E-Mail an einen Freund vom 10.9.2026
Ich habe eine Betrachtung über geistige Armut gelesen, die mir sehr gefallen hat. Da war davon die Rede, dass wir nicht besitzergreifend sein sollen. Wir sollten uns fragen, ob es in unserem Leben Bereiche gibt, in denen wir noch besitzergreifend sind. Gibt es in unserem Leben Dinge oder Personen, die wir unbedingt festhalten wollen? Können wir innerlich wirklich alles loslassen? Ich denke hier an die verfolgten Christen in verschiedenen Ländern, die uns hierin ein großes Vorbild sein können. Für sie ist ihr Glaube das wichtigste und für ihren Glauben sind sie bereit, alles andere loszulassen, sie sind bereit, für ihren Glauben zu leiden, ins Gefängnis zu gehen, geschlagen zu werden oder gar getötet zu werden. Sie lassen alles los, ihren Besitz, ihre Angehörigen und Freunde, ihre Wünsche und Träume, ihre Vorstellungen und Pläne, ihre Gesundheit und ihr Leben. Und wir in Deutschland sind oft viel zu verweichlicht, viel zu verweltlicht, viel zu materialistisch und vergnügungssüchtig, oft auch viel zu hochmütig. Überprüfen wir immer wieder unser Leben, unsere Einstellungen! Wie sehr lieben wir Gott? Sind wir bereit, auf alles zu verzichten, um Christus in Seinen Leiden nachzufolgen, um mit Ihm und in Ihm aufzuerstehen?
In Christus, der gekreuzigten Liebe mit Dir verbunden,
Adolf
E-Mail an einen Freund vom 11.9.2026
Es geht hier um das innere Loslassen, damit wir innerlich frei werden. Wer innerlich nicht loslässt, der klammert sich an rein Irdisches, der sucht zuerst seinen eigenen Vorteil in den Dingen oder Personen, die er nicht loslassen will. Darum sagt ja auch Paulus in 1 Kor 7: Wer verheiratet ist, lebe so, als ob er nicht verheiratet wäre. Hier der ganze Abschnitt:
1 Kor 7,25-40:
Empfehlung der Jungfräulichkeit. "25 Was die Jungfrauen betrifft, so habe ich vom Herrn kein Gebot; aber einen Rat will ich geben als einer, der durch die Gnade des Herrn Glauben verdient. 26 Ich meine, schon wegen der obwaltenden Bedrängnis ist es für sie gut, so zu bleiben, wie es überhaupt für jedermann gut ist. 27 Bist du an eine Frau gebunden, so suche keine Trennung; bist du ledig, so suche keine Frau. 28 Wenn du aber heiratest, begehst du dadurch keine Sünde; und wenn eine Jungfrau heiratet, begeht sie dadurch keine Sünde. Freilich werden solche irdische Trübsal haben, und davor möchte ich euch bewahren. 29 Das sage ich euch, Brüder: Die Zeit ist kurz. Daher sollen die, die eine Frau haben, so leben, als hätten sie keine; 30 die da weinen, als weinten sie nicht; die sich freuen, als freuten sie sich nicht; die etwas erwerben, als hätten sie nichts zu eigen; 31 die mit der Welt verkehren, als verkehrten sie nicht mit ihr; denn die Gestalt dieser Welt vergeht. 32 Ich möchte, daß ihr ohne Sorge seid. Der Unverheiratete ist um die Sache des Herrn besorgt, wie er dem Herrn gefalle; 33 der Verheiratete aber ist um weltliche Dinge besorgt, wie er der Frau gefalle. 34 So ist er geteilt. Die unverheiratete Frau und die Jungfrau ist besorgt um die Sache des Herrn, sie will an Leib und Seele heilig sein; die verheiratete dagegen ist besorgt um weltliche Dinge, wie sie dem Manne gefalle. 35 Das sage ich zu eurem Besten, nicht um euch eine Schlinge umzuwerfen, sondern weil ich bedacht bin auf gute Sitte und auf ungestörte Hingabe an den Herrn. 36 Wenn jemand meint, er handle schimpflich gegen seine Jungfrau, wenn sie über die Reife hinaus ist, und es so kommen muß, so tue er nach seinem Gutdünken. Er sündigt damit nicht: sie mögen heiraten. 37 Wer aber in seinem Herzen feststeht und nicht genötigt wird, sondern frei ist in seinem Willensentschluß und sich vorgenommen hat, seine Jungfrau zu behalten, der tut wohl daran. 38 Wer also seine Jungfrau verheiratet, handelt gut; wer sie nicht verheiratet, handelt besser. 39 Die Frau ist so lange gebunden, als ihr Mann lebt. Ist ihr Mann entschlafen, so ist sie frei und darf heiraten, wen sie will; jedoch geschehe es im Herrn. 40 Seliger aber ist sie, wenn sie bleibt, wie sie ist. Das ist meine Meinung, und ich glaube doch den Geist Gottes zu besitzen."
Entweder lässt sich ein Mensch vom Heiligen Geist leiten oder von seiner eigenen Habgier. Wir neigen dazu, zuerst unseren eigenen Vorteil zu suchen, auch wenn wir das nicht zugeben wollen. Jesus sagt uns aber: "Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, alles andere wird Euch hinzugegeben werden!"
Wir sollen in dieser Welt leben, aber nicht von dieser Welt sein. Der Himmel soll unsere wahre Heimat sein. Wir sollen uns keine irdischen Schätze suchen, sondern himmlische!
Entweder dienen wir Gott oder dem Mammon. Entweder suchen wir das Reich Gottes oder unseren eigenen Vorteil. Wer Jesus nachfolgen will, muss sich selbst verleugnen.
Wir sollen uns nicht von der Welt vereinnahmen lassen, nicht von unseren eigenen Begierden, nicht von unserem eigenen Ich. Wer sich von irdischen Dingen oder Personen vereinnahmen lässt, versklavt sich selbst. Entweder werden wir Sklaven dieser Welt, Sklaven der Sünde oder wir werden Diener, Kinder und Freunde Gottes. Jesus sagt uns: "Ihr seid meine Freunde, wenn Ihr tut, was ich Euch sage." "Nicht der wird gerettet, der zu mir Herr, Herr sagt, sondern der, der den Willen meines Vaters im Himmel tut."
Entweder leben wir nach dem Fleisch oder nach dem Geist. (Röm 6). Wer nach dem Fleisch lebt, geht verloren, wer sich vom Heiligen Geist leiten lässt, wird gerettet.
Hl. Elisabeth von der Dreifaltigkeit (1880-1906)
Karmelitin
Poesie 114, (Œuvres Complètes, Cerf, Paris, 1996, S. 1025, rev.; ins Dt. übers. © evangelizo)
Die Wohnung einer jeden liebenden Seele
„Wo sollte er denn wohnen, wenn nicht im Schmerz?“
Im unermesslichen Schmerz, im größten Schmerz?
Das ist die Wohnung einer jeden Seele, die liebt
Und ihr Leben dem des Erlösers angleicht.
Fürchte dich nicht vor dem Leiden, es ist ein Unterpfand der Liebe.
„Birg dich ganz im Schatten des Kreuzes.
Er, den es trägt, wird dir Licht schenken.“
Er wird dich stärken für den täglichen Kampf.
2 Mails an einen Bischofsvikar bezüglich Amoris Laetitia vom 15. und 16.9.2026:
Herzlichen Dank für Ihre sehr gute Antwort und Ihren Segen!
Das, was Sie schreiben, ist für mich glaubwürdig. Ich frage mich aber, ob die meisten Priester, die solche Fälle vor Ort zu erledigen haben, dazu in der Lage sind, dies nach dem Willen Gottes zu tun. Die Gefahr des Rigorismus ist in Europa wohl gering, aber die Gefahr des Laxismus sehr groß. Viele Priester haben eine sehr laxe Einstellung.
