig die rettende und heilende Botschaft Jesu verkündigen. Nur so kann das Eis der Gleichgültigkeit brechen. Nur auf diese Weise kann der wahre Frieden unter den Menschen gefördert werden.
Jesus Christus hat Sein Leben aus Liebe zu uns hingegeben, Er hat nie Seinen eigenen Vorteil gesucht. Gerade dies macht Ihn glaubwürdig. Schauen wir zuerst auf Seine Taten! Seine Taten zeigen uns, dass Er nur unser Heil im Sinn hat. Da Seine Taten glaubwürdig sind, können wir auch Seinen Worten glauben. Seine Taten und Seine Worte führen uns zum Glauben, dass Er wahrer Gott ist, eines Wesens mit dem Vater und dem Heiligen Geist. Und dies ist entscheidend, denn nur Gott konnte unsere Erlösung bewirken. In der Erlösung zeigt sich Seine Liebe zu uns. Was würde Jesus uns bedeuten, wenn Er uns nicht erlöst hätte? Durch Seine Erlösungstat am Kreuz eröffnet uns Jesus den Weg zur ewigen Glückseligkeit in Gott. Er selbst ist dieser Weg zum Vater. Er allein kann uns durch die Erlösung zum ewigen Vater im Himmel führen. Er ist der Mittler zwischen Gott und den Menschen. Er opfert sich für uns, Er schenkt sich uns selbst im Sakrament des Altares, damit wir immer mehr mit Ihm eins werden und so immer reiner werden und Seinem Vater wohlgefällig. Wenn wir dann rein genug sind, kann uns der Vater in die himmlischen Wohnungen einlassen, denn „nichts Unreines ist im Himmel“. Somit eröffnet sich uns auch der Sinn unserer Leiden. Sie dienen unserer Reinigung und Heiligung. Jedes Leiden ist darum eine Diener der Freude, wie Sr. Maria Julitta Ritz uns sagt.
Die Erlöserliebe Jesu Christi vermittelt uns alle Gnaden, durch die wir an Seiner Herrlichkeit Anteil gewinnen können. Nur durch Christus werden wir zur Liebe befähigt. Wenn wir in Ihm bleiben, bleibt Er in uns (Joh 15,4). Ohne Ihn vermögen wir nichts. Er sendet uns Seinen Heiligen Geist, der dauerhaft in uns bleibt, solange wir in der heiligmachenden Gnade leben, solange wir also nicht im Stande der Todsünde leben. Da nun der Heilige Geist in uns wohnt und wirkt, können wir heilig leben, können wir die Heiligkeit Gottes anderen Menschen vermitteln. Dies ist die wichtigste Aufgabe in unserem Leben, dies ist unser Apostolat, welches jeder Mensch mit den ihm gegebenen Talenten ausüben kann. Entscheidend ist, dass wir alles aus Liebe tun, immer in der Liebe verbleiben. Die heilige Therese von Lisieux sagt: „Wenn ich nur eine Stecknadel aus Liebe vom Boden aufhebe, kann ich dadurch schon eine Seele retten.“ Wenn wir in der Liebe bleiben, ist alles, was wir tun, heilbringend, selbst unser Schlafen. Wer hingegen nicht in der Liebe verbleibt, nicht im Stande der heiligmachenden Gnade, bleibt absolut unfruchtbar, selbst wenn er die größten äußeren Werke vollbringt, wie wir dies im sogenannten Hohelied der Liebe des heiligen Paulus in 1 Kor 13 nachlesen können. Die Liebe umfasst alle anderen Berufungen, umschließt und vollendet alle Charismen.
