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Spielen


 
Kleine Abhandlung über das Spielen 

Eine häufig im Zusammenhang mit dem Kindergarten gestellte Frage ist die nach dem offensichtlichen "Lernerfolg" der Kindergartenarbeit bei den Kindern. Oft geht es darum, ob die Kinder Gelerntes für die Erwachsenen vorführen können, wie sie denn auf die schulischen Ansprüche vorbereitet werden oder ob nicht der Kindergartenalltag durch weitere Qualifikationen wie zum Beispiel Englischunterricht angereichert werden sollte und ähnliches. Unsere Antwort auf solche Fragen lautet, dass die Kinder im Kinderparadies vor allem spielen - mit sich alleine, miteinander und mit den Erzieherinnen. Oftmals wird „frei" gespielt, aber genauso unter Anleitung und mit Unterstützung. Manchem erscheint das als zu wenig! Daher sollen im Folgenden einige kurze Überlegungen zum Spielen zusammengetragen werden, um so den Kern der eigentlichen Kinderparadiesarbeit - in Ergänzung zu der unten dargestellten pädagogischen Konzeption - darzustellen.

Spielen bedeutet Lernen mit Spaß und Freude

Spielen ist eine lustvolle Tätigkeit, die Spaß macht. Es hat einen festen Platz und überragende Bedeutung in der Entwicklung aller Individuen.

Beim Spielen werden Aufmerksamkeit, Konzentrations-, Wahrnehmungs- und Beobachtungsfähigkeit sowie spontanes, reaktionsschnelles Handeln, Planung, Überlegtheit, Ruhe und logisches Denken gefördert. Spielen ist nicht Arbeit oder rein instinktives Handeln, sondern ein meist an bestimmten Entwicklungsstufen gebundenes Bedürfnis. Bei Kindern äußert sich das Spiel zum Beispiel in dem Bestreben, die Natur nachzubilden oder umzugestalten, Erlebtes nachzuvollziehen, „überschüssige" Kraft abzureagieren oder Ernstsituationen vorwegzunehmen.

Das was wir "spielen" nennen, ist eine aus der Neugierde geborene, freiwillige, spontane und lustvolle Auseinandersetzung der Kinder mit ihrer Umwelt. Es ist die ihnen gemäße Form zu handeln und die Welt zu erkunden, ihre Art, sich mit dem Unbekannten in kreativer Weise vertraut zu machen und alle nur möglichen Sicht- und Handlungsweisen auszuprobieren. Daher sind sich Pädagogen einig, dass Spielen für die kindliche Entwicklung von herausragender Bedeutung ist. Jede Art von Spielen als Auseinandersetzung der Kinder mit ihrer Umwelt ist für ihre geistige, körperliche und psychische Entwicklung sehr wichtig. Im Kinderparadies wird dem „Freispiel" viel Raum gewidmet. Kinder brauchen eine Entwicklung aller Fähigkeiten - der körperlichen, sinnlichen, geistigen, seelischen und sozialen. Dies ist im freien Spiel sehr gut möglich.

Den größten Teil ihres Lebens verbringen Kinder spielend. Etwa 15.000 Stunden spielen Kinder in den ersten sechs Lebensjahren. Das Spielen als Auseinandersetzung der Kinder mit ihrer Umwelt ist für sie eine anstrengende, aufregende und sehr wichtige Sache. Oft wird ein befriedigter Seufzer ausgestoßen, wenn ein Werk vollendet ist.

Manchmal taucht die Frage auf, warum wir im Kinderparadies keine "Lernkurse" für Vorschulkinder, gezielte Schulvorbereitungen wie Buchstaben schreiben oder aber Englisch anbieten. Dem ist so, da in unserem situativen Ansatz vorrangig das freie, zwanglose Spielen im Zentrum steht. Kinder brauchen Raum und Zeit für ihre eigenen Spielideen, drinnen und draußen, allein und gemeinsam mit anderen Kindern. Unsere Aufgabe und die der Pädagogen im Kinderparadies ist es, diesen Raum bereit zu stellen und entsprechende Impulse zu setzen.