Mein Problem ist dies: Ich persönlich glaube, dass Ehebruch fast immer objektiv und subjektiv eine schwere Sünde ist. Es ist klar, dass es sich um eine schwerwiegende Materie handelt und diese Sünde geschieht ja auch freiwillig, ansonsten wäre es ja eine Vergewaltigung. Und ich denke auch, dass normal jeder weiß, dass es sich hier um eine schwerwiegende Materie handelt. Gewiss kann es da wenige Ausnahmen geben, z.B. wenn eine Person geistig behindert wäre, aber ein normaler Katholik weiß doch, dass Ehebruch eine schwere Sünde ist. Schließlich hat dieser ja in seinem Eheversprechen die Treue geschworen. Und wenn er es nicht wüsste, wäre es doch Aufgabe des Seelsorgers, dies der betreffenden Person klar und deutlich in Liebe zu sagen. Das ist doch ureigenste Aufgabe eines Priesters. Ein Priester hat die Aufgabe, uns zu zeigen, wie wir heilig leben können und einem Ehebrecher muss er klar sagen, dass er sich in größter Gefahr befindet, auf ewig verloren zu gehen. Aber an eine ewige Hölle glaubt kaum noch jemand oder der Priester denkt, es sei nicht gut, jemanden mit der Hölle zu drohen. Drohen soll er ja auch nicht, aber auf die große Gefahr hinweisen schon! Wann predigen die Priester in unseren westlichen Ländern über schwere Sünden, über die Hölle oder über das Fegefeuer? Und wann sprechen sie darüber, dass es Dämonen gibt, die uns zum Bösen verführen wollen? Paulus sagt uns ganz klar, dass wir den ganzen Glauben verkündigen müssen. Viele verkündigen ein verkürztes, verstummeltes, einseitiges, verzerrtes, falsches Evangelium. Paulus sagt uns ja im Galaterbrief im ersten Kapitel, dass derjenige verflucht sein möge, der ein anderes Evangelium als wie das seine verkündigt. Und in Deutschland und in Österreich verkündigen viele ein anderes Evangelium und kaum ein Bischof kümmert sich um diese schweren Missstände. Das andere Problem ist die oft sehr mangelhafte Ehevorbereitung durch die Kirche. Wie wichtig wäre eine gute Beichte vor der Eheschließung! Überhaupt sollten die Priester viel über die Beichte sprechen. Und Katechese gibt es fast gar keine! Der heilige Pfarrer von Ars hat mehr als genug zu tun, hat aber soweit ich mich erinnere an jedem Werktag um 11 Uhr eine Katechese für alle abgehalten. Heutzutage müssen die Priester an vielen Versammlungen teilnehmen und haben für die eigentliche Seelsorge viel zu wenig Zeit und Kraft. Ein Priester hat die Aufgabe, Jesus zu helfen, Seelen für die Ewigkeit zu retten. Paulus hat Tag und Nacht für das Heil der Seelen gearbeitet. Einzelseelsorge und Familienseelsorge sind entscheidend. Der selige Pater Rupert Mayer hat in seiner Pfarrei in München im 2 Jahres Rhythmus alle Familien in seiner Pfarrei persönlich besucht, nicht nur die katholischen. Ich bin 63 Jahre alt, habe das aber noch nicht erlebt. Früher in meiner Jugend hatten wir allerdings öfters Priester bei uns im Haus, aber das war vor über 45 Jahren. Heute muss man einen Priester schon persönlich einladen und dann weiß man auch nicht, ob er diese Einladung annimmt. Heute ist alles so unpersönlich, so annonym. Paulus spricht ja darüber, dass schlimme Zeiten in den letzten Zeiten kommen werden, dass die Menschen vom Glauben abfallen werden und die Liebe erkalten wird. Wie eindrücklich ist doch der zweite Brief an Timotheus oder der zweite Brief an die Thessalonicher oder der zweite Brief des Petrus. Wir nähern uns wirklich den letzten Zeiten. Einem schweren Sünder muss man in Liebe klarmachen, dass er umkehren muss, wenn er gerettet werden will. Aber von Umkehr spricht kaum ein Seelsorger. Stattdessen sagt man den Sündern nur, dass Gott alle liebt und dass alle in der Kirche willkommen sind. Gewiss sind alle willkommen, aber wie Jesus sagt, gerettet wird nicht derjenige, der zu Ihm Herr, Herr sagt, sondern nur, der den Willen Seines Vaters im Himmel erfüllt. Die Priester haben die Aufgabe, klar zu verkündigen, dass man sich durch eine schwere Sünde von Gott trennt. Und man kann sich eben nicht gleichzeitig von Gott trennen und Ihn in der heiligen Kommunion empfangen. Der Mensch muss sich schon entscheiden, was er will. Entweder will er mit Gott eins werden oder nicht. Einswerden mit Gott geht nur, wenn man fest entschlossen ist, in allem den heiligen Willen Gottes treu zu erfüllen, selbst wenn das dann im Leben nicht immer gut genug gelingt. Gott kennt ja unsere Schwäche und Er will uns ja in der Beichte alle Sünden immer wieder vergeben. Aber die Reue ist nur echt, wenn der Vorsatz echt ist. Ich könnte noch viel schreiben, aber ich denke, dass Ihnen dies alles bewusst ist. Ich schreibe Ihnen ja nichts Neues.
Ich bitte Sie erneut um Ihren Segen und bitte Sie auch, diese Mail an den Bischof mit herzlichen Grüßen weiterzuleiten. Vergelt's Gott!
Im Gebet mit Ihnen verbunden,
grüße ich Sie herzlichst,
Adolf Hümmer
H.H. Bischofsvikar Gerhard Viehauser!
Herzlichen Dank für Ihre freundlichen Worte! Ich freue mich, dass Sie mit mir in
einen Dialog treten.
Ja, das glaube ich auch, dass die größte Sünde gegen Gott die Gleichgültigkeit ist,
nicht nur Ihm gegenüber, sondern auch den Menschen gegenüber. Niemand darf uns
gleichgültig sein. Der heilige Pfarrer von Ars hat nicht nur gesagt, dass es sehr
schwer ist, in die Hölle zu kommen, er hat auch gesagt, dass die Menschen in
Scharen in die Hölle fallen, ich glaube, er sagte wie Schneeflocken. Und denken wir
an die Höllenvision der Seherkinder von Fatima und an die Höllenvision der heiligen
Teresa von Avila! Hans Urs von Balthasar irrt sich, wenn er annimmt, dass die Hölle
leer ist. Er war sehr von der angeblichen Mystikerin Adrienne von Speyr beeinflusst,
die angeblich in einer Vision gesehen hatte, dass die Hölle leer sei. Ich halte diese
Frau für nicht glaubwürdig. Ich habe aus ihrem zweibändigen Buch „Allerheiligen“
einiges gelesen. Da beschreibt sie ihre Visionen über „Heilige“. Z.B. schreibt sie,
dass Goethe und Beethoven nur mittelmäßige Heilige gewesen seien, ebenso wie der
heilige Franz von Sales oder der heilige Vinzenz von Paul, hingegen Mozart lobt sie
über alle Maßen als sehr großen Heiligen, obwohl er ja ein überzeugter Freimaurer
gewesen ist. Goethe war Freimaurer und Illuminat. Ich will damit nicht über Mozart
und Goethe urteilen, aber ich bleibe lieber bei dem, was die Kirche uns sagt. Franz
von Sales und Vinzenz von Paul sind große Heilige. Und ebenso natürlich der heilige
Paulus, den wir uns zum Vorbild nehmen sollen, wie er selbst uns sagt. Und er hat
niemals Glaube und Leben voneinander getrennt. Glaube und Leben gehören
zusammen, Glaube und Moral, Glaube und Werke, Glaube und gute Früchte. Jesus
sagt: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ Der Mensch muss von seinen bösen
Wegen umkehren, sich Gott zuwenden und nach Seinem Willen leben.