Ohne Jesus vermögen wir also nichts und mit Ihm alles. Mit Jesus können wir allen alles werden. Das Seelenheil aller Menschen muss uns immer ein Herzensanliegen sein. Kein Mensch darf uns gleichgültig sein. Wäre uns auch nur ein einziger gleichgültig, hätten wir keine Liebe in uns. Wir sehen, das eigentliche Problem ist die Gleichgültigkeit gegenüber Gott und gegenüber unseren Mitmenschen. Diese Gefahr dürfen wir nie aus den Augen verlieren, wir müssen uns jeden Tag in diesem Punkt prüfen. Wenn mir jemand gleichgültig wäre, würde dies bedeuten, er ist mir egal, an seinem ewigen Heil liegt mir nichts. Das Heil eines jeden Menschen muss uns ein Herzensanliegen sein. Beten wir für die Menschen, mit denen wir Probleme haben, die uns das Leben schwer machen, suchen wir das Gute in ihnen, schätzen wir sie nicht gering, verachten wir sie nicht, halten wir uns nicht für besser als sie! Wie könnten wir auch denken, dass wir besser seien als irgendein anderer, da wir doch wissen, dass nur Gott das Gute in uns bewirkt und wir oft genug nicht gut genug mit Seiner Gnade mitgewirkt haben! Flehen wir auf alle Menschen die Gnade Gottes herab! Wie viele Menschen kennen die Gnade Gottes nicht! Führen wir die Menschen zu diesen Schätzen, welche die Kirche verwaltet!
Nun gehen wir aber wieder zurück zu demjenigen, von dem alle Gnaden ausgehen, zu unserem Heiland Jesus Christus. Betrachten wir Sein Leben, Seine Taten und Worte und folgen wir Ihm! Hören wir auf Ihn, denn Er hat Worte des ewigen Lebens!
12.5.2026
Herr Jesus Christus, Du bist die ewige Liebe, Du bist wahrer Gott und wahrer Mensch! Du bist das Leben und Du gibst Dich uns ganz hin, damit wir aus Dir leben. Wenn wir in Dir bleiben und wenn Du in uns bleibst, werden wir das wahre Leben empfangen und bewahren. An Deiner göttlichen Natur können wir nur Anteil haben, wenn wir auch an Deiner menschlichen Natur Anteil haben. Und an Deiner menschlichen Natur können wir nur Anteil haben, wenn wir dazu bereit sind, Dir in Deinen inneren Gesinnungen immer ähnlicher zu werden, wenn wir dazu bereit sind, mit Dir zu leben, zu lieben und zu leiden. Als Getaufte sind wir Glieder Deines Leibes, Deiner heiligen Kirche. Und nur durch die Kirche schenkst Du uns all Deine Gnaden, durch die heiligen Sakramente der Kirche schenkst Du uns Anteil an Deiner menschlichen Natur und durch diese Anteil an Deiner göttlichen Natur. Durch die heiligen sinnenhaften Sakramente berührst Du uns, heilst Du uns, nährst Du uns, vergöttlichst Du uns, so dass wir Dir immer ähnlicher werden, immer heiliger werden, immer mehr zu Liebenden werden. In der heiligen Kommunion dürfen wir ganz eins mit Dir werden, eins mit Deiner menschlichen und Deiner göttlichen Natur. Wenn wir in Deiner Liebe bleiben, im Heiligen Geist bleiben, dann leben wir im Stande der heiligmachenden Gnade. Bewahre uns in dieser Gnade bis zum Ende unseres irdischen Lebens! Hilf uns, dass wir bis zum Ende standhaft bleiben, schenke uns Deinen Starkmut, Deine Geduld im Leiden, Deine Liebe, so dass wir allen vergeben können, die uns Böses antun, schenke uns Deine Freude und Deinen Frieden! Hilf uns, dass wir dazu bereit sind, unser Leben nach Deinem Vorbild für die Rettung der Seelen ganz hinzugeben! Amen.