Im phantasievollen Spiel nach eigener Vorstellung wird Inneres sichtbar, man lernt sich selbst kennen. Kinder wollen selbst Erfahrungen machen und ihre Grenzen austesten. Im Spiel ist dies alles möglich. Der Spieltrieb ist also eine entscheidende Triebfeder der Erkenntnis.

Lernen durch Spielen

Die entwickelnde - bildende Bedeutung des Spielens hat heute in der Pädagogik einen herausragenden Stellenwert. Bereits Friedrich Fröbel, der Begründer des Kindergartens 1840, legte die Priorität auf das Spiel als selbstbelehrende und elementar-methodische Funktion. Bewegungsspiele, Gartenarbeit und die Beschäftigung mit „Spielgaben" (Ball, Kugel, Würfel, Holzstäbchen, Perlen u.a.) machen Fröbels Kindergartenkonzeption aus.

Es gibt eine Vielzahl von Spielen, zum Beispiel das Konstruktions-, Rollen-, Regel-, Gesellschafts-, Puppen-, Phantasie-, Experimentier-, Bewegungs- und Wahrnehmungsspiel sowie Spiele mit Spielzeug oder Spiele mit Alltagsdingen. Dabei umfasst Spielen alle Verhaltensweisen: vom Toben bis zum Meditieren, von einfachen und immer wieder neuen Wiederholungen einer Bewegung bis hin zu schöpferischer Kreativität. Im Spiel durch sehen, hören, tasten und selber machen lernen Kinder grundlegende kulturelle und gesellschaftliche Elemente, wie zum Beispiel die Muttersprache. Kinder sammeln beim Spielen wichtige Erfahrungen mit ihrer Umwelt sowie mit sich selbst, die sie später auf andere Lebensbereiche übertragen. Im Spiel können Kinder Dinge selber erfahren, wie zum Beispiel physikalische Gesetzmäßigkeiten ausprobieren. Erfahrungen werden gesammelt und Ängste abgebaut. Soziale Beziehungen, partnerschaftliches und soziales Verhalten, Rollenübernahme, Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit  werden gefördert. Grundlagen der Denk- bzw. Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit, Regeleinhaltung, Selbstbeherrschung und Disziplin werden durch die Spieltätigkeit geschaffen. Das Kind lernt im Spiel, Gegenstände und Handlungen zu verallgemeinern. Das Spiel beeinflusst die gesamte persönliche und intellektuelle Entwicklung.

Spielen ist kein Zeitvergeuden. Lern- und Spielforscher sind sich heute darüber einig, dass das Spiel selbst eine wichtige Form des sozialen und auch kognitiven Lernens darstellt. Unter den Bedingungen des Spiels konzentrieren sich Kinder besser und prägen sich mehr ein. Deshalb kann das Spiel effektiv zum Lernen eingesetzt werden. Wie erfolgreich "unsystematisches" Lernen sein kann, beweist das Erlernen der Muttersprache.

Spielen macht Spaß und findet in einer zwanglosen, positiven Atmosphäre statt. Dies alles sind Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Lernen. Denn es gilt als wissenschaftlich erwiesen, das

1. besonders effektiv im Gedächtnis haften bleibt, was in der Erinnerung mit positiven Gefühlen verknüpft ist und

2. Freude und Spaß sowie eine angenehme Atmosphäre ohne Druck die Lust am Lernen steigern. Lerninhalte, die mit Gefühl aufbereitet und vermittelt werden, können besser im Gehirn abgespeichert und abgerufen werden.

Umgekehrt ausgedrückt blockieren Angst, Druck und Zwang den direkten Weg zur Lernlust und zum Lernerfolg.

Kinder sind oft ganz vertieft in ihr Spiel und machen für den Außenstehenden einen abwesenden Eindruck.

Die Pädagogin Maria Montessori beschreibt diesen Zustand ausführlich. Ihre Folgerungen daraus sind, dass Kinder Freiräume benötigen, um selbst aktiv zu werden. Die Erwachsenen dürfen nicht stören. Außerdem fordert sie eine liebevolle positive Erziehung ohne Unterdrückung durch den Erwachsenen nach dem Motto "Hilf mir, es selbst zu tun".

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