Kehren wir zurück zu unserem Ausgangspunkt! Ein wiederverheirateter
Geschiedener möchte gerne wieder zur heiligen Kommunion gehen, obwohl er im
Ehebruch lebt. Er wendet sich darum an einen Priester. Welche Aufgabe hat nun der
Priester? Er muss diesem Mann klar machen, dass er nur dann Christus nachfolgen
kann, wenn er nach Seinen Geboten lebt, dass er nur dann eins werden kann mit
Christus, wenn er umkehrt, wenn er seine Sünden bereut und sich fest vornimmt, sie
nicht wieder zu begehen und zur heiligen Beichte geht. Nur so kann ein Priester
einem Menschen wirklich helfen und das hat nichts mit Moralismus zu tun, sondern
ist ein Gebot der Liebe. Das Gegenteil von Liebe ist hingegen, wenn er dem
Gläubigen verschweigt, dass er umkehren müsste, das ist diese falsche
Barmherzigkeit, die heute leider oft vorherrschend ist. Und bedenken Sie, warum
heute viele den wahren Glauben nicht annehmen wollen! Viele wollen heute nicht
glauben, weil sie wissen, dass sie umkehren müssten, wenn sie Christus nachfolgen
wollten! Und warum sind die Heiligen uns Vorbilder? Weil sie sich mit all ihren
Kräften darum bemüht haben, ganz nach dem Willen Gottes zu leben. Manche taten
dies schon seit ihrer Geburt, andere nach ihrer Bekehrung. Und schauen wir, was uns
der heilige Paulus dazu sagt:
Röm 6,15-23:
15 Was folgt daraus? Dürfen wir sündigen, weil wir nicht mehr unter dem Gesetze
stehen, sondern unter der Gnade? Das sei fern! 16 Wisst ihr nicht, dass ihr dem als
Sklaven angehört und zu gehorchen habt, dem ihr euch zum Dienste als Sklaven
angeboten habt, sei es der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam zur
Rechtfertigung? 17 Gott sei Dank, ihr wart einst Sklaven der Sünde, habt euch aber
von Herzen der Form der Lehre angeschlossen, für die ihr gewonnen wurdet. 18 Von
der Sünde befreit, seid ihr der Gerechtigkeit dienstbar geworden. 19 Ich rede
menschlich um der Schwachheit eures Fleisches willen. Wie ihr eure Glieder der
Unlauterkeit und Gesetzwidrigkeit hingegeben habt, um gesetzwidrig zu leben, so
gebt jetzt eure Glieder dem Dienste der Gerechtigkeit hin, um heilig zu
leben. 20 Solange ihr noch Sklaven der Sünde wart, wart ihr der Gerechtigkeit
ledig. 21 Welche Frucht hattet ihr damals von den Dingen, deren ihr euch jetzt
schämt? Das Ende davon ist ja der Tod. 22 Jetzt aber, da ihr von der Sünde befreit
und Gott dienstbar geworden seid, habt ihr als Frucht die Heiligkeit und endlich das
ewige Leben. 23 Denn der Sold der Sünde ist der Tod, Gottes Gnadengeschenk aber
ist das Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.
Röm 8,1-17:
Keine Verdammnis mehr. 1 Daher findet sich in denen, die in Christus Jesus sind
[und nicht nach dem Fleische wandeln], nichts Verdammungswürdiges mehr. 2 Denn
das Gesetz des Geistes, der das Leben gibt in Christus Jesus, hat mich befreit vom
Gesetz der Sünde und des Todes. 3 Was nämlich das Gesetz nicht vermochte, weil es
infolge des Fleisches machtlos war, das bewirkte Gott: Er hat seinen eigenen Sohn
gesandt in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und hat die
Sünde an seinem Fleische verurteilt. 4 So sollte die Vorschrift des Gesetzes an uns
erfüllt werden, die wir nicht mehr nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem
Geiste. 5 Denn die nach dem Fleische leben, trachten nach dem, was das Fleisch will;
die nach dem Geiste leben, streben nach dem, was der Geist will. 6 Das Trachten des
Fleisches ist der Tod, das Trachten des Geistes aber Leben und Friede. 7 Das Trachten
des Fleisches ist eben gottfeindlich, es ordnet sich dem Gesetze Gottes nicht unter
und vermag es auch nicht. 8 Die dem Fleische leben, können Gott nicht
gefallen. 9 Ihr jedoch lebt nicht dem Fleische, sondern dem Geiste, wenn anders der
Geist Gottes in euch wohnt. Wer den Geist Christi nicht hat, gehört ihm nicht
an. 10 Wohnt aber Christus in euch, so ist der Leib zwar dem Tode verfallen um der
Sünde willen, der Geist aber lebt um der Rechtfertigung willen. 11 Wohnt aber der
Geist dessen in euch, der Jesus von den Toten auferweckt hat, so wird er, der Christus
Jesus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber zum Leben
auferwecken durch seinen Geist, der in euch wohnt.
Geist der Kindschaft. 12 Wir sind also, Brüder, nicht dem Fleische schuldig, nach
dem Fleische zu leben. 13 Denn wenn ihr nach dem Fleische lebt, werdet ihr
sterben; wenn ihr aber durch den Geist die Triebe des Fleisches ertötet, werdet
ihr leben. 14 Denn alle, die sich vom Geiste Gottes leiten lassen, sind Kinder
Gottes. 15 Ihr habt ja nicht den Geist der Knechtschaft empfangen, um von neuem in
Furcht zu leben, sondern ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, der uns rufen
lässt: „Abba, Vater!“ 16 Der Geist selbst bezeugt es unserem Geiste, dass wir Kinder
Gottes sind. 17 Wenn aber Kinder, dann auch Erben: Erben Gottes und Miterben
Christi. Nur müssen wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden.
Gal 5,13-25:
Warnung vor Mißbrauch der Freiheit. 13 Brüder, ihr seid zur Freiheit berufen. Nur
gebraucht die Freiheit nicht, um dem Fleische nachzugeben. Dient vielmehr einander
in Liebe. 14 Denn das ganze Gesetz wird in dem einen Gebote erfüllt: „Du sollst
deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ 15 Wenn ihr aber einander beißt und
zerreißt, so seht zu, dass ihr einander nicht aufzehrt. 16 Ich sage: Wandelt im
Geiste, dann werdet ihr nicht die Gelüste des Fleisches vollbringen. 17 Denn das
Fleisch gelüstet wider den Geist und der Geist wider das Fleisch. Diese
widerstreben einander, auf dass ihr nicht tut, was ihr wollt. 18 Wenn ihr euch
aber vom Geiste leiten lasst, so steht ihr nicht mehr unter dem Gesetze. 19 Die
Werke des Fleisches sind allbekannt: Unzucht, Unkeuschheit, [Schamlosigkeit,]
Wollust, 20 Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn,
Zwietracht, Spaltung, Parteiung, 21 Neid, Mord, Völlerei, Schwelgerei und
dergleichen. Was ich schon früher gesagt habe, das wiederhole ich: Die solches
treiben, werden das Reich Gottes nicht erben. 22 Die Früchte des Geistes aber
sind: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Güte, Treue, 23 Sanftmut,
[Bescheidenheit,] Enthaltsamkeit [Keuschheit]. Gegen dergleichen richtet sich
kein Gesetz. 24 Die aber Christus Jesus angehören, haben ihr Fleisch mit seinen
Leidenschaften und Gelüsten ans Kreuz geschlagen. 25 Haben wir durch den
Geist das Leben, so wollen wir auch im Geiste wandeln.