Hl. Katharina von Siena (1347-1380)
Dominikanertertiarin, Kirchenlehrerin, Mitpatronin Europas
Brief 98 (Lettre 98 aux religieux de Cervaia, n° 52, Téqui, 1976, tome 1, p. 642-643 ; rev., © deutsche Übersetzung: Evangelizo)
Christus hat uns den Heiligen Geist geschenkt
Habt Mut, meine Brüder, lassen wir uns weder von begangenen Sünden, noch von irgendeiner Illusion, noch von einer Versuchung des Teufels unterkriegen! Wenn der Weg auch rau und steinig ist, so hat uns doch Christus, unser Arzt, ein Heilmittel gegen all unsere Schwäche gegeben, eine Taufe in Blut und Feuer, in der alle Sünden von der Seele abgewaschen werden, alle Versuchungen und Illusionen des Teufels vertilgt und zerstört werden. […]
Solange der Mensch im vergänglichen Gefängnis seines Leibes steckt, erfährt er ein verkehrtes Gesetz, das ihn stets zur Sünde einlädt und drängt. Die sanfte Güte Gottes hat ihm ein fortwährendes Heilmittel gegeben, das seine Vernunft und seine Freiheit stärkt. Dieses fortwährende Heilmittel ist das Feuer des Heiligen Geistes, das niemals erlischt und unaufhörlich seine Gnade und seine Wohltaten ausgießt, sodass wir uns jeden Tag dieser Taufe unterziehen können, die uns aus Gnade und nicht aus Verdienst geschenkt wird.
Wenn also die Seele in sich diesen Schatz und dieses Feuer des Heiligen Geistes wahrnimmt, wird sie so sehr trunken von der Liebe zu ihrem Schöpfer, dass sie sich selbst völlig verleugnet. […] Sie sieht und betrachtet nur noch ihr eigenes Nichts und demgegenüber die Güte Gottes. Sie erkennt, dass diese unendliche Güte nichts anderes will als ihr Heil, und so wird ihre Liebe zu Gott vollkommen. Sie hat keine anderen Gedanken, keine andere Neigung mehr, und sie kann den Drang ihres Verlangens nicht zurückhalten. Vielmehr läuft sie ohne Last und ohne Fesseln, denn sie hat sich von allen Hindernissen befreit, die sie hätten aufhalten können.
14.5.2026
Was ist nötig, um das ewige Heil zu erlangen? Demütige Selbstverleugnung und liebende Selbsthingabe an Christus.
Leo der Große (+ 461)
Aus einer Predigt zum Festgeheimnis der Himmelfahrt Christi.
Himmelfahrt Christi - unser Leben auf Erden
Wie könnte jemand durch den Glauben gerechtfertigt werden, wenn unser Heil nur in den Dingen bestände, die den Blicken zugänglich sind? Jenem Mann, der an der Auferstehung Christi zu zweifeln schien, wenn er nicht zuvor an seinem Fleisch die Spuren des Leidens durch Schauen und Betasten festgestellt hätte, sagt daher der Herr: "Weil du mich gesehen hast, Thomas, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben." (1)
Damit diese Seligpreisung für uns gelten kann, ist unser Herr Jesus Christus am vierzigsten Tag nach der Auferstehung vor den Augen der Jünger in den Himmel erhoben worden und hat so die Zeitspanne seiner körperlichen Gegenwart begrenzt, um zur Rechten des Vaters zu bleiben, bis die Zeit vergangen wäre, die Gott festgesetzt hatte, damit die Kirche in ihr die Zahl ihrer Kinder mehre. Dann erst wird er zum Gericht über Lebende und Tote in demselben Fleisch, in dem er aufgestiegen ist, wiederkommen. Die Gläubigen sollen also die zeitlichen Dinge durcheilen im Wissen, dass sie in diesem Erdental nur Pilger sind. Mögen ihnen auch gewisse Vorteile schmeicheln, so dürfen sie diese doch nicht leichtsinnig festhalten, sondern tapfer daran vorübergehen. Denn zu solcher Haltung ruft uns der heilige Apostel Petrus auf. Gemäß jener Liebe, die er für das Weiden der Schafe Christi durch das dreifache Bekenntnis seiner Liebe zum Herrn empfangen hatte, (2) sagt er beschwörend: "Liebe Brüder, da ihr Fremde und Gäste seid in dieser Welt, ermahne ich euch: Gebt den irdischen Begierden nicht nach, die gegen die Seele kämpfen." (3) In wessen Interesse aber kämpfen die irdischen Begierden, wenn nicht in dem des Teufels? Er findet sein Vergnügen daran, die nach dem Himmlischen strebenden Seelen durch die Genüsse der vergänglichen Güter zu fesseln und von jenem Wohnsitz abzulenken, aus dem er herausgefallen ist. Gegen seine Nachstellungen muss jeder Gläubige weise wachen, damit er seinen Feind gerade durch das, worin er versucht wird, schlagen kann.
