Die Lehre war für mich stets einer der wichtigsten und erfüllendsten Aspekte meiner beruflichen Laufbahn – eine Tätigkeit, die ich schlichtweg liebe. Nach 26 Jahren als Professor empfinde ich immer noch dieselbe Freude wie damals, als ich mich erstmals mit diesem Fachgebiet beschäftigte – und genau diese Faszination möchte ich an meine Studierenden weitergeben. Ich vergleiche das Erlernen der Physik mit dem Betrachten eines wunderschönen Gemäldes, dem Hören des Werks eines/r großen Komponisten/in oder dem Lesen bedeutender Lyrik. In all diesen Fällen mag man zwar die künstlerische Meisterschaft erkennen, doch um deren ganze Größe wirklich zu erfassen, muss man den Kontext kennen – etwa wie Farben eingesetzt wurden, wie Akkorde ineinandergreifen oder wie die Prosodie beschaffen ist. Das Gleiche gilt für die Naturwissenschaften. Das ist zwar mit viel Arbeit verbunden, aber es ist jede Sekunde wert, die wir darin investieren. Wie bei jedem intellektuellen Unterfangen gibt es auch in der Physik Momente, in denen sie eine(n) in Ekstase versetzt, die schwer zu erklären ist, wenn man sie nicht selbst empfunden hat. Ein geschultes Auge sieht viel mehr als ein Ungeschultes.
Zudem lege ich großen Wert auf das Schreiben von Vorlesungsskripten. Ich habe damit während der Pandemie begonnen und diese Praxis seitdem beibehalten. Darin lege ich meine Vision für den Physikunterricht dar und erläutere, was mir in den jeweiligen Fächern, die ich unterrichte, wichtig ist. Ich habe jedoch in den letzten Jahren einen Trend bei meiner Studierenden beobachtet und zwar, sich von Büchern ab- und Online-Inhalten zuzuwenden (LLM-basierten Chatbots hauptsächlich). Ich bin grundsätzlich nicht gegen diese Technologien, doch ich gebe meinen Studierenden zu verstehen, dass echte Bücher – seien es gedruckte Ausgaben oder E-Books – nach wie vor den Goldstandard darstellen und hoffentlich auch noch lange bleiben werden. Bücher wurden von Generationen von Wissenschaftlern kritisch geprüft und haben die härteste aller Bewährungsproben bestanden: Die der Zeit. Manche mögen veraltet sein – und es wäre fatal, wenn dies nicht der Fall wäre, denn das würde bedeuten, dass die Physik keine Fortschritte gemacht hat –, doch sie bilden dennoch ein solides Fundament auf das man sich verlassen kann. In meinem Fall trifft dies besonders auf die Allgemeine Relativitätstheorie zu. Wir neigen dazu, ältere Lehrbücher beiseitezulegen, da das Fachgebiet in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht hat. Was jedoch die Grundlagen betrifft, so können uns die Arbeiten von Einstein, Eddington, Weyl, von Laue, Fock und Møller u. a. nach wie vor viel vermitteln. Und was die Allgemeine Relativitätstheorie betrifft, ich vertrete die Ansicht von Landau und Lifschitz: Sie ist wohl die schönste aller existierenden physikalischen Theorien. Die Geometrisierung von Raum und Zeit ist für mich eine der schönsten und tiefgründigsten Ideen des 20. Jahrhunderts.