Gal 6,7-8:
7 Täuscht euch nicht! Gott lässt seiner nicht spotten. Was der Mensch sät, das wird er
auch ernten. 8 Wer auf sein Fleisch sät, wird vom Fleische Verderben ernten; wer
aber auf den Geist sät, wird vom Geiste ewiges Leben ernten.
2 Tim 2,22-26:
22 Fliehe die Lüste der Jugend. Strebe nach Gerechtigkeit, Glaube, [Hoffnung,] Liebe
und Frieden mit denen, die den Herrn mit reinem Herzen anrufen. 23 Törichte und
alberne Grübeleien dagegen weise ab. Du weißt ja, dass sie nur Streitigkeiten
hervorrufen. 24 Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern gegen
jedermann freundlich sein, lehrtüchtig und geduldig. 25 Voll Milde weise er die
Gegner [der Wahrheit] zurecht. Vielleicht schenkt ihnen Gott Sinnesänderung, dass
sie zur Erkenntnis der Wahrheit 26 und zur Besinnung kommen und der Schlinge des
Teufels entrinnen, der sie gefangenhält, damit sie ihm willfährig sind.
2 Tim 3,1-9:
Die Irrlehrer der Zukunft. 1 Wisse, dass für die letzten Tage schwere Zeiten
bevorstehen. 2 Da werden die Menschen selbstsüchtig sein; geldgierig, prahlerisch,
hochmütig, schmähsüchtig; den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos; 3 lieblos,
treulos, verleumderisch; zügellos, grausam, gemein; 4 verräterisch, frech,
aufgeblasen; sie werden die Lust mehr lieben als Gott, 5 sich den Schein der
Frömmigkeit geben, aber deren Kraft vermissen lassen. Von solchen Menschen
wende dich ab. 6 Zu ihnen gehören jene, die sich in die Häuser einschleichen und da
schwache Frauen an sich ziehen, Frauen, die mit Sünden beladen sind und sich von
allerlei Begierden leiten lassen, 7 die immerfort lernen wollen und doch nie zur
Erkenntnis der Wahrheit gelangen können. 8 Wie Jannes und Mambres dem Moses
entgegentraten, so widerstehen auch diese der Wahrheit, Menschen verdorbenen
Sinnes und unbewährt im Glauben. 9 Aber sie werden damit nicht weit kommen;
denn ihr Unverstand wird allen offenkundig werden, wie es auch bei jenen der Fall
war.
1 Kor 11,27-29:
27 Wer daher unwürdig das Brot ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, macht sich
schuldig des Leibes und Blutes des Herrn. 28 So prüfe sich denn der Mensch, und
dann esse er von dem Brot und trinke aus dem Kelche. 29 Denn wer [unwürdig] isst
und trinkt, ohne den Leib des Herrn zu unterscheiden, der isst und trinkt sich das
Gericht.
Mt 10,22.28:
22 Um meines Namens willen werdet ihr allen verhasst sein; wer aber ausharrt bis
ans Ende, wird gerettet werden. 28 Fürchtet euch nicht vor denen, die wohl den Leib,
nicht aber die Seele töten können. Fürchtet vielmehr den, der Seele und Leib in der
Hölle verderben kann.
1 Joh 2,3-6:
3 Daran ersehen wir, dass wir ihn kennen, wenn wir seine Gebote halten. 4 Wer
sagt: Ich kenne ihn, aber seine Gebote nicht hält, der ist ein Lügner, und die
Wahrheit ist nicht in ihm. 5 Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrhaftig die
Liebe zu Gott vollkommen. Daran erkennen wir, dass wir in ihm sind. 6 Wer
behauptet, er bleibe in ihm, der muss auch so wandeln, wie Er gewandelt ist.
1 Joh 2, 15-16:
15 Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn einer die Welt
liebhat, so ist die Liebe zum Vater nicht in ihm. 16 Denn alles, was in der Welt
ist: Fleischeslust, Augenlust und Hoffart des Lebens, stammt nicht vom Vater,
sondern von der Welt. 17 Doch die Welt vergeht samt ihrer Lust; wer aber den
Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit.
Ich könnte noch viele andere Bibelstellen vorbringen. Jesus sagt uns, dass der gerettet
wird, der bis zum Ende standhaft bleibt und das ist nicht leicht. Selbstverleugnung ist
die Voraussetzung schlechthin, um Ihm nachzufolgen. Und wer Ihm nachfolgen will,
muss bereit sein, mit Ihm zu leiden. Paulus sagt uns des öfteren, dass wir mit Christus
leiden müssen, wenn wir mit Ihm auferstehen wollen. Wenn wir heute den Menschen
das Evangelium glaubwürdig verkündigen wollen, müssen wir es vollständig
verkündigen. Wir müssen unseren Blick auf den gekreuzigten Herrn lenken, denn nur
von Ihm aus können wir unsere eigenen Leiden verstehen und nur wenn wir auf Ihn
schauen, können wir uns selbst verstehen lernen. So werden wir erkennen, dass wir
armselige Sünder sind und dass Jesus aus Liebe zu jedem von uns gestorben ist, um
uns zu retten und wir werden erkennen, dass nur Er uns retten kann, wenn wir auf Ihn
hören.
In Mt 10,28 lehrt uns Jesus die wahre Gottesfurcht. Wo findet man in unserer Kirche
heute diese Gottesfurcht? Zur Gottesfurcht gehört auch ein Schrecken vor der ewigen
Hölle. So ein Schrecken kann sehr heilsam sein und einen Sünder zur Umkehr
bewegen. Und niemand von uns hat das ewige Heil schon erreicht, wir alle befinden
uns in der Gefahr, auf ewig verloren zu gehen. 1 Petr 4, 18-19: „18 Und wenn der
Gerechte kaum gerettet wird, wo wird man dann die Frevler und Sünder finden?
19 Darum sollen alle, die nach dem Willen Gottes leiden müssen, Gutes tun und
dadurch ihr Leben dem treuen Schöpfer anbefehlen.“ Oder bedenken wir, was Paulus
sagt: „Wirkt Euer Heil mit Furcht und Zittern!“
Heute beten wir im Stundengebet in der Laudes den Psalm 146. Vor diesem Psalm
steht ein Wort von Arnobius: „ Wir loben den Herrn in unserem Leben, das heißt
durch unser gutes Handeln“. Glaube und Leben lässt sich nie voneinander trennen.
Ein guter Baum bringt gute Früchte hervor, ein schlechter schlechte. Luther, der wohl
der größte Irrlehrer aller Zeiten ist sagt hingegen: „Sündige kräftig, glaube um so
kräftiger!“ Den Römerbrief hat Luther offensichtlich nicht verstanden, obwohl er
über diesen ein ganzes Buch geschrieben hat.
Niemals kann man einem Sünder mehr schaden, als wenn man ihm sagt, Gott liebt
Dich, so wie Du bist, bleibe im Glauben, dann wird alles gut und ihm dann auch noch
die „Hilfe der Sakramente“ anbietet, wie es in Amoris Laetitia heißt. Wer die
Verantwortung trägt ist dazu verpflichtet, den Sünder zu ermahnen und zur Umkehr
aufzurufen. Dies sagt und Gott deutlich in Ez 3; 18; 33. Und wer im Zustand der
schweren Sünde ein Sakrament empfängt, begeht eine weitere schwere Sünde. Und
wenn ein Priester so einem Sünder sagt, dass er die Sakramente empfangen darf,
begeht auch dieser Priester eine schwere Sünde. Und wenn ein Blinder einen Blinden
führt, fallen beide in die Grube.