Nichts aber, Geliebte, ist stärker gegenüber den Listen des Teufels als barmherzige Güte und freigebige Liebe. Durch sie wird jede Sünde entweder vermieden oder besiegt. So lasst uns also der Liebe nachjagen, (4) ohne die keine Tugend wertvoll ist. Dann können auch wir auf diesem Weg der Liebe, auf dem Christus zu uns herabgestiegen ist, zu ihm aufsteigen, dem mit Gott, dem Vater, und dem Heiligen Geist alle Ehre und Herrlichkeit ist in alle Ewigkeit. Amen.
1 Joh 20,29.
2 Vgl. Joh 21,15-17.
3 1 Petr 2,11.
4 Vgl. 1 Kor 14,1.
Hl. Johannes Chrysostomus (um 345-407)
Priester in Antiochia und später Bischof von Konstantinopel, Kirchenlehrer
1. Homilie über den ersten Brief an die Thessalonicher (trad. Brésard, 2000 ans C, p. 132; ins Dt. übers. © evangelizo)
„So habt auch ihr jetzt Trauer, aber ich werde euch wiedersehen; […] und niemand nimmt euch eure Freude.“
„So habt auch ihr jetzt Trauer, aber ich werde euch wiedersehen; […] und niemand nimmt euch eure Freude.“
„Ihr seid dem Beispiel des göttlichen Meisters gefolgt“, sagt Paulus. Wie das? „Ihr habt das Wort trotz großer Bedrängnis mit der Freude aufgenommen, die der Heilige Geist gibt“ (1 Thess 1,6). Also nicht nur in Bedrängnis, sondern in großer Bedrängnis, inmitten von Leiden ohne Zahl. Ihr findet dies in der Apostelgeschichte bestätigt. Dort erfahren wir, wie man gegen sie [Paulus und Silas, vgl. Apg 16, 19-25] eine Verfolgung angestachelt hat, wie ihre Feinde sie bei den Behörden denunziert und die Stadt gegen sie aufgebracht haben. Sie waren in Bedrängnis, und es wäre falsch zu sagen, sie wären ihrem Auftrag mühsam und klagend treu geblieben. Sie blieben mit großer Freude treu! Die Apostel hatten ihnen ein Beispiel gegeben: „Sie freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für den Namen Christi Schmach zu erleiden“ (Apg 5,41).
Das ist wahrhaft bewundernswert! In der Bedrängnis geduldig auszuharren, ist schon viel; aber sich darüber auch noch zu freuen – das übersteigt die menschliche Natur, als hätte man einen Leib, der sozusagen schmerzunempfindlich ist. Aber inwiefern sind sie dem Beispiel Christi gefolgt? Darin, dass er selber ohne einen Klagelaut und mit Freude gelitten hat. Denn es war sein eigener Wille, in solcherlei Bedrängnisse zu kommen. Um unseretwillen hat er sich gedemütigt, hat sich bespucken, ohrfeigen, ja kreuzigen lassen. Und er hat sich darüber so gefreut, dass er es seine Verherrlichung nannte: „Vater“, sagte er, „verherrliche du mich“ (Joh 17,5).
