Als 1992 die Waffen schwiegen und die Friedensverträge unterzeichnet wurden, entstand die Wahrheitskommission als eines der Ergebnisse der Friedensver-handlungen, deren Aufgabe es war, die Verbrechen und Menschenrechts-verletzungen, die während des Krieges begangen worden waren, zu untersuchen und aufzuklären. Die Kommission richtete in den wichtigsten Städten des Landes Büros ein und lud die Bevölkerung ein, über Fälle von Menschenrechtsverletzungen zu berichten. Viele kamen, aber es war auch nicht einfach, die Überlebenden des Krieges und der in den ländlichen Gemeinden begangenen Verbrechen dazu zu bewegen, in die Stadt zu kommen und Zeugnis abzulegen. Vielen steckte die Angst noch tief in den Knochen. In diesem Zusammenhang regte der Jesuitenpater Jon Cortina an, die Wahrheitskommission in die Rücksiedlung Guarjila im nördlich gelegenen Departement Chalatenango einzuladen, damit die Zivilbevölkerung dort von den erlittenen Leiden und Schmerzen Zeugnis ablegen konnte. Die Wahrheitskommission richtete sich in Guarjila in der Kapelle ein, wo die Bilder des Heiligen Franziskus und von Erzbischof Romero Zeugen der Worte und Tränen der überlebenden Bauern und Bäuerinnen wurden. Unter all denen, die Zeugnis ablegten, waren auch vier Frauen und ein Mann aus Chalatenango, die der Wahrheitskommission von ihren Kindern erzählten, die ihnen während der Massaker an der Zivilbevölkerung von Soldaten der salvadorianischen Streitkräfte buchstäblich aus den Armen gerissen worden waren. Als die Familien, die anfingen Pro Búsqueda zu bilden, merkten, dass die staatlichen Stellen ihren Auftrag, nach den verschwundenen Kindern zu suchen, nicht erfüllten, beschlossen sie, mit ihren eigenen Mitteln weiter zu suchen. Der erste Erfolg stellte sich dank bäuerlicher Aufmerksamkeit ein. Als der junge Santos Jejía aus Arcatao, Chalatenango, als Gärtner in der Nähe des SOS-Kinderdorfes von Santa Tecla, einer Stadt im Westen von San Salvador, arbeitete, kamen ihm in einer Gruppe von SchülerInnen des Kinderdorfes einige Gesichter bekannt vor. Er nahm sich ein Herz, ging der Sache nach und fand heraus, dass es sich tatsächlich um Kinder aus Chalatenango handelte, die angeblich als Kriegswaisen in dem Kinderdorf lebten.
Wiedergefundene am 14. Jahrestag der Gründung von Pro Búsqueda am 31.08.2008
Francisca Romero, eine der Frauen, die die Gründung vonPro Búsqueda angestoßen haben, mit ihrer Tochter Elsy Dubón
Es waren Andrea, Angélica, Marta, Elsy und Juan Carlos, alles Überlebende der "Guinda de Mayo", unter welchem Namen die größte Militäroperation, die in Chalatenango stattfand, unter der bäuerlichen Bevölkerung der Zone bekannt war. So fand am 16. Januar 1994 in der Rücksiedlung von Guarjila die erste Wiederbegegnung statt. Die Nachricht davon machte die Runde in den Gemeinden der ehemaligen Kriegsgebiete. Andere Familien, deren Kinder ebenfalls entführt wurden und dann verschwanden, meldeten sich, sprachen mit der Gruppe von GründerInnen und begannen ebenfalls mit der Suche. Weil ihre Kinder unter ähnlichen Umständen verschwunden waren, kamen die Eltern zum Schluss "Wenn diese Kinder noch leben, dann leben unsere auch noch." Offiziell wurde Pro Búsqueda am 20. August 1994 gegründet und seither ist die Anzahl der registrierten Fälle Jahr für Jahr gestiegen. Ebenso ist auch die Zahl der aufgeklärten Fälle gestiegen. Ein deutliches Signal des Friedens und der Auferstehung: es ist möglich, die verschwundenen Kinder wieder zu finden.