Nun höre ich auf. Im Anhang sende ich Ihnen mein Buch „Wahre und falsche
Barmherzigkeit", welches genau zu unserem Thema passt.
Ich bitte Sie um Ihr Gebet! Danke!
Herzliche Grüße,
Adolf Hümmer
Kurz zu meiner Korrespondenz mit dem Bischofsvikar Viehhauser. Dieser Priester ist immer der Wahrheit ausgewichen. Solche Priester bleiben nicht beim Wort Gottes, sie entfernen sich immer mehr von ihm und somit von unserem Erlöser. Leider ist so eine Korrespondenz hoffnungslos, man erreicht gar nichts, wie es scheint. Auf meine entscheidenden Argumente hat er gar nicht reagiert. Ich hatte ihm deutlich gesagt, dass es sich bei Ehebruch bei Katholiken, die nicht geistig behindert sind immer objektiv und subjektiv um eine Todsünde handelt. Denn es handelt sich um eine schwere Materie: Ehebruch ist rein objektiv immer schwerwiegende Materie. Ehebruch geschieht freiwillig und das Bewusstsein, dass es schwerwiegend ist, ist auch vorhanden. Darum hat die Kirche es schon immer verboten, dass Ehebrecher zur heiligen Kommunion gehen dürfen. Bis jetzt eben leider Papst Franziskus das Schreiben Amoris Laetitia vor 10 Jahren veröffentlicht hat und nun dieses strenge Verbot aufgeweicht hat, wozu er aber überhaupt kein Recht hat, denn es handelt sich um göttliches Recht, dass man im Zustand der schweren Sünde keine Sakramente empfangen kann. Nur wer seine schweren Sünden bereut und sich fest vornimmt, sie nicht wieder zu begehen, darf zur heiligen Beichte und danach wieder zur heiligen Kommunion. Mehr kann man dazu nicht sagen. Leider versteht das heute aber so gut wie niemand mehr. Du findest nur ganz wenige Bischöfe und Priester und Diakone und Laien, die das anders sehen. Auch der jetzige Papst ist ganz auf der Linie von Papst Franziskus, d.h. auf Abwegen. Wer jetzt nicht treu bleibt, verleugnet Christus. Das muss ich ich so klar sagen.
Bischofsvikar Viehhauser will wohl sagen, wie es mir scheint, dass ich zu streng bin, wenn es um den Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene geht. Die Wahrheit ist aber, dass es sich hier um göttliches Recht handelt und dass kein Mensch das Recht hat, dieses göttliche Recht aufzuheben, wenn er nicht schwer sündigen will. Der Bischofsvikar scheint zu denken, es sei ein Zeichen von Milde, wenn man Ehebrechern, denen die Schwere ihrer Schuld bewusst ist die heilige Kommunion spendet. In Wahrheit ist aber gerade dies ein Zeichen äußerster Unbarmherzigkeit, denn wenn man einem Ehebrecher die heilige Kommunion spendet, begeht dieser erneut eine schwere Sünde und der Priester, der dies dem Ehebrecher erlaubt, begeht auch eine schwere Sünde. Wenn ein kleiner Mensch erst einmal anfängt, am göttlichen Recht zu rütteln, entfernt er sich ganz schnell von Gott. Solche Menschen machen sich ihr eigenes Evangelium, welches mit dem einzig wahren Evangelium nicht mehr viel zu tun hat.
Hl. Basilius (um 330-379)
Mönch und Bischof von Caesarea in Kappadozien, Kirchenlehrer
Große Mönchsregel, Prolog (Basilius von Caesarea - Mönchsregeln : Karl Suso Frank : Kostenloser Download, Leihen und Streaming : Internet Archive)
Unermüdlich ruft Gott uns zur Umkehr auf
Wie lange wollen wir es noch hinausschieben, auf Christus zu hören, der uns in sein himmlisches Reich ruft? Warum kommen wir nicht zur Einsicht? Warum rufen wir uns nicht zurück vom gewöhnlichen Leben zum Ernst des Evangeliums? […] Wir geben vor, nach dem Himmelreich zu verlangen, aber wir kümmern uns nicht um das, wodurch wir es erlangen.
Wir nehmen keinerlei Mühe für die Gebote des Herrn auf uns; ja, in unserem eitlen Sinnen glauben wir, die gleiche Ehre zu erlangen wie jene, die bis zum Tode gegen die Sünde gekämpft haben! Doch wer zur Zeit der Aussaat zu Hause gesessen und geschlafen hat, kann der zur Zeit der Ernte seine Arme mit Garben füllen? Wer könnte Trauben lesen von dem Weinberg, der von ihm weder gepflanzt noch gepflegt wurde? Die Frucht gehört denen, die die Arbeit taten. Die Ehren und Kränze erhalten diejenigen, die gekämpft haben. Wer hat jemals den bekränzt, der sich nie gegen den Widersacher gerüstet hat? Doch es genügt nicht, allein zu siegen; man muss vielmehr, nach dem Wort des Apostels Paulus, „nach den Regeln kämpfen“ (vgl. 2 Tim 2,5), das heißt, […] in der Weise, wie es uns geboten ist. […]
Gott ist gut, aber auch gerecht. […] Gott ist barmherzig, aber er ist auch der Richter. Darum heißt es ja: „Der Herr liebt die Barmherzigkeit und das Recht“ (Ps 32,5 LXX). Daher heißt es auch: „Von deiner Barmherzigkeit und deiner Gerechtigkeit, Herr, will ich singen“ (Ps 100,1 LXX). [...] Siehst du, wie sorgfältig er mit der Barmherzigkeit umgeht? Gott ist nicht barmherzig ohne Urteil, noch urteilt er ohne Erbarmen. „Barmherzig ist der Herr und gerecht“ (Ps 114,5 LXX). Deshalb dürfen wir Gott nicht nur zur Hälfte kennen, noch seine Güte als Anlass zur Nachlässigkeit nehmen.
Dem hl. Makarius
dem Ägypter (?-390), Mönch, zugeschrieben
Geistliche Homilien, 30,9 (ins Dt. übers. © evangelizo)
Die Aufnahme [Jesu Christi] durch den Pharisäer und durch die Sünderin
Nehmen wir Gott, unseren Herrn, in uns auf! Er ist der wahre Arzt, der allein fähig ist, zu uns zu kommen und unsere Seele zu heilen, er, der für uns so viel Mühsal auf sich genommen hat. Unablässig klopft er an die Tür unseres Herzens und möchte, dass wir ihm öffnen, damit er eintreten und in unserer Seele ausruhen kann, damit wir ihm die Füße waschen und salben und er bei uns Wohnung nehmen kann. Jesus tadelt ja den, der ihm nicht die Füße gewaschen hat, und an anderer Stelle sagt er: „Ich stehe vor der Tür; wer mir die Türe öffnet, bei dem werde ich eintreten“ (vgl. Offb 3,20). Deshalb hat er doch so viel Leiden ertragen, seinen Leib dem Tod ausgeliefert und uns aus der Sklaverei freigekauft, um eben in unsere Seele zu kommen und dort Wohnung zu nehmen.
Deshalb sagt der Herr zu denen, die beim Gericht zu seiner Linken stehen und in die Hölle geschickt werden: „Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen, ich war hungrig und, ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben“ (vgl. Mt 25,42 f.). Denn seine Speise, sein Trank, sein Gewand, sein Dach über dem Kopf, sein Ruheort, das alles ist in unserem Herzen. Darum klopft er immer wieder an und will bei uns eintreten. Nehmen wir ihn also auf und führen ihn in unser Inneres; denn er ist ja auch unsere Speise, unser Trank, unser ewiges Leben.