15.5.2026
Jesus lehrt uns das Vater unser Gebet. In diesem wichtigsten Gebet bezieht sich Jesus bewusst auf die 10 Gebote:
Ex 20,1-17:
Die zehn Gebote.1Hierauf gab ihnen Gott alle folgenden Gebote:2„Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten, dem Hause der Knechtschaft, weggeführt hat.3Du sollst neben mir keine anderen Götter haben!4Du sollst dir kein Schnitzbild machen, kein Bild von dem, was oben im Himmel oder unten auf der Erde oder im Wasser unter der Erde ist!5Du sollst dich nicht vor ihnen niederwerfen und sie nicht anbeten! Denn ich der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter an den Kindern, den Enkeln und den Urenkeln derer straft, die mich hassen,6Barmherzigkeit hingegen bis ins tausendste Glied denen erweist, die mich lieben und meine Gebote halten.7Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen! Denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.8Achte darauf, den Sabbat zu heiligen!9Sechs Tage magst du arbeiten und alle deine Geschäfte verrichten!10Aber der siebte Tag ist ein Ruhetag zu Ehren des Herrn, deines Gottes. Da darfst du keinerlei Arbeit tun, weder du noch dein Sohn oder deine Tochter, weder dein Knecht noch deine Magd noch dein Vieh noch der Fremdling, der bei dir innerhalb deiner Tore weilt!11Denn in sechs Tagen schuf der Herr Himmel und Erde, das Meer und alles, was in ihnen ist, aber am siebten Tage ruhte er. Darum hat der Herr den Sabbat gesegnet und geheiligt.12Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Lande, das der Herr, dein Gott, dir geben wird!
13 Du sollst nicht töten!
14 Du sollst nicht ehebrechen!
15 Du sollst nicht stehlen!
16 Du sollst gegen deinen Nächsten kein falsches Zeugnis ablegen!
17Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus! Du sollst nicht begehren die Frau deines Nächsten, noch seinen Knecht, seine Magd, seinen Ochsen, seinen Esel noch irgend etwas, was deinem Nächsten gehört!“
Die zehn Gebote nach dem Katechismus der katholischen Kirche:
Ich bin der Herr, dein Gott.
1. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
2. Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.
3. Du sollst den Tag des Herrn heiligen.
4. Du sollst Vater und Mutter ehren.
5. Du sollst nicht töten.
6. Du sollst nicht ehebrechen.
7. Du sollst nicht stehlen.
8. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau.
10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut.
Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
„Vater unser im Himmel“ bezieht sich auf das erste Gebot. Wir glauben an einen einzigen Gott, Er ist gut, Er ist unser barmherziger Vater.
„Geheiligt werde Dein Name“ bezieht sich auf das zweite Gebot. Wenn wir den Namen Gottes ehren, ehren wir Ihn selbst. Durch unser Leben in der Nachfolge Christi sollen wir den Namen Gottes heiligen, indem wir uns heiligen.
„Dein Reich komme“ bezieht sich auf das dritte Gebot. Der Tag des Herrn soll ein heiliger Tag sein, ein Tag der Ruhe, ein Tag, an dem wir uns ganz auf Gott ausrichten. Am Tag des Herrn soll das Reich Gottes besonders erfahrbar sein, er ist ein Vorgeschmack auf das ewige Reich Gottes, ein Vorgeschmack auf die ewige Ruhe in Gott. Augustinus sagt: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir.“ In Gott allein finden wir unsere wahre Ruhe.
„Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“ bezieht sich auf das vierte Gebot. Gott sollen wir zuerst ehren, Ihm sollen wir zuerst gehorchen. Unsere Eltern sind für uns Stellvertreter Gottes, denen wir auch Ehre und Gehorsam schulden. Wer seine Eltern nicht ehrt, ehrt auch Gott nicht. Wir müssen lernen, unseren Eigenwillen gänzlich aufzugeben und nur noch den heiligen Willen Gottes zu suchen.