Und jede Seele, die ihn jetzt nicht in ihr Inneres aufnimmt, damit er dort Ruhe findet, oder vielmehr, damit sie in ihm Ruhe findet, wird das Himmelreich nicht zusammen mit den Heiligen erben und nicht in die himmlische Stadt gelangen. Du aber, Herr Jesus Christus, gib uns die Gnade, dort eintreten zu können, die wir deinen Namen mit dem Vater und dem Heiligen Geist verherrlichen in alle Ewigkeit. Amen.
Hl. Gertrud von Helfta (1256-1301)
Benediktinerin
Gesandter der göttlichen Liebe III, Christiana-Verlag Stein am Rhein 2001, S. 153.156–157
Unser Elend zieht das göttliche Herz an sich
Einst erkannte sie [Gertrud] in der Betrachtung aufs Klarste ihre innere Verunstaltung und missfiel sich darin selber so sehr, dass sie mit Bangen bei sich erwog, ob sie Gott überhaupt jemals gefallen könnte, da er doch so viele Flecken an ihr sähe. Denn wo sie nur einen erkennte, dort würde das durchdringende Auge der Gottheit unzählige schauen.
Hierüber wurde sie durch die Antwort getröstet: „Die Liebe bewirkt Wohlgefallen.“ Sie erkannte daraus: Wenn in den irdischen Menschen die Liebe so viel vermag, dass zuweilen Missgestalten jenen, von denen sie geliebt werden, gefallen: Wie darf man dann gegen Gott Misstrauen haben, welcher die Liebe selbst ist, als wenn er nicht auch durch die Kraft der Liebe diejenigen, welche er liebt, sich wohlgefällig machen könnte? […]
Einstmals beugte das Andenken an frühere Sünden sie so sehr nieder, dass sie sich gänzlich verbergen wollte. Da neigte der Herr sich mit solcher Huld zu ihr nieder, dass der ganze himmlische Hof gleichsam staunend ihn zurückzurufen suchte, worauf er antwortete: „Ich bringe es durchaus nicht über mich, ihr nicht zu folgen, die durch so wirksame Anziehungskräfte der Demut mein göttliches Herz in sich einschließt.“
Hl. Gregor der Große (um 540-604)
Papst und Kirchenlehrer
Homilien über das Evangelium, Nr. 19 (Homélies sur l'Évangile, trad. Le Barroux; ins Dt. übers. © evangelizo)
„Geht auch ihr in meinen Weinberg!“
Der Herr hört nie auf, Arbeiter auszusenden, um seinen Weinberg zu pflegen […]: Mithilfe seiner Arbeiter, der Patriarchen, dann der Gesetzeslehrer und Propheten, zuletzt der Apostel, arbeitete er sozusagen an der Pflege seines Weinbergs. Alle, die mit dem rechten Glauben gute Werke verbanden, waren Arbeiter in diesem Weinberg. […]
Mit den Arbeitern der ersten, dritten, sechsten und neunten Stunde ist nun das alte hebräische Volk gemeint, das sich […] von Anfang an um einen rechtgläubigen Gottesdienst bemüht und nicht aufgehört hat, sozusagen an der Pflege des Weinbergs zu arbeiten. Aber in der elften Stunde werden die Heiden gerufen, und ihnen gelten die Worte: „Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig?“ Denn diese ganze lange Zeit der Weltgeschichte hindurch hatten die Heiden es versäumt, für das ewige Leben zu arbeiten; sie standen gewissermaßen nur herum und taten nichts. Nun aber, meine Brüder, gebt gut acht, was sie auf die Frage, die an sie gerichtet wird, antworten: „Niemand hat uns angeworben.“ Tatsächlich, kein Patriarch oder Prophet war zu ihnen gekommen. Und was bedeutet: „Niemand hat uns angeworben“, wenn nicht: „Niemand hat uns die Wege des Lebens gelehrt“.
Was aber werden wir zu unserer Entschuldigung vorbringen, wenn wir keine guten Werke tun? Bedenkt, dass wir den Glauben schon bekommen haben, als wir erst den Mutterschoß verließen, die Worte des Lebens schon in der Wiege gehört und gleichzeitig mit der Muttermilch schon den Trank der himmlischen Lehre an der Brust der heiligen Kirche gesogen haben.
Johannes Tauler (um 1300-1361)
Dominikaner in Straßburg
Predigt 64 (Sermon 64; trad. Cerf 1980 rev.; ins Dt. übers. © evangelizo)
„Und Matthäus stand auf und folgte ihm nach“
Unser Herr sprach zum hl. Matthäus: „Folge mir nach!“ Dieser liebenswerte Heilige wurde zum Vorbild für alle Menschen. Nach dem Bericht des Evangeliums war er zuerst ein großer Sünder und ist dann in der Schar aller Gottesfreunde zu einem der Großen geworden. Denn unser Herr hat ihn im tiefsten Inneren seines Wesens angesprochen, und so hat er alles verlassen, um dem Meister nachzufolgen.
Gott wahrhaftig nachzufolgen: Genau daran ist alles gelegen; und um dies zu tun, muss man wirklich und vollkommen alles, was Gott nicht ist, verlassen – was immer es sei. Gottes Liebe verlangt nach den Herzen der Menschen, er hat kein Interesse an Äußerlichkeiten, sondern will eine lebendige innere Hingabe. Diese Hingabe birgt in sich mehr Wahrheit, als wenn ich alle Gebete der Welt verrichten würde, oder wenn ich so laut singen würde, sodass mein Lob bis zum Himmel steigen würde; sie birgt mehr Wahrheit in sich als alles, was ich rein äußerlich an Fasten, Nachtwachen und anderen Übungen vollbrächte.
Heiliger Erzengel Michael,
Du ruhmreicher Prinz der himmlischen Heerscharen,
verteidige uns in diesem schlimmen Krieg, den wir gegen Mächte und Gewalten,
gegen die Beherrscher der Welt der Finsternis
und gegen die bösen Geister in den Himmelshöhen führen müssen.
Komme den Menschen zu Hilfe,
die Gott nach seinem Bild und Gleichnis gemacht, unsterblich erschaffen,
und aus der Tyrannei des Teufels um einen teuren Preis erkauft hat.
Kämpfe – vereint mit dem Heer der seligen Engel – heute wieder so die Schlachten des Herrn,
wie Du einst gegen Luzifer, den Anführer des teuflischen Stolzes
und seine abtrünnigen Engel gekämpft hast!
Denn sie siegten nicht! Ihre Stätte ward nicht mehr gefunden im Himmel.
Hinab gestürzt wurde stattdessen der grausame Drache, die alte Schlange,
die Teufel und Satan genannt wird und der die ganze Welt verführt.
Er wurde vom Himmel hinabgeworfen auf die Erde, und mit ihm all seine Engel.
Doch sieh! Der Urfeind hat sich wieder erhoben.
Der Menschenmörder hat wieder Mut gefasst.
Als Engel des Lichts verwandelt und getarnt schweift er mit einer Vielzahl böser Geister
in Raubzügen auf der Erde umher,
um hier den Namen Gottes und seines Gesalbten auszumerzen
und sich der Seelen zu bemächtigen, die für die Krone ewigen Ruhms bestimmt waren,
um sie umzubringen und dem ewigen Untergang zu weihen.
Wie Abwasser gießt der feindselige Drache
das Gift seiner Bosheit auf Menschen, deren Geist und Herzen er verführt und verdorben hat:
Den Geist der Lüge, der Ehrfurchtslosigkeit und Gotteslästerung;
den todbringenden Hauch der Ausschweifung und aller Laster und Gemeinheit.
Die überaus durchtriebenen Feinde erfüllen die Kirche,
die Braut des unbefleckten Lammes,
mit Galle und Bitterkeit und berauschen sie mit Wermut.
Ihre frevlerischen Hände haben sie an die heiligsten Schätze gelegt.
Selbst am heiligen Ort, wo der Sitz des heiligen Petrus und der Lehrstuhl der Wahrheit
zur Erleuchtung der Völker errichtet ist,
haben sie den Thron ihrer abscheulichen Gottlosigkeit aufgestellt,
voller Heimtücke, damit, nachdem der Hirt geschlagen ist,
sie auch die Herde zerstreuen können.
Erhebe Dich also, unbesiegbarer Prinz,
und stehe dem Gottesvolk gegen den Ansturm der bösen Geister bei! Gib Du ihm den Sieg!
Die heilige Kirche verehrt Dich als ihren Hüter und Beschützer.
Du bist ihr Ruhm, weil Du sie gegen die bösen Mächte der Erde und Unterwelt verteidigst.
Dir hat der Herr die Seelen der Menschen anvertraut,
um sie in die himmlische Glückseligkeit zu geleiten.
Bitte inständig den Gott des Friedens,
Er möge den Satan unter unseren Füßen zermalmen,
damit er die Menschen nicht länger gefangen halten und der Kirche schaden könne!
Bringe Du unsere Bitten vor das Angesicht des Allerhöchsten,
lass sie zur Aussöhnung mit der Gnade und dem Erbarmen des Herrn kommen,
während Du den Drachen ergreifst,
die alte Schlange, die der Teufel und der Satan ist,
und ihn gefesselt in den Abgrund stürzt und bindest,
damit er die Völker nicht mehr verführe.
Amen.
(Papst Leo XIII.)
Hl. Franz Xaver (1506-1552)
Jesuit, Missionar
Brief vom 22.10.1562 (ins Dt. übers. © evangelizo)
„Ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst“
Zahlreiche Erlasse verbieten die Einreise nach China. [...] Doch abgesehen von der Gefahr, ins Gefängnis geworfen und übel behandelt zu werden, gibt es noch andere, weitaus größere Gefahren, von denen die Einheimischen hier gar keine Ahnung haben. [...]
Zuerst ist da der Verlust von Hoffnung und Vertrauen auf Gott, während wir doch – aus Liebe zu ihm und in seinem Dienst – seine Gebote und seinen Sohn Jesus Christus, unseren Erlöser und Herrn, bekannt machen wollen, wie er sehr wohl weiß. Da er uns in seiner großen Barmherzigkeit diese Sehnsucht eingegeben hat, wäre jetzt ein Mangel an Vertrauen in seine Barmherzigkeit und Macht, angesichts der Gefahren, denen wir in seinem Dienst ausgesetzt sein werden, eine unvergleichlich größere Gefahr als all das Böse, das uns sämtliche Feinde Gottes antun können. Wenn es für seinen höchsten Dienst von Bedeutung ist, wird Gott uns vor allen Gefahren dieser Welt bewahren. [...] Das Wort des Herrn ist unsere Sicherheit: „Wer sein Leben liebt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben“ (Joh 12,25). Und auch das andere, ähnliche Wort: „Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes“.
Wenn wir die Gefahren für die Seele bedenken, die weitaus größer sind als die für den Leib, erscheint es uns besser und sicherer, uns den körperlichen Gefahren zu stellen. [...] So sind wir – was auch immer geschehen mag – entschlossen, nach China zu gehen.
Lesung Römisches Brevier: aus einer Predigt des hl. Abtes Bernard von Clairvaux:
Seinen Engeln hat er deinetwegen befohlen. Fürwahr, eine wunderbare Gnade und ein großer Beweis von Liebe! Wer hat denn befohlen? Wem? Weswegen? Was hat er befohlen? Brüder! Erwägen wir aufmerksam diesen hohen Auftrag und prägen wir ihn sorgfältig in unser Gedächtnis ein! Wer hat also befohlen? Wessen Engel sind es? Wessen Befehlen gehorchen sie? Wessen Willen befolgen sie? Es heißt: Seinen Engeln hat er deinetwegen befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Ja, sie zögern nicht, dich sogar auf ihren Händen zu tragen. Der Allerhöchste hat also den Engeln befohlen, und zwar seinen Engeln. Den erhabenen Geistern, die so selig sind und ihm so nahe stehen und wahrhaft seine Hausfreunde sind, diesen hat er deinetwegen befohlen. Wer bist du denn? Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst, oder der Menschensohn, daß du seiner achtest? Als ob der Mensch nicht ein verwesliches Wesen und der Menschensohn nicht ein Wurm wäre! Doch was hat er deinetwegen den Engeln befohlen? Daß sie dich behüten. (4. Lesung)
Welche Ehrfurcht muß dieses Wort dir einflößen, welche Liebe dir ins Herz legen, welches Vertrauen in dir wecken! Ehrfurcht wegen ihrer Gegenwart, Liebe wegen ihrer Güte, Vertrauen wegen ihres Schutzes. Wandle behutsam, denn die Engel sind bei dir auf allen deinen Wegen, so wie es ihnen befohlen ist. An jedem Ort, in jedem Winkel habe Ehrfurcht vor deinem Engel! Wage nicht, in seiner Gegenwart etwas zu tun, was du vor meinen Augen nicht tun würdest! Oder zweifelst du etwa an seiner Gegenwart, weil du ihn nicht sehen kannst? Was würdest du tun, wenn du ihn hören oder betasten könntest? Bedenke, daß man nicht bloß mit den Augen das Vorhandensein von Dingen wahrnehmen kann. (5. Lesung)
Brüder! Wir wollen darum in ihm seine Engel innig lieben! Sie sind dereinst unsere Miterben, vorerst aber unsere vom Vater bestellten und beigegebenen Führer und Beschützer. Was wollen wir unter solchen Wächtern fürchten? Sie können nicht überwunden und nicht getäuscht werden, noch weniger können sie uns täuschen; sie behüten uns auf allen unseren Wegen. Sie sind treu, klug und mächtig; was sollen wir ängstlich sein? Folgen wir ihnen nur, halten wir uns fest an sie und wir werden im Schutze des Himmelsgottes wohnen. So oft dich also eine ganz schwere Versuchung bedrängen will, rufe deinen Schützer an, deinen Führer, deinen Helfer in Glück und Unglück; rufe ihn an und sprich: Herr, rette uns, wir gehen zugrunde. (6. Lesung)
Gott, Du sendest uns huldvoll
in deiner unaussprechlich erhabenen Vorsehung
Deine heiligen Engel zu unserem Schutze herab;
gib uns auf unser Flehen, daß wir durch ihren Schutz
allzeit behütet werden und uns einst
ihrer Gemeinschaft ewig erfreuen dürfen.
Hl. Johannes Chrysostomus (um 345-407)
Priester in Antiochia und später Bischof von Konstantinopel, Kirchenlehrer
6. Predigt über das Gebet; PG 64, 462D-463B, 466 (in Lectures chrétiennes pour notre temps, fiche U14; trad. Orval ; © 1970 Abbaye d'Orval; ins Dt. übers. © evangelizo)
Das Gebet als höchstes Gut
Das höchste Gut ist das Gebet, das vertraute Gespräch mit Gott. Es ist die Beziehung mit Gott und die Vereinigung mit ihm. So wie die leiblichen Augen beim Anblick des Lichtes leuchten, so erstrahlt auch die auf Gott hin ausgerichtete Seele von seinem unbeschreiblichen Licht.