„Unser tägliches Brot gib uns heute“ bezieht sich auf das fünfte Gebot. Wir brauchen Nahrung für unseren Leib und für unsere Seele, Essen für unseren Leib und die heilige Kommunion für unsere Seele. Ohne diese leibliche und geistige Nahrung können wir nicht wahrhaft leben. So wie wir selber leben wollen, müssen wir auch das Leben der anderen Menschen schützen und fördern. Geben wir den Menschen, was sie brauchen, Nahrung für ihren Leib und Liebe für ihre Seele, geben wir uns selbst! Jesus selbst bezeichnet sich als das Brot des Lebens, wir brauchen Ihn, um ins ewige Leben eingehen zu können. Er selbst ist das Leben.
„Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ bezieht sich auf die Gebote sechs bis acht. In diesen Geboten geht es um die Sünden des Betrugs, der Täuschung, der Lüge, einer betrügt den anderen. Wir sind Sünder, wir können ohne die Vergebung Gottes nicht leben. So wir wir von Gott die Vergebung erbitten, müssen auch wir immer wieder vergeben. Wer nicht vergeben will, dem wird von Gott auch nicht vergeben werden.
„Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“ bezieht sich auf die Gebote neun und zehn. Denn unsere eigene Begierde führt uns in Versuchung. Entweder lässt sich ein Mensch vom Heiligen Geist führen oder von seiner eigenen Habgier, von seiner eigenen Begierde. Wer sich von seiner eigenen Begierde führen lässt, wird ein Sklave des Satans. Wer sich vom Heiligen Geist führen lässt, wird ein Freund Gottes. Nur wer sich zuerst selbst verleugnet, kann Jesus nachfolgen und Ihm treu dienen. Und ein Diener Jesu wird gewiss vom Heiligen Geist erleuchtet, geführt und geheiligt.
17.5.2026
Hl. Elisabeth von der Dreifaltigkeit (1880-1906)
Karmelitin
Brief 249 (Œuvres Complètes, Cerf, Paris, 1996, S. 631; ins Dt. übers. © evangelizo)
Das ewige Leben hat schon begonnen
Erinnerst du dich an diese schöne Stelle, wo Jesus zu seinem Vater sagt, dieser habe ihm „Macht über alle Menschen gegeben, damit er ihnen das ewige Leben schenkt“ (vgl. Joh 17,2)?
Das ist es, was er in dir tun will: Jeden Augenblick will er, dass du aus dir heraustrittst, dass du alle Sorgen hinter dir lässt, um dich in jene Einsamkeit zurückzuziehen, die er sich im Innersten deines Herzens erwählt hat. Er, er ist immer da, auch wenn du ihn nicht spürst; er wartet auf dich und möchte mit dir „einen wunderbaren Tauschhandel“ abschließen, wie wir es in der schönen Liturgie singen, eine Vertrautheit zwischen Bräutigam und Braut. Deine Schwächen, deine Fehler, alles, was dich stört – davon will er dich durch diesen ständigen Kontakt befreien. Hat er nicht gesagt: „Ich bin nicht gekommen, um zu richten, sondern um zu retten“ (vgl. Joh 12,47)? Nichts darf dich daran hindern, zu ihm zu gehen. Achte nicht zu sehr darauf, ob du begeistert oder entmutigt bist; es ist das Gesetz des Exils, so von einem Zustand in den anderen überzugehen. Glaube dann, dass er sich niemals verändert, dass er sich in seiner Güte immer über dich beugt, um dich mit sich zu nehmen und dich in sich zu festigen. Wenn dich trotz allem Leere und Traurigkeit niederdrücken, vereine diese Agonie mit der des Meisters im Garten am Ölberg, als er zum Vater sprach: „Wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen“ (vgl. Mt 26,39 //).
Es mag dir vielleicht schwer erscheinen, dich selbst zu vergessen. Mach dir darüber keine Sorgen; wenn du wüsstest, wie einfach es ist... Ich werde dir mein „Geheimnis“ verraten: Denk an diesen Gott, der in dir wohnt, dessen Tempel du bist; das sagt der heilige Paulus, und wir können ihm glauben. Nach und nach gewöhnt sich die Seele daran, in Gottes sanfter Gegenwart zu leben, sie begreift, dass sie in sich einen kleinen Himmel birgt, den sich der Gott der Liebe zur Wohnung bestimmt hat. Dann atmet sie wie in einer göttlichen Atmosphäre; ich würde sogar sagen, dass nur noch ihr Körper auf der Erde ist, ihre Seele aber jenseits der Wolken und Schleier in dem wohnt, der unveränderlich ist. Sag dir nicht, dass das nichts für dich ist, dass du zu armselig bist, denn im Gegenteil ist das ein Grund mehr, um zum Retter zu gehen. Wir werden nicht gereinigt, indem wir auf diese Armseligkeit starren, sondern indem wir auf den schauen, der ganz Reinheit und Heiligkeit ist.
19.5.2026
Hl. John Henry Newman (1801-1890)
Theologe und Kardinal, Gründer der Oratorianergemeinschaft in England
Homilie „Die geistliche Gegenwart Christi in der Kirche“ (The Spiritual Presence of Christ in the Church, PPS, t. 6, n°10; ins Dt. übers. © evangelizo)
"Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt"
Die Heimkehr Christi zu seinem Vater bereitet Schmerz, denn sie bedeutet seine Abwesenheit, und gleichzeitig Freude, denn sie schließt seine Gegenwart ein. Die Lehre von seiner Auferstehung und Himmelfahrt ist Ursache für diese paradoxalen Erfahrungen im Christentum, die in der Schrift so oft genannt werden: dass wir nämlich betrübt sind und uns trotzdem gleichzeitig freuen, denn „wir haben nichts und haben doch alles“ (vgl. 2 Kor 6,10).
Das ist nämlich wirklich unsere gegenwärtige Situation: Wir haben Christus verloren und haben ihn gefunden; wir sehen ihn nicht und können ihn trotzdem erkennen. Wir umfassen seine Füße (vgl. Mt 28,9), doch er sagt zu uns: „Halte mich nicht fest.“ (Joh 20,17). Wie kann das sein? Weil wir seine Person nicht mehr spürbar und bewusst wahrnehmen; wir können ihn nicht ansehen, nicht hören, uns nicht mit ihm unterhalten, ihm nicht von Ort zu Ort folgen. Dennoch erfreuen wir uns auf geistliche, unkörperliche, innerliche Weise, im Geist und real seines Anblicks und besitzen ihn: wir besitzen ihn realer und er ist uns gegenwärtiger, als es bei den Aposteln der Fall war in den Tagen seines irdischen Leibes, eben genau deshalb, weil dieser sein Leib jetzt geistlich, weil er unsichtbar ist.
In dieser Welt gilt, wie wir wissen: je näher uns ein Gegenstand ist, desto weniger können wir ihn wahrnehmen und erfassen. Christus ist uns in der christlichen Kirche so nahegekommen, dass wir, wenn ich so sagen darf, nicht mehr den Blick auf ihn heften, noch seine Umrisse unterscheiden können. Er tritt bei uns ein und nimmt das Erbe in Besitz, das er sich erworben hat. Er stellt sich uns nicht vor, doch er führt uns zu sich. Er macht uns zu seinen Gliedern. [...] Wir sehen ihn nicht, wir erkennen seine Gegenwart nur aus dem Glauben heraus, denn er ist größer als wir und in uns gegenwärtig. Wir sind deshalb traurig, weil uns das Bewusstsein seiner Gegenwart fehlt [...], und wir freuen uns, weil wir wissen, dass wir ihn besitzen: „Ihn habt ihr nicht gesehen, und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt an ihn und jubelt in unsagbarer, von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude, da ihr das Ziel des Glaubens erreichen werdet: euer Heil.“ (1 Petr 1,8–9).
19.5.2026
Wir müssen das Gute wollen und es mit der Hilfe Gottes auch vollbringen, wenn wir gerettet werden wollen. Ein Mensch, der sich von seinen Begierden leiten lässt, lässt sich eben nicht vom Heiligen Geist leiten und kann somit auch nicht gerettet werden, solange er nicht entschieden mit aller Kraft umkehrt.
Hl. Gertrud von Helfta (1256-1301)
Benediktinerin
Gesandter der göttlichen Liebe, Buch III, Kap. 60 (Christiana-Verlag, Stein am Rein, 2001, S. 194-105, rev.)
Der Geschmack der göttlichen Erkenntnis
O Du Leben meiner Seele,
Dir geeinigt sei meines Herzens Liebe,
Angefacht durch die Kraft der Liebesglut!
In allem, wonach sie ohne Dich strebt, ermatte sie! […]
In Dir wohnt die höchste Freude,
Aus Dir strömt der reichste Überfluss,
zu Dir hin reizt die lieblichste Lockung,
durch Dich besteht der wirksamste Einfluss. […]
Du lebenspendender Edelstein der menschlichen Würde,
Du kunstvollster Werkmeister,
Sanftester Lehrer,
Weisester Ratgeber,
Gütigster Helfer,
Treuester Freund!
Dich erwähle ich vor jeglichem Geschöpf,
Um Deinetwillen entsage ich jeglicher Ergötzung,
Für Dich gehe ich jeglichem Leiden entgegen.
In all diesem suche ich Dich als einzigen Lobredner;
Dich bezeuge ich mit Herz und Mund
Als Spender dieser und aller Güter.
In der Kraft Deines Eifers
Vereinige ich meine Andacht
Mit der Wirksamkeit Deines Gebetes,
Damit ich durch die Vollkommenheit der göttlichen Vereinigung
mit Vernichtung jeder widersetzlichen Regung
zum Gipfel der höchsten Heiligkeit geführt werde. […]
Sogleich empfand Gertrud die Wirkung dieser Worte und als sie das Gebet vollendet hatte, erschien das Angesicht ihrer Seele von den Strahlen des göttlichen Lichtes heller erleuchtet und wie ihr schien, empfing sie einen vollkommeneren Geschmack der göttlichen Erkenntnis.
4.6.2026: Hochfest Fronleichnam
Der spanische Erzbischof Luis Argüello hat zum heutigen Hochfest Fronleichnam einen Hirtenbrief verfasst, indem er klar sagt, dass Menschen, die im Ehebruch leben, nicht zur heiligen Kommunion gehen dürfen. Kath.net hat heute darüber berichtet. Mein Kommentar dazu lautet:
Dies, was Erzbischof Argüello lehrt, ist die immerwährende, unveränderbare Lehre der Kirche. Im Zustand der Todsünde darf niemand zur heiligen Kommunion gehen, denn dies wäre ein Sakrileg, also eine weitere schwere Sünde. Dies wäre eine falsche Barmherzigkeit, denn damit würde man dem Sünder nicht dienen, sondern ihm schaden. Wahre Barmherzigkeit ruft zur Umkehr auf, denn nur die Umkehr führt zum Heil! Ehebruch ist und bleibt eine Todsünde. Wer in der Todsünde lebt und nicht umkehren will, trennt sich von Gott. Darum kann so ein Mensch nicht Gott im heiligsten Sakrament empfangen.
Wenn ein Ehemann oder eine Ehefrau unschuldiger Weise von seinem Ehepartner verlassen wird, dann ist dies gewiss kein leichtes Kreuz. Aber unser guter Gott lenkt immer alles zu unserem Besten, wenn wir Ihm nur getreu bleiben. "Denen, die Gott lieben, gereicht alles zum Besten" (Röm 8). Gottes Liebe ist treu. Darum muss auch die eheliche Liebe treu sein. Eine Ehe ohne Treue wäre keine Ehe. In dieser Welt ist es immer so. Die einen tun Böses und die anderen müssen darunter leider. Hier auf Erden gibt es keine wahre Gerechtigkeit. Aber Gott ist gerecht und Er wird für Gerechtigkeit sorgen, oftmals eben erst nach dem Ende unseres irdischen Lebens. Bleiben wir Gott und Seinen Geboten treu!