Das Gebet ist nicht das Ergebnis eines äußeren Verhaltens, sondern kommt aus dem Herzen. Es beschränkt sich nicht auf bestimmte Stunden oder Momente, sondern vollzieht sich beständig bei Tag und bei Nacht. Man darf sich nicht damit begnügen, sein Denken nur dann auf Gott zu richten, wenn man sich ausschließlich dem Gebet widmet, sondern auch dann, wenn es von anderen Beschäftigungen – wie der Sorge um die Armen oder irgendeiner anderen Sorge um ein gutes und nützliches Werk – in Anspruch genommen wird, soll man dies mit der Sehnsucht nach Gott und mit der Erinnerung an ihn verweben, um dem Herrn des Universums eine überaus köstliche, mit dem Salz der Gottesliebe gewürzte Speise darzureichen.
Das Gebet ist das Licht der Seele, die wahre Erkenntnis Gottes, ein Vermittler zwischen Gott und den Menschen. Durch das Gebet erhebt sich die Seele zum Himmel und umfängt den Herrn mit unaussprechlichen Umarmungen. Wie ein Säugling zu seiner Mutter, so schreit sie zu Gott und weint vor Durst nach der göttlichen Milch. Sie bringt ihre verborgensten Wünsche zum Ausdruck und empfängt Gaben, die die gesamte sichtbare Natur übersteigen. Das Gebet, durch das wir uns ehrfürchtig Gott zuwenden, erfreut das Herz und schenkt Ruhe der Seele.
7.10.2026
Auf dem youtube Kanal von K-TV habe ich mir die Doku über die Wundmale des heiligen Franziskus mit Pater Gottfried Egger angeschaut. Es war teilweise gut. Aber zwei Sachen haben mir nicht gefallen. Pater Gottfried Egger glaubt, dass die Ursache der Wundmale des hl. Franziskus psychosomatisch ist. Für ihn sind diese Wundmale natürlich erklärbar und kein Wunder. Das glaube ich aber nicht. Man schaue auf den heiligen Pater Pio, er hat jeden Tag ungefähr 5 Liter Blut verloren, hätte also wohl täglich verbluten müssen. So etwas kann man natürlich auch nicht psychosomatisch erklären. Das sind doch eindeutige Wunderzeichen Gottes. Das zweite, was mir nicht gefallen hat, war die Aussage einer Ordensschwester, die darüber sprach, dass der heilige Franziskus vom Satan versucht wurde, sich den Berg hinabzustürzen. Auch sie versuchte, das natürlich zu erklären. Sie sagte, dass es dem Franziskus psychisch so schlecht ging, dass er daran dachte, sich hinabzustürzen und sich umzubringen. Dies glaube ich auch nicht, denn ich habe in La Salette auch so etwas erlebt wie der heilige Franziskus. Ich bin einen Berg hochgegangen, als ich oben war, ging es auf der anderen Seite senkrecht bergab. Der Satan wollte, dass ich mich hinabstürze, obwohl ich überhaupt nicht an Selbstmord dachte und das auch noch nie in meinem Leben erwogen hatte. Aber das Drängen des Satans war so stark, dass ich mich auf den Boden legen musste bzw. auf alle Viere, um dann langsam rückwärts auf der ungefährlichen Seite wieder abwärts zu gehen.
Hrabanus Maurus (um 784-856)
Benediktinerabt und Bischof
Drei Bücher an Bonosus, Buch 3,4 ; PL 112, 1306 (ins Dt. übers. © evangelizo)
„Er wird ihm geben, was er braucht“
Du darfst es nicht an Vertrauen Gott gegenüber fehlen lassen noch an seiner Barmherzigkeit verzweifeln. [...] Sing dem Herrn mit den Worten des Propheten: „Wie die Augen der Knechte auf die Hand ihres Herrn, wie die Augen der Magd auf die Hand ihrer Herrin, so sind unsere Augen erhoben zum Herrn, unserem Gott, bis er uns gnädig ist. Sei uns gnädig, Herr, sei uns gnädig! Denn übersatt sind wir von Verachtung“ (Ps 122(123),2-3). [...] Wenn wir wegen der Vielzahl unserer Sünden übersatt sind von Verachtung, müssen unsere Augen auf den Herrn, unsern Gott, gerichtet bleiben, bis er uns gnädig ist, und wir müssen ihn unaufhörlich anflehen, bis er uns unsere Sünden verzeiht. Denn es ist das Kennzeichen einer standhaften und beharrlichen Seele, sich niemals aus Hoffnungslosigkeit, ihr Gebet würde nicht erhört werden, von der Beharrlichkeit des Betens abzuwenden, sondern unermüdlich weiterzubeten, bis Gott sich ihrer erbarmt.
Damit du nicht auf den Gedanken kommst, du könntest den Herrn mit der Beharrlichkeit deines Betens beleidigen, da du es doch gar nicht verdienst, erhört zu werden, erinnere dich an das Gleichnis im Evangelium. Hier wirst du die Entdeckung machen, dass diejenigen, die Gott mit aufdringlicher Hartnäckigkeit bitten, ihm keineswegs auf die Nerven gehen, da es doch heißt: „Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht.“ Begreife also, dass es der Teufel ist, der uns einflüstert, wir sollten die Hoffnung, erhört zu werden, aufgeben; damit soll uns diese Hoffnung auf die Güte Gottes genommen werden. Diese Hoffnung ist aber doch der Anker unseres Heiles, das Fundament unseres Lebens und der Wegweiser auf dem Weg zum Himmel. Der Apostel Paulus sagt: „Wir sind gerettet, doch in der Hoffnung“ (Röm 8,24).
Johannes Tauler (um 1300-1361)
Dominikaner in Straßburg
Predigt 74, zu Ehren der hl. Cordula (ins Dt. übers. © Evangelizo)
„Kommt zur Hochzeit“
„Sagt den Eingeladenen: Alles ist bereit.“ Sie aber wollten nicht kommen. „Der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden.“ [...] Diese wunderliche Geschäftigkeit und ständige Ruhelosigkeit, die die Welt umtreibt, trifft man leider erstaunlich oft in der ganzen Welt an. Was man da an Kleidern, an Speisen, an Zimmern und vielen anderen Dingen anhäuft, ist so üppig, dass einem schwindelig wird: Die Hälfte würde völlig ausreichen. Dieses Leben sollte doch nur ein Durchgang zur Ewigkeit sein. […] Wir sollten uns mit aller Kraft von dieser hektischen Betriebsamkeit und dem Überangebot abwenden, von allem, was nicht absolut notwendig ist, und uns sammeln, unserer Berufung folgen und bedenken, wohin, wie und zu welcher Lebensweise uns der Herr gerufen hat: den einen zum innerlichen Schauen, den anderen zum aktiven Leben und einen Dritten […] zur inneren Ruhe, in das tiefe Schweigen des göttlichen Dunkels, in die Einheit des Geistes.
Und auch diese Letzteren ruft Gott manchmal zu äußerem Tun, manchmal zum inneren, so wie es ihm beliebt; aber der Mensch gibt nicht acht auf den göttlichen Ruf. […] Wenn aber nun der Mensch, der innerlich zu edlem, stillen Schweigen berufen ist, sich deshalb ständig jeglicher Werke der Nächstenliebe enthalten wollte, so wäre das nicht recht; und leider gibt es heute nur sehr wenige, die besondere Werke der Nächstenliebe vollbringen wollen. […] Im Evangelium wird berichtet, dass der Herr einen seiner Gäste beim Festmahl ohne Hochzeitsgewand antraf. […] Das Gewand, das diesem Geladenen fehlte, ist wahre, lautere, göttliche Liebe, diese aufrichtige Absicht, Gott zu suchen, die jede Eigenliebe und alles, was nicht Gott gemäß ist, ausschließt und nichts anderes im Sinn hat als Gott. […] Zu denen, die sich selbst suchen, sagt unser Herr: „Freund, wie bist du hier hereingekommn ohne das Gewand der wahren Liebe?“ Sie trachteten mehr nach den Gaben Gottes als nach Gott